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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Der Museumsblog thematisiert naturkundliche Themen im Zusammenhang mit Niederösterreich.

25. April 2013

Schmetterlinge

bunt, auffällig, vielfältig

Ein großer Schillerfalter tupft
Schweiß von einer Hand
Foto: Th. Holzer, J. Pennerstorfer

Man verbindet mit ihnen Sonne, Sommer, Blumenwiese. Doch es steckt wesentlich mehr hinter diesen Insekten. Manche, wie der Frostspanner, tauchen erst in den frostigen Nächten des Spätherbstes auf. Andere, wie der Schillerfalter, fliegen weniger die Blumen, sondern viel mehr Schweiß, Kot und Aas an.
So hat jede der rund 4000 in Österreich vorkommenden Arten seine spannenden Details, seine Geschichte.




Namen voll Aberglauben und Bedeutung

Schon im Namen steckt eine Geschichte. So dachte man früher, daß Hexen in Schmetterlingsgestalt den Rahm, eben den Schmett, stehlen würden. Geblieben ist der Name. Und auch das englische „butterfly“ (=Butterfliege) hat seinen Ursprung in diesem Aberglauben.
Wesentlich aussagekräfiger ist der wissenschaftliche Name „Lepidoptera“, der übersetzt Schuppenflügler heißt. Und beschuppte Flügel haben sie tatsächlich: wie bunte Ziegeldächer schauen Schmetterlingsflügel unter einer Lupe aus.



Wunder der Verwandlung

Apollofalter, Foto: Th. Holzer, J. Pennerstorfer
Das Wunder der Verwandlung steckt in jedem Lebewesen. Bei Schmetterlingen aber lässt es sich besonders eindrucksvoll beobachten. Wie aus einem Ei eine Raupe schlüpft, wie sie wächst und sich mehrfach häutet, um schließlich in einer Puppe den Körper völlig umzubauen. Wie passt in diese enge Puppenhülle so viel erwachsener Schmetterling hinein?
Voller Wunder ist auch die Anpassungsfähigkeit dieser Insektengruppe an extreme Standorte. Niederösterreich in seiner landschaftlichen Vielfältigkeit kann (noch) diese Plätze bieten. Die trockene, unwirtliche Steppenlandschaft, die der Englische Bär zum Leben braucht wie auch die Bergspitzen für den Apollo.
Ein interessantes Projekt zur Wiederansiedelung des Apollofalters in der Wachau:  http://www.lanius.at/cms2/?id=151


Englischer Bär, Foto: Th. Holzer, J. Pennerstorfer

Keine Insel der Seligen

Doch auch Niederösterreich ist keine Insel der Seligen. Auch bei uns sind die Schmetterlinge weniger geworden. Seltene Arten sind auf winzige Restvorkommen zusammengeschmolzen oder völlig verschwunden. Der Grund dafür ist in unserer kompromisslosen Landnutzung zu suchen. Agrarsteppen ohne Wiesenstreifen, Gewässer ohne Gehölzrand, englischer Rasen vor den Häusern. Sie nehmen heimischen Tieren jede Lebensmöglichkeit. Schmetterlinge sind dabei auffällig genug, dass ihr Rückgang zumindest beachtet wird.












Eine grüne Wüste…                                                                 …, die so aussehen könnte




Natur zulassen!

Dabei ist es eigentlich nicht schwer wieder beschuppte Gäste in den eigenen Garten zu locken. Man muss ihnen einfach eine Vielfalt heimischer Pflanzen bieten. Und sich vom Gedanken verabschieden, daß es „Unkräuter“ gibt. An der Brennessel fressen die Raupen von über 50 Schmetterlingsarten, an der Schlehe rund 40!
Wenn keiner hingeht, wird es auch das „Shopping-Center“ auf der (ehemaligen) grünen Wiese nicht mehr geben. Und muss es unbedingt Golf sein, wenn Tischtennis auch Spaß macht? Jeder von uns hat es in der Hand. Es gibt viele Wege des Umdenkens. Einer kann ein Besuch in der neuen Schmetterlingsausstellung im Landesmuseum Niederösterreich sein…


Text: Mag. Norbert Ruckenbauer

Zur Ausstellung Schmetterlinge (21. April 2013 - 16. März 2014) ist ein Broschüre (EUR 3,50, davon spenden wir EUR 2,- an DEBRA Austria - Schmetterlingskinder) und eine Kinderbroschüre erschienen.
Broschüre Schmetterlinge

Kinderbroschüre Schmetterlinge




















Interessante Links:
Ausstellung im Londoner Naturhistorischen Museum (bis 15. September 2013): http://www.nhm.ac.uk/visit-us/whats-on/temporary-exhibitions/sensational-butterflies/index.html und http://www.zeit.de/video/2013-03/2258616782001/ausstellung-schmetterlinge-hautnah-in-londoner-museum

18. April 2013

Der Frühling ruft

Kräuteranbau selbst gemacht

© Natur im Garten, Foto: Alexander Haiden
Jetzt ist die richtige Zeit, um Kräuter anzubauen! Viele von ihnen können direkt im Freien ausgesät werden. Dazu gehört etwa der würzige Schnittlauch.

Er gedeiht sowohl in voller Sonne als auch im Halbschatten und verlangt nach einem nährstoffreichen, humosen Boden mit regelmäßigen Wassergaben. Säen Sie relativ dicht aus und nach etwa 3 Wochen erscheinen die ersten Keimlinge. Möchten Sie die Pflanzen in einem Kübel oder Balkonkasten kultivieren, sollten Sie zunächst mit Tonscherben, Tongranulat oder Kieseln eine Drainageschicht anlegen, darauf kommt dann die humose Erde. Verpflanzen Sie den Schnittlauch büschelweise in Töpfe oder ins Freiland im Abstand von 20x20 cm.

Das Gewürzkraut kann die ganze Saison über geerntet werden – regelmäßiges Schneiden regt die Bildung neuer Blätter an. Gedüngt wird mit Kompost oder Hornspänen und dann steht einer reichen Ernte nichts mehr im Wege!




Weitere Informationen: 

NÖ Gartentelefon +43 2742/ 74 333
www.naturimgarten.at


TIPP: Ausstellung „Schmetterlinge“ im Landesmuseum Niederösterreich
Ab 21. April gibt es bei der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich auch viel „Natur im Garten“ zu sehen.
Himmelblauer Bläuling, Foto: Josef Pennersdorfer


17. April 2013

Wildnisgebiet Dürrenstein

Urwald in Niederösterreich. Erbe und Auftrag

Dürrenstein, Foto: Theo Kust
Wie das kleine gallische Dorf, das sich dem riesigen Römischen Reich erfolgreich widersetzt, steht er da. Umzingelt von menschlichen Bedürfnissen und Gier, umringt von Streben nach Ordnung und Kontrollierbarkeit. Der Rothwald, der größte und schönste Urwaldrest Mitteleuropas! Ein letzter Rest von ursprünglichem, urwüchsigem Wald. Er ist vor 10.000 Jahren, nach der letzten Eiszeit, entstanden und wurde nie vom Menschen gerodet oder spürbar verändert.


Österreich ist ein Waldland, knapp die Hälfte seiner Fläche ist mit Wald bedeckt. Allerdings nicht allzu viel davon ist in naturnahem Zustand und menschlichem Eingriff entzogen. Das macht diesen nur rund 460 ha großen Fichten-Tannen-Buchen-Urwald am Abhang des Dürrensteins so wertvoll. Hier kann man ein Ökosystem in seiner Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit antreffen.
 

Uralte Bäume

Hier können Bäume ihren vollen Lebenszyklus vollenden. Tannen und Fichten, die 600 Jahre Zeit hatten Höhen von 50 m und Umfänge von bis zu 4,8 m zu erreichen, kann man ebenso antreffen wie 400 Jahre alte Rotbuchen.
Augenfällig sind die vielfältige Wuchsformen: krumme und verdrehte Bäume, mit Beulen und Verwachsungen oder auf Stelzwurzeln. Hier entscheidet nicht menschlicher Anspruch, sondern individuelle Konkurrenzkraft, Zufall oder die Gunst des Kleinstandortes.
 

Lebendiges Totholz

Dürrenstein, Foto: Theo Kust
Stirbt ein solcher Baumriese ab, kann er hier bis zu 100 Jahre stehen bleiben bevor ihn Wind, Wetter und Erdanziehungskraft endgültig niederstrecken.
Hier im Urwald ist rund 1 /3 der Holzbiomasse Totholz: weder Störfaktor noch unnötiger Platzbesetzer, sondern wichtiger Lebensraum und Lebensgrundlage für andere Organismen!
Schon auf den ersten Blick fällt im Rothwald die Vielfalt an holzabbauende Pilzen an liegenden und stehenden Stämmen auf. Den Reichtum von Insekten und anderen Kleintieren im Todholz, darunter seltenste Arten, kann man nur erahnen. Ihre Anwesenheit fördert wiederum Arten, die von ihnen leben. Ein dichtes Gewebe aus Nehmen und Geben, fressen und gefressen werden entsteht.


Kadaververjüngung

Dürrenstein, Foto: Theo Kust
Aber auch an seine direkten Nachkommen gibt ein gefallener Baum Lebenschancen weiter. Moose wachsen auf dem modernden Stamm, fangen Flugstaub und saugen sich wie ein Schwamm mit Wasser voll. Hier bietet sich ein optimales Keimbett, etwa für Fichtensamen. Hervorgehoben aus der pflanzlichen Konkurrenz und der lange ausdauernder Schneeschicht sind ihre Lebenschancen günstiger als am Boden. Ist der fördernde Stamm vermodert, steht dann der geförderte Baum mitunter auf Stelzwurzeln da, deutliches Zeichen der „Kadaververjüngung“.

In der Ordnung der Natur

Hier finden sich abgestorbene Stämme und frische Keimlinge, verschiedene Zyklen der Waldentwicklung eng beieinander. Nicht der Mensch, sondern Urgewalten wie Sturm und Lawinen greifen hier ein, beenden das Leben des einen und fördern den anderer. Natürliche Prozesse können hier ungehindert ablaufen. Und siehe da: Borkenkäfer spielen hier, im Gegensatz zu Wirtschaftswäldern, nur eine recht unscheinbare Rolle.

Eckdaten des Überlebens

Dürrenstein, Foto: Theo Kust
Wie aber kam es, dass ausgerechnet hier in Niederösterreich noch ein Stückchen Urwald überdauern konnte? Und das in unmittelbarer Nähe zur niederösterreichischen Eisenstrasse, wo Eisenverarbeitung einen großen Holzbedarf erforderte.
Für sein Überleben war sicher die geographische Lage in einem schwer erreichbaren Kessel günstig. Lange gab es genügend leichter erreichbare Wälder, die genutzt und gerodet werden konnten.
Auch ein Streit zwischen zwei Klöstern war für den Rothwald hilfreich. 337 Jahre lang konnten sich die Kartause Gaming und das Stift Admont nicht über die genauen Besitzverhältnisse einigen. Jahrhunderte lang hielten sich die beiden Klöster gegenseitig in Schach, bevor es 1689 zu einem Vergleich kam.
1782 ließ Kaiser Joseph II. die Kartause Gaming schließen, der Rothwald kam zunächst in staatlichen, dann in privaten Besitz. Immer wieder zerstörten Hochwässer die Holzdriftanlagen und verzögerten damit die rasche Ausbeutung. Sicher trug auch die wichtiger werdende Steinkohle zur Entlastung der Wälder in den Göstlinger Alpen bei.
 

Albert Rothschild - rettender Visionär

Foto: www.wildnisgebiet.at
Der Rothwald hatte trotzdem wertvolle Flächen verloren. In den 93 Jahren zwischen 1782 und 1875 wurden rund 1750 ha Urwald gerodet.
1875 als die technischen Möglichkeiten zur vollständigen Ausbeutung bereits recht gut waren, kam es zu einer unglaublich glücklichen Wendung.
Albert Rothschild, Leiter eines Finanzimperiums und Jäger ersteigerte unter anderem den Rothwald aus der Konkursmasse des Vorbesitzers, einer Aktiengesellschaft. Er besucht den Urwald und erkannte seine Einzigartigkeit. Gegen jeden Zeitgeist, auch den seiner Forstexperten, stellt er den Rothwald unter seinen persönlichen Schutz und gewährleistet damit seine Unberührtheit und sein Überleben. Als er 1911 einen überraschenden Herztod erleidet, wird in Nachrufen schon sein visionärer Schutz des Urwald Rothwald gewürdigt. Glücklicherweise gab er die Liebe zu seinem „Goldplatzl“ an seine Nachkommen weiter.


Erbe und Auftrag

Dürrenstein, Foto: Theo Kust
Heute ist der Rothwald Kernzone und Keimzelle des Wildnisgebiets Dürrenstein. Übrigens das einzige Schutzgebiet Österreichs, das von der Weltnaturschutzorgansiation IUCN in diese international höchste Schutzkategorie gestuft wurde. Der Zugang ist stark reglementiert.
Und es geht weiter: bis zum Jahr 2015 soll das Wildnisgebiet um 1000 ha erweitert werden. Die Waldbestände des Erweiterungsgebietes haben ein Alter von rund 200 Jahren und sind in einem naturnahen Zustand. Und schon in ein paar hundert Jahren sind die Grenzen nicht mehr auszumachen.


Direkter Link zum Wildnisgebiet: www.wildnisgebiet.at

Literatur:
•    http://www.umweltbundesamt.at/umweltschutz/naturschutz/schutzgebiete/wildnisgebiete/ (kopiert am 28.05.2006)
•    Anonym (2011) Meilenstein für den Naturschutz. Wildnisgebiet Dürrenstein erweitert. Seiten 14 – 15 . Umwelt & Energie 01 / 2011.
•    Anonym (2010) Ausbreitung der Wildnis. Seite 8. wood.stock 3 – 2010.
•    ZUKRIGL Kurt (2002) Urwälder und Naturwaldreservate in Niederösterreich. Seiten 93 – 99. In: NÖ LANDESMUSEUM (HRSG.) (2002) Natur im Herzen Mitteleuropas. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, St. Pölten. Niederösterreichisches Pressehaus Landesverlag: St. Pölten.
•    SPLECHTNA KARL (2001) Wildnisgebiet Dürrenstein – Albert Rothschild Bergwaldreservat. Skizzen einer Nutzungsgeschichte. Seiten 75 – 81. In: GOSSOW Hartmut (2001) Life-Projekt Wildnisgebiet Dürrenstein. Managementplan. 


Text: Mag. Norbert Ruckenbauer

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Neuer Bildband „Urwald in Österreich“

Matthias Schickhofers opulente Liebeserklärung

Mit dem Begriff Urwald verbinden wir hierzulande wohl am ehesten einen tropischen Regenwald wie jenen am Amazonas oder andere entlegene naturbelassene Gebiete. Dass es Urwälder auch direkt vor unserer Haustür gibt, wird für viele Menschen überraschend sein. In Niederösterreich etwa liegt  in der Gegend von Göstling an der Ybbs das Urwaldkleinod Wildnisgebiet Dürrenstein.
Ich will mit dem Buch Orte in Österreich präsentieren, die viele Menschen hier nicht vermuten. Es gibt tatsächlich noch Urwälder in Österreich. Auf weniger als einem Prozent der Waldfläche haben Ur- und Naturwälder überlebt. Diese letzten ‚Botschafter der alten Welt’ sind ein herausragendes Naturerbe und daher besonders schützenswert“, sagt Matthias Schickhofer, Naturfotograf und Umweltschützer.

Neben faszinierenden Bildern zeigt auch der Text, dass der heimische Urwald den Autor in seinen Bann gezogen hat. Mit teils geradezu poetischen Wendungen beschreibt er diese vergessenen paradiesischen Welten, wo der Palast des Waldkönigs oder Trolle vermutet werden und wo sich Wölfe und Luchse gute Nacht sagen sollten. Unterlegt ist das Buch mit Gastkommentaren und zweckdienlichen Hinweisen für Wanderungen und Führungen inklusive Landkarten, die die Orientierung sehr erleichtern. Wer es gesehen und gelesen hat, wird Schickhofers Wunsch nach mehr öffentlichem Bewusstsein zur Erhaltung dieser Waldparadiese und damit ihrer Artenvielfalt gerne teilen.
Das Buch aus dem Christian Brandstätter Verlag ist im Buchhandel erhältlich, aber auch im Shop des Landesmuseums Niederösterreich, es kostet 29,90 Euro.
Linktipp: www.schickhofer-photography.com
 

Text: Gerhard Hintringer

11. April 2013

Bekassine

Susanne Strnadl, DER STANDARD, 27.3.2013

Die Ziege des Himmels stochert und meckert immer seltener

Mit ihrem langen Schnabel ertastet die Bekassine Beute im Untergrund, mit den äußeren Schwanzfedern erzeugt sie im Flug ein vibrierendes Summen. Das Geräusch, das an Meckern erinnert, hat ihr den Namen "Himmelsziege" eingetragen. Die Schnepfenart ist heute vom Aussterben bedroht.
Nur noch 50 bis 60 Bekassinen-Paare brüten in Österreich - Der "Vogel des Jahres" ist auf Feuchtlandschaften und Moore angewiesen - doch die Landwirtschaft gräbt ihm das Wasser ab
Feuchtgebiete werden immer seltener - seit Jahrzehnten gehen Moore und nasses Grünland zurück. Mit ihnen verschwinden auch zahlreiche Tierarten, die auf diese speziellen Habitate angewiesen sind. Die von Birdlife Österreich und Naturschutzbund zum diesjährigen "Vogel des Jahres" gekürte Bekassine gehört dazu: In den 1970er-Jahren galt sie in Mitteleuropa noch als verbreiteter Brutvogel, heute firmiert sie unter " Vom Aussterben bedroht".
 
Bekassine, Foto: günther-Foto
Optisch ist die zu den Schnepfenvögeln gehörende Bekassine, wissenschaftlich Gallinago gallinago, wenig auffällig: Sie ist taubengroß und ihr braun-beiges Gefieder eignet sich hervorragend zum Tarnen und Verstecken in Moorlandschaften. Sonst ist sie gedrungen gebaut mit kurzen Beinen und langem Schnabel. Während sie auf der Jagd nach Insekten und anderen Kleintieren in kleinen Schritten umherstapft, erkundet sie mit ihrem Schnabel den Untergrund. Dieser hat im Oberteil eine bewegliche Spitze, die mit Sinneszellen ausgestattet ist, die es ihr ermöglichen, beim Stochern im Boden gleichzeitig Beute zu orten und zu ertasten. Außerdem kann sie kleine Tiere verschlucken, ohne den Schnabel vorher aus dem Boden ziehen zu müssen.
 
Sichere Kinderstube
Doch nicht nur bei der Nahrungssuche, auch beim Brüten ist die Bekassine auf Nässe angewiesen: Als Neststandort sucht sich das Weibchen eine Mulde in feuchtem Grünland oder in Moorgebieten, die es mit trockenem Pflanzenmaterial auskleidet. Bevorzugt liegen die Nester auf hügelförmigen Horsten von Seggen und anderen Gräsern, die oft von Wasser umgeben sind. Dort bleibt die Kinderstube trocken, während Füchse oder andere Feinde sich ungern die Füße nass machen. Ende April legt das Weibchen gewöhnlich vier graugrüne, dunkel gesprenkelte Eier.
 
Die Küken sind Nestflüchter, die vom ersten Tag an selbst Nahrung suchen, wobei sie von den Eltern zu den besten Plätzen geführt werden. Drei bis vier Wochen nach dem Schlupf sind sie flugfähig, davor können sie die Eltern mit Schnabel und Beinen so an den Bauch drücken, dass sie im Notfall sogar mit ihnen wegfliegen können. Häufiger jedoch greifen sie zum "Verleiten", einer Verhaltensweise, bei der sie vor einem Fressfeind mit hängenden Flügeln herflattern und den Eindruck erwecken, sie seien eine leichte Beute. Haben sie den Störenfried weit genug vom Nest weg geführt, fliegen sie plötzlich auf und sind weg.
 
Vor der Paarung, aber auch während der Brutzeit machen die Männchen in wilden Balzflügen auf sich aufmerksam, die auch akustisch auffallen: Die Vögel erzeugen dabei ein vibrierendes Summen, das an das Meckern ferner Ziegen erinnert, was der Bekassine auch den Namen "Himmelsziege" eingetragen hat.
 
Das Zustandekommen dieses Geräuschs wurde unter Ornithologen 150 Jahre lang heftig diskutiert - heute weiß man, dass es von den äußeren Schwanzfedern stammt: Diese werden im Sturzflug in Schwingungen versetzt, die bei knapp 40 Stundenkilometern hörbar werden und bei rund 60 Kilometer pro Stunde abreißen.
 
Insgesamt hält das Geräusch nur zwei bis drei Sekunden an, die Vögel steigen jedoch immer wieder auf und wiederholen das Schauspiel oft minutenlang. Diese Ausdrucksflüge dienen außer der Balz auch der Reviermarkierung und erfolgen während der gesamten Brutzeit, vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung, aber auch in mondhellen Nächten. Gehört werden kann das Meckern seit kurzem übrigens auch im Vogelsaal 29 des Naturhistorischen Museums in Wien.
 
Rückzug ins Alpenvorland
Bereits im Juli beginnt der Abflug der Bekassinen aus Nordeuropa in ihre Winterquartiere, für die meisten Vögel nach Südfrankreich, Spanien oder Portugal. Es gibt aber Nachweise, dass einzelne bis nach Senegal oder dem Tschad gelangen und damit mehr als 2000 Kilometer zurücklegen. Ist der Herbst bzw. Winter im Brutgebiet jedoch mild, kann sich der Wegzug lange hinziehen und stellenweise ganz unterbleiben.
 
Mitte März kommen die Bekassinen dann wieder, prinzipiell jedenfalls, denn in Wirklichkeit gibt es nur noch sehr wenige bei uns. Der aktuelle Bestand in Österreich dürfte sich auf lediglich 50 bis 60 Brutpaare belaufen, wobei der Schwerpunkt in den Alpenvorlandgebieten Salzburgs und Oberösterreichs liegt. In allen anderen Bundesländern lassen sich die Brutpaare jeweils an den Fingern einer Hand abzählen. Am meisten Bekassinen auf einem Fleck (18 bis 19 Paare) gibt es im Ibmer Moor in Oberösterreich, wo die Vögel offenbar von entsprechenden Moorrenaturierungsmaßnahmen profitieren.
 
Kaum Nasswiesen
"Die Bekassine hat ein Riesenproblem, weil kaum noch Nasswiesen vorhanden sind, die bis in den Sommer hinein auch nass bleiben", erklärt Ornithologe Hans-Martin Berg vom Naturhistorischen Museum Wien, der sich seit Jahren mit der Situation von Feuchtbiotopen und gefährdeten Vogelarten befasst. Der Hanság etwa, eine Niedermoorlandschaft südöstlich des Neusiedler Sees, wäre hervorragend als Brutgebiet für Bekassinen geeignet. "Hier könnten bis zu 30 Brutpaare ein Revier finden" , wie Berg ausführt, "aber das Wasser wird rasch abgeleitet, um landwirtschaftlich genutzte Gebiete nicht zu gefährden, und wenn es weg ist, sind auch die Bekassinen weg."
 
In den meisten anderen europäischen Ländern geht es der Bekassine nicht besser: In den letzten 20 Jahren war fast überall ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Aktuelle Schätzungen für ganz Europa schwanken zwischen 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaaren, wobei zwei Drittel des mitteleuropäischen Bestandes in Polen leben. Verantwortlich dafür ist überall die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, die mit einem massiven Verlust an Feuchtlebensräumen einhergeht.
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Im Landesmuseum ist die Bekassine das Objekt des Monats April 2013
Objekt des Monats im Landesmuseum,
Foto: K. Höglinger

Die Bekassine (Gallinago gallinago) wurde zum „Vogel des Jahres 2013“ von BirdLife Österreich sowie den Partnerorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern gekürt. Das „Meckern“ beherrscht die Schnepfenart nicht erst seit ihr der Lebensraum mit Feuchtwiesen und Mooren zusehends abhanden gekommen ist und die Bestandsgröße sich auf wenige Brutpaare reduziert hat. Das Männchen erzeugt das artenspezifische „Meckern“, indem es sich im Balzflug mit abgespreizten äußeren Schwanzfedern rasant in die Tiefe stürzt.

 

Tarnkünstlerin mit Hightech-Schnabel
Unter den Schnepfen ist die Bekassine eine mittelgroße Art. Mit ihrem untersetzten Körper, kurzen Beinen und braunen Gefieder bewegt sich die Tarnkünstlerin geschickt durch feuchte Seggen-, Binsen- und Moorlandschaften. Auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Insekten watet sie durch offene schlammige Bereiche und flache Gewässer. Der lange Schnabel ist dabei das perfekte Werkzeug, um in den lockeren Schichten feuchter Böden Kleintiere zu orten und zu ertasten. Samen von Gräsern und anderen Pflanzen stehen aber genauso auf dem Speiseplan. Bei Gefahr duckt sie sich auf den Boden und ist kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Die Jungen verlassen bereits am ersten Tag das Nest und suchen selbst nach Nahrung. Wenngleich die Eltern sie auch zu den besten Nahrungsplätzen führen.

Herber Bestandsverlust zu verzeichnen
Die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer frühen bzw. häufigen Wiesenmahd, das Entwässern von Grünland und die zunehmende Zersiedelung der Brutgebiete hat nicht nur der Bekassine sondern den Wiesenvögeln generell zusetzt. Kleine, allerdings rückläufige Brutbestände in Niederösterreich existieren lediglich im Teichgebiet des Waldviertels, auf den Grünbrachen am Truppenübungsplatz Allentsteig und in den March-Thaya-Auen.
Dir. Dr. Erich Steiner




9. März 2013

Ochsengespann vor Heiligenkreuz

Fotografie von Augustin Meisinger, um 1950

Das Landesmuseum zeigt im Foyer seit 2011 das „Objekt des Monats“.
Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Dinge wie Neuigkeiten, Aktuelles, Kurioses, alle haben aber jeweils einen direkten Bezug zu Inhalten des Landesmuseum oder ergänzen diese.

Das „Objekt des Monats März 2013“ stellt einerseits einen Bezug zur Ausstellung „Hl. Leopold – Mensch, Politiker, Landespatron“ im Sonderausstellungsraum Landesgeschichte her; Heiligenkreuz ist eine Gründung Leopolds.

Andererseits weist es auf ein gerade erst erschienenes Buch hin, das im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen ist (Hg. Erich Steiner, 224 Seiten, zahlreiche s/w-Abbildungen, € 28,-). Blick ins Land. SW-Fotografien von Lothar Machura und Augustin Meisinger aus der Naturkundesammlung des Landesmuseums Niederösterreich.

Zum Buch

Niederösterreich um die Mitte des 20. Jahrhunderts: Beseelt vom Naturschutzgedanken bereisen Lothar Machura und Augustin Meisinger, beide Mitarbeiter des niederösterreichischen Landesmuseums, Niederösterreich und angrenzende Gebiete, so etwa im heutigen Tschechien und der Slowakei, die zwischen 1938 und 1945 zum Reichsgau Niederdonau gehörten und den Seewinkel, der auch nach dem Krieg beliebtes Reiseziel blieb. Auf regelrechten Fotosafaris wird „Natur im weitesten Sinn“, Landschaften, Naturdenkmale und Naturschutzgebiete, Flora und Fauna aber auch Gefahren für die Umwelt dokumentiert und kommentiert. Ortschaften, Städte, das idyllische Waldviertel, Urwälder, verträumte Donauauen und mächtige Baumriesen werden ebenso zum Thema wie die Kanalisierung von Flüssen, der Raubbau der Besatzungsmacht, landschaftszerstörende Baumaßnahmen, verfallende Schlösser, die Zersiedelung des Wienerwaldes, Mülldeponien, das beginnende Reklameunwesen, Architektur und scheinbar Belangloses. In Fotoessays wird die Arbeitswelt dieser Zeit, so etwa jene der Holzknechte, Teichwirte, Steinmetze und Bauern ebenso festgehalten wie die letzte Holztrift bei Karlstift, die heute in den Kamptalstauseen verschwunden Landschaft  und die Tätigkeit damals aussterbender Berufsgruppen, so zum Beispiel der Köhler, Fährmänner, Ameisler, Torfstecher und Pecher.
Manche Fotografien oder Serien entstanden in Vorbereitung für und zur Dokumentation von konkreten Projekten des Landesmuseums. Das gilt beispielsweise für die rund 50 Aufnahmen umfassende Serie Machuras zum Thema „Jagdhunderassen“ aus der Mitte der 1950er Jahre, die wohl  den damals laufenden Planungen für das Jagdmuseum Marchegg entsprang und die zahlreichen Fotografien, die sich auf Naturschutz-, Landschaftschutzgebiete  und Naturparks beziehen. Andere, so etwa Meisingers Dokumentation der Naturdenkmale, waren das Produkt der „täglichen Naturschutzarbeit“, die damals ja auch amtlich dem Landesmuseum zugeordnet war. Während manche Themen im Laufe der Jahre immer wieder auftauchen, wurde sehr häufig auch anlassbezogen fotografiert.

Dieser Schatz wurde bisher weder wissenschaftlich bearbeitet noch in einer größeren  Zusammenschau veröffentlicht. Einzelne Fotos fanden im Laufe der Jahrzehnte in verschiedenen Schriften und Ausstellungen des Landesmuseums Verwendung oder dienten zur Illustration von Publikationen und Fachartikeln, so beispielsweise in der vom Österreichischen Naturschutzbund, in dem Machura und Meisinger lange Zeit in verschiedenen Funktionen tätig waren, herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Land“.
SW-Fotografien von Machura und Meisinger wurden über eine Zeitspanne von mehr als zwei Jahrzehnten zwar regelmäßig publiziert, ihre fotografische Arbeit fand jedoch keinerlei Niederschlag in der Geschichte der österreichischen Fotografie. Völlig zu Unrecht, denn obwohl der Anspruch niemals ein künstlerischer sondern stets ein dokumentarischer war, entstanden dabei – zumindest nach Meinung des Herausgebers - auch Aufnahmen von hoher fotografischer Qualität und letztendlich einzigartige Einblicke in eine Zeit des Um- und Aufbruchs, in eine Vergangenheit, die eigentlich noch gar nicht so lange zurückliegt, die aber dennoch schon weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheint.

Zur Sammlung

In der Naturkundesammlung des Landesmuseums Niederösterreich befinden sich rund 10.000 SW- Fotos, die aus dem Zeitraum von etwa 1930 bis in die frühen 1960er Jahre stammen. Dabei handelt es sich um Glasplattennegative und -positive in unterschiedlichsten Formaten aus der Zwischenkriegszeit, also um jene Fotosammlung, die auf eine Initiative des damaligen Direktors der Landessammlungen Günther Schlesinger zurückgeht. Beginnend mit dem Jahr 1936 wurde mit der Anlage einer „naturkundlichen Bildsammlung“ begonnen, die den „erstmaligen Versuch darstellt, die heimischen Tier- und Pflanzenarten sowie die typisch niederösterreichischen Landschaften bildinventarmäßig zu erfassen“. Damals erging ein Aufruf an Zeitschriften und Tageszeitungen mit der Bitte Lichtbilder zur Reproduktion zur Verfügung zu stellen. Die Aktion war durchaus erfolgreich. Im Laufe der Jahre kamen mehrere tausend Aufnahmen verschiedenster Fotografen ins Landesmuseum, wovon ein Teil leider in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren ging.
Das vorliegende Buch konzentriert sich jedoch auf die „Sammlung Lothar Machura“, die aus 3.095 Positiven samt dazu gehörenden Negativen im Mittelformat besteht und auf eine nach Sachgebieten (Naturdenkmale, Landschaften, Naturschutzgebiete, Flora, Fauna,…) geordnete Kartei, die Bezug nimmt auf Mappen mit etwa 3.000 Negativen (Mittelformat und Kleinbildnegative), die von Machura und Augustin Meisinger aufgenommen wurden,  allerdings nicht immer einem der beiden Fotografen zuzuordnen sind. Offensichtlich wurden die im Museum vorhandenen Kameras von beiden abwechselnd benutzt. Gelegentlich wird die Fotoautorenschaft in Publikationen schlicht mit „Ma.-Mei.“ angegeben.

Dr. Erich Steiner, Direktor Landesmuseum Niederösterreich

14. Februar 2013

Kreuzotter

„Gefährliche Schönheit“ – die Kreuzotter in Niederösterreich

Terrarium Kreuzotter im Landesmuseum,
Foto: M. Schaar
„Sind die echt?“ – Diese Frage wird oft von Kindern  im Rahmen von Führungen im Landesmuseum Niederösterreich gestellt, sobald man am Terrarium der Kreuzottern angelangt ist. Oft findet man nämlich dort fast bewegungslos ruhende, überraschend kleine Schlangen auf dem Baumstumpf oder dem Stein unter der künstlichen Licht liegend vor. Meist dauert es aber nicht lange, bis man das erste „Züngeln“ eines der Tiere beobachten kann. Das schnelle, wiederholte Herausstrecken und Zurückziehen der typisch an der Spitze gespaltenen Zunge dient der geruchlichen Orientierung der Schlange, indem Geruchsstoffe in das Jacobsonsche Organ befördert werden, ein grubenförmiges Riechorgan in der Gaumengegend. 


Kreuzotter, Foto: M. Schaar
Der Grund für die vielen Ruhephasen der Kreuzottern an genau dieser Stelle ist, dass sie als wechselwarme Reptilien ihre Körpertemperatur nicht regulieren können und sich an einer Wärmequelle aufwärmen müssen, um zu ihrer „Betriebstemperatur“ zu kommen. Diese Quelle ist in der Natur die Sonne und im Gehege die genannte Wärmelampe. Haben sich die Tiere morgens genug aufgewärmt, beginnen sie mit der aktiven Nahrungssuche nach kleinen Wirbeltieren wie Mäusen, Fröschen oder Eidechsen. Auch dieses Verhalten kann im Museum beobachtet werden, wenngleich sie hier regelmäßig mit Futtermäusen versorgt werden. In freier Natur werden Beutetiere aufgrund ihrer Körperwärme aufgespürt und mit einem Biss der Giftzähne getötet. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit können die Schlangen tagelang ohne Nahrung auskommen und müssen daher auch in der Tierhaltung nicht täglich von den Tierpflegern gefüttert werden.

In Österreich gibt es zwei Familien von Schlangen, die ungiftigen Nattern und die giftigen Vipern bzw. Ottern, zu denen die Kreuzotter gehört. Neben dem eher plumpen Körperbau und dem stärker abgesetzten Kopf und Schwanz ist die senkrecht stehende, schmale Pupille das wichtigste, wenn auch im Feld weniger geeignete Erkennungsmerkmal der Ottern.


Die lebendgebärenden Kreuzottern erreichen eine Länge von 50-70 Zentimetern, wobei Weibchen größer werden als Männchen. Damit sind sie um einiges kleiner als die harmlosen heimischen Ringel- und Äskulapnattern (letztere bringen es auf etwa 1,5 bis 2 Meter Länge). Ihre Färbung variiert von bräunlich bis ganz schwarz oder auch kupferrot. Hellere Kreuzottern zeigen das typische dunkle,  bei Männchen schwarze,  bei Weibchen eher braune Zickzackband am Rücken. Hier kann man ein weiteres häufiges Missverständnis aufklären: Ganz schwarze Exemplare werden auch „Höllenotter“ genannt, es handelt sich hierbei aber nicht um eine eigene Art sondern lediglich um eine dunkle Farbvariante der Kreuzotter, die sich mit helleren Tieren kreuzen kann und sich in Größe, Giftigkeit und Verhalten nicht von diesen unterscheidet. Sehr dunkle Individuen sind vor allem im Gebirge gut angepasst, da die dunkle Farbe mehr Wärme absorbiert und weniger reflektiert. Die ungiftige Glatt- oder Schlingnatter ist übrigens bei uns die einzige Schlange, bei der es aufgrund des ähnlichen Äußeren zu Verwechslungen mit der Kreuzotter kommen kann.
 

Höllenotter, Foto: M. Schaar
Kreuzottern kommen in allen österreichischen Bundesländern außer Wien und dem Burgenland vor. Typische Standorte, an denen man Kreuzottern auch in Niederösterreich begegnen kann, sind alpine oder subalpine Biotope wie Geröllhalden und Zwergstrauchgesellschaften sowie sonnenexponierte Stellen wie Waldränder, Lichtungen oder auch Moore und Sumpfgebiete. Die Kreuzotter ist nach der Ausrottung der Wiesenotter die einzige Giftschlange Niederösterreichs. Die Hornotter oder Sandviper kommt nur im Süden Österreichs (Kärnten, Steiermark) vor.
Die wichtigste und häufigste Frage bezieht sich natürlich auf die Giftigkeit der Kreuzotter. Hier spielen die Angst vor einem Biss, zum Teil aber auch tiefer liegende, irrationale Ängste bis hin zur Schlangenphobie, eine große Rolle, wodurch viele Schlangen, egal welcher Art, leider häufig grundlos getötet werden. Das Gift der Kreuzotter ist hoch wirksam, ein Biss ist aufgrund der geringen Giftmenge aber nur in Ausnahmefällen, etwa bei alten oder geschwächten Menschen, wirklich gefährlich. Für einen gesunden Erwachsenen wäre eine Giftmenge von etwa fünf Kreuzottern nötig, um tödlich zu wirken. Symptome sind eine starke Schwellung um die Biss-Stelle, seltener können auch Kreislaufprobleme, Atemnot und Herzbeschwerden auftreten. Es gilt daher im Falle eines Bisses, die Ruhe zu bewahren (da Stress die Beschwerden nur verstärkt), die betroffene Stelle ruhig zu stellen, eventuell zu kühlen und hoch zu lagern und einen Notarzt zu verständigen, aber auf eigene „Behandlungsmethoden“ wie Abbinden, Aussaugen des Giftes oder gar Aufschneiden der Wunde zu verzichten. Eine mehrtägige stationäre Beobachtung ist angebracht. Es kommt allerdings nur sehr selten überhaupt zu Bissen, da Kreuzottern sehr scheue Tiere sind, die bei Beunruhigung und Bodenerschütterungen sofort flüchten und meist gar nicht wahrgenommen werden. Die Schlangen meiden es, unnötig Gift, das zur Nahrungsbeschaffung lebensnotwendig ist, zu verschwenden, und beißen nur, wenn sie direkt bedroht sind, wie bei Anfassen oder Drauftreten.  
 

Kreuzotter, Foto: M. Schaar
Wie so oft liegt die Gefährdung vielmehr auf der Seite des Tieres, denn auch die Kreuzotter leidet unter der Zerstörung ihrer Lebensräume, wie der Verbuschung oder Aufforstung von Sonnenplätzen und Lichtungen oder Zerschneidung von Waldgebieten durch große Straßen. Früher wurden Kreuzottern, ebenso wie ihre kleinen Verwandten, die Wiesenottern, gefördert durch „Kopfprämien“, massenhaft getötet. Heute sind Maßnahmen zur Bestandssicherung notwendig.
 

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Wiesenotter. Diese kleine Giftschlangenart war früher ebenfalls in Niederösterreich häufig (z.B. Laxenburg), wurde aber bereits in den 1960er Jahren ausgerottet. Der letzte österreichische Nachweis stammt aus dem Jahr 1973 im Burgenland. Heute ist sie in ganz Europa vom Aussterben bedroht. Ein wichtiges Projekt betrifft die Rettung der ungarischen Wiesenotter, das auch bedeutend für das Grenzgebiet zwischen Ungarn und dem Burgenland ist.
Nähere Informationen unter www.rakosivipera.hu/de/.




Text: Mag. Michael Schroll

18. Januar 2013

Eine Schneeskizze zeichnen

Ein neues Gemüsebeet muss her, und ein kleiner Gartenteich wäre auch nicht schlecht? Wohin passt die Kräuterspirale? Jetzt im Winter kann man sich in aller Ruhe gewünschte Umgestaltungen des Gartens überlegen.
Natur im Garten © Monika Biermaier


Wer sich beim Zeichnen mit Bleistift und Papier nicht so leicht tut, kann es, sobald der Garten unter einer weißen Decke liegt, mit einer Schneeskizze vor Ort probieren. Die Schneefläche wird dabei zum Zeichenbrett, die Fußstapfen werden zum Stift. Neue Beete oder Sitzplätze können so in ihren Umrissen „eingezeichnet“ werden, sinnvolle direkte Wegeverbindungen, etwa von der Küchentür zum Kräuter- und Gemüsebeet, lassen sich gut darstellen. 
Vor allem Größenverhältnisse kann man auf diese Weise besser abschätzen, und wenn genügende Schneemengen vorhanden sind, werden sogar Modellierungen des Geländes, z.B. ein Kräuterhügel, sichtbar.
Die fertige Skizze sollten Sie später aber doch noch auf ein Papier übertragen, denn der Frühling und damit die Schneeschmelze kommen bestimmt. 


Veranstaltungs-Tipp

Natur im Garten-Fest 2012 im
Landesmuseum  © C. Reiter

10 Jahre Frühlingserwachen im Landesmuseum

Das Naturgartenfest der Aktion „Natur im Garten“ lässt am 26. Jänner 2013 nun schon zum zehnten Mal den Frühling erblühen! 
Bei freiem Eintritt warten im Landesmuseum Niederösterreich (www.landesmuseum.net) von 10.00 bis 18.00 Uhr Beratung, Vorträge von Gartenprofis, Verkostungen und ein abwechslungsreiches Kinderprogramm.




Das genaue Programm finden Sie hier: http://www.naturimgarten.at/p-48797.html?y=2013&m=1&teri=4400#ter4400

 

 
Haben Sie Fragen zur Gartengestaltung, zum Naturgarten oder zum Frühlingserwachen im Landesmuseum? Das NÖ Gartentelefon 02742/ 74 333 berät Sie gerne! Weitere Informationen auch unter www.naturimgarten.at.

16. November 2012

Bodentiere

Von toten und lebenden Fossilien

Nichts ist so beständig wie der Wandel.” (Heraklit)
Die Welt ist im ständigen Wandel. Auch Niederösterreich ist davon nicht ausgenommen. Zeugen dieser vielfachen Veränderung sind Fossilien, Spuren und Reste von früherem Leben.
In Niederösterreich finden sich Fossilien sehr unterschiedlicher Zeiten mitunter sehr nahe beieinander. So kann man in der Gegend um Lunz 220 Millionen alte fossile Riesenschachtelhalme und Palmfarne aus einer warmen, subtropischen Epoche ebenso finden wie „nur“ 100.000 Jahre alte Höhlenknochenbären aus der kühlen Eiszeitperiode.

Ammonit aus der Ausstellung
"Kiesel & Klunker", Foto: H. Lackinger

Aussterbeereignisse

Mehrfach in der Erdgeschichte war das Leben auch extremen Ereignissen ausgesetzt, die vielen Arten und Lebensformen auslöschten. Salopp fasst man sie als „Big Five“ zusammen.
Am bekanntesten ist, wohl wegen dem Aussterben der Dinosaurier, das große Sterben, vor 65 Millionen Jahren. Das hat auch den Nachkommen „unseres“ Dinos, dem Struthiosaurus austriacus, der vor 80 Millionen Jahren Niederösterreich bewohnt hat, das Ende bereitet. Gewaltiger als vor 200 Millionen Jahren waren wohl die Ereignisse am Ende des Perms, vor rund 250 Millionen Jahren, als etwa 90% der Arten ausstarben.

Lebende Fossilien

Umso erstaunlicher ist es, dass manche Tier und Pflanzenarten sich über Jahrmillionen, über mehrere Aussterbeereignisse hinweg, behaupten konnten. Zwei solche „lebende Fossilien“ kann man auch in Niederösterreich antreffen, den Ginkgo und den Triops.

Ein Baum mit Wurzeln im Erdaltertum

Die frühesten fossile Belege der Ginkgogewächse stammen aus dem Erdaltertum und sind 290 Millionen Jahre alt. Vor 150 Millionen Jahren war die „Ginkgo-Sippe“ mit über 100 Arten fast weltweit verbreitet. 70 Millionen Jahre alte fossile Blätter lassen sich in ihrer Form von heutigen kaum unterscheiden. Und bis vor weniger als 5 Millionen Jahre wuchsen Ginkgobäume in den Laubmischwäldern Europas!
Überlebt hat eine einzige Art in China: Ginkgo biloba. In Asien wird der Ginkgo seit Jahrtausenden als Tempelbaum gepflanzt. Bäume, die über 1000 Jahre alt sind, zeugen von dieser kulturhistorischen Bedeutung.
Wegen seiner unglaublichen Vitalität und Robustheit wird der Ginkgo heute weltweit vor allem in Städten und an viel befahrenen Straßen angepflanzt. Wer die Dinosaurier überlebt hat, sogar nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima wieder ausgetrieben ist, dem kann menschliche Luftverschmutzung nicht wirklich etwas anhaben!

Versteinertes aus der Ausstellung "Kiesel & Klunker",
Foto: H. Lackinger

Triops cancriformis, die älteste lebende Tierart der Welt

Wenn die March über die Ufer tritt, wird der Entwicklungszyklus eines „Urzeitkrebses“, des Triops cancriformis, rasend schnell in Gang gesetzt. Es gilt den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen. Denn bald werden die überfluteten Wiesen und Gräben wieder trocken fallen!
Aus Dauereiern, die Jahrzehnte, möglicherweise sogar Jahrhunderte überdauern können, schlüpfen bei 18°C bereits nach 36 Std. die Larven. Je nach Wassertemperatur haben die Weibchen 14 Tagen später an den Beinen wieder Eibehältern mit Eiern ausgebildet. Und wenn das Hochwasser geht, liegen im Sand bereits die Dauereier für die kommende Generation vor.
Triops gab es bereits in der Obertrias, vor 220 Millionen Jahren, als die Dinosaurier „noch in den Kinderschuhen“ steckten. Er ist damit die älteste bekannte lebende Tierart der Welt! Solche Tiere „vor der „Haustüre“ zu haben ist doch sensationell. Sie stehen übrigens unter Schutz, dürfen aus der Natur also nicht entnommen werden!

„Lebende Fossilien“ zeigen wie groß die Verantwortung des heutigen Menschen für diese und auch alle anderen Tier- und Pflanzenarten ist. Sie haben Jahrmillionen überlebt, große Veränderungen und extreme Aussterbeereignisse überstanden. Und es wäre wirklich kein gutes Zeugnis für den Menschen, wenn er das „6. Aussterbeereignis“ darstellen würde an dem diese unglaublichen Organismen schließlich scheitern sollten.

Quellen


MikroLabor im Landesmuseum zum
Thema Bodentiere, Foto: M. Schaar
•    Walter JUNG (1998) Der Ginkgo-Baum, ein Unikum mit Vergangenheit. http://160.45.81.170/mehr/palaeo/edu/lebfoss/ausstellung/index.html
•    Erich THENIUS (2000) Lebende Fossilien. Oldtimer der Tier- und Pflanzenwelt. Zeugen der Vorzeit. Verlag Dr. Friedrich Pfeil: München.
•    Maria SCHMID, Helga SCHMOLL (1994) Ginkgo: Ur-Baum und Arzneipflanze. Mythos, Dichtung und Kunst. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.


Text: Mag. Norbert Ruckenbauer

Die Ausstellung "Kiesel & Klunker - Vielfalt aus Niederösterreichs Boden" ist noch bis 17.03.2013 im Landesmuseum zu sehen.

29. Oktober 2012

Grosstrappe


Die reiche Region

Das Umland des Nationalparks hat ein hohes Naturpotential

Au-Blick, Ausg. Nr. 37
Ein besonderer Schatz ist bis heute im Marchfeld, der Kornkammer Österreichs zu finden. Nur wenige Kilometer vom schlossORTH Nationalpark-Zentrum entfernt, inmitten der modernen Agrarlandschaft, leben noch einige wenige Exemplare der seltenen Großtrappe (Otis tarda). Sie zeigt uns, welch hohen Naturschutzwert nicht nur die Auen bieten, sondern auch das Umland des Nationalparks hat – oder haben kann, wenn man sich aktiv darum bemüht.
Die Großtrappe ist eine Charakterart der offenen Kulturlandschaft. Sie kam mit der traditionellen Form der Landwirtschaft gut zurecht, war im Marchfeld verbreitet und wurde bis in die 1960er Jahre sogar bejagt. Dass heute immer noch einige Individuen im Marchfeld und auch auf der Rauchenwarther Platte südlich der Donau beobachtet werden können, ist einem aufwändigen Trappenschutzprogramm zu danken. In Zusammenarbeit von Landwirten, Jägerschaft und Naturschutz werden seit 1995 eigene Trappenschutzflächen in der Region angelegt und aus dem Agrar-Umweltprogramm (ÖPUL) gefördert. Speziell bewirtschaftete Ackerflächen schaffen erst die geeigneten Lebensbedingungen für die Brut und die Aufzucht der Jungen.
 

Marchfeld, Foto: Kovacs, Manzano

Die Großtrappe braucht weiträumige offene Landschaften und verträgt sich daher nicht mit Starkstromleitungen oder Windkraftanlagen. Sie ist Leitart für ein großes Europaschutzgebiet im östlichen Marchfeld. Auch der Kaiseradler, der sich 2011 nach 200 Jahren wieder in den Donau-Auen angesiedelt hat, benötigt die offene Marchfeld-Landschaft zur Nahrungssuche. Ebenfalls Europaschutzgebiet sind die Überreste der ehemaligen ausgedehnten Sanddünen im Marchfeld mit alten Naturschutzgebieten wie den Sandbergen Oberweiden oder der Weikendorfer Remise.
Großtrappe, Foto: Kovacs, Manzano

In der Region südlich des Nationalparks bilden die Steppen- und Trockenrasen der Hainburger Berge mit ihrer eindrucksvollen Pflanzen und ihren hoch spezialisierten Tierwelt einen wunderbaren Kontrast zu den feuchten Lebensräumen der Auen. Eine große Besonderheit ist z. B. die Hainburger Federnelke (Dianthus lumnitzeri), die am Hainburger Schlossberg oder am Braunsberg zu finden ist. Sie ist ein Endemit, eine Art die nur hier und in den anschließenden Kleinen Karpaten vorkommt. Die großflächigen Trockenrasen sind ein Produkt Jahrhunderte langer Beweidung und bedürfen heute eines aktiven „Managements“: der regelmäßigen Entfernung von Gehölzen und Wiedereinführung der traditionellen Beweidung.
Die Donau-Auen sind seit gut 30 Jahren ein Teil des großen Landschaftschutzgebiets Donau-March-Thaya-Auen, ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung entsprechend der Ramsar-Konvention. Die March-Auen, traditionell mehr von menschlicher Nutzung geprägt als die Donau-Auen, stehen diesen im Naturschutzwert keineswegs nach. Der Tieflandfluss March prägt einen anderen Auen-Typ als der „Alpenfluss“ Donau, Fluss und


Auen sind Heimat von mehr als 500 gefährdeten Arten wie Schwarzstorch, Seeadler oder Urzeitkrebsen. In Marchegg, direkt hinter dem Schloss, findet man Europas größte Kolonie baumbrütender Weißstörche.
 

Was bringt die Zukunft?

Es ist nicht zu übersehen: Die einst „vergessene Region am Eisernen Vorhang“ nimmt heute eine rasante Entwicklung. Siedlungen wachsen und beanspruchen zunehmend Fläche, es zieht zahlreiche Menschen „aufs Land“ vor den Toren der Großstadt. Straßenprojekte werden vorangetrieben, der Flughafen Wien expandiert. Gewerbegebiete boomen – das jüngst eröffnete „G3“ bei Gerasdorf steht als Beispiel für die laufende Errichtung neuer Einkaufszentren außerhalb der Ortskerne. Dem wachsenden Energiebedarf bei steigender Nachfrage nach erneuerbaren Quellen wird mit neuen Windparks in der Region Rechnung getragen. Die Struktur der Landwirtschaft hat sich verändert und ist abhängig von europäischen Märkten, den Rahmenbedingungen und Zahlungen der europäischen und nationalen Agrarpolitik.
Die Marchfeldschlösser sind im neuen Glanz erstrahlt, Tourismusangebote werden  entwickelt, welche Menschen dies- und jenseits der österreichisch-slowakischen Grenzen ansprechen sollen. Der Wunsch nach Naturerlebnis wird bei der Freizeitgestaltung hoch gereiht, naturnahe Landschaften werden als Naherholungsziele zunehmend genutzt.
Alle diese Entwicklungen betreffen nicht nur die Menschen der Region, sie haben Auswirkungen auf Natur und Landschaft, auf Pflanzen und Tiere, innerhalb und außerhalb der Schutzgebiete. Im Nationalpark sind wertvolle Lebensräume und seltene Arten  geschützt, außerhalb des Nationalparks bietet der Status der Europaschutzgebiete den „besonderen“ Lebensräumen und ihren Bewohnern einen gewissen Schutz.
Doch wird das reichen? Oder wird der Nationalpark Donau-Auen in naher Zukunft eine letzte schmale Natur-Insel sein, inmitten einer intensiv vom Menschen genutzten Landschaft, die sich nur wenig von den Landschaften im Umfeld anderer großer Städte unterscheidet?

Text: Carl Manzano, Erika Dorn


www.donauauen.at
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Eine der bedrohtesten Vogelarten als Zeiger für den Zustand unserer Kulturlandschaft

Foto: www.kovacs-images.com

Gesunde Ernährung, ökologische versus intensive Landwirtschaft, Verlust der Biodiversität – Stichworte, die wir derzeit oft hören oder lesen. All das hängt zusammen, miteinander und mit unserer direkten Umgebung, der Kulturlandschaft, die auch Naturlebensraum ist. Die Landschaft in Mitteleuropa und damit auch in Niederösterreich ist heute fast zur Gänze Kulturland. Seit Jahrhunderten sind die ursprünglichen Mischwälder sukzessive in Forste, Felder, Wiesen und Weiden verwandelt worden. Die Zusammensetzung unserer Fauna und Flora hat sich entsprechend geändert. Viele Tierarten mussten sich an die landwirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Andere sind neu eingewandert, darunter Arten, die eigentlich an die Steppe angepasst sind. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft sind aber heute selbst Arten, die früher geradezu als Allerweltsarten von Feld und Flur bekannt waren, seltener geworden, man denke an Feldhase, Feldlerche oder Rebhuhn.

Foto: www.kovacs-images.com

Foto: www.kovacs-images.com

Ein typischer Steppenbewohner ist auch die Großtrappe. Sie benötigt offene, trockene Ebenen oder extensiv bewirtschaftetes Kulturland mit großer Fläche und gutem Überblick. Das Männchen mit einer Körperlänge von 90 – 105 cm und einem Gewicht von bis zu 16 kg gehört zu den größten und schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Das Weibchen ist viel kleiner und zierlicher. Berühmt sind diese imposanten und geselligen Allesfresser für ihre spektakuläre Gruppenbalz im April und Mai. Bei dieser „krempeln“ die Männchen geradezu einen Großteil des Gefieders von innen nach außen und schütteln die weißen Federpartien, um den Weibchen zu imponieren, während Kopf und Hals im Rücken verborgen sind.

Foto: www.kovacs-images.com
Dieses Schauspiel kann man mittlerweile nur mehr selten beobachten, denn die Großtrappe ist in Österreich vom Aussterben bedroht (Rote Liste Kategorie 1 bzw. „Critically Endangered“).
Gründe dafür sind Fragmentierungen der Lebensräume und Störungen durch die intensive Landbewirtschaftung. Die angebauten Pflanzen wurden dichter und es werden weniger Schmetterlingsblütler wie Luzerne angebaut. Neben vielfältiger Pflanzenkost (Schmetterlingsblütler, Kreuzblütler, Kräuter, Beeren, Rhizome…) spielen auch Insekten als Nahrung eine wichtige Rolle, aber auch diese werden weniger. Potentielle tierische Gefahren für die Brut stellen Füchse und Wildschweine dar, deren Populationen wachsen. Die tief fliegenden Vögel werden zudem oft Opfer von Stromunfällen an Hochspannungsleitungen. Die allgemein hohe Störungsanfälligkeit und die große Fluchtdistanz von über 1 km tragen das Ihre zum Rückgang  bei. 


Foto: www.kovacs-images.com

Foto: www.kovacs-images.com

Foto: www.kovacs-images.com
Internationale EU-Schutzprojekte kämpfen seit einigen Jahren um den Erhalt dieser einzigartigen Vögel in der Grenzregion Österreich, Ungarn und der Slowakei.

In Österreich gibt es etwa 100 Großtrappen (v.a. Burgenland und Weinviertel), den größten Bestand in Mitteleuropa hat Ungarn (etwa 1200).
Hierzulande wurden mehrere Trappenschutzgebiete ausgewiesen, etwa in Form von Natura 2000-Gebieten oder im Rahmen des österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL 2000). 

Von 2010 bis 2015 läuft ein aktuelles LIFE+-Projekt zum Schutz der gesamten westpannonischen Population.
 


Großtrappen im Landesmuseum,
Foto:Schaar


Die drei wichtigen Trappengebiete Niederösterreichs sind das Westliche Weinviertel, das Marchfeld und die Rauchenwarther Platte. Den Wert solcher Lebensräume kann man mit der richtigen Pflanzenmischung auf Brachen (z.B. Klee-Luzerne-Gras-Raps) erhöhen. Wichtig sind auch Erdverlegungen bzw. Markierungen von Hochspannungsleitungen.
 

Mit der richtigen Mischung aus Lebensraumschutz, Managment und Interessensausgleich kann man auch heutzutage einen Kompromiss zwischen den Erfordernissen der Landwirtschaft und des Artenschutzes schaffen. Auch und gerade für anspruchsvolle und gefährdete Arten der Kulturlandschaft wie der Großtrappe. 


Grosstrappe: Foto: Steven Cooper


Grund zur Hoffnung, das Schauspiel der Trappenbalz im April und Mai weiterhin beobachten zu können, gibt es: Im Westlichen Weinviertel wurden Mitte der 90er Jahre 22 Großtrappen gezählt, heute sind es wieder über 60. Nähere Informationen zu den niederösterreichischen Schutzbemühungen gibt es z.B. unter www.grosstrappe.at 

Text: Michael Schroll