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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

28. August 2014

Frauenportrait # 28

Christa Hauer - eine "Ausnahmefrau"

Christa Hauer, © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: Helmut Lackinger
 Christa Hauer, am 13. März 1925 in Wien geboren, wuchs in einem von Kunst bestimmten Umfeld auf: Ihr Vater Leopold Hauer war ein angesehener Maler, ihr Großvater Franz Hauer ein großer Förderer von Künstlern, darunter Albin Egger-Lienz, Oskar Kokoschka und Egon Schiele.
Ihre eigene künstlerische Ausbildung begann sie im Alter von 14 Jahren an der Kunstgewerbeschule in Wien, wechselte aber auf Wunsch ihres Vaters bereits zwei Jahre später an die Akademie der bildenden Künste, wo sie zunächst bei Herbert Dimmel, dann bei dem Spätimpressionisten Carl Fahringer Malerei studierte. Infolge des eingeschränkten Unterrichts während des Zweiten Weltkriegs setzte sie ihr Studium nach dem Kriegsende bei Fritz Wotruba fort und schloss es 1947 ab.
In den Jahren von 1950 bis 1953 arbeitete Christa Hauer als Werbegrafikerin. Während dieser Zeit kam sie in Kontakt mit dem avantgardistischen Künstlerkreis des 1947 gegründeten Art Club, wodurch sie nicht nur die abstrakte Kunst schätzen und lieben lernte, sondern auch den Maler Johann Fruhmann. Um der väterlichen Autorität zu entkommen, brach sie 1953 in die USA auf und ließ sich für etwa sieben Jahre in Chicago nieder, wo sie ihren Unterhalt erneut als Werbegrafikerin verdiente und ihre Begeisterung für die Malerei wiederentdeckte. Stark beeindruckt vom abstrakten Expressionismus und dem Action Painting fand sie bald zu einem eigenen künstlerischen Ausdruck.

Christa Hauer, © Landessammlungen Niederösterreich
Foto: Elfriede Mejchar
1957 heiratete sie Johann Fruhmann, der ihr in die USA nachgefolgt war, in Chicago, kehrte jedoch 1959 nach Wien zurück, um – wie in Amerika beschlossen – eine Galerie zu gründen. Der passende Ort war mit den Räumen über dem in Familienbesitz befindlichen Griechenbeisl in der Wiener Innenstadt rasch gefunden, sodass die erste Ausstellung bereits im Juni 1960 eröffnet werden konnte. In den folgenden zehn Jahren entwickelte sich die Galerie im Griechenbeisl zu einem wichtigen Forum zeitgenössischer Kunst und damit zu einer ernstzunehmenden Konkurrentin der Galerie nächst St. Stephan, die bis dahin als Zentrum der Wiener Avantgarde-Szene gegolten hatte. Als Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende der 1977 ins Leben gerufenen Internationalen Aktionsgemeinschaft Bildender Künstlerinnen (InªAkt) machte sich Christa Hauer außerdem bis Mitte der 1980er-Jahre für die Gleichbehandlung von Künstlerinnen stark. Von 1979 bis 1983 war sie darüber hinaus Präsidentin des Berufsverbandes der bildenden Künstler Österreichs (BVÖ) und bis 1992 österreichische Vertreterin in der International Association of Art (IAA ), für die sie 1987 das internationale Europatreffen organisierte. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1985 zog sich die Künstlerin aus dem kulturpolitischen Leben weitgehend zurück, um wieder reisen und auf Schloss Lengenfeld der eigenen künstlerischen Arbeit nachgehen zu können. Am 22. März 2013 starb Christa Hauer im Alter von 88 Jahren.

Text: Alexandra Schantl, aus dem Ausstellungsbegleiter der Ausstellung "Ausnahmefrauen - Christa Hauer, Hildegard Joos, Susanne Wenger" (30.11. 2013 – 12.10. 2014) im Landesmuseum Niederösterreich

27. August 2014

Die Kornelkirsche

Frühe Blüte, aromatische Früchte

Blüte der Kornelkirsche,
Foto © Natur im Garten / Joachim Brocks
 Der Dirndlstrauch ist eine beliebte Heckenpflanze im Naturgarten. Die Kornelkirsche (Cornus mas), wie die Dirndl auch genannt wird, gehört zu den Hartriegelgewächsen. Ihr sehr hartes Holz wurde früher vor allem für Bögen und Pfeile, sowie zum Drechseln verwendet.
Die Pflanze liebt die Wärme und kalkige Böden. Dementsprechend häufig ist sie im Osten Österreichs (dem Pannonikum) zu finden, bevorzugt in trockenen Wäldern und Waldmänteln. Schon im Vorfrühling von Februar bis März erscheinen die gelben Blüten noch vor dem Laubaustrieb. Darüber freuen sich vor allem Wildbienen, die schon bei niedrigeren Temperaturen ausfliegen als die Honigbienen.

In der Hecke wird der Dirndlstrauch ungefähr 2 bis 6 Meter hoch und kann auch in Form geschnitten werden. Er verträgt Trockenheit und ist eher anspruchslos. Staunässe und verdichtete Böden mag er allerdings nicht so gerne. Ein sonniger Standort fördert den Fruchtansatz, ebenso wie das Vorhandensein wilder Dirndlsträucher in der Nähe, da sich einzeln stehende Pflanzen oft nicht selbst befruchten können. Deshalb immer eine Befruchtersorte dazu pflanzen, wenn es in der Umgebung keine Dirndln gibt.
Kornelkirsche, Foto © Natur im Garten / Joachim Brocks
Im Spätsommer reifen dann die aromatischen Früchte. Je nach Sorte hell- bis dunkelrot, ist ihre Reife daran erkennbar, dass sie schon etwas weich sind und beinahe vom Strauch abfallen. Wenn Sie die Früchte nicht gleich verarbeiten können, dann frieren Sie sie entweder ein oder Sie ernten schon vor der Vollreife. Mittelreife Früchte sind ungefähr eine Woche lagerfähig und reifen dann in dieser Zeit nach.
Reife Kornelkirschen schmecken erfrischend süß. Sie enthalten neben Gerbstoffen auch Vitamin C, Anthocyane und Flavonoide.
Die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Roh zum Naschen, eingekocht als Marmelade, Gelee oder Sirup, getrocknet als Dörrobst – die Dirndln sind eine Bereicherung, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten!


Auch im Museumsgarten ist seit 2011 ein Dirndlstrauch, im Moment mit überreifen Früchten.

Dirndlstrauch im Museumsgarten mit reifen Früchten,
Foto: M. Schaar

Text: DI Barbara Schrattenholzer

Veranstaltungstipp:
13. September 2014: Naturgartenfest im Museumsdorf Niedersulz
Ein buntes Programm bietet die Aktion „Natur im Garten“ von 10.00 bis 18.00 Uhr beim Fest in Niedersulz: Textil- und Färbepflanzen bilden den heurigen Gartenschwerpunkt.
Mehr Informationen unter: http://www.naturimgarten.at/veranstaltungen/naturgartenfeste/naturgartenfest-niedersulz-0

Weitere Informationen:
„Natur im Garten“ Telefon +43-2742/ 74 333, www.naturimgarten.at

21. August 2014

Frauenportrait # 27

 

Unterrichtsfach Glück - ein Steckenpferd von Elisabeth Dittrich





Elisabeth Dittrich, Foto: privat
Im Rahmen der Sonderausstellung „Frauenbilder in Niederösterreich“ hat unter anderem die Neue Niederösterreichische Mittelschule Theodor Körner 4, Klasse 3c unter der Leitung von Elisabeth Dittrich einen Beitrag erarbeitet.

Im Schuljahr 2009/10 wurde das Unterrichtsfach Glück als Versuchsprojekt in den Schulen eingeführt. In diesem Fach lernen Kinder, dass sie schon etwas dazu beitragen können, um im Leben glücklicher zu sein. Elisabeth Dittrich unterrichtet bereits seit 2009 Glück in Integrationsklassen (gemeinsam mit ihrer Projektkollegin Anita Kürzel) der Neuen Niederösterreichischen Mittelschule Theodor Körner 4 in St. Pölten. Das Unterrichtsfach Glück wurde von Elisabeth Dittrich gestartet und wird gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Lirsch weiterführt.
Das erste Mal in Berührung mit dieser neuartigen Methode zu unterrichten kam sie in ihrer Ausbildung – PROvokativpädagogik an der Donau-Uni Krems.
Glück stellt in seiner bekanntesten Form eine Hochkonjunktur der Gefühle dar – eine Ausschüttung des Hormons Serotonin. Möchte man jedoch auf Dauer glücklich sein, braucht es Geduld und Beharrlichkeit, um dem Leben in einer positiv eingestellten Grundhaltung gegenüber zu stehen. Laut Elisabeth Dittrich hätten glückliche Menschen bessere Beziehungen, würden mehr verdienen, kreativer sein und schneller lernen. Das Unterrichtsfach Glück hat eine gewaltpräventative Wirkung und soll Schülern und Schülerinnen den Weg in eine gesunde, sozial gut integrierte, ausgeglichene Zukunft ebnen.
SchülerInnen der NNÖMS Theodor Körner 4
Nur wie kann man Kindern und Jugendlichen in der Schule Glück beibringen bzw. lernen/lehren glücklich zu sein?
Das Konzept beruft sich darauf, eine motivierende und angstfreie Umgebung, eine den Schülern und Schülerinnen gegenüber und untereinander wertschätzende, wohlwollende und freundliche Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich entwickeln können. Die Persönlichkeiten werden gestärkt, soziale Verantwortung und Selbstverantwortung werden übertragen, wobei die Lehrperson die Rolle eines Mediators einnimmt. Ebenso werden Fördermöglichkeiten durch Lerngruppen ins Leben gerufen. Gute SchülerInnen unterstützen Schwächere. Hierbei wird nicht nur das Netzwerk SchülerInnen gefestigt, sondern auch – nach dem Motto „Glücklich ist nicht nur der, dem geholfen wird, sondern auch der, der hilft!“ – Glück empfunden.
Educationaward 2013
Schüler und Schülerinnen Zuversicht und Lebensfreude als Grundstock ihrer Entscheidungen zu vermitteln beschreibt wohl den Leitfaden der sich durch das Projekt Unterrichtsfach Glück zieht. Laut Frau Dittrich gäbe es viele Methoden, die in der Schule anwendbar wären. Die Wichtigkeit liegt in der Freude am Tun seitens der Lehrperson, als auch der Schülerschaft und der wohltuenden Wirkung auf Körper und Seele. Außerdem sollten gewählte Methoden geistig herausfordern, um neue Erkenntnisse und gute Absichten erschließen zu können. 
 
Text: Verena Slama

Ausbildung: Donau- Universität Krems, Provokationspädagogik
Quelle: http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/provokationspaedagogik/index.php 

Kleine Korrektur von Dr.in Rotraud Perner: das Studium PROvokativpädagogik gibt es ab Herbst 2014 an der Uni for life in Graz (http://www.uniforlife.at).

20. August 2014

Der Wels

… schwimmender Gigant (Silurus glanis)


© thinkstock, Foto: abadonian
Seine Welt ist geheimnisvoll und rätselhaft. Dunkelheit, versunkene Baumstämme und trübes Wasser, das ist der Lebensraum der stummen Giganten. Er haust in Spalte und Höhlen von stehenden oder langsam fließenden Gewässern, verstecken sich zwischen dichtem Wurzelwerk oder Schilf. Seine geheimnisvolle Erscheinung und die schiere Größe des Welses bieten viel Stoff für Mythen und Legenden. Oftmals vermischen sich Märchen und Wahrheit zu unheimlichen Geschichten über vermeintliche Killerfische. Ein potentieller Menschenfresser ist der Wels trotz all der Legenden über ihn nicht und es kann weiterhin ohne Angst in allen Seen und Flüssen gebadet und getaucht werden.

Der Wels oder auch Waller genannt, lebt im Verborgenen. Der größte reine Süßwasserfisch unserer Gewässer ist vorwiegend nachtaktiv und zieht sich tagsüber in seine Verstecke zurück, wo er bis zur Dämmerung reglos liegen bleibt. Er kann die Farbe des Untergrunds annehmen und bleibt, getarnt wie ein Guerillakämpfer, meist unentdeckt von Naturbeobachtern und Badegästen.
Genau hinsehen muss auch, wer die Welse im Donaubecken des Landesmuseums beobachten will. Unter Tags liegen sie meist unbewegt am Grund des Aquariums. Erst wenn die Nacht hereinbricht kommt Leben in die schuppenlosen, schleimigen Körper. So manch ein Besucher erschrickt, wenn ein vermeintlicher Baumstamm sich plötzlich bewegt und wegschwimmt.

Er ist ein nicht gerade wählerischer Raubfisch, der alles verschlingt, was in sein großes Maul passt. Und das ist nicht irgendein Maul, sondern das größte und breiteste aller Süßwasserfische. Auf seinem Speiseplan stehen neben Aas, Würmern, Schnecken, Fröschen, Fische auch Wasservögel und kleinere Säugetiere.
Der Waller kann bis zu drei Metern lang werden und ein Gewicht von bis zu 150 kg erreichen. Es ranken sich jedoch Legenden um Exemplare, die um einiges schwerer sein sollen. Aber nicht nur seine Größe macht den Wels zu einer einprägsamen Erscheinung. Seine einzigartige Körperform unterscheidet ihn, wie auch seine völlig schuppenlose Haut, deutlich von allen anderen Fischen.

Weil der Waller vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv ist, spielt sein Sehsinn, im Vergleich zu anderen Raubfischen, eine sehr untergeordnete Rolle. Seine Augen sind sehr klein und ausdruckslos. Der Tastsinn hingegen ist stark ausgeprägt. Dazu benutzt der Wels seine auffällig langen Barteln am Oberkiefer, mit denen er aktiv seine Umgebung ertasten kann. Am Unterkiefer sitzen noch weitere vier kleinere und unbewegliche Barteln die, genau wie das gut ausgebildete Seitenlinienorgan dem Fisch dabei helfen, seine Beute aufzuspüren. Aber auch das Gehör des gigantischen Räubers ist besonders gut ausgeprägt und sensibel. Schallwellen werden von der Schwimmblase aufgenommen, die mit dem Innenohr verbunden ist und die Aufgabe des Trommelfells übernimmt. Dieser spezielle Aufbau des Gehörs ist typisch für die Gruppe der echten Knochenfische, zu denen der Wels gezählt wird.

Hat er ein Beutetier ausgemacht, so schlägt der Waller stets aus geringer Entfernung blitzartig zu. Ein einzelner Schlag seiner Schwanzflosse muss genügen, um ihn an seine Beute zu bringen. Einmal geschnappt, machen es die zahllosen kleinen, kegelförmigen, nach hinten gerichteten Zähnen des Welses dem Opfer nahezu unmöglich zu entkommen.

Die einzelgängerischen Tiere finden sich lediglich zur Laichzeit von Mai bis August paarweise in pflanzenreichen Flachwasserzonen zusammen. Das Männchen baut ein Nest aus Wasserpflanzen, in welches vom Weibchen während des Laichspiels 20 000 bis 30 000 Eier pro kg Körpergewicht gelegt werden. Diese werden sofort von ihrem Partner besamt und bleiben an Pflanzenteilen kleben.
© thinkstock, Foto: UroshPetrovic
Hier enden die Pflichten einer Welsmutter. In der Folge wird das Nest vom Vater bis zum Schlüpfen der Jungen bewacht und durch Flossenschläge mit Frischwasser versorgt. Die frisch geschlüpften Larven verlassen erst nachdem sie den Dottersack aufgebraucht haben, den ihnen ihre Mutter als Starthilfe mit auf den Weg gegeben hat, das vom Männchen bewachte Nest. Nun beginnt für sie das Leben eines Raubfisches. Erst wenige Tage auf der Welt, stellen sie bereits kleinen Flohkrebsen und anderen im Wasser schwebenden Kleintieren nach.
Doch besonders im ersten Lebensjahr wird der Jäger oft zum Gejagten. Die Zahl der Feinde junger Welse ist groß. Nahezu alle Fische aber auch Frösche, Insekten wie Libellenlarven oder Gelbrandkäfer und Wasservögel ernähren sich von frischgeschlüpften Fischlarven und Jungfischen. Wer die ersten Lebensjahre überstanden hat ist groß genug, um den Spieß umzudrehen und seinerseits Jagd auf Fische, Frösche und Wasservögel zu machen.

Die Vorliebe erwachsener Welse für Ente, Haubentaucher und Co machen sie oft zum erklärten Feind vieler Vogelschützer. So kommt es etwa an den zum Teil als Vogelschutzgebiet ausgewiesenen Viehofner Seen in St. Pölten immer wieder zu Problemen. Es musste öfter beobachtet werden, dass der Nachwuchs vieler Wasservögel größtenteils vor dem Erwachsenwerden spurlos verschwand. Als mögliche Täter in diesem „Kriminalfall“ kommen unter anderem die in den Seen lebenden, großen Welse in Frage. Aus diesem Grund gab es 2010 eine Fischereikampagne, um die Anzahl der Raubfische zu reduzieren. Der größte im Zuge dieser Aktion gefangene Waller wog 70 kg und war mit einer Körperlänge von 2,32 m größer als ein Mensch. Der Riesenfisch wehrte sich über eine Stunde lang gegen seine Gefangennahme und konnte nur unter großem Kraftaufwand aus dem Wasser geholt werden. Es werden jedoch noch größere Exemplare in den beliebten Badeseen vermutet, was das Interesse von Sportfischern erweckt.


Unter Anglern gilt der Wels wegen seiner Größe und seinem Kampfgeist als beliebter Sportfisch. Große Exemplare werden jedoch, von verantwortungsvollen Fischern, meist, nach dem Schießen einige Erinnerungsfotos, wieder in die Freiheit entlassen. Denn die großen Tiere sind nicht überall so häufig wie in den St. Pöltner Seen. Auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten Österreichs wird der Wels als „gefährdete Art“ geführt. Das lässt sich vor allem auf die schlechte natürliche Reproduktion der Tiere, die zur Vermehrung auf Wasserpflanzen und Überschwemmungszonen angewiesen sind, zurückführen. Die meisten Bestände in Österreich können nur durch künstlichen Besatz erhalten werden.

Einmal mehr zeigt sich, dass Vielfalt und Reichtum der Natur nur durch den Erhalt natürlicher Lebensräume und ein friedliches und verantwortungsvolles Miteinander von Mensch und Tier gewährleistet werden kann.


Im Landesmuseum leben einige Welse im großen Donaubecken.
Donaubecken, Foto: M. Schaar

http://www.landeshauptstadt.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1550&Itemid=217
http://www.culturecall.com/audios/ammerland/Station25-Riesenwels.mp3


Text: Mag. Elisabeth Holovsky

14. August 2014

Frauenportrait # 26



Katharina Schratt – Geheimnisse aus der Küche



Im Stadtarchiv Baden wird das handgeschriebene Rezeptbuch Katharina Schratts der Älteren aufbewahrt. Sie begann ihre Eintragungen im Jahr 1844. Damals war sie gerade 19 Jahre alt.  Mit „In Gottes Namen angefangen“ begann sie ihre Eintragungen. 123 Rezepte auf 137 Seiten finden sich. Solche handschriftlichen Kochbücher besaßen in den Familien Tradition. Man kann wohl annehmen, dass auch die Tochter Katharinas – die Schauspielerin gleichen Namens – ihre Kochkünste an diesen Rezepten ausprobierte. Und so manches Rezept könnte den Gaumen des Kaisers in der Gloriettevilla oder in der Villa Felicitas in Bad Ischl erfreut haben:


Rostbraten, thinkstock,
Foto: Lisovskaya
Bayrischer Rostbraten
Schneide Zwiebel, Petersilgrünes, Petersil, Gelbe Rüben, Champignons, Lemonischalen [Zitronenschale], einige Sardellen sehr fein zusammen, lasse es in Butter etwas verdünsten, staube sie und gieße sie mit Wein und brauner Suppen auf, gib Rahm hinein und brate die Rostbraten auf einem gähen [jähen] Feuer sehr schnell ab, salze sie ein wenig, tauche sie etwas in Mehl ein. Wenn sie schnell abgebraten sind, lege sie in die Sauce ein und lasse sie verdünsten, schöpfe fleißig die Fett herunter. Du kannst noch Rahm daruntergeben, so sind sie fertig.



Schünkenflecke
Treibe ein Stück Butter sehr pflaumig [flaumig] ab, schlage die Dötter hinein, verrühre eins
Schinkenfleckerl, thinkstock, Foto: A_Lein
nach dem andern, mache breite Nudeln anstatt Fleckerln. Wenn das Wasser siedet, salze es, gib die breiten Nudeln hinein, lasse es einmal aufwallen, schweibe [spüle] es geschwind mit kaltem Wasser ab, gib sie hinein, dass sie nicht zusammenpicken. Gib einen fein zusammengeschnittenen Schünken hinein. Schlage von die Dotter einen festen Schnee, mische es leicht untereinander, bevor du einen Schnee hineingibst, gib hübsch Rahm hinein, nicht zu viel Butter, dass es nicht zu fett wird, denn der Rahm macht auch fett. Schmiere ein Becken mit Butter aus und back es, so ist es fertig. Willst du kennen, ob es ausgebachen ist, steche mit einer Nadel hinein. Wenn sie nicht mehr milchig ist, so ist es ausgebachen.


Faschierter Braten, thinkstock, Foto: Azurita
Hachée mit verlorne Eier
Schneide gebratenes Kalbs- oder Hühnerfleisch, was du hast, sehr fein zusammen. Schneide Petersil, Lemonischalen [Zitronenschale], Champignons, Zwiefel sehr fein zusammen, lasse es in Butter anpassieren, gib eine weiße Sauce darein oder staube es und gieße es ein wenig mit Suppen auf. Gib das zusammengeschnittene Fleisch hinein, salze es, gib Dötter hinein, dass es eine hübsche Farbe bekommt, lasse es etwas resten [rösten ]. Stelle ein Kastrol [Rein] mit kaltem Wasser auf, gib etwas Essig hinein, dass es die Eier etwas zusammenzieht, salze es. Wenn das Wasser wallt, schlage das Eier hinein. Bei jedem Eier muss das Wasser sieden. lasse es sieden, bis die Eier sich eingehüllt haben und gut sind, und gib sie zum Haché, so ist es gut.


Milchrahmstrudel, thinkstock, Foto: IvanMikhaylov
Milchrahmstrudel
Treibe ein Stück Butter und Rindschmalz zusammen ab, sehr pflaumig [flaumig], gib dann den Zucker hinein, wie viel du willst, verrühre es gut. Schlage einen Dötter nach den andern hinein, gib bei jedem Dotter etwas in der Milch geweigte [eingeweichte], gut ausgedrückte Semmel, verrühre es gut. Salz es, gib etwas Limonischalen [Zitronenschale], rühre ganz leicht den Rahm hinein und schlage von die halben Dötter einen sehr festen Schnee. Mische ihn leicht darunter, gib einen Staub Mehl hinein. Mache einen sehr feinen Strudelteig mit lauem Wasser an, gib ein Stück Butter, darunter Eier. Sieh, dass du auf einmal die gehörige Feste triffst. Du kannst ihn beschmieren mit lauem Wasser oder Schmalz, und lasse ihn rasten. Staube dir ein Tischtuch mit Mehl an, ziehe den Teig fein aus, tauche dir die Hände in Mehl ein, dass dir der Teig nicht in die Hände anpickt beim Ausziehen. Schneide die Enden mit einem Messer weg, mache den Teig zusammen. Den kannst du noch einmal ausziehen. Also streiche die Fülle mit einem Messer schön gleich geschwind auf, dass die Fülle nicht zusammenfällt. Streie ganz wenig feine Semmelbreseln auf, Rosinen, Weinbeerln nicht zu viel, hebe das Tischtuch mit beiden Händen auf und lasse es so hinunterrollen. Lege es in einer Rundeau [rund] zusammen. Schmier dir ein Kastroll [Backblech] mit Butter aus. Lege dir das Kastroll darauf, fasse das wohlbestaubte Tischtuch mit beiden Händen und stelle es auf [d.h.: Dreh es um, sodass der Strudel auf dem Blech liegt]. Gib es in die Rehre. Wenn es so halb gebachen hat, so gieße etwas Milch hinein und lasse es noch etwas bachen und gib es zur Tafel.


Gugelhupf, thinkstock, Foto: locrifa
Sehr guter Guglhupf:
Man treibt ½ lb [Pfund; 28 dag] Rindsschmalz sehr pflaumig [flaumig] ab. Also hat man sich gerichtet 2 lb [1,12 kg] gesiebtes feines Mehl und 12 Eier. Man gibt dann in das abgetriebene Schmalz etwas Zucker und Salz und Lemonyschäller [Zitronenschale], 1 ganzes Eier und einen Dotter, 3 Esslöffel voll Mehl. Das gibt man auf einmal hinein, verrührt es sehr gut und fahrt so fort, bis die 12 Eier und das Mehl gar ist. Dann mischt man 2 Löffel etwas gute Germ mit einen halben Seidel [2 dl] Obers, gehörig Weinbeerln und Zibeben [Rosinen] unter die Massa. Also hat man sich schon den Form [die Guglhupfform] ausgeschmiert, ihn mit Mehl bestaubt und mit länglicht geschnittene Mandeln ausgelegt. Also man füllt die Massa nicht ganz voll ein, nur so stark halbvoll. Also man deckt ihn zu mit einem Serviette oder Papier und lässt ihn gehen an einen warmen Orte, doch nicht zuviel - nur so, dass die Form voll ist (doch nicht zu voll, denn man darf ihn auch nicht übergehen lassen). Auch darf man ihn nicht zu schnell gehen lassen. Also bacht [bäckt] man ihn ziemlich gäh [schnell], man darf die Rehrn [Backrohr] auch nicht zu oft aufmachen, überhaupt anfangs, denn sonst wird er sehr leicht speckicht. Man muss wohl öfters nachsehen, dass die Rehrn nicht zu heiß ist. Sieht man, dass er schon etwas eine Farbe hat, so deckt man ein Papier darauf. Es muss beinahe unumgänglich ein Türckenbund [Gugelhupfform] sein, weil er sich in einen runden Model viel schöner bacht. Man muss sehr vorsichtig sein beim Bachen und ihn ziemlich gäh bachen. Die Weinbeerln und Zibeben ist es sehr gut, wenn man sie erst darunter mischt, wenn man die Massa einfüllt.

Viel Spaß beim Nachkochen!
Die Fotos stammen alle aus einer zeitgenössischen Bilddatenbank



Die Kochrezepte stammen aus:
Henriette Povse, Das Kochbuch der Familie Schratt. Kulinarische Geschichten aus Baden, herausgegeben von Rudolf Maurer, mit einem Beitrag von Manfred Ronge. Erfurt 2012.

7. August 2014

Frauenportrait # 25



Katharina Schratt – die Vielgeliebte



Durch Jahrzehnte kannte man Katharina Schratt als langjährige Freundin und Vertraute Kaiser Franz Josephs, bei der er Ablenkung und Verständnis fand, also all das, was ihm seine Gemahlin versagte. In den letzten Jahren in Familienbesitz aufgefundene Briefe zeichnen nun ein etwas anderes Bild der Schauspielerin. 
Der Kaiser war – abgesehen von ihrem Gatten – bei weitem nicht der einzige Mann, der in ihrem Leben eine Rolle spielte. Geschickt verstand sie es gleichzeitig mehrere Verehrer – oder Liebhaber? – um sich zu sammeln. Dabei vermittelte sie allen Männern das Gefühl, ihr Favorit zu sein. Ihr großes psychologisches Einfühlungsvermögen zeigt sich auch darin, dass die ehemaligen Verehrer/Liebhaber ihr in Freundschaft verbunden blieben.
Schauspielerinnen hatten es nicht leicht. Ihr Beruf erforderte einen Lebensstil, der mit Gagen nicht leicht zu bestreiten war. Allein die notwendige Garderobe verschlang Unsummen. Von einer Schauspielerin wie Katharina Schratt erwartete die Gesellschaft ein entsprechendes Auftreten. Überdies war der Kontakt mit hochgestellten Persönlichkeiten der Karriere oft sehr förderlich.
Irgendwann um das Jahr 1886 – der erste erhaltene Brief wurde im Frühsommer dieses Jahres geschrieben – lernte Katharina Schratt einen der reichsten Aristokraten Wiens kennen: Johann Graf Wilczek. Wilczek war nicht nur reich, er engagierte sich auf den verschiedensten Gebieten: Er förderte die Österreich-Ungarische Nordpolexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht in den Jahren 1872 bis 1874; zwischen 1874 und 1906 ließ er für seine umfangreichen Kunstsammlungen die Burg Kreuzenstein bei Wien errichten. Er gründete die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft und ließ das Rudolfinerhaus in Wien errichten. Zu seinen Freundeskreis zählten die führenden Wissenschaftler seiner Zeit. Die Liebe zu Katharina Schratt hatte den fast Fünfzigjährigen ordentlich gepackt: „Katherl – was ich dabei fühlte hab ich nicht für möglich gehalten fühlen zu können – obwohl ich mich genau kenne – und ich mir ungeheueres zutraue – Katherl jetzt sehe ich erst was ich leide fern von dir – und wie ich dich liebe – wie ich an dir halte – und was du mir bist“.  Es war dasselbe Jahr 1886, in dem sich Katharina Schratt bereits intensiv um die Freundschaft des Kaisers bemühte.

Katharina Schratt mit Kaiser Franz Joseph
© UB Foto
Eingefädelt hatte die beginnende Freundschaft zu Franz Joseph Kaiserin Elisabeth höchstpersönlich. Sie war auf der Suche nach einer Freundin für ihren Gemahl, Kennengelernt hatte der Kaiser Katharina Schratt anlässlich der Audienz, zu der sie geladen war, um sich als Schauspielerin des k.u.k. Hofburgtheaters vorzustellen. Die nächste Begegnung fand beim „Ball der Industriellen“ im Fasching 1885 statt. Wieder kamen sie miteinander ins Gespräch, und wieder, wie bei der Audienz, amüsierte sich der Kaiser über ihre frische, unverblümte Art. Im August sahen sie sich wieder: Beim Empfang des russischen Zaren Alexander III. gaben prominente Schauspielerinnen des Burgtheaters Proben ihres Könnens ab. Sie waren auch zum anschließenden Souper geladen. So lernte Kaiserin Elisabeth Katharina Schratt kennen und begann die aufkeimende Neigung zu fördern. In ihr hoffte sie endlich einen adäquaten „Ersatz“ gefunden zu haben, damit sie sich ohne schlechtes Gewissen noch länger auf Reisen aufhalten konnte. Als nächsten Schritt musste der zu seiner Zeit berühmte Porträtmaler Heinrich Angeli im Auftrag der Kaiserin ein Porträt Katharina Schratts anfertigen. Noch wusste Schratt nichts von dem Spiel, dass die Kaiserin eingefädelt hatte. Bei der letzten Porträtsitzung erschien dann der Kaiser höchstpersönlich. Zwei Tage nach dem Treffen bei Angeli erhielt Schratt das erste Schreiben des Kaisers, dem ein Smaragdring beilag.  Da durchschaute sie das angebahnte Arrangement, das allerdings ihren Wünschen nur entgegenkam. Mehr konnte eine Schauspielerin zu dieser Zeit nicht erwarten als den Kaiser als Gönner zu gewinnen. Auch Graf Wilczek durchschaute das Spiel: „Katherl wenn Dir bei Angeli nur nicht doch etwas geschah – zwar Dir nicht – aber mir, ich muß immer daran denken – und frage mich – was denkt mein Katherl darüber? – wird mir das nicht etwas von ihr nehmen?“
Das nächste Treffen mit dem Kaiser fand dann am Wolfgangsee statt. Schratt hatte für den Sommer die Villa Frauenstein gemietet, in der sie den Kaiser zum Frühstück, den Grafen zum Diner empfing. Für den Kaiser war Katharina Schratt die ideale Gefährtin für die wenigen Stunden Freizeit: Sie war das genaue Gegenteil der Kaiserin; sie stand mit beiden Beinen fest im Leben. Ihre Interessen galten eher den trivialen Seiten des Lebens. In der Folge versorgte sie den Kaiser mit Klatsch und Tratsch aus der Wiener Gesellschaft. Bei ihr fand er die notwendige Ablenkung und konnte wenigstens für wenige Stunden Mensch sein. Er überhäufte sie dafür mit Geschenken und ermöglichte ihren aufwändigen Lebensstil. Er schenkte ihr eine Villa in der Gloriettegasse in Wien, nahe dem Schloss Schönbrunn, damit er sie in Wien auch täglich zum Frühstück aufsuchen konnte. In Bad Ischl stellte er ihr in späteren Jahren die Villa Felicitas auf der Straße nach Pfandl zur Verfügung. Täglich besuchte er sie dort während des Sommers, und sie ließ für ihn ihren berühmten Gugelhupf backen. Zur Vorsicht musste die Konditorei Zauner täglich einen weiteren nach ihrem Rezept backen für den Fall, dass ihrer misslang. Katharina Schratt wurde in all den Jahren wiederholt in die kaiserliche Villa zu Diners und Spaziergängen mit der kaiserlichen Familie eingeladen.    
Bis 1895/6 gelang es ihr, daneben das Verhältnis mit Johann Graf Wilczek aufrecht zu erhalten, was weiter nicht schwer war, da der Graf ein guter Freund des Kaisers und des Kronprinzen war. Manchmal wurde der Kaiser zwar misstrauisch, Katharina konnte ihn aber immer wieder überzeugen, dass es sich dabei um eine rein platonische Freundschaft handelte. Was ihr nicht gelang, war über den Kaiser Einfluss auf die Leitung des Burgtheaters zu nehmen. Hier konnte sie ihre Wünsche nicht durchsetzen, dazu war der Kaiser zu korrekt. Ein weiterer Grund für die sich mehrenden Auseinandersetzungen resultierte aus der Weigerung des Kaisers, ihr den von Kaiserin Elisabeth versprochenen „Elisabeth-Orden 1. Klasse“ zu verleihen. Zu Lebzeiten der Kaiserin wäre das für den Kaiser kein Problem gewesen, nun nach der Ermordung Elisabeths 1898 sah sich der Kaiser außerstande, dies zu tun. Nun da ihre Gönnerin tot war, begann man bei Hofe gegen die Schratt zu hetzen. Die Reibereien am Burgtheater führten schließlich zu ihrer Kündigung des Vertrages, eine Kündigung, die der Kaiser anzunehmen hatte. Obersthofmeister Montenuovo, dem die Schratt ein Dorn im Auge war, sah endlich die Gelegenheit gekommen, sie loszuwerden. Er überzeugte den Kaiser davon, dass die Schratt des Theaterspielens müde war, und der Kaiser, dem ein Ränkespiel in tiefster Seele fremd war, nahm die Kündigung an. Katharina Schratt, die die Kündigung nur als Druckmittel einsetzten wollte, verließ empört Wien. 15 Jahre hatte die Freundschaft gedauert, die nun ein jähes Ende fand. Der Kaiser war es, der am meisten darunter litt. Erst im kommenden Jahr kam es zu einer Versöhnung, die allerdings das alte Vertrauensverhältnis nicht mehr wiederherstellte.

Katharina Schratt als Maria Theresia
© UB Foto
Im Jahr danach feierte Katharina Schratt ihr kurzes Comeback als Schauspielerin in der Rolle der Maria Theresia; der Kaiser freute sich darüber, sie wieder auf der Bühne bewundern zu dürfen – noch dazu trug sie bei dieser Gelegenheit all die Juwelen, die er ihr verehrt hatte. Aber – Ironie des Schicksals – Katharina Schratt verliebte sich bei dieser Gelegenheit unsterblich in ihren zehn Jahre jüngeren Partner Viktor Kutschera, der Franz Stephan von Lothringen spielte. Ein jüngst aufgetauchter Brief legt Zeugnis von der großen Leidenschaft dieses Verhältnisses ab, das zumindest bis 1903 dauerte.    

Nach dem Tod des Kaisers führte Katharina Schratt ein völlig zurückgezogenes Leben in dem Haus am Ring, das sie von ihrem Gemahl geerbt hatte. Sie besuchte täglich die Kirche und mehrmals in der Woche die Kapuzinergruft. Im Alter von 86 Jahren starb sie am 17. April 1940 und wurde am Hietzinger Friedhof beigesetzt. Trotz ihrer Freude an Klatsch und Tratsch bewahrte sie bis zu ihrem Tod all die Geheimnisse, die sie mit ihren Verehrern und Gönnern teilte, und widerstand allen lockenden Angeboten der Boulevardpresse, ihre Erinnerungen zu verkaufen.

Im nächsten Blogbeitrag lernen Sie ein paar Kochrezepte aus dem Besitz der Familie Schratt kennen.

Text: Dr. Elisabeth Vavra
Lit.:
Georg Markus, Katharina Schratt. Die heimliche Frau des Kaisers. Wien 1982.
Georg Markus, Es war ganz anders, Geheimnisse der österreichischen Geschichte. Wien 2013.
Katrin Unterreiner, Kein Kaiser soll uns stören. Katharina Schratt und die Männer. Wien-Graz-Klagenfurt 2014.

5. August 2014

Brombeere

Rubus fruticosus

Ackerbeere, Bramel, Brambeere, Brennbeere, Feldschwarzbeere, Frombeere, Hundbeere, Kratzbeere, Kroatzbeere, Moren, Rambeere, Schwarze Haubeere

Foto: Beate Steiner
Die ersten Brombeeren sind reif im Museumsgarten. Glänzend schwarz lugen die erfrischenden Früchte aus der dichten grünen Hecke. Aber: Vorsicht, Naschkatzen! Als kratziger Fraßschutz bedecken viele kleine, spitze Stacheln die bis zu drei Meter langen Triebe des Kletterstrauchs, der damit seine Verwandtschaft zu den Rosengewächsen ganz deutlich zeigt. Was eigentlich schon der deutsche Name des „Rubus fruticosus“ verrät. Brombeere leitet sich nämlich vom althochdeutschen Wort für „Dornbeere“ (bramo beri, bramberi) ab, verwandt auch mit „bramble“ für Brombeerstrauch im Englischen. Das ist zwar etymologisch korrekt, botanisch aber falsch, denn „Rosaceae“ tragen Stacheln, keine Dornen.
Die Stacheln dienen auch als Kletterhilfe für die stetig wachsenden Triebe, die sich bogenförmig über die übrige Vegetation legen und so bevorzugt an Waldrändern, auf Schutthalden und sonnigen Hängen undurchdringliches Gestrüpp bilden. Die dunkelgrünen, an der Unterseite etwas helleren gefiederten Blätter werden von den meisten Arten im Herbst nicht abgeworfen.

Brombeerblüte © thinkstock, Foto: llhoward
Brombeersträucher haben von Mai bis Oktober weiße, seltener rosa, Blüten, von August bis Oktober reifen die blauschwarzen, saftigen Sammelsteinfrüchte, die botanisch gesehen keine Beeren sind: Bei jedem einzelnen der saftigen schwarzen Kügelchen, aus denen sich die zwei bis drei Zentimeter große Frucht zusammensetzt, beißt man auf einen kleinen hart umhüllten Samen.
In Europa gibt es etwa 70 wildwachsende, kultivierte und ausgewilderte Arten, darunter auch gezüchtete Gartenbrombeeren ohne Stacheln.



Medizin pur aus der Natur

Rubus fruticosus ist eine der ältesten Heilpflanzen der Menschheit. Schon um 400 v. Chr. sammelte Hippokrates, Urahn der Ärzte, in den Wäldern Griechenlands Blätter und Früchte der Brombeere, weil er um ihre entzündungshemmende und magenberuhigende Wirkung wusste. Auch die Römer kauten Brombeerblätter gegen Zahnfleischentzündungen, tranken Brombeer-Tee und -Saft gegen Durchfall und Koliken, berichtet Plinius.

Foto: Beate Steiner
Brombeerblätter sind reich an Gerbstoffen, enthalten Flavone und ätherische Öle. Sie werden getrocknet und als Tee aufgegossen. Dieser wirkt als leichtes Abführmittel, aber auch entzündungshemmend und wird zum Beispiel zum Gurgeln bei entzündeten Schleimhäuten empfohlen.


Die Beere hat mehr als nur süßlich herben Geschmack zu bieten. Sie ist im Beeren-Ranking Nummer eins beim Calcium- und Provitamin-A-Gehalt, enthält außerdem reichlich Kalium, Magnesium, Kupfer und Eisen – letzteres sichert eine gute Sauerstoffversorgung in den Zellen. Die Powerfrucht punktet zusätzlich noch mit Beta-Karotin und Flavonoiden, das sind blaue Farbstoffe, die immunstimulierend wirken können, Arterien elastisch halten und Blutgefäße festigen. In der Vitamin-C-Rangliste belegt Rubus fruticosus keinen Spitzenplatz. Aber: Munden pralle, frische, süß-säuerliche Brombeeren nicht viel, viel besser als die Vitamin-C-Sieger, nämlich rohe Hagebutten?
Brombeeren schmecken am besten frisch, werden als Marmelade, Likör und Wein verarbeitet, und auch als Saft – ein bewährtes Mittel gegen Heiserkeit.

 

Feine Gerichte mit Brombeeren

Brombeeren sind nicht lange haltbar, lassen sich aber bestens einfrieren. Und die Vitaminbomben sind fein aromatische Zutaten in süßen und pikanten Gerichten. Einige Anregungen:


Salat mit Brombeeren und Ziegenkäse

Foto: Beate Steiner
Blattsalate und Rucola-Blätter anrichten, mit Brombeeren und frischem Ziegen- oder Schafkäse bestreuen. Pfeffern, mit einer Marinade aus mildem Essig, etwas Dijonsenf, Olivenöl und viel Pfeffer servieren. Der Geschmack der Früchte harmoniert besonders gut mit der pfeffrigen Senf-Würze von Rucola und dem milden Geschmack des Käses.
Besonders gut dazu schmeckt rosa gebratenes Rehfilet mit Portweinsauce, die mit Brombeeren verfeinert wurde.


Foto: Beate Steiner

Brombeercreme:

¼ Liter Milch und ¼ Liter Obers mit etwas Salz und Vanille aufkochen, 2 Esslöffel Kristallzucker und 4 eingeweichte Gelatineblätter darin auflösen. Ein Drittel der Masse mit 200 Gramm pürierten Brombeeren mixen, durch ein Sieb passieren. Beide Massen abwechselnd in Gläser füllen, kaltstellen. Mit Minze garnieren.

Brombeertarte:

6 Eier mit 300g Kristallzucker und einer Prise Salz schaumig schlagen, 300g fein geriebene Mandeln (oder Haselnüsse) unterheben, mit etwas Zitronenschale würzen. In eine gefettete Tarteform streichen, bei 180° goldbraun backen. Den erkalteten Kuchen mit Brombeermarmelade bestreichen, mit Brombeeren dicht belegen, mit Tortengelee überziehen. Schmeckt am besten gekühlt mit einer Kugel Vanilleeis.



Text: Beate Steiner

http://www.baumkunde.de/Rubus_fruticosus/
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/ernaehrung-saisonkalender-brombeere.html
http://www.apotheker.or.at/Internet%5COEAK%5CNewsPresse.nsf/webPages/637F49DFF64970E6C1256EEE00429405?OpenDocument

31. Juli 2014

Frauenportrait # 24


 

 

# 24: Katharina Schratt – eine Karriere als Schauspielerin

Katharina Schratt in jungen Jahren
© UB Foto



Die Schratts waren eine angesehene Familie in Baden. Aus Konstanz war der 1773 geborene Großvater Katharinas Chrysostomos Schratt als junger Mann 1793 nach Wien gekommen, um an der Universität zu studieren. 1798 legte er seine Prüfung als Wundarzt ab, zwei Jahre später als Geburtshelfer. Als in Baden eine Chirurgen-Stelle frei wurde, bewarb er sich darum und ließ sich dort 1800 nieder. Sein Tätigkeitsbereich war umfangreich: Er versorgte nicht nur die Kranken in Baden und Umgebung, die Armen in der Wohltätigkeitsanstalt Mariazellerhof, sondern auch während der Napoleonischen Kriege die Soldaten im Lazarett, und half bei Tierseuchen auch als Tierarzt aus. Trotzdem fand er Zeit für medizinische Studien und verfasste u.a. auch eines der ersten Bücher, das sich mit der Heilkraft der Schwefelquellen in Baden auseinandersetzte.
Chrysostomos Schratt heiratete Rosalia Binz, die Tochter des Wiener Buchhändlers Johann Georg Binz, der zu den Gewinnern der josephinischen Reformen zählte. Während der Klosteraufhebungen hatte er um wenig Geld Bibliotheken der säkularisierten Klöster erworben und sie dann mit hohem Profit weiterverkauft. Er legte sein Vermögen u.a. in Immobilien an und erwarb zwei Häuser in Baden. Fünf Söhne brachte Rosalia Schratt zur Welt. Der älteste Sohn, Johann, übernahm die Buchhandlung des Großvaters in Wien. Anton Schratt (1804–1883), der mittlere Sohn, betrieb im Haus seines Vaters – heute Hauptplatz Nr. 22 – ein Geschäft mit Papier und Bürowaren. 1837 kaufte er Leopold Wallner das Haus Theresiengasse 1 (heute „Schratthaus“) ab. 1846 heiratete er dessen Tochter Katharina Wallner.
Katharina Wallner war am 22. Mai 1825 zur Welt gekommen. Ihr Vater Leopold Wallner war ein Drechslermeister, der aus Perlmutt und Elfenbein Schmucksachen anfertigte, die bei den Kurgästen beliebte Andenken waren. Weiters besaß er einen Gasthof. Seine Ehefrau holte er sich aus dem damals ungarischen Sauerbrunn. Sechs Kinder bevölkerten das Haus am Hauptplatz 8. Katharina war die zweitälteste. Ihr Vater, der auch Kommandant der „Städtischen-Feuerlösch-Vorrichtungen“ war, verunglückte bei einem Löscheinsatz 1841. Die Mutter starb 1845. Der frühe Verlust der Eltern war wohl ausschlaggebend dafür, dass sie den 20 Jahre älteren Freund der Familie, Anton Schratt, ehelichte. Auch sie schenkte sechs Kindern das Leben, allerdings überlebten nur drei davon. 1851 kam Heinrich zur Welt, der in Baden später einen Milchausschank betrieb und mit Rindern handelte. 1890 zog er mit seiner Familie nach Kärnten und ließ sich dort als landwirtschaftlicher Grundbesitzer nieder. 1853 kam Katharina zur Welt und als letztes Kind 1860 dann Rudolf Schratt, der mit seiner Schwester die Begeisterung fürs Theater teilte. Er studierte in Sachsen Maschinenbau und arbeitete dann in der Maschinenfabrik Escher & Wyß in Leesdorf bei Baden, später bei der Alpine Montangesellschaft. Seinen Ideen und Anregungen verdankt Baden die Sommerarena mit der fahrbaren Dachkonstruktion.
Katharina Schratt wuchs wohlbehütet von Eltern und Brüdern in einem gutbürgerlichen Haus auf. Die Familie gehörte zu den führenden Badens. Schon früh fühlte sie sich zum Theater hingezogen. Die Leidenschaft hatte sie wohl von ihrem Vater geerbt, der als junger Mann einmal selbst im Badener Stadttheater als Fürst Dagobert in dem Drama „Hermann, der Retter Deutschlands“ aufgetreten war. Über die Wünsche und Pläne seiner Tochter war er allerdings nicht erfreut. 1868 gab sie ihr „Bühnendebüt“ anlässlich einer Aufführung der „Dillettanten-Bühne“ Leobersdorf. Im Theaterstück „Eigensinn“ von Heinrich Benedix spielte sie das Dienstmädchen Lisbeth: In der lokalen Kritik hieß es: „… herzig im vollsten Sinn war Frl. Katharina Schratt als Lisbethchen, dem die Aufgabe zu Theil geworden, den Knoten des Stückes zu schürzen. Sie war wie geschaffen zu dieser Rolle, die wie auf den Leib geschrieben zu ihrer niedlichen Erscheinung paßte.“ Im selben Jahr spielte sie auch im Stadttheater Baden im Lustspiel „Zündhölzchen zwischen zwei Feuern“. Katharina wurde nun nach Köln in ein Pensionat „verschickt“. Dort sollten ihr die Flausen ausgetrieben werden. Viel Erfolg war dieser Aktion nicht beschieden. Nach nur wenigen Monaten kehrte sie ohne Schulabschluss nach Baden zurück. Ihr Wille war ungebrochen. Schließlich gab der Vater nach und erlaubte ihr, die Kierschnersche Theater-Akademie in Wien zu besuchen. 1872 schloss sie die Ausbildung ab, und drei Wiener Bühnen wollten sie gleich vom Fleck weg engagieren: das Burgtheater, das Stadttheater und das Carltheater. Sie entschied sich aber für Berlin: Das Königliche Schauspielhaus bot ihr ein Engagement als jugendliche Naive an. Am 6. April 1872 debütierte sie in Johann Wolfgang Goethes Schauspiel „Die Geschwister“. Während des Sommers gab sie Gastspiele in Enns und Baden. 1873 kehrte sie nach Wien zurück und spielte am Wiener Stadttheater, dem sie bis 1881 verbunden blieb. 1879 heiratete sie den ungarischen Konsularbeamten Nikolaus Kiss de Ittebe. 1880 trennte sie sich wieder von ihm; im selben Jahr wurde ihr Sohn Anton geboren.
Am 10. November 1883 erreichte Katharina Schratt das Ziel aller SchauspielerInnen dieser Zeit: Sie gab ihr Debüt am k. u. k. Burgtheater, damals noch im alten Haus am Michaelerplatz. Auf dem Spielplan stand das Schauspiel „Dorf und Stadt“. Die Zeitungskritiken waren durchwegs positiv, weniger positiv die Gedanken ihrer neuen Kollegen: So vermerkte Hugo Thimig in seinem Tagebuch wenig schmeichelhaft: „Sie ist, was man sagt, ein lieber Kerl. Gar zu jung nicht mehr. Einige dreißig. Ein tiefliegendes, rauhes Organ. Manchmal drollig. Keine Vertiefung und Innerlichkeit.“ 1887 erfolgte ihre Ernennung zur Hofschauspielerin. Obwohl ihre Stärke eher im komischen Fach lag und sie in Lustspielen sowie Volksstücken brillierte, findet sich ihr Name auch in den Besetzungslisten von Klassikern: So spielte sie z.B. die Lady Percy in Shakespeares König Heinrich IV., die Elisabeth von Valois in Schillers Don Carlos oder das Käthchen in Kleists Käthchen von Heilbronn. Nach Differenzen mit der neuen Burgtheaterführung kündige Katharina Schratt ihren Vertrag per 7. Oktober 1900 und ging im Alter von 47 Jahren „in Pension“.

Katharina Schratt als Maria Theresia
© UB Foto
Ein Jahr später wurde sie rückfällig und feierte im Theater an der Wien ein triumphales Comeback. Für wohltätige Zwecke spielte sie u.a. im „Meineidbauer“ von Ludwig Anzengruber. Felix Salten nutzte seinen Bericht über die Premiere zu einer Kritik am Burgtheater: „Frau Schratt spielt die Vroni in Anzengrubers Meineidbauer. Für österreichische Gestalten aus dem Volke besitzt das Burgtheater recht wenig Darsteller. Es wird im ersten Theater der Monarchie viel gesächselt, geschwäbelt, berlinert, aber wienerisch, österreichisch wird nicht gesprochen. Da war es gewiß sachlich nicht zu rechtfertigen, eine Frau ziehen zu lassen, die das seltene Element des ‚Kreuzbraven‘ so frisch verkörpert. Nun, da auch Nestroy seinen Einzug im Burgtheater gehalten, bleiben zur Verkörperung österreichischer Typen fast nur mehr Schwaben, Sachsen und Preußen.“
Fast einen Eklat in der Wiener Theaterszene gibt es zwei Jahre später, als Katharina Schratt die Rolle der Maria Theresia im gleichnamigen Theaterstück von Franz von Schönthan verkörperte. Das Schauspiel sollte ursprünglich seine Premiere unter dem Titel „Die Kaiserin“ erleben. Das wäre dann doch zu provokant gewesen – denn seit 1886 war sie die „liebe, gute Freundin“ des Kaisers:

Über Katharina Schratt – die Vielgeliebte lesen Sie in der kommenden Woche.
Text: Dr. Elisabeth Vavra

Lit.:
Georg Markus, Katharina Schratt. Die heimliche Frau des Kaisers. Wien 1982.
Henriette Povse, Das Kochbuch der Familie Schratt. Kulinarische Geschichten aus Baden, herausgegeben von Rudolf Maurer, mit einem Beitrag von Manfred Ronge. Erfurt 2012.
Georg Markus, Es war ganz anders, Geheimnisse der österreichischen Geschichte. Wien 2013.
Katrin Unterreiner, Kein Kaiser soll uns stören. Katharina Schratt und die Männer. Wien-Graz-Klagenfurt 2014.

24. Juli 2014

Frauenportrait # 23

# 23: Catharina Regina von Greiffenberg – eine Dichterin der Barockzeit

 Es gehe, wie Gott will, in meinem ganzen Leben;
Es gehe, wie Gott will, auf dieser weiten Welt! 
 Denn alles, was Gott will, mir trefflich wohlgefällt;
Will auch, in was Gott will, mich williglich ergeben.

Catharina Regina von Greiffenberg
© Österreichische Nationalbibliothek
www.onb.ac.at
 1662 erschienen diese Zeilen in der Sammlung „Geistliche Sonette, Lieder und Gedichte“. Der genaue Zeitpunkt, wann Catharina von Greiffenberg diese Zeilen niederschrieb, ist leider nicht bekannt. Sie zeigen ihre tiefe Gläubigkeit und die Ergebenheit in ein Schicksal, das sie als von Gott auferlegt empfand. Wer war diese Frau?

Zur Welt kam sie am 7. September 1633 auf Schloss Seisenegg, im Gemeindegebiet von Viehdorf bei Amstetten gelegen. In Europa tobte der Dreißigjährige Krieg. Das Blatt hatte sich zugunsten der protestantischen Union gewendet. Schwedische Truppen hatten im Frühjahr Landsberg am Lech erobert und unter der Bevölkerung ein Blutbad angerichtet. Kurz danach schloss Schweden mit den protestantischen Reichsständen den Heilbronner Bund als Gegengewicht zur katholischen Liga. Der Vater Catharinas gehörte dem protestantischen Adel im Erzherzogtum unter der Enns an. Die Greiffenbergs gehörten nicht zu den alten Adelsfamilien; sie hatten sich als bürgerliche Juristen – damals hieß die Familie noch Lins-mayer – über hohe Regierungsämter „hinaufgedient“ und waren in den Landadel aufgestiegen. Der Großvater Catharinas hatte großen Grundbesitz erworben, u.a. die Herrschaft Seisenegg. Zu Reichtum kam er durch den Kauf einer Kupfergrube in Radmer bei Hieflau. Durch seine 37jährige Tätigkeit als kaiserlicher Rat kam er mit den führenden protestantischen Adeligen in Kontakt. Seit 1602 durfte er sich Edle von Greiffenberg nennen; in seinem Todesjahr 1608 wurde er in den Freiherrenstand erhoben.


Schloss Seisenegg, Kupferstich, Georg Matthäus Vischer,
1672 © IMAREAL, ÖAW

Sein Sohn Hans Gottfried von Greiffenberg, der Vater Catharinas, übernahm nach dessen Tod den Besitz. Eine Karriere bei Hof blieb ihm verwehrt, da sich die Stellung des protestantischen Adels im Reich zunehmend verschlechterte. Auf die Rolle eines Landadeligen beschränkt, kamen noch finanzielle Probleme hinzu, da sich die Hofkammer nicht in der Lage sah, die Darlehen, die der Kaiser bei den Greiffenbergs aufgenommen hatte, zurückzuzahlen. Dazu kamen Schwierigkeiten im Kupferbergwerk, das nahezu erschöpft war, und die zunehmend katastrophale wirtschaftliche Lage im Land nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau 1626 hatte Hans Gottfried von Greiffenberg  wieder geheiratet; seine zweite Gemahlin – Eva Maria von Pranck zu Reinthal und Frondsberg – entstammte einem angesehenen steirischen Adelsgeschlecht. Sie schenkte zwei Töchtern das Leben, Catharina und der früh verstorbenen Anna Regina. Während ihrer ersten Schwanger-schaft erkrankte sie schwer und gelobte ihr Kind, falls die Geburt glücklich verlief, Gott zu weihen. Bereits 1641 verstarb der Vater auf dramatische Weise: Seine Tochter fand ihm vom Schlagfluss getroffen tot in seiner Kutsche vor, als er von einer Reise nach Seisenegg heim-kehrte. Ihr Onkel übernahm die Vormundschaft für die beiden Halbwaisen und kümmerte sich – allerdings mit wenig Erfolg – um die desolaten Finanzverhältnisse. Er sorgte auch für die Erziehung seiner beiden Nichten, die weit über das damals für Mädchen übliche Maß hinaus-ging. Catharina erhielt Unterricht in Latein, Französisch, Spanisch, Italienisch, Geschichte, Rechts- und Staatswissenschaften. Daneben übte sie sich in Singen, Tanzen, Malen, Reiten und Jagen. Eine weitere traumatische Erfahrung widerfuhr Catharina durch den plötzlichen Tod ihrer jüngeren Schwester 1651. Noch Jahre später beklagte sie deren Tod in ihren Briefen: Es war mein Herz und alle Gedanken mit ihr gen Himmel geflogen. Mein ganzes Leben war ein Todesverlangen, und mein bitterer Tod, dass ich wieder leben musste.  

Das ihr weiteres Leben prägende religiöse Durchbruchserlebnis wurde ihr anlässlich des Besuches einer Messe in Preßburg zuteil: Es ging ihr ein „Himmelslicht“ auf, wie sie ihre Erfahrung in späteren Schriften und Dichtungen beschrieb. Fortan wollte sie ihr Leben ganz in den Dienst der Verbreitung des protestantischen Glaubens stellen. Nach ihrer Heimkehr begann sie mit einem intensiven Studium theologischer, philosophischer und historischer Schriften. Zum Förderer ihrer Dichtkunst wurde Johann Wilhelm von Stubenberg, der auf der Schallaburg residierte. Mit ihm verband sie eine Seelenfreundschaft, die bis zu seinem Tod andauern sollte. Über ihn fand sie Zugang zu den führenden Nürnberger Dichtern Philipp Harsdörffer und Sigmund Birken, mit dem sie später auch einen regen Briefwechsel führte.

Noch vor ihrer Eheschließung hatte Catharina Aufnahme in den Kreis der „Istergesellschaft“ gefunden – Ister war die antike Bezeichnung für den Unterlauf der Donau. Es handelte sich dabei um einen Kreis kunstsinniger Adeliger, dem später auch Frauen – die Isternymphen – angehören durften. Wie ähnliche Zirkeln in Deutschland, etwa die „Fruchtbringende Gesell-schaft“, 1627 in Weimar gegründet, oder der „Pegnesische Blumenorden“, der sich 1644 in Nürnberg konstituierte, widmete sich die Istergesellschaft der Pflege kultureller und gesell-schaftlicher Kontakte. Prominente männliche Mitglieder waren Wolf Helmhard von Hohberg, der Verfasser der „Georgica Curiosa“, einem Werk der Hausväterliteratur, oder Georg Adam von Kuefstein, der auf Greillenstein residierte. Da in den erhaltenen Briefen und Schriftstücken meist aber nur Decknamen verwendet wurden, ist eine Identifikation nicht in allen Fällen möglich. Auch Damen der Wiener Hofgesellschaft gehörten diesen Kreisen an. Hier traf Catharina auf gleichgesinnte Angehörige des Adels und fand Freundinnen: Zu den engsten zählten die Gräfinnen Zinzendorf, eine Gräfin von Rantzau, eine Frau von Laßberg sowie Susanne Popp, die Tochter des Ennser Stadtrichters Priefer. Letztere war vermutlich eine Freundin seit Jugendtagen. Im Zuge der Gegenreformation und der um sich greifenden anti-protestantischen Stimmung schmolz die Istergesellschaft auf wenige Mitglieder zusammen. Ihre prominenten Vertreter gingen in die Emigration. Immerhin bildeten sie für Catharina zunächst in der Heimat, dann in der Fremde Stütze und Halt.

Trotz ihrer Bildung blieb Catharina gefangen in den Gepflogenheiten ihrer Zeit und ihres Standes: Als ihr Onkel sie trotz der nahen Verwandtschaft zur Frau nehmen wollte, konnte sie nur einige Jahre seinem Werben Widerstand entgegensetzen. Fragt man nach Gründen für sein Werben, so war dies zum einen sicher ein tiefes Gefühl, das er durch die Jahre für seine Nichte entwickelt hatte; zum anderen war sie eine standesgemäße Partie für einen in die Jahre gekommenen Landedelmann, und es war zu erwarten, dass ihr beginnender Ruf als Dichterin auch auf den Ehemann abfärben würde. So setzte er sich dafür ein, dass ihre ersten Werke, eine Sammlung von Andachtsgedichten unter dem Titel Geistlichen Sonette, Lieder und Gedichte 1662 im Druck erschienen. Schließlich gab sie seinem Drängen nach: 1664 heiratete sie ihren 25 Jahre älteren Onkel. Die Trauung fand in der Klosterkirche Frauenaurach bei Erlangen auf protestantischem Territorium statt; Schirmherr der Eheschließung war Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth. In Österreich stand einer Ehe zwischen so nahen Blutsverwandten das katholische Kirchenrecht im Wege, während sich in der protestantischen Theologie kein ausdrückliches Verbot für eine solche Ehe fand. Die in Österreich nicht anerkannte Eheschließung hätte es eigentlich notwendig gemacht, dass das Ehepaar weiterhin auf protestantischem Gebiet ihren Aufenthalt nahm. Sie mussten allerdings nach Seisenegg zurück, um den Verkauf ihrer Güter voranzutreiben; Hans Rudolf von Greiffenberg wurde wegen der illegalen Eheschließung inhaftiert und erst durch Intervention des Kurfürsten von Sachsen wieder frei gelassen. Catharina interpretierte den neuerlichen Schicksalsschlag als göttliche Prüfung und Läuterung in Hinblick auf die ihr von Gott übertragene Aufgabe: die Bekehrung des Kaisers, seiner Familie und des gesamten Kaiserhofes zum einzig wahren, dem protestantischen Glauben.

Schloss Seisenegg © Elisabeth Vavra
Das Leben gestaltete sich nicht einfach. Der Gatte hielt sich zumeist in Radmer auf; Catharina lebte mit ihrer Mutter auf Seisenegg und hatte sich dort um den Gutsbetrieb zu kümmern. Ihre Probleme und Sorgen vertraute sie ihren Briefen an. Sie beklagte ihr Leben unter lautter boshafften Bauersleuthen, die mit Misstrauen ihre Gutsherrin bedachten. Jede Minute freier Zeit nutzte sie für ihre Dichtung; so lautet einer ihrer Briefe: Gegeben im Flachsfeld zu Preinsbach, den 7. August 1671 […] Ich schreib unter den Flachsziehern, die immer um etwas zu fragen und bitten haben, […]. Ablenkung von ihrer schwierigen Lage erfuhr sie bei den herbstlichen Vergnügungen des Adels, bei der Jagd, dem Vogelfang, bei Fischen und Reiten. Wenn ihr Gemahl anwesend war, führte er wohl ein offenes Haus. Allerdings behagten ihr seine rohen Tisch- und Saufkumpanen nicht sonderlich.

1675 starb ihre Mutter, zwei Jahre später ihr Gemahl. Schloss Seisenegg hatte noch ihr Gatte wegen der drückenden Schuldenlast an Matthäus Riß überschreiben müssen. Dieser verweigerte nun der Witwe den ihr zustehenden Erbanteil an der Kupfermine in Radmer auszuzahlen. Sie prozessierte gegen ihn; der Prozess zog sich über Jahre. War die Isolation schon vorher groß gewesen, so wurde sie nun zu einer erdrückenden Last. 1679 reist sie zu ihren Freunden nach Nürnberg; auf der Rückreise musste sie in Regensburg Aufenthalt nehmen, da in Wien die Pest ausgebrochen war. Hier begegnete sie ihren alten Freund Wolf Helmhard von Hohberg, dessen Einfluss es zu verdanken war, dass ihr nun zumindest das Erbgut ihrer Mutter in der Höhe von 5.500 Reichstalern ausgezahlt wurde. 1680 übersiedelte Catharina endgültig nach Nürnberg. Sie nahm Wohnung im Egidienhof und verbrachte dort im Kreis ihrer Freunde wohl die glücklichsten Jahre ihres Lebens. Sie starb am Ostersonntag des Jahres 1694 und wurde am St. Johannisfriedhof beerdigt.

Lit.: Heimo Cerny, Catharina Regina von Greiffenberg, geb. Freiherrin von Seisenegg (1633-1694), Amstetten 1983.

Weitere Infos zu Schloss Seisenegg und Catharina Regina von Greiffenberg finden Sie auch in der Geschichte-Datenbank des Landesmuseums: http://geschichte.landesmuseum.net/index.asp?contenturl=http://geschichte.landesmuseum.net/orte/ortedetail.asp___id=13631

Text: Dr. Elisabeth Vavra

16. Juli 2014

Frauenportrait #22

 

  #22: 21 Frauen – 21 Geschichten:

Aizheng Anna Anna Charlotte Dilschad Dorothea Eleonore Elfriede Erika Erika Ernestine Frieda Hedwig Herta Hildegard Ida Monika Rosa Sevil Vera Viktoria

Geburtsjahrgänge 1924-1953

Herkunftsländer: China, Kirgistan, Österreich und Türkei


„Oma, tell me a story!“, lautete der Aufruf an unsere Großmütter anlässlich eines Oralhistory-Projekts im Fach Geschichte. An diesem Projekt waren 20 Schülerinnen und Schüler der 6c des Mary Ward Oberstufenrealgymnasiums im Alter von rund 16 Jahren und ihre Omas im Alter von 60 - 89 Jahren unter der Betreuung von MMag. Irene Kimberger beteiligt.
 


Collage
Im September 2012 wurde vom Landesmuseum Niederösterreich ein Schulprojekt für den Ausstellungsschwerpunkt „Frauenleben in Niederösterreich“ initiiert. Unsere Aufgabe dabei war es, die Lebensgeschichten unserer Großmütter zu recherchieren. Zunächst sollte jede/jeder SchülerIn ein Interview nach dem Motto „Oma, tell me a story“ führen, wobei das Hauptaugenmerk auf der Kindheit und Jugend der Großmütter liegen sollte.  Schon in dieser Phase kristallisiert sich heraus, dass die Geschichten sehr unterschiedlich sein würden. Manche Omas zögerten und waren es nicht so recht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, andere wiederum freuten sich über das Interesse ihrer EnkelInnen und die Zeit, die sie dabei mit ihnen verbringen konnten.  Die Omas erzählten von ihrem harten Arbeitsleben, von ihrer Ausbildungszeit, von den Freuden und auch Leiden des Alltags. Sie kramten Fotos und andere teure Erinnerungstücke aus verborgenen Verstecken heraus. Einige Omas wagten sich sogar vor eine Kamera, um auf diesem Weg ihre Lebensgeschichten zu präsentieren.
Bei der weiteren Verarbeitung der Geschichten waren den Schülerinnen und Schülern keine Grenzen gesetzt. So wurden mit großem Engagement und  vielen kreativen Ideen – von Bildergalerien über Oma-Rap bis hin zu digitalen Präsentationen –  die Lebensgeschichten der Großmütter dokumentiert. Die Ergebnisse der Arbeiten waren sehr vielseitig, das Schlussresümee jedoch oft ähnlich: „Es war schön, Zeit mit meiner Großmutter zu verbringen.“ - „Ich habe viel Neues über meine Familie und damit über meine Wurzeln erfahren.“ - „Jetzt kann ich meine Oma erst wirklich verstehen!“
Im Juni 2013 wurden die Ergebnisse bei einem „Omafrühstück“ besprochen. Dabei bereiteten die Schülerinnen und Schüler ein köstliches Frühstück zu, das neben der Präsentation der Arbeiten in der Schulküche des Mary Ward Privatgymnasiums gemeinsam genossen wurde. Ein besonders Projekt, das allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.
 

Text: MMag. Irene Kimberger

Das Projekt ist in der Ausstellung „Frauenleben in Niederösterreich“ noch bis 19. Oktober 2014 zu sehen.