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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

31. Juli 2012

Kartoffel- oder Erdäpfelkäfer

Leptinotarsa decemlineata

Der Kartoffelkäfer stammt  ursprünglich aus Mexiko, wo er sich allerdings ausschließlich von der Büffelklette, einer Verwandten der Kartoffel, ernährte. Die Samen der Büffelklette besitzen feine Haken, mit denen sie am Fell von Tieren haften bleiben und verbreitet werden. Mit Viehtrieben kam die Klette nach Nordamerika und die Käfer folgten ihrer Nahrungspflanze. Siedler aus Europa brachten die Kartoffel nach Nordamerika, wo sie um 1850 in Colorado das Verbreitungsgebiet der Klette und damit auch des Käfers (daher im Englischen „colorado beetle“) erreichte. Rasch konnte sich der Käfer auf die neue, in großer Menge vorhandene Nahrung umstellen.

In Europa wird der Käfer erstmals 1877 in den Hafenanlagen von Rotterdam und Liverpool festgestellt. Ab 1922 dringt er in breiter Front von Westen her in den Kontinent vor, 1936 überwindet er den Rhein, gelangt 1945 an die Elbe, 1950 an die Oder, 1960 hat er Polen durchquert und die damalige UdSSR erreicht. Heute ist der Kartoffelkäfer wie seine Futterpflanze weltweit verbreitet.
Die Käfer legen im Juni an den Blattunterseiten der Kartoffelpflanze jeweils Pakete von 20–80 gelben Eiern ab. Insgesamt sind es pro Weibchen etwa 1200 Eier. Aus den Eiern schlüpfen nach 3 bis 12 Tagen die Larven. Sie sind rötlich und haben an den Seiten und am Kopf schwarze Punkte. Die Larven wachsen sehr schnell heran und häuten sich dreimal. Nach 2 bis 4 Wochen kriechen sie in die Erde, um sich dort zu verpuppen. Nach zwei weiteren Wochen schlüpfen die Kartoffelkäfer, die jedoch noch mindestens eine Woche im Boden bleiben. Pro Jahr treten ein bis zwei Käfergenerationen auf. Die Kartoffelkäfer überwintern im Boden.


Der Kartoffelkäfer in der Propaganda 
Die häufig geäußerte Vermutung, der jeweilige Feind – im ersten Weltkrieg die Franzosen, im zweiten die Amerikaner – hätte Kartoffelkäfer über Deutschland und Österreich abgeworfen, entbehrt jeder Grundlage. Tatsächlich ließ Adolf Hitler 1942 die Möglichkeit eines „Käfer-Angriffes“ auf England prüfen, verbot aber schließlich dessen Durchführung. Die Heranzüchtung  von 40 Millionen dazu notwendigen Käfern hätte die eigene Ernte in Gefahr bringen können.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs vermehrten sich Kartoffelkäfer in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands sprunghaft. Bis 1950 war fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche befallen. Die DDR-Führung war nicht in der Lage, der Katastrophe Herr zu werden, nutzte die Plage aber zu propagandistischen Zwecken im Kalten Krieg. Es wurde behauptet, dass eigens in den USA gezüchtete Käfer durch amerikanische Flugzeuge gezielt als biologische Waffe zur Sabotage der sozialistischen Landwirtschaft abgeworfen wurden. Ab 1950 wurde auf Plakaten und in zahlreichen Medienberichten eine Kampagne gegen die „Amikäfer“ gestartet, die „Saboteure in amerikanischen Diensten“ genannt wurden.

Text: Dr. Erich Steiner

Der Kartoffel- bzw. Erdäpfelkäfer ist das Objekt des Monats August im Landesmuseum: http://www.landesmuseum.net/de/vermittlung/individualbesucher/objekt-des-monats/copy_of_hornisse-juli
Mehr Infos: http://www.umweltberatung.at/start.asp?ID=38583&b=6884 oder was Sie gegen den Erdäpfelkäfer machen können finden Sie hier: http://www.natur-im-garten.at/start.asp?ID=7822

20. Juli 2012

Wildkatze


Neuer Beitrag im Netz März 2015: http://www.wildkatze-in-oesterreich.at/de/pages/wildkatzen.aspx 

Als scheuer Bewohner unseres Bundeslandes ist die Wildkatze im Landesmuseum im Naturbereich als Präparat zu sehen. Wer die lebenden Tiere sehen möchte, fährt am besten in den Nationalpark Thayatal in Hardegg knapp 100 km nördlich von St. Pölten.
Schon im Oktober 2011 war die Wildkatze, als "Nebendarstellerin" des Luchs-Beitrages Thema des Blogs. Aus aktuellem Anlass widmen wir uns jetzt nochmals dem Thema.

Wildkatzensommer im Nationalpark Thayatal

Wildkatzen Diego und Carla © Nationalpark Thayatal
Wie bereits im letzten Jahr steht auch heuer im Sommer das Besucherangebot im Nationalpark Thayatal ganz im Zeichen der Wildkatze. Im Veranstaltungssaal präsentiert eine Sonderausstellung die Erfolge der Wildkatzenforschung im Thayatal und informiert über die erstaunliche Biologie der scheuen Waldbewohnerin, die in Österreich bisher als ausgestorben oder verschollen galt.
Die Präsentation wurde auf die Räumlichkeiten der Naturforscherwerkstätte ausgedehnt und durch weitere Spiel- und Wissensstationen für Kinder erweitert. Gleich beim Eingang werden die Kinder von einem 2,5 Meter hohen Elch begrüßt. Gemeinsam mit Wildkatze, Luchs und anderen Waldbewohnern macht er darauf aufmerksam, dass auch Wildtiere für ihre Wanderungen Wegverbindungen brauchen. Bei der nächsten Autobahn oder im intensiv genutzten Agrarland gibt es für diese Arten leider kein Weiterkommen!
Die Wildkatzen-Mitarbeiter haben großen Wert auf die anschauliche Gestaltung der Ausstellung gelegt. Zahlreiche Objekte informieren über Biologie, Erforschung mittels Baldrianstöcken, genetische Nachweise, Sichtungen, frühere Bejagung und Ausrottung und aktuelle Schutzmaßnahmen. Wer ausführliche Informationen schätzt, findet bei den Infotafeln nahezu alle Fragen beantwortet.

Wildkatzen-Sommer-Ausstellung © Nationalpark Thayatal
Am stärksten begeistern jedoch die „echten“ Wildkatzen die Besucher. Direkt von den Fenstern der Ausstellung und des Foyers blickt man ins Wildkatzengehege und kann die darin befindlichen Zootiere beobachten. Frieda und Carlo sind bereits seit Mai 2011 im Thayatal. Obwohl sie immer einen gewissen Respektabstand wahren, sind sich die Beiden doch im Jänner dieses Jahres näher gekommen. Nun tummeln sich bereits vier Katzen im Gehege. Die beiden Jungkatzen Diego und Carla sind unternehmungslustig , sehr verspielt und immer hungrig.


Wildkatzen-AUSSTELLUNG 

im Nationalpark Thayatal

Im Juli und August 2012 bis 2. September 2012: Täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr 
Die Fütterung der Wildkatzen findet täglich um 15.30 Uhr statt (Dauer: 25 min). 


Die „Taufe“ der jungen Wildkatzen

Die Freude im Nationalparkhaus war groß, als Wildkatze Frieda vor drei Monaten das erste Mal mit ihren beiden Jungkatzen im Gehege erschien. Sofort nachdem die frohe Botschaft über den Wildkatzennachwuchs der Öffentlichkeit kundgetan wurde, langten erste Vorschläge zur Benennung der beiden Jungtiere ein.
Die Wildkatzenverantwortlichen Christian Übl und Birgit Gruber entschlossen sich, einen Wettbewerb zur Namensnennung zu starten. Die große Resonanz hat die Nationalparkmitarbeiter allerdings überrascht. Mittels E-Mail, über die Wildkatzenseite im Facebook und durch Nennungen im Gästebuch wurden über 250 Namensvorschläge gemacht. Die Vorschläge reichten von gefälligen Namen wie Filou, Leo und Susi bis zu eher ungewöhnlichen Varianten wie Gismoo, Tiki, Kori, Fionn und Freya. Eine Jury erstellte eine Vorauswahl und wählte schließlich im Rahmen eines Bewertungsverfahrens die neuen Namen aus.

        Wildkatze © Nationalpark Thayatal                     
Im Rahmen der Eröffnung des neuen Themenweges lüftete Nationalparkdirektor Robert Brunner das Geheimnis um die Benennung und verkündete die Namen der beiden „Täuflinge“. Die beiden Wildkatzen heißen ab nun Carla und Diego.
Der Name Diego stammt vom oberösterreichischen Naturfotografen Josef Limberger und ist eine Anspielung auf Diego Rivera, den Mann von Frida Kahlo. Der Name Carla nimmt Bezug auf Carlo, den Vater der Jungkatzen.

Die beiden Jungkatzen haben in den letzten Wochen ordentlich an Größe zugelegt. Bei der täglichen Fütterung warten sie nicht mehr die Zuteilungen ihrer Mutter ab, sondern schnappen sich bereits selbst die Nahrungsstücke. Bis im Herbst werden sie zu großen und kräftigen Tieren heranwachsen. Wie bei den Wildkatzen in freier Natur heißt es dann aber Abschied nehmen. Carla und Diego werden an andere Zooeinrichtung weiter gegeben. Bis dahin kann man sie täglich im Nationalparkhaus besichtigen, die Fütterungen finden jeweils um 15.30 Uhr statt.

Willkommen am Wildkatzenwanderweg!


Wildkatze © Nationalpark Thayatal
Die Wildkatze ist ein scheues Tier und führt ein Leben im Verborgenen. Obwohl die Waldbewohnerin sich nur sehr selten blicken lässt, steht sie aber trotzdem häufig im Rampenlicht der Öffentlichkeit.

So auch am 1. Juli, als im Nationalpark Thayatal ein neuer Wildkatzenwanderweg eröffnet wurde. Nach der Taufe der jungen Gehege-Wildkatzen Diego und Clara und dem offiziellen Start der Wildkatzen-Sommerausstellung schritten Nationalparkdirektor Robert Brunner und NR Abg. Bgm. Heribert Donnerbauer zur Eröffnung des neuen Themenweges.

Bei der Gestaltung haben sich die Projektmitarbeiter Christian Übl und Birgit Gruber vom verborgenen Leben der scheuen Waldbewohnerin inspirieren lassen. Entlang des Weges verbergen sich elf Wildkatzen-Silhouetten in ihrer natürlichen Umgebung. Diese gilt es aufzuspüren! Das Auffinden ist nicht immer einfach. So wie die echten Wildkatzen sind einige im dichten Gebüsch, in Felsnischen oder auch auf Bäumen versteckt.

Die Wildkatzensilhouetten und Infostelen sind aus rostigem Eisen gefertigt. So wie die Natur im Nationalpark unterliegt auch dieser Werkstoff der Veränderung durch die Einwirkung von Wasser und Temperatur. Natürliche Prozesse gestalten das Aussehen der Oberfläche und zeugen von der „Lebendigkeit“ des Materials. So fügen sich die Infoelemente harmonisch in die natürliche Umgebung des Nationalparks ein.

Kleine Hinweistafeln erleichtern das Suchen und bieten interessante Hintergrund­informationen zur Biologie und zur aktuellen Situation in Österreich. Die Einsiedlerwiese am Ende des 2,3 km langen Wanderweges lädt zum Ausrasten am Thayaufer ein. Bewegungshungrige Kinder können hier einen Schleichparcours ausprobieren und testen, ob sie beim Klettern genauso geschickt wie eine Wildkatze sind.

Der Wildkatzenwanderweg spricht Erwachsene und Kinder gleichermaßen an. Die Erstbegehung hat allerdings gezeigt, dass Kinder beim Suchen und Finden oft die Nase vorne haben!

Der Wildkatzenwanderweg wurde im Rahmen des Projektes Biotopvernetzung – Netze des Lebens“ gemeinsam mit Projektpartnern des Bund für Umwelt und Naturschutz

Deutschland (BUND) geplant und mit Unterstützung des Finanzierungsinstruments LIFE der Europäischen Union finanziert.

Text: Nationalpark Thayatal

19. Juli 2012

Hornisse

Hornissen sind mit einer Körpergröße von bis zu 25 mm (Arbeiterinnen) bzw. 35 mm (Königinnen) und ihrer schwarz-gelben und ausgedehnt rotbraunen Zeichnung die beeindruckendsten – wohl auch schönsten – heimischen Wespen.



Objekt des Monats Juli 2012
Foto: Lackinger
Nicht weniger beeindruckend sind ihre Nester mit ihrer muschelartig in verschiedenen Brauntönen gemusterten Hülle. Solche Nester werden gerne in hohlen Bäumen, aber auch anderen Hohlräumen angelegt. So wurde unser Objekt des Monats aus einer Hundehütte herausgeschnitten und von Familie Richter aus Dreistetten (Hohe Wand) dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

Beute sind vor allem Fliegen, aber auch andere Insekten. Sie jagen auch nachts und ein Hornissenvolk vertilgt pro Tag so viele Insekten wie 6 Meisenfamilien. Das „Knacken“ beim Abbeissen der Beine ist deutlich wahrnehmbar. Gegen Ende des Sommers findet man sie auch an Fallobst, aber an die „Kaffeetafel“ verirren sich Hornissen kaum, treten also hier nicht lästig in Erscheinung. Ein Hornissennest in der Nähe schützt sogar vor weitaus lästigeren Wespen.

Außerhalb des Nestbereichs sind Hornissen ausgesprochen furchtsam und selbst in unmittelbarer Nähe kann man mit bedächtigem Verhalten relativ gefahrlos beobachten. Hornissen können Personen individuell an Geruch und Stimme unterscheiden. Im Übrigen ist ein Bienenstich 4x giftiger als der einer Hornisse.

Gegen Anfang November hat der „Spuk“ ein Ende. Der einjährige Staat stirbt vollständig ab, lediglich die jungen Königinnen fliegen aus um einen Unterschlupf für den Winter zu finden, um im Frühjahr einen neuen Staat zu gründen. Wer ein altes Nest belässt, wird dort im Folgejahr kein neues Volk vorfinden.

Text: Mag. Christian Dietrich (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)
 
Objekt des Monats Juli 2012,
Infos per QR-Code



Das Landesmuseum zeigt im Foyer seit 2011 das „Objekt des Monats“.
Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Dinge wie Neuigkeiten, Aktuelles, Kurioses, alle haben aber jeweils einen direkten Bezug zu Inhalten des Landesmuseum oder ergänzen diese.
Per QR-Code können die Inhalte direkt auf das Smartphone geladen werden.




Mehr Infos zu Hornissen gibt es hier: http://www.hornissenschutz-bs.de/ Hornissenschutz Braunschweig

Bild- bzw. Filmmaterial: http://beekarma.wordpress.com/

Häufige Fragen zu Hornissen: http://beekarma.wordpress.com/haufige-fragen-zu-hornissen/

Häufige Fragen zu Wespen: http://beekarma.wordpress.com/haufige-fragen-zu-wespen/

Österreichisches Hornissenprojekt: http://www.oenj.at/naturschutz/projekte/hornissenprojekt/

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Artikel der Kronenzeitung vom 6. September 2012: Reportage von Mark Perry



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Der Biene - einer nahen Verwandten der Hornisse - ist ein Film gewidmet, der im Herbst 2012 in die österreichischen Kinos kommt: "More than Honey"