Profil

Mein Bild
Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

9. März 2013

Ochsengespann vor Heiligenkreuz

Fotografie von Augustin Meisinger, um 1950

Das Landesmuseum zeigt im Foyer seit 2011 das „Objekt des Monats“.
Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Dinge wie Neuigkeiten, Aktuelles, Kurioses, alle haben aber jeweils einen direkten Bezug zu Inhalten des Landesmuseum oder ergänzen diese.

Das „Objekt des Monats März 2013“ stellt einerseits einen Bezug zur Ausstellung „Hl. Leopold – Mensch, Politiker, Landespatron“ im Sonderausstellungsraum Landesgeschichte her; Heiligenkreuz ist eine Gründung Leopolds.

Andererseits weist es auf ein gerade erst erschienenes Buch hin, das im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen ist (Hg. Erich Steiner, 224 Seiten, zahlreiche s/w-Abbildungen, € 28,-). Blick ins Land. SW-Fotografien von Lothar Machura und Augustin Meisinger aus der Naturkundesammlung des Landesmuseums Niederösterreich.

Zum Buch

Niederösterreich um die Mitte des 20. Jahrhunderts: Beseelt vom Naturschutzgedanken bereisen Lothar Machura und Augustin Meisinger, beide Mitarbeiter des niederösterreichischen Landesmuseums, Niederösterreich und angrenzende Gebiete, so etwa im heutigen Tschechien und der Slowakei, die zwischen 1938 und 1945 zum Reichsgau Niederdonau gehörten und den Seewinkel, der auch nach dem Krieg beliebtes Reiseziel blieb. Auf regelrechten Fotosafaris wird „Natur im weitesten Sinn“, Landschaften, Naturdenkmale und Naturschutzgebiete, Flora und Fauna aber auch Gefahren für die Umwelt dokumentiert und kommentiert. Ortschaften, Städte, das idyllische Waldviertel, Urwälder, verträumte Donauauen und mächtige Baumriesen werden ebenso zum Thema wie die Kanalisierung von Flüssen, der Raubbau der Besatzungsmacht, landschaftszerstörende Baumaßnahmen, verfallende Schlösser, die Zersiedelung des Wienerwaldes, Mülldeponien, das beginnende Reklameunwesen, Architektur und scheinbar Belangloses. In Fotoessays wird die Arbeitswelt dieser Zeit, so etwa jene der Holzknechte, Teichwirte, Steinmetze und Bauern ebenso festgehalten wie die letzte Holztrift bei Karlstift, die heute in den Kamptalstauseen verschwunden Landschaft  und die Tätigkeit damals aussterbender Berufsgruppen, so zum Beispiel der Köhler, Fährmänner, Ameisler, Torfstecher und Pecher.
Manche Fotografien oder Serien entstanden in Vorbereitung für und zur Dokumentation von konkreten Projekten des Landesmuseums. Das gilt beispielsweise für die rund 50 Aufnahmen umfassende Serie Machuras zum Thema „Jagdhunderassen“ aus der Mitte der 1950er Jahre, die wohl  den damals laufenden Planungen für das Jagdmuseum Marchegg entsprang und die zahlreichen Fotografien, die sich auf Naturschutz-, Landschaftschutzgebiete  und Naturparks beziehen. Andere, so etwa Meisingers Dokumentation der Naturdenkmale, waren das Produkt der „täglichen Naturschutzarbeit“, die damals ja auch amtlich dem Landesmuseum zugeordnet war. Während manche Themen im Laufe der Jahre immer wieder auftauchen, wurde sehr häufig auch anlassbezogen fotografiert.

Dieser Schatz wurde bisher weder wissenschaftlich bearbeitet noch in einer größeren  Zusammenschau veröffentlicht. Einzelne Fotos fanden im Laufe der Jahrzehnte in verschiedenen Schriften und Ausstellungen des Landesmuseums Verwendung oder dienten zur Illustration von Publikationen und Fachartikeln, so beispielsweise in der vom Österreichischen Naturschutzbund, in dem Machura und Meisinger lange Zeit in verschiedenen Funktionen tätig waren, herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Land“.
SW-Fotografien von Machura und Meisinger wurden über eine Zeitspanne von mehr als zwei Jahrzehnten zwar regelmäßig publiziert, ihre fotografische Arbeit fand jedoch keinerlei Niederschlag in der Geschichte der österreichischen Fotografie. Völlig zu Unrecht, denn obwohl der Anspruch niemals ein künstlerischer sondern stets ein dokumentarischer war, entstanden dabei – zumindest nach Meinung des Herausgebers - auch Aufnahmen von hoher fotografischer Qualität und letztendlich einzigartige Einblicke in eine Zeit des Um- und Aufbruchs, in eine Vergangenheit, die eigentlich noch gar nicht so lange zurückliegt, die aber dennoch schon weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheint.

Zur Sammlung

In der Naturkundesammlung des Landesmuseums Niederösterreich befinden sich rund 10.000 SW- Fotos, die aus dem Zeitraum von etwa 1930 bis in die frühen 1960er Jahre stammen. Dabei handelt es sich um Glasplattennegative und -positive in unterschiedlichsten Formaten aus der Zwischenkriegszeit, also um jene Fotosammlung, die auf eine Initiative des damaligen Direktors der Landessammlungen Günther Schlesinger zurückgeht. Beginnend mit dem Jahr 1936 wurde mit der Anlage einer „naturkundlichen Bildsammlung“ begonnen, die den „erstmaligen Versuch darstellt, die heimischen Tier- und Pflanzenarten sowie die typisch niederösterreichischen Landschaften bildinventarmäßig zu erfassen“. Damals erging ein Aufruf an Zeitschriften und Tageszeitungen mit der Bitte Lichtbilder zur Reproduktion zur Verfügung zu stellen. Die Aktion war durchaus erfolgreich. Im Laufe der Jahre kamen mehrere tausend Aufnahmen verschiedenster Fotografen ins Landesmuseum, wovon ein Teil leider in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren ging.
Das vorliegende Buch konzentriert sich jedoch auf die „Sammlung Lothar Machura“, die aus 3.095 Positiven samt dazu gehörenden Negativen im Mittelformat besteht und auf eine nach Sachgebieten (Naturdenkmale, Landschaften, Naturschutzgebiete, Flora, Fauna,…) geordnete Kartei, die Bezug nimmt auf Mappen mit etwa 3.000 Negativen (Mittelformat und Kleinbildnegative), die von Machura und Augustin Meisinger aufgenommen wurden,  allerdings nicht immer einem der beiden Fotografen zuzuordnen sind. Offensichtlich wurden die im Museum vorhandenen Kameras von beiden abwechselnd benutzt. Gelegentlich wird die Fotoautorenschaft in Publikationen schlicht mit „Ma.-Mei.“ angegeben.

Dr. Erich Steiner, Direktor Landesmuseum Niederösterreich

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen