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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

16. Dezember 2013

Sterlet

Fisch des Jahres 2014

Der kleinste heimische Stör rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit

Aktueller Artikel von wwf Österreich: http://www.wwf.at/de/menu27/subartikel2740/
 
Mittellaufbecken mit Sterlet,
© Landesmuseum Niederösterreich, Foto: B. Gramm

Die Ursprünge unserer heutigen Störe liegen unglaubliche 200 Millionen Jahre zurück, in der Blütezeit der Dinosaurier. Als der bekannte Archaeopteryx seine ersten Flugversuche machte, gab es bereits seit 50 Millionen Jahre Störe! Selbst die gigantische Aussterbewelle vor rund 65 Millionen Jahren haben diese Fische überlebt.
Im 21. Jahrhundert könnten diese Erfolgsmodelle der Evolution aber scheitern. Denn heute übernimmt der Mensch die Rolle von einschlagenden Kometen.

Die Störe der Donau …

Waxdick © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: M. Schaar
Ursprünglich lebten mit dem Sterlet noch vier andere Störarten in der niederösterreichischen Donau. Drei von ihnen (Hausen, Waxdick, Sternhausen) waren aber nur Gäste auf Zeit. Sie kamen aus dem Schwarzen Meer und wanderten die Donau nur zum Ablaichen hinauf. Die größten Exemplare mit bis zu 8 m Länge und 1500 kg Gewicht brachten der Hausen hervor!



… und ihr Niedergang

Die Störe der Donau waren schon weit vor der Römerzeit begehrte Beute. Mit Netzen, Angeln und Sperrsystemen wurde ihnen nachgestellt. Im 16. Jahrhundert sollen an manchen Marktagen in Wien bis zu 450 Hausen mit einem Gesamtgewicht von rund 50 t angeboten worden sein. Spätestens ab dem beginnenden 19 Jh. zeigten sich aber deutlich die Folgen der Überfischung. Während 1830 am Wiener Fischmarkt noch täglich bis zu 15 Störartige angeliefert wurden, waren sie um 1850 am Markt nur noch Raritäten. Ab 1899 schienen die größeren Störarten in den Marktberichten Wiens nicht mehr auf.

Der letzte von fünf

Heute sind die aus dem Schwarzen Meer heraufziehenden Störe durch die Donaukraftwerke endgültig von ihren Laichgründen abgeschnitten.
Geblieben ist der Sterlet. Er ist mit maximal 1 m Länge die kleinste Störart. Als Süßwasserbewohner kann er sich in der durch Kraftwerke unterteilten Donau halten.
Die von ihm bevorzugten Donauabschnitte mit deutlicher Strömung findet er innerhalb Österreichs aber nur noch in der Wachau und im Nationalpark Donau-Auen unterhalb von Wien.

Urtümliches Aussehen

Wie seine nächsten Verwandten hat auch der Sterlet (Acipenser ruthenus) ein „urtümliches“ Aussehen. Die unsymmetrische Rückenflosse erinnert ein wenig an die mancher Haie. Kräftige Knochenplatten verlaufen in fünf Reihen über dem Körper und verleihen ihm ein wehrhaftes Äußeres.
An der Unterseite ihrer spitz auslaufenden Schnauze findet sich die Mundöffnung, die ausstülpbar ist. Vor ihr liegen 4 fadenartige Barteln. Diese Sinnesorgane, die beim Sterlet an der Spitze ausgefranst sind, helfen beim Aufspüren von Bodenkleintieren wie Würmern, Krebsen, Weichtieren und kleinen Fischen.
Photos.com, Foto: Mijau

Botschafter für eine andere Zeit

Damit eine 200 Millionen Jahre dauernde Erfolgsgeschichte nicht in unserer Zeit zu Ende geht müssen nicht die Störe ihr, sondern wir unser Verhalten ändern. Wasserkraft wird zu den erneuerbaren, also „guten“ Energiegewinnungsmethoden gezählt. Doch auch sie hat ihre Opfer. Ihre Kosten sind eine Zerschneidung und Veränderung heimischer Gewässer. Ein sparsamer, bewusster Umgang mit Energie ist sicher „fischfreundlicher“, als ein weiterer Ausbau.
Und schon zu den kommenden Festtagen können wir den uralten Botschaftern aus der Dinosaurierzeit unsere Referenz erweisen. Eine festliche Weihnachtstafel, ein beschwingter Jahreswechsel kommt doch sicher auch ohne Kaviar, den verarbeiteten Störeiern, aus!?

Text: Mag. Norbert Ruckenbauer
Literaturhinweis:
• Gerstmaier, R.; Romig T. (2003) Die Süßwasserfische Europas für Angler und Naturfreunde. Franckh-Kosmos Verlag
http://www.oekf.at/oekf-aktuell/oekf-aktuell/ (Stand 10.12.2013)
• Mikschi, Ernst (2006) Vom Hausen und der Donau. pp. 134 – 139. In: Bauer, Martina; Ebner Horst (2006) „Echt tierisch. Was sieht der Mensch im Tier“ Ausstellungskatalog Heldenberg in Kleinwetzdorf.
• Waidbacher H. (2002) Niederösterreichische Fischfauna – eine bemerkenswerte Artenvielfalt. pp. 196 – 197. Aus: Niederösterreichisches Landesmuseum (Hrsg. ) (2002) Natur im Herzen Mitteleuropas. Landesverlag, St. Pölten

29. November 2013

Geschichte des Adventkalenders

Im Jahr 1980 erschien anlässlich der Ausstellung "Adventkalender"der Volkskundlichen Sammlung des NÖ Landesmuseums die erste größere Publikation zu diesem Thema im deutschen Sprachraum.
Der von Werner Galler damals herausgegebene Katalog basierte großteils auf Exponaten einer Privatsammlung und war bald vergriffen. Gezeigt wurden etwa 250 Exponate. Da es jedoch immer wieder Anfragen dazu gab, wurde ab den 1990erJahren begonnen, eine eigenständige Sammlung von Adventkalendern anzulegen.


Zur Geschichte des Adventkalenders

Der Sinn des Adventkalenders war es, die Zeit des Advents bis zur Geburt Christi durch eine Art Zeitmessung für die Kinder zu überbrücken. Als eine bekannte Vorform wird der an christlichen Schulen geübte Brauch des Einlegens von Strohhalmen in eine leere Krippe angesehen.
Der gedruckte früheste Adventkalender geht etwa auf das Jahr 1903 zurück. Es war der damals etwa 24jährige Gerhard Lang, Inhaber der "Lithographischen Kunstanstalt" Reichhold und Lang in München, der den Kalender "Im Lande des Christkinds", "ein reizendes Spielzeug...eine rechte Vorweihnachtsfreude...die den Kindern das lange Warten verkürzt..." herausbrachte. Er war zweiteilig, und bestand einerseits aus einem Blatt mit 24 Gedichten und andererseits aus einem zweiten Blatt mit Ausschneidekästchen, die dann  auf die entsprechenden Stellen der Gedichte zu kleben war.
Die vielfältige Entwicklung wurde nach dem 2. Weltkrieg gestoppt, bevor 1946 der erste Adventkalender des Richard Sellmer Verlages "Die kleine Stadt" in mehreren Sprachen erscheinen konnte. Die Kalender wurden zumeist aufgehängt, auch Stellkalender waren beliebt.

Das älteste Sammlungsstück des Landesmuseum, erworben 2004, stellt der Aufklebekalender "Die Himmelfahrt des Zwerg Nase" (Ein Weihnachtsmärchen von Otto Mayr-Arnold),illustriert von der Wiener Künstlerin Elsa Schnell-Dittmann, beginnend mit dem 6. Dezember aus der Zeit um 1920 dar.
Eine Rarität ist der 1942 erschienene "Vorweihnachtskalender", vom Hauptkulturamt der NSDAP herausgegeben, zusammengestellt von Thea Haupt. Der Hauptgedanke ist die Überwindung der Dunkelheit durch das Licht, Back- und Bastelanleitungen ergänzen ausgewählte  Sinnsprüche, Gedichte und Geschichten.
Aus der Nachkriegszeit stammt ein Kalender der Haus- und Küchengerätefirma F H. Madera, Wien 18, der ein Krippenhaus mit dem Christbaum in den Mittelpunkt stellte.
Ebenfalls als Werbemittel fungierten die seit etwa den 1950erJahren aufgelegten Kalender der Strumpf- und Wäschewarenfirma Palmers, deren grüne Kutsche mit den zwei Ponys auf keinem der Kalender fehlen durfte.
Unter den von Verlagen produzierten Kalendern sei der Linzer Veritas-Verlag genannt, der einen hohen Aufhängkalender mit einem "Veritas-Adventweg", vermutlich aus den 1980erJahren produzierte.


Text: Dr. Franz Groiß, Volkskundliche Sammlung Land Niederösterreich

Bräuche der Advent- und Weihnachtszeit

Barbarzweige

Photos.com, Foto: mallivan

Am 4. Dezember, dem Gedenktag der Hl. Barbara, werden gerne Zweige von prächtig blühenden Bäumen oder Sträuchern abgeschnitten und in Vasen gesteckt. Der Brauch geht auf eine Legende zurück, nach der die Hl. Barbara, eine frühchristliche Märtyrerin, auf ihrem Weg in das Gefängnis an einem Zweig hängengeblieben sein soll. Sie nahm den Zweig mit und wässerte ihn ein. Genau am Tag ihrer Verutreilung zum Tod soll der Zweig geblüht haben. Mit dem Blühen der Barbarazweige am Heiligen Abend verbanden sich verschiedene, regional unterschiedliche Orakel: Meist wurde das Blühen der Barbarazweige mit einer bevorstehenden Hochzeit in Verbindung gebracht oder auch der richtige Bräutigam konnte damit eruiert werden: Die einzelnen Zweige verschiedenen Verehrern zugeordnet, deutet der zuerst blühende Zweig auf den „Mister Right“.


Raunächte

Foto: photos.com,Hemera Technologie
Um die Raunächte ranken sich viele Erzählungen und Bräuche. So vielfältig wie das Brauchtum rund um diese längsten Nächte des Jahres sind auch die Erklärungen für deren Bezeichnung: Entweder geht das Wort auf das Mittelhochdeutsche „ruch“ , was soviel wie haarig bedeutet, zurück und meint damit die zottigen Gesellen, die etwa in der Vorstellung der „wilden Jagd“ in den Raunächten eine Rolle spielen. Eine andere Erklärungsmöglichkeit liegt in dem Brauch, an diesen Raunächten mit Weihrauch durch das Haus zu ziehen. In unseren Breiten werden die Raunächte als Nächte zwischen dem Heiligen Abend und Epiphanie, besser bekannt als Drei-Königs-Tag, angesehen. Die Besonderheit dieser Nächte zeigt sich auch im Wort Weihnachten, das im Mittelalter als Plural gebraucht, die geweihten Nächte zwischen Heiligem Abend und Epiphanie bezeichnet.
 


Ausrauchen

Räuchern, Foto: photos.com,
David Lovere

Wahrscheinlich gegen Ende des Mittelaters hat sich der Brauch herausgebildet, in den Raunächten die Wohnungen und Ställe mit Weihrauch zu beräuchern. Verbunden damit ist die Austreibung böser Geister sowie das Erflehen göttlichen Schutzes. Wo dieser Brauch in Niederösterreich noch begangen wird, so werden heutzutage am Heiligen Abend, zu Silvester und am 5. Jänner mit Weihrauch und Weihwasser die einzelnen Wohn- und Wirtschaftsräume beräuchert. Zu diesem mit Gebet begleitetem Zug durch und um das Haus versammelt sich die ganze Familie. Eine Besonderheit ist das „Rauch-Beten“ am Vorabend von Heiligen Drei Könige, die der Tradition nach dem neugeborenen Christuskind auch Weihrauch gebracht haben sollen. Dabei versammelt sich die Familie nach dem Ausrauchen zum Gebet rund um das Weihrauchfaß.



 


„Sampa-Müch“

Dieser Brauch ist nur in einigen Gegenden in Niederösterreich bekannt, hierbei besonders im Mostviertel. In der letzten Raunacht, sprich von 5. auf den 6. Jänner, wird der Heuboden gekehrt als Vorbereitung auf den Tanz der „Sempa-Muatta“ mit ihren Geißlein. Dem Brauch nach ist es streng verboten, in der Nacht Nachschau auf das wilde Treiben zu halten, da man sonst erblindet. Eine Analogie findet diese Erzählung in der auch in den Raunächten bekannten „wilden Jagd“. Ihren Ursprung hat die Gestalt der „Sampa-Muatta“ in heidnischen Vorstellungen von weiblichen Gottheiten, hierbei besonder von Ambeth, einer lebengebenden Frauengöttin. Daher gibt es im süddeutschen Raum auch den Brauch des „Sempa-Laufens“, bei dem junge Frauen zur Steigerung der Fruchtbarkeit mit der Lebensrute „geschlagen“ werden. Verbunden mit der „Sempa-Muatta“ ist die „Sempa-Müch“: Klein geschnittenes Brot oder Semmeln werden mit warmer Milch übergossen und von der ganzen Familie aus einer großen Schüssel gegessen. Die verwendeten Löffel werden über Nacht in einen kleinen übrig gelassenen Rest der „Sampa-Müch“ gesteckt und wer am Morgen am meisten Rahm auf dem Löffel hat, der gilt als der Reichste im Haushalt das ganze Jahr über.

Text: Dr. Johannes Kritzl

Adventkranz

Der liturgische Adventkranz

Beim Adventkranz handelt es sich um einen relativ jungen Brauch der Adventzeit. Der evangelische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern gilt als Erfinder des Adventkranzes. 1839 soll er für arme Kinder, denen er ein Zuhause gab, in Hamburg den ersten Adventkranz aus einem Wagenrad gebastelt und ihn mit Kerzen versehen haben. Für jeden Tag des Advents war eine Kerze vorgesehen, im Lauf der Zeit reduzierte sich die Anzahl der Kerzen auf die vier Adventsonntage. In den katholischen Bereich hat der Brauch des Adventkranzes erst vor nicht einmal hundert Jahren Eingang gefunden.

Das Objekt des Monats Dezember 2013 im Landesmuseum ist der liturgische Adventkranz.
 
Adventkranz, Foto: B. Gramm

Ein liturgischer Adventkranz zeichnet sich durch drei violette und eine rosa Kerze aus. Die Bezeichnung liturgischer Adventkranz geht auf die sowohl in der katholischen wie auch evangelischen Kirche verwendeten Farben für die Sonntagsliturgie zurück. 
Am ersten, zweiten und vierten Sonntag wird die Farbe violett verwendet, was auf den besinnlichen Charakter der Adventzeit hindeutet. So wurde erst vor rund hundert Jahren mit dem neuen Codex Iuris Canonici 1917 für Katholiken das verbindliche Fasten in der Adventzeit ausgesetzt. 
Der dritte Sonntag der Adventzeit trägt den Namen „Gaudete“, nach dem Introitus des Gottesdienstes: Gaudete semper in Domino - Freut euch im Herrn allezeit (Phil 4,4). Da mit dem dritten Adventsonntag das Weihnachtsfest schon in greifbare Nähe gerückt ist, wird er auch als Sonntag der Vorfreude bezeichnet, weshalb das auf die Buße hinweisende Violett an diesem Sonntag zu einem fröhlicheren Rosa abgeschwächt wird. So kann man zweimal im Jahr, einmal im Advent und einmal in der österlichen Bußzeit, den Pfarrer der Gemeinde in rosa Messgewändern sehen.
 

Schon gewusst? Der Advent ist im Unterschied zur österlichen Bußzeit jedes Jahr unterschiedlich lang. Die Regel lautet, dass die letzten vier Sonntage vor dem 25. Dezember als Adventsonntage gelten. Somit kann der erste Adventsonntag, der den Beginn des Advents markiert, in einer Zeitspanne zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegen.

Text: Dr. Johannes Kritzl

22. November 2013

Die Eibe

Baum des Jahres 2013

2013 wurde über das Gemeinschaftsprojekt von Lebensministerium und Kuratorium Wald, die Eibe (Taxus baccata) als „Baum des Jahres“ auserwählt. Sie fällt uns besonders im Herbst durch ihr saftiges Grün und ihre rot leuchtenden, beerenartigen Samenhüllen auf. 

Eibe, Foto: A. Habiger

Da bei der Eibe bis auf die Samenhülle alles giftig ist, wird sie häufig Gegenstand von Diskussionen rund um die Gartengestaltung. Gestutzt,  geschnitten und  in Form gebracht, als Hecke oder einzeln stehend, ist sie dennoch in unserem Garten ein oft gesehener  Baum.  Im Winter belebt sie als immergrüne Pflanze den Garten und im oft stiefmütterlich behandelten Schattengarten gedeiht sie prächtig. Wegen der enormen Austriebsfähigkeit liebten die Gärtner diesen Baum  bereits im Barock und legten Eibenlabyrinthe als Landschaftselemente an.  Selbst am Grabe steht sie uns noch zur Seite. Mit ihren dunkelgrünen Nadeln erweist sie sich jahrein, jahraus als würdiger „Totenbaum“. 
Eigentlich glauben wir ganz gut über die Eibe Bescheid zu wissen.  Aber wer kennt sie schon außerhalb der Grenzen von Gärten, Parkanlagen und Friedhöfen? Dort trifft man die Eibe, obwohl sie heimisch ist, nur noch sehr selten an. Als Waldbaum ist die Eibe vom Aussterben bedroht.
 

Innerhalb der Gattung Eibe gibt es insgesamt 6 verschiedene Arten. Die natürliche Verbreitung der Gemeinen Eibe (unsere heimische Art) erstreckt sich von ganz Europa und Kleinasien bis in den Iran. Sie stellt einen der ältesten Bäume unserer Heimat dar und gehört zur Klasse der Gymnospermae (Nacktsame).  Bei dieser primitiven Pflanzenklasse gibt es sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Bei den Eiben sind die Geschlechter auf verschiedene Bäume verteilt (Zweihäusigkeit). Im Februar erscheint der männliche Baum in einer gelben Pollenwolke, während die rote Samenhülle nur bei den weiblichen Bäumen im Herbst auftritt.  Das sehr harte und schwere Holz wurde bereits in der Steinzeit von den Menschen sehr geschätzt.

Eibe, Foto: A. Habiger
Diverse Waffen, wie Lanze, Bogen und Armbrust, Zapfhähne, Musikinstrumente, nicht zu vergessen Furnierarbeiten und Schnitzereien stehen unter anderen auf der langen Liste. Auch Ötzi, der weltweit bekannte, im ewigen Eis gefundene Similaun-Mensch besaß einen Bogen aus diesem extrem elastischen Holz. Heute ist die Eibe im Holzfachhandel  kaum vertreten.  Ein Möbelstück aus Eibenholz stellt etwas ganz Besonderes dar. Da der Baum nur noch sehr selten in unseren Wäldern vorkommt, wird das Holz zu hohen Preisen gehandelt. Doch wie kam es, dass die Eibe aus unseren Breiten nahezu verschwunden ist?
Nach der Eiszeit,  als sich der Wald wieder ausbreiten konnte, setzte sich die Eibe zunächst noch sehr gut durch. Sie drang sogar bis in den Süden von Skandinavien vor. Durch ihren stärksten Konkurrenten, die ebenfalls schattenverträgliche Buche, kam es jedoch zu einem Rückgang der Eiben. Durch die Holznutzung wurde sie beinahe ausgerottet. Der Holzverbrauch erreichte im Hochmittelalter seinen Höhepunkt, als England für Langbögen als Kriegswaffen sogar Rohlinge über das Meer importierten. 


Nicht alle Bewirtschaftungsformen bieten gute Voraussetzungen für die Eibe. Als Jungpflanze braucht sie viel Schatten um konkurrieren zu können, später aber wieder Licht um die Blüte anzuregen und sich zu verjüngen. Dort wo es Weidevieh gab, wurden Eiben aus Sicherheitsgründen entfernt. Die Samen und Nadeln sind für Kühe und Pferde hochgiftig. Die derzeitige hohe Wilddichte und der damit einhergehende starke Wildverbiss verhindern zusätzlich das Aufkommen der Eibe. Anders als bei Menschen, Pferden und Kühen, vertragen Rehe und Hirsche diese Pflanze sehr gut. Eibensprösslinge werden vom Wild gerne gefressen.
Aus all diesen Gründen musste die Eibe unter Naturschutz gestellt werden. 


Ein Verschwinden dieses wertvollen Baumes aus unseren Wäldern wäre sehr bedauerlich. Abgesehen von den  exzellenten Holzeigenschaften und den vielen Gestaltungsmöglichkeiten im Garten, spielt die Eibe auch als Hoffnungsträger  in der Medizin eine bedeutende Rolle.  Aus der Rinde der Pazifischen Eibe gewinnt man einen Wirkstoff  gegen verschiedene Krebskrankheiten. Heute kann dieses Mittel auch aus unserer heimischen Gemeinen Eibe teilsynthetisch hergestellt werden.
 

Mit der Aktion „Baum des Jahres“ soll auf die Situation der Eibe aufmerksam gemacht werden. Zur Erhaltung der genetischen Vielfalt fördert das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) den Bestand der Eibe durch gezielte waldbauliche Maßnahmen. Als Ergebnis aller unterstützender Maßnahmen soll in Zukunft dieser Baum wieder ein sicherer Bestandteil unserer Wälder werden.

Text: Astrid Habiger

14. November 2013

Igel

Ein gern gesehener Gast in unseren Gärten

Weiß oder braun?

Igel, photos.com, Foto: Gustav Bergman
Spricht man vom Igel, so ist in Österreich meist der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) gemeint. Dabei ist er nicht die einzige heimische Igelart. Denn in Österreich überlappt sich das Verbreitungsgebiet des Braunbrustigels (der in West- und Teilen Nordeuropas vorkommt) mit jenem des Nördlichen Weißbrustigels, den man in Osteuropa antrifft. Die beiden Arten unterscheiden sich in der Fellfarbe von Brust und teilweise auch Kehle. Ansonsten aber ähneln sie einander stark in Aussehen und Verhalten. Beide bevorzugen strukturreiche Gebiete mit unterschiedlicher Vegetation. Da jedoch in Regionen mit intensiver Land- und Forstwirtschaft solche Lebensräume oft rar sind, nutzen Igel als sogenannte Kulturfolger heute gerne Gärten und Parks. Ihr Streifgebiet kann eine Größe von bis zu 1 km2 umfassen. Es kann sich mit dem Aktionsraum anderer Igel überlappen und wird nicht gegen Artgenossen verteidigt. Igel sind friedliche Einzelgänger, die einander lieber aus dem Weg gehen.

Kleiner Insektenfresser mit großem Appetit

Igel erreichen eine Größe von  bis zu 30 cm und ein Gewicht von 800 bis 1.500 Gramm, wobei die Männchen größer und schwerer sind als die Weibchen. Sie gehören – genau wie zum Beispiel Maulwürfe und Spitzmäuse – zur Gruppe der Insektenfresser. Neben verschiedenen Insekten und deren Larven fressen sie aber auch Tausendfüßer, Spinnen und Schnecken. Beobachten kann man sie bei der Futtersuche allerdings nur selten, denn Igel schlafen am Tag und jagen in der Nacht. Sie müssen während des Sommers ausreichend Fett als Reserve für den Winter ansetzen. Denn während des Winterschlafs kommen sie bis zu sechs Monate ohne Futter aus. Dabei verlieren die Tiere ein bis zwei Fünftel ihres Körpergewichts. Um die kalte Jahreszeit unbeschadet zu überstehen, müssen junge Igel deshalb mindestens ein halbes Kilogramm auf die Waage bringen.

Stachelkleid

Igel, Foto: M. Schaar
Das wohl auffälligste Merkmal des Igels sind seine Stacheln, die Kopfoberseite und Rücken bedecken. Es handelt sich bei diesen Stacheln um nichts anderes als umgewandelte Haare. Sie sind hohl und bei einem erwachsenen Tier zwischen 2 und 3 cm lang und rund 2 mm dick. Da sie genau wie gewöhnliche Haare aus Keratin bestehen, sind sie fest, aber zugleich biegsam und können sogar Stürze aus einiger Höhe abfedern. Während ein neu geborener Igel nur etwa 100 noch sehr weiche Stacheln besitzt, sind es bei einem ausgewachsenen Tier zwischen 6.000 und 8.000. Sie bilden einen äußerst wirksamen Schutz gegen Feinde: Bei Gefahr zieht ein Igel zunächst seine Stirnstacheln wie ein Visier über die Augen. Dann rollt er sich mit Hilfe eines Ringmuskels zu einer Kugel zusammen und stellt die Stacheln auf. Dieser Abwehrmechanismus funktioniert aber nur bei den natürlichen Feinden des Igels, wie zum Beispiel bei Greifvögeln oder Füchsen. Gegen Autos oder Landmaschinen bietet das Stachelkleid allerdings keinen Schutz.

Schwache Augen, feine Nase, gutes Gehör

Die Augen des Igels sind entsprechend seiner nächtlichen Lebensweise eher schwach. Jedoch besitzen Igel einen hervorragenden Gehör- und Geruchssinn. Anders als Menschen hören sie auch im Ultraschallbereich. Ihre Nahrung identifizieren die Tiere mit dem sogenannten Jacobsonschen Organ – einem speziellen Geruchsorgan im Gaumendach. Duft- beziehungsweise Geschmacksmoleküle werden mit der Zunge aufgenommen und mit diesem zusätzlichen Sinnesorgan geprüft. Oft hört man den Igel dann laut schnüffeln, schmatzen und schnaufen. Denn Igel riechen nicht nur an für sie attraktiven Gegenständen, sie kauen auch darauf herum. Dabei bildet sich ein schaumiger Speichel, der zu den Sinneszellen des Jacobsonschen Organs befördert wird. Diese vermehrte Speichelbildung ist ganz natürlich und hat absolut nichts mit Tollwut zu tun!

Igelkarussell

Nach Ende des Winterschlafs, im April oder Mai, beginnt bei den Igeln die Paarungszeit, die sich bis in den Hochsommer erstreckt. Igelmännchen legen während dieser Zeit oft große Distanzen zurück, um ein paarungsbereites Weibchen zu finden. Sie umkreisen die Auserwählte unter lautem Schnaufen und Grunzen. Da sich das Weibchen zunächst vom Männchen abwendet, drehen sich die beiden Tiere im Kreis. Man bezeichnet dieses Verhalten, das oft mehrere Stunden dauern kann, als Igelkarussell. Nach erfolgreicher Paarung (bei der das Weibchen die Stacheln eng an den Körper legt, um das Männchen nicht zu verletzen) verlässt das Männchen seine Partnerin. Das Weibchen kümmert sich allein um die Aufzucht der zwei bis zehn Jungen, die nach etwa 35 Tagen Tragzeit geboren werden. Die jungen Igel sind zunächst noch blind und taub und wiegen nur 12 bis 25 Gramm. Sechs Wochen lang werden sie von der Mutter gesäugt. Danach ernähren sie sich selbständig. In nur einer einzigen Nacht können Igelkinder bis zu 10 Gramm zunehmen! Das ist wichtig, damit sie ihren ersten Winter gut überstehen.

Winterschlaf

Igel, photos.com, Foto:  Marek Tihelka
Um den Nahrungsmangel während der kalten Jahreszeit zu überbrücken, halten Igel Winterschlaf. Dieser Winterschlaf dauert (abhängig von der Region und den klimatischen Verhältnissen) von November bis Ende März / Anfang April. Die Tiere suchen dazu ein geeignetes Winterquartier, wie zum Beispiel einen Laub- oder Reisighaufen auf. Während des Winterschlafs werden sämtliche Körperfunktionen auf ein Mindestmaß gedrosselt: Ihr Stoffwechsel wird bis zu hundertmal langsamer. Die Körpertemperatur sinkt von 36° auf rund 5° C. Das Herz schlägt nur noch etwas mehr als 10mal in der Minute und die Atemfrequenz sinkt auf rund 5 Atemzüge pro Minute. Igel verschlafen jedoch nicht den ganzen Winter am Stück. In der Regel wachen sie zwischenzeitlich auf, bleiben aber in ihrem Nest. Erst wenn die Außentemperatur im Frühjahr wieder längere Zeit über 10°C liegt, wird der Winterschlaf beendet. Die Durchblutung wird erhöht, Atem- und Herzfrequenz steigen. Durch Muskelzittern erreicht der Igel wieder seine normale „Betriebstemperatur“.

Igel in Gefahr

Igel, Foto: M. Schaar
Gegen seine natürlichen Feinde schützt sich der Igel sehr erfolgreich mit seinem Stachelkleid. Vielen anderen Gefahren ist er jedoch schutzlos ausgeliefert. So sind Igel mittlerweile auf der Roten Liste der geschützten Tiere Österreichs als gefährdet bis stark gefährdet ausgewiesen. Vor allem die Verarmung der Landschaft und der damit einhergehende Verlust von geeignetem Lebensraum machen den Tieren zu schaffen. In intensiv land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten fehlt es an den nötigen Strukturen (wie zum Beispiel Hecken oder insektenreichen Magerwiesen). Siedlungs- und Straßenbau schränken den Lebensraum des Igels weiter ein. Zudem reagieren Igel sehr empfindlich auf den Einsatz von Düngern und Pestiziden. Vor allem aber auf unseren Straßen kommen jährlich unzählige Igel zu Tode.

Erste Hilfe?

Am besten kann man Igel unterstützen, indem man für eine Verbesserung ihres Lebensraums in Siedlungsbereichen sorgt – etwa dadurch, dass man einen Teil des Strauch- und Baumschnitts liegenlässt oder andere Unterschlupfmöglichkeiten  bietet. Gefahrenstellen (wie zum Beispiel Schächte oder Schwimmbecken) sollten entschärft werden. Auf den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sollte man so weit als möglich verzichten. Nicht notwendig ist es dagegen, einen gesunden Igel aus falsch verstandener Fürsorge den Winter über in Pflege zu nehmen. Eine solche Betreuung ist nur bei deutlich zu leichten, kranken oder verletzten Tieren sinnvoll und muss stets fachkundig erfolgen.

Text: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

31. Oktober 2013

Den Naturgarten herbstlich gestalten


Wenn das Laub, die Früchte und Beeren im Garten in den buntesten Farben erstrahlen, ist es gewiss: Der Herbst ist da. Die Aktion „Natur im Garten“ hat einfache Tipps zur Pflege und Pflanzenauswahl für Sie parat.


Sanddorn © Natur im Garten, Foto: A. Haiden

Die richtige Pflanzenauswahl bringt Farbe in den herbstlichen Garten: Viele Gehölze bestechen durch kräftig gefärbte Früchte in orange, rot, violett oder gelb. Wildrosen bilden Früchte, die so genannten Hagebutten, in den verschiedensten Formen, Größen und Farben aus. Auch Sanddorn, Schlehe, Berberitze oder Schneeball punkten durch bunte und leuchtende Farbenpracht.


Hagebutten © Natur im Garten,
Foto: A. Haiden



Ein Staudenbeet bietet das ganze Jahr über einen abwechslungsreichen, interessanten und schönen Anblick. Jetzt begeistern Astern und Anemonen und im Winter, wenn sich der Raureif auf die Blütenstände und Gräser legt, wird das Staudenbeet zu einer weißen Märchenwelt. Die getrockneten Stauden und Blütenstände sind ein wichtiges „Überwinterungshotel“ für viele nützliche Insekten. Am besten räumen Sie daher die Staudenbeete erst im Spätwinter ab. Schöne Fruchtstände, die lange haltbar bleiben, bildet etwa das Gelbe Brandkraut, das Eisenkraut oder das Riesen-Ehrenpreis aus.

 

Weitere Informationen zum Naturgarten:
NÖ Gartentelefon +43-2742/74 333
www.naturimgarten.at
www.youtube.com/naturimgarten

15. Oktober 2013

Kastanie

Passend zum Objekt des Monats Oktober 2013 im Landesmuseum: http://bit.ly/19jBIC1

Kastanie ≠ Kastanie

Vertraute Fremde

Kastanienbaum, Foto: B. Gramm
Als stattlicher, bis zu 25 Meter hoher Baum ziert die Gewöhnliche Rosskastanie Dorfplätze, Parks, Schulhöfe und Biergärten. Wir sind so sehr an sie gewöhnt, dass wir ihre fremdländische Herkunft gar nicht mehr wahrnehmen. Und doch ist die Kastanie kein heimisches Gewächs. Sie stammt ursprünglich aus dem Balkangebiet und wurde erst um 1570 von den Türken nach Wien gebracht. Vor allem wegen ihrer großen, auffälligen Blütenstände erfreute sie sich wachsender Beliebtheit, und schon bald wurde sie in ganz Europa als Ziergehölz in Parks und Gärten angepflanzt. Ihren Namen verdankt die Rosskastanie übrigens der traditionellen Verwendung als Heilpflanze: Schon die Türken sollen damit Hustenerkrankungen ihrer Pferde geheilt haben.

Ampel auf Rot

Die Blüten der Rosskastanie bilden zahlreiche dichte, aufrecht stehende Blütenstände, die auch als „Kerzen“ bezeichnet werden. Solange sie befruchtungsfähig sind und Nektar produzieren, sieht man an den Blüten einen hellgelben Fleck. Dieses Farbmal lockt Bestäuber wie zum Beispiel Bienen oder Hummeln an. Nach erfolgreicher Bestäubung versiegt die Nektarproduktion und der gelbe Fleck verfärbt sich dunkelrot. Die rote Farbe ist für die Blütenbesucher gleichsam das Signal, dass an dieser Blüte nichts mehr zu holen ist.
Neben den weißblühenden Rosskastanien gibt es übrigens auch noch eine rotblühende Form. Bei dieser handelt es sich jedoch nicht um eine eigene Art, sondern um eine Kreuzung aus der Gewöhnlichen Rosskastanie und der meist strauchförmig wachsenden, rot blühenden Pavie aus Nordamerika. Die Rotblühende Rosskastanie unterscheidet sich von der Gewöhnlichen Rosskastanie außerdem in der Form der Blätter und der Fruchtkapseln, die nur wenige oder gar keine Stacheln besitzen.

 

Heilpflanze und Hirschfutter

Kastanien, Foto: B. Gramm
Zwischen September und Oktober reifen die bestachelten Kapselfrüchte der Gewöhnlichen Rosskastanie. Jede Frucht enthält einen (selten auch zwei oder sogar drei) Samen. Diese großen, braunglänzenden Kastanien sind für uns Menschen ungenießbar und sogar schwach giftig. Dies gilt allerdings nicht für Wildtiere, und so werden Rehe, Rothirsche und andere Schalenwildarten im Winter oft mit Kastanien gefüttert. Zudem hat die Rosskastanie eine lange Geschichte als Arzneipflanze. Noch heute werden die Substanzen, die man aus Rinde, Blättern, Blüten und Früchten des Baums gewinnt, in Medizin und Kosmetik verwendet. Am bekanntesten ist die gefäßverstärkende und entzündungshemmende Wirkung der Rosskastanie. Rosskastanien-Präparate werden zum Beispiel bei Magengeschwüren, Venenentzündungen und Krampfadern eingesetzt. 
 
 

Kleiner Schmetterling – großer Schaden

Kastanienblätter, Foto: B. Gramm
Oft zeigen Kastanienbäume bereits im Sommer braune Blätter. Schuld daran ist die Kastanien-Miniermotte – ein nur etwa 5 mm großer Schmetterling. Woher die Miniermotte stammt, ist nach wie vor unklar. Sie wurde Anfang der 1980er Jahre erstmals in Mazedonien nachgewiesen und besiedelt inzwischen weite Teile Europas. Die Larven der Miniermotte bohren sich in die Blätter der Kastanienbäume. Durch ihre Fraßtätigkeit entstehen im Blatt Hohlräume (sogenannte Minen), in denen sich die Larven gut geschützt entwickeln. Da die Kastanien-Miniermotte meist zwei bis drei aufeinanderfolgende Generationen pro Jahr bildet, ist der Befall teils sehr massiv. Befallene Blätter vertrocknen, und oft sind die Bäume bereits im Juli vollständig braun. Schon im August setzt dann der Laubfall ein, was Gesundheit und Lebenskraft der Bäume beeinträchtigt.

Hartes Holz und zarte Blüten

Zwar sehen die Früchte von Rosskastanie und Edelkastanie einander auf den ersten Blick ähnlich, doch sind die beiden Bäume nicht miteinander verwandt. Anders als die Rosskastanie zählt die Edelkastanie nämlich zu den Buchengewächsen. Sie kann eine Größe von mehr als 30 Metern und ein beachtliches Alter von bis zu 2.000 Jahren erreichen. Ursprünglich war die Edelkastanie nur von Spanien über den Südalpenraum bis zum Balkan und in Kleinasien verbreitet. Erst die Römer haben den Baum nach Mitteleuropa gebracht, wo man ihn heute in wintermilden Gebieten in Parks und Gärten findet. Besonders schön sind die Bäume im Frühjahr, wenn ihre auffälligen und äußerst zahlreichen Blüten einen angenehmen Duft verströmen. Honigbienen finden die Blüten der Edelkastanie besonders attraktiv, sodass Wanderimker ihre Völker oft gezielt in Kastanienbestände stellen, um den begehrten Kastanienhonig ernten zu können. Das Holz der Edelkastanien ist ausgesprochen hart und  durch den hohen Gerbstoffgehalt auch sehr widerstandsfähig. Es wird traditioneller Weise im Weinbau (für Pfähle und Fässer) eingesetzt, findet aber auch als Bau- und Möbelholz Verwendung.

 „Fleisch und Brot“ der armen Leute

Kastanien, Foto: B. Gramm
Die Früchte der Edelkastanie (die botanisch gesehen übrigens zu den Nüssen zählen) bildeten über viele Jahrhunderte hinweg einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Ernährung. Mehr noch: Vor der Einführung der Kartoffel waren Maronen in vielen Gegenden Europas ein unersetzliches Grundnahrungsmittel. In Zeiten von Dürren oder Missernten halfen sie gegen Hungersnöte. Man stellte aus ihnen Kastanienmehl her – die Grundlage für die Zubereitung von Kastanienbrot. Bis heute werden die delikaten, stärkereichen  Früchte der Edelkastanie für verschiedene Gerichte verwendet, so zum Beispiel für Suppen oder für Süßspeisen. Geröstet werden sie vor allem auf Weihnachtsmärkten angeboten. Roh sind Maronen dagegen ungenießbar!

Kennen Sie übrigens das Sprichwort, dass man besser für niemanden die Kastanien aus dem Feuer holen sollte? Es geht auf eine bekannte Fabel des französischen Schriftstellers La Fontaine zurück, in welcher der Affe die Katze austrickst. Er lässt sich von ihr die Kastanien aus dem Feuer holen. Die Katze verbrennt sich die Pfoten, erhält aber nicht eine einzige Kastanie.
Die Kastanien für jemanden aus dem Feuer zu holen bedeutet also, dass man sich für einen anderen in Gefahr begibt und dafür womöglich auch keinen Dank erntet.


Text: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

20. September 2013

Herbstlaub

Ein Feuerwerk an Farben


Museumsgarten © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: B. Gramm
Sie erfreut das Auge des Naturliebhabers und inspiriert seit Jahrhunderten Maler und Dichter. Blattläusen dagegen verdirbt sie gründlich den Appetit. Die Rede ist von der herbstlichen Farbenpracht. Denn jedes Jahr im Herbst verfärben sich die Blätter der Bäume, bevor sie schließlich abfallen und verwelken. Doch warum ist das eigentlich so?


Schutz vor Kälte und Trockenheit

Wenn im Herbst die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, bereiten sich nicht nur viele Tiere, sondern auch die Bäume auf die Winterruhe vor. Laubbäume werfen ihre Blätter ab. Dies ist notwendig. Denn das Wasser in den Zellen würde zu Eis gefrieren und das zarte Blattgewebe zerstören. Außerdem gefriert auch das Wasser im Boden und der Baum könnte sich nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgen. Über die Blätter würde er zusätzlich Wasser verlieren und bald völlig austrocknen. Dazu kommt, dass die Blätter die Oberfläche des Baums enorm vergrößern. Damit wären auch die Schneelast und die Gefahr von Bruchschäden im Winter deutlich höher.


Ein Problem – zwei Lösungen


Museumsgarten © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: B. Gramm
Während also Laubbäume die kalte, trockene Jahreszeit durch das Abwerfen ihrer Blätter überstehen, verfolgen Nadelbäume eine andere Strategie. Ihre Blätter – die Nadeln – sind durch eine isolierende Wachsschicht vor dem Austrockenen geschützt. Zudem lagern sie im Herbst spezielle „Frostschutzmittel“ in ihren Nadeln ein, die Schäden durch tiefe Temperaturen verhindern. Eine Ausnahme bildet lediglich die Lärche. Sie wirft jedes Jahr ihre Nadeln ab. Zuvor leuchten auch diese in strahlendem Goldgelb.

 

Und woher kommen nun all die Farben?


Der wichtigste Pflanzenfarbstoff ist zweifellos das grüne Chlorophyll. Die Pflanze braucht es, um Photosynthese durchzuführen. Doch das Chlorophyll ist nicht der einzige Farbstoff, der in den Blättern vorkommt. Es überdeckt jedoch die anderen Farbstoffe, sodass man diese normalerweise nicht sieht. Im Herbst wird in einer aufwändigen Recycling-Aktion das kostbare Blattgrün abgebaut und in Stamm und Ästen für das kommende Jahr gespeichert. Nun werden die anderen Farbstoffe sichtbar – wie etwa die gelb-orangen Carotinoide bei der Birke oder die braunen Gerbstoffe bei der Eiche. Die Anthocyane dagegen, die zum Beispiel dem Ahorn seine leuchtend rote Farbe verleihen, werden erst im Herbst neu gebildet. 

Hübsch anzusehen, aber sinnlos?


Museumsgarten © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: B. Gramm
Noch vor kurzem galt die herbstliche Farbenpracht als zwar schönes, aber unbedeutendes Nebenprodukt des Laubfalls. Heute jedoch sieht man das anders. So sollen vor allem die roten Anthocyane wie eine Art Sonnencreme wirken, die das Blatt vor UV-Licht, aber auch vor freien Radikalen schützt. Zudem haben die bunten Farben angeblich auch Signalwirkung: Um sich gegen Insekten zu verteidigen, lagern Bäume schlechtschmeckende oder giftige Abwehrstoffe in ihre Blätter ein. Die Konzentration dieser Stoffe ist in knallig rot gefärbten Blättern besonders hoch. Demnach ist die Farbe der Blätter also ein Indiz für die Gesundheit und die Abwehrstärke des Baums. Und Schädlinge wie zum Beispiel Blattläuse meiden rote Blätter.

Oft lassen sich an bunten Blättern noch grün gefärbte Bereiche erkennen. Diese gehen auf parasitische Pilze, Bakterien oder Insektenlarven zurück: Die Parasiten produzieren ein Hormon, das die Blatt-Alterung hemmt. So bleiben grüne „Inseln“ erhalten, die den Parasiten noch für längere Zeit ausreichend Nährstoffe bieten.


Kein tragischer Fall…


Wenn das Chlorophyll abgebaut und für die kommende Saison gespeichert ist, wirft der Baum schließlich seine Blätter ab. Damit dabei an den Zweigen keine Verletzungen entstehen, erfolgt dieser Abwurf an einer definierten „Sollbruchstelle“. Zwischen Blattstiel und Zweig bildet sich eine Trennschicht aus. Diese besteht aus Kork und verhindert nicht nur den Verlust von Wasser, sondern auch das Eindringen von Krankheitserregern. 

... und doch ein weltbewegendes Ereignis

Herbstblätter © photos.com Bogdan Waßkowicz

Wenn es bei uns auf der Nordhalbkugel Herbst ist, so rückt mit dem Laub eine gewaltige Menge an Biomasse einige Meter näher an die Drehachse der Erde heran. Die Waldbestände auf der Südhalbkugel, können dies nicht ausgleichen, da sie –  allein schon durch die Lage der Kontinente – wesentlich kleiner sind als die Wälder im Norden. Der Effekt, der sich daraus ergibt,  ist der selbe, der es einer Eiskunstläuferin erlaubt, immer schnellere Pirouetten zu drehen, sobald sie die Arme nur enger an den Körper legt: Die Erde dreht sich im Herbst unmerklich, aber immerhin messbar, schneller. Sprießen im Frühjahr schließlich neue Blätter an den Bäumen wird die Erdrotation dadurch wieder etwas abgebremst.


Verfärbtes Blatt
© A. Benedetter-Herramhof


Gerbstoffe färben die Blätter von Buche und Eiche braun. Die goldgelbe Farbe der Birkenblätter und der Lärchennadeln wird durch Carotinoide verursacht. Anthocyane lassen das Laub des Ahorns im Herbst rot leuchten. 

Text: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

4. September 2013

Tierpfleger

Der Alltag der Tierpfleger im Landesmuseum

Lisa Hofer bei der täglichen Pflege, Foto: M. Schaar
Um 6.00 Uhr beginnt der Arbeitstag der Tierpflegerinnen Marlene Zechel und Lisa Hofer. Gemeinsam mit Lehrling Peter Blau werden zuerst sämtliche Vorbereitungsarbeiten für die Schauterrarien im Museum getroffen: Es wird Futter hergerichtet, es wird besprochen, was tagsüber alles zu erledigen ist, beispielsweise ob und wo Pflanzen getauscht werden müssen oder Aquarien gesaugt oder Scheiben gereinigt werden mssen. Ob Einkäufe zu erledigen sind und wenn ja, was benötigt wird. Wenn es kranke oder verletzte Tiere gibt, werden diese selbstverständlich auch gleich versorgt. Dann begeben wir uns in den Schaubereich. Dort wird gefüttert, Kot entfernt und die tägliche Kontrolle unserer Tiere muss natürlich auch sein. Das heißt, wir müssen unsere Pfleglinge und ihr Verhalten beobachten, um erkennen zu können, ob sie sich wohl fühlen oder ob etwas nicht stimmt.


Marlene Zechel im Außenbiotop, Foto: M. Schaar
Bei den insgesamt acht großen und kleinen Aquarien sowie den acht Terrarien wird täglich gesprüht, um eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu erhalten, welche die Tiere (Kröten, Echsen, Schlangen und Fische) benötigen, um sie artgerecht halten zu können. Weiters wird die Beleuchtung kontrolliert und die Scheiben werden gereinigt. Auf täglich frisches Trinkwasser muss geachtet werden. Da unsere Becken mit natürlichen Pflanzen bepflanzt sind,darf die Pflege der Pflanzen auch nicht zu kurz kommen.Dazu gehört das Stutzen der Pflanzen und das Entfernen der abgestorbenen Blätter.

Wenn im Schaubereich die täglichen Arbeiten abgeschlossen sind, geht es in der Quarantäneabteilung weiter. Auch hier müssen noch alle Tiere versorgt werden - füttern, wässern, sprühen, Kontrolle des Verhaltens der Tiere.
Die Reinigungsarbeiten spielen gerade in der Quarantäneabteilung eine sehr wichtige Rolle. In der Tierhaltung muss immer auf Hygiene und hygienisches Arbeiteten geachtet werden, um ev. Ausbreitungen von Krankheiten zu verhindern. Auch die Futtertiere, wie Mäuse und Insekten, müssen mit Nahrung und frischem Wasser versorgt sowie ihre Käfige gesäubert werden.Wenn alle Tiere versogt sind, ist Zeit für diverse Einkäufe oder in der Natur Einrichtungsgegenstände für unsere Terrarien zu sammeln.

Tierpfleger ist ein sehr interessanter, schöner und spannender Beruf, da man mit Lebewesen arbeitet und diese fordern ihre Pfleger jeden Tag auf´s Neue.

Wenn um 9 Uhr die ersten BesucherInnen ins Landesmuseum kommen, haben die TierpflegerInnen den Großteil ihrer Arbeit bereits getan.
 

Nachzucht und Aufzucht


Gelbbauchunke, Foto: M. Schaar
Das richtige Terrarium, wie auch die Einrichtung und Temperatur spielen für unsere Reptilien eine ganz große und wichtige Rolle. Wenn sich unsere Pfleglinge nicht wohl fühlen, kommen sie auch nicht in Paarungsstimmung. Begonnen bei der Beleuchtung bis hin zum Bodensubstrat, sollte alles so gut wie nur möglich nach dem natürlichen Lebensraum der Tiere gestaltet werden. Eine besondere Herausforderung ergibt sich durch die Jahreszeiten. Einleitung für die Paarungszeit ist das Erwachen nach der Winterruhe, was für uns Pfleger bedeutet, dass wir unsere Tiere unbedingt in einem dafür vorgesehenen Kühlschrank bei 4-6 Grad überwintern müssen, um gute Zuchterfolge zu erzielen. Der zweite wichtige Punkt ist, dass sich die Tiere in ihrer Umgebung richtig wohl fühlen sollen. Das Halten und Nachzüchten von Reptilen und Amphiben in unseren Terrarien hat sehr viele Vorteile. Der größte Vorteil ist, dass man die Tiere nicht der freien Wildbahn entnehmen muss und sich der Artbestand in der Natur wieder regenerieren kann. Zum anderen gibt es viele Arten, die besonders geschützt sind, und bei denen es wünschenswert wäre, sie nachzuzüchten. Ein anderer Vorteil ist, dass die Tiere im Vergleich zu Wildfängen wesentlich unanfälliger für Krankheiten sind. Da unsere Reptilien und Amphibien alle unter Naturschutz stehen, ist es für jeden Normalbürger strafbar, wenn er Tiere der Natur entnimmt. Dies dürfen ausschließlich Fachkräfte mit einer speziellen Fanggenehmigung. 

Molch, Foto: M. Schaar

Wir sind stolz, auch heuer wieder Reptilien wie Schlingnattern und Äskulapnattern sowie Amphibien wie den Gelbbauchunken, Feuersalamander, Teichfrösche und Teichmolche nachgezogen zu haben.
Eine große Herausforderung ist natürlich auch die Aufzucht der Jungtiere. Anfangs solllten die Terrarien nur spärlich eingerichtet sein, damit eine tägliche Kontrolle der Tiere möglich ist. Außerdem sollten die Terrarien nicht zu groß sein, da die Tiere dann schneller ihr Futter finden. Auch muss jeder noch so kleine Spalt verschlossen oder abgedichtet werden, da die Winzlinge wahre Ausbruchskünstler sind. Der Pfleger muss genau über die Art, die er pflegt, Bescheid wissen, da manche Tierarten Kannibalismus betreiben, wie z.B. die Schlingnattern. Deshalb müssen manche Jungtiere einzeln gehalten werden, was aber auch den Vorteil hat, dass man immer genau weiß wer wie viel gefressen hat.
Ich bin sehr stolz, jedes Jahr über eine erfolgreiche Nachzucht berichten zu können und zu wissen, dass es den Tieren gut geht. Heuer liegen noch fünf Eier unserer heimischen Sumpfschildkröten im Inkubator (Brutkasten), den ich jeden Morgen voller Erwartung kontrolliere, ob mich vielleicht schon jemand aus dem Ei anblinzelt.  


Text: Marlene Zechel

22. August 2013

Breite Föhre

 
Breite Föhre 2013 und Blick in den Naturbereich, Foto: Theo Kust


Seit der Eröffnung des Landesmuseums Niederösterreich am 14. November 2002 in St. Pölten ist das Mödlinger Naturdenkmal „Breite Föhre“ im Naturbereich wieder zu sehen.
Das etwa 4,5 Tonnen schwere 500 Jahre alte Symbol für die charakteristische Umgebung Mödlings, die Föhrenberge, wurde am 14. Jänner 1997 gefällt, nachdem es in morschem Zustand zur Gefahr für Spaziergänger geworden war. Konservierungsmaßnahmen von 1991 blieben ohne Erfolg. In der Zwischenzeit fand der Baum, sieben Meter hoch mit einem Durchmesser von einem Meter in der Straßenmeisterei St. Pölten ein Zwischenlager, wurde restauriert, konserviert und sandgestrahlt vom Institut VIAS (Vienna Institute for Archaeological Science) und wurde am 8. August 2002 mit einem Spezialtransport ins Landesmuseum gebracht. 



Transport 2002 ins Landesmuseum, Foto: Gerald Lechner

Transport 2002 ins Landesmuseum, Foto: Gerald Lechner
An der Anninger Forststraße in der Hinterbrühl erinnert heute eine Gedenktafel an das Wahrzeichen, das auch gerne von Künstlern besucht wurde, so von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Hugo Wolf, Arnold Schönberg, Ferdinand Georg Waldmüller, Gustav Klimt, Franz Grillparzer, Egon Schiele, Albert Paris Gütersloh u.v.a.
So ist es auch kein Zufall, dass die Rettung des Denkmals in erster Linie vom Künstler Josef Bramer betrieben wurde.


Auch Mythen ranken sich um die „Breite Föhre“. So soll am Beginn des 20. Jahrhunderts ein wandernder Maler auf ein Marterl mit einer Mariendarstellung geschossen haben und die Muttergottes ins Auge getroffen haben. Auf einer späteren Wanderung sei er versehentlich ins Schussfeld eines Jägers geraten sein, der auf einen Fasan gezielt hätte. Indes traf er den Maler ins Auge.

Text: Gerhard Hintringer

Links zur Breiten Föhre:
http://anninger.heimat.eu/04_anninger_pflanzen.html#BreiteFoehre

http://www.moedlingkleinestadtganzgross.at/breite_foehre.htm

http://geschichte.landesmuseum.net/index.asp?contenturl=http://geschichte.landesmuseum.net/kunst/kunstdetail.asp___ID=-1607891954
 

13. August 2013

Sommerwiese

Gelbe Steinklee,
Foto: J. Litavnieks / photos.com

Eine bunte Blumenwiese im Sommer hat einen ganz besonderen Reiz. Blüten locken farbenprächtige Schmetterlinge, emsige Bienen und viele andere Tierarten an. Sobald der Duft beim Heumachen in der Luft liegt, stellt sich das Gefühl der Sommerferien, der großen Freiheit ein. Es ist das Cumarin, welches dem Heu seinen charakteristischen Geruch verleiht. Dieser sekundäre Pflanzenstoff ist in einigen Pflanzen enthalten, so zum Beispiel auch im Gewöhnlichen Ruchgras (Anthoxantum odoratum) oder im Gelben Steinklee (Melilotus officinalis). Ob Abenteuer oder romantische Stunden mit diesem Geruch verbunden und im Gehirn abgespeichert sind, die Sommerwiese löst pure Lebenslust aus.

Auch die Geräuschkulisse auf einer Wiese kann beachtlich sein. Im Sommer sind die Männchen der Heuschrecken die großen Musiker. 
Jede Heuschreckenart hat einen charakteristischen Gesang. Tagsüber wirbt der Gemeine Grashüpfer (Chorthippus parallelus) um die Gunst der Weibchen.  

Grüne Heupferd, Foto: C. Musat / photos.com

Wie mit einem Bogen, der an der Saite einer Violine entlanggestrichen wird, entsteht das Zirpen des Gemeinen Grashüpfers. Mit Hilfe eines Sägekamms an der Innenseite der Hinterschenkel und der Kante der Flügeldecke wird der Ton erzeugt. In lauen Sommernächten rufen hingegen die Männchen des Grünen Heupferdes (Tettigonia viridissima) mit großer Ausdauer. Sie zirpen indem sie beide Vorderflügel gegeneinander bewegen.



Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Käfer sind die wichtigsten Bestäuber. Während sie in die Blüte tauchen und sich am Nektar laben, bleiben Pollen an ihren Körpern haften. Beim nächsten Blütenbesuch gelangt somit der Pollen auf die Narbe des Blütenstempels und kann zu keimen beginnen. 


Schmetterling, Foto: B. Seiberl
Schmetterlinge (Sonderausstellung im Landesmuseum 21. April 2013 - 16. März 2014) haben einen besonders langen Saugrüssel und ernähren sich auch vom Nektar, der für andere Arten unerreichbar ist. Leider gelangten die Honigbienen in letzter Zeit mit dem weltweiten Bienensterben immer öfter in die Schlagzeilen. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, aber auch der Befall durch die Varoa Milbe sind unter anderem verantwortlich für dieses Phänomen. Ohne diese wichtigen Bestäuber können aus Blüten keine Früchte mehr entstehen.
 

Manche Tiere auf der Wiese weisen ganz eigentümliche Eigenschaften auf. Bei der Gottesanbeterin (Mantis religiosa) zum Beispiel sind die Vordergliedmaßen zu dornenbewehrten Fangbeinen umgebildet und werden in charakteristischer Weise vor der Brust zusammengelegt. So kam sie zu ihrem Namen. Lange Zeit wirkt sie wie erstarrt, aber der Schein trügt. Sobald ein Beutetier in ihre Reichweite kommt, reagiert die Gottesanbeterin sehr schnell. In nur ca. 20 Millisekunden werden die Fangbeine blitzartig nach vorne geschnellt und lebende Insekten, wie zum Beispiel Grillen, gepackt und aufgefressen.

Blumenwiese im Garten Landesmuseum, Foto: M. Schaar

An manchen Blumen und Gräsern klebt bis in den Juni hinein der sogenannte „Kuckucksspeichel“. Die Larven der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) erzeugen eine aus dem After austretende Flüssigkeit die mit Luft aufgeblasen wird. Dies ist ihre Methode sich vor Austrocknung und Feinden zu schützen. Das erwachsene Tier hingegen fällt durch seine enorme Sprungkraft auf. Dank der mächtigen Dornen an den Hinterbeinen kann die nur einen halben cm lange Wiesenschaumzikade im Sprung aus dem Stand eine Höhe von 70 cm erreichen.

All diese Insekten sind wiederum Leckerbissen für Vögel und Fledermäuse. Diese Artenvielfalt auf Wiesen ist aber nicht selbstverständlich. Eigentlich war Mitteleuropa ursprünglich überwiegend von einem Mischwald bedeckt. Erst durch Rodungen für landwirtschaftliche Zwecke entstanden Wiesen. Nur im Gebirge oberhalb der Baumgrenze oder auf sehr trockenen oder sumpfigen Standorten gibt es natürliche Wiesen. Um anthropogen entstandene Wiesen zu erhalten, müssen sie gemäht oder beweidet werden.


Je nach Nutzung (Mahd oder Weide), der Intensität der Nutzung (extensiv, intensiv) und den Bodenverhältnissen entstehen unterschiedliche Wiesentypen. Zum Beispiel entstehen Trockenwiesen auf trockenen und nährstoffarmen Böden und weisen eine hohe Artenvielfalt auf. Durch das geringe Nährstoffangebot wird die Ausbreitung jeder einzelner Pflanzenart begrenzt. Trockenwiesen werden gerne für die Heugewinnung verwendet. Der stark gefährdeten Sumpfschrecke (Stetophyma grossum) wiederum dient die Feuchtwiese als Lebensraum. Sie gilt als Indikator für noch intakte Feuchtwiesen. In Niederösterreich gibt es beispielweise noch bei Litschau ein individuenstarkes Vorkommen. 


Wiesenpieper, Foto: W. Stolwerk / photos.com

Auch der Wiesenpieper (Anthus pratensis), ein Bodenbrüter benötigt diesen Wiesentyp als Nahrungs- und Brutbiotop.
Ab dem 2. Weltkrieg wurden Trockenwiesen bewässert und Feuchtwiesen entwässert, stark gedüngt und in Fettwiesen, die höhere Erträge erzielen, umgewandelt. Dadurch wurde die Artenvielfalt reduziert. Wenige Feucht- und Trockenwiesen sind noch geblieben, die heute durch das Aufgeben der extensiven Wiesenbewirtschaftung stark gefährdet sind.
 


Artenvielfalt auf Wiesen zu fördern bedeutet sie zu mähen oder zu beweiden, wird dies vernachlässigt, tritt auf diesen Flächen eine Verbuschung ein. In weiterer Folge kehrt die ursprüngliche Waldvegetation wieder zurück. Extensive Bewirtschaftung lautet die Devise. Das bedeutet keine oder nur geringe Düngung und eine nur 1-2malige Mahd im Jahr. Die erste Mahd erfolgt spät, somit können sich Spätblüher ebenfalls versamen und der Blütenpracht von Frühling bis Herbst steht nichts im Wege. Extensive Beweidung hält ebenfalls die konkurrenzstarken Pflanzen zurück. Kommt es aber zu einer intensiven Beweidung tritt das Gegenteil ein. Kahle Stellen treten auf, die häufig vorkommende Brennessel vermehrt sich rasch wegen der starken Düngung durch die Tiere. Pflanzen, die von den Tieren gemieden werden, wie Disteln und der giftige Scharfe Hahnenfuß, können sich ebenfalls ausbreiten.
An manchen Orten Niederösterreichs werden bereits erfolgreich Pflegemaßnahmen eingesetzt. Zur Erhaltung der oben genannten Feuchtwiesen beim Reißbach südlich von Litschau wird wieder einmal im Jahr gemäht. 

Smaragdeidechse im Landesmuseum, Foto: M. Schaar
Bei einem Spaziergang auf dem Hundsheimer Berg in Hainburg begegnet man nicht nur Schafen, sondern auch Seltenheiten wie der Sägeschrecke, Ziesel und der Berghexe. Auch auf dem Dürnsteiner Kuh- und Kellerberg, sowie am Höhereck in der Wachau werden ebenfalls Schafe zur Rettung ökologisch wertvoller Trockenrasen verwendet. Mit etwas Glück entdeckt man die wunderschöne grün schimmernde, größte heimische Eidechse, die Smaragdeidechse.
 

Sei sie bewusst betrachtet und erforscht, oder auch einfach gedankenverloren wahrgenommen; eines steht fest: eine gesunde, artenreiche Sommerwiese fasziniert und bezaubert uns jedes Jahr aufs Neue!


Text: DI Astrid Habiger