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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

27. Mai 2016

Ab ins Freie – Paradeiser auspflanzen

Paradeiser © Natur im Garten, Foto: Joachim Brocks
Die Eisheiligen haben wir erfolgreich hinter uns gebracht, ab jetzt dürfen die jungen Paradeispflanzen getrost ins Freie.

Sie lieben einen sonnigen und warmen Platz, etwa an der Südost- oder Südseite unter einem Dachvorsprung. Wer kein geschütztes Plätzchen zur Verfügung hat, kann ihnen auch im Beet ein Foliendach bauen. Denn Pilzkrankheiten wie Braunfäule breiten sich besonders gerne aus, wenn es feucht ist. Daher ist es wichtig, dass die Blätter gut abtrocknen können oder erst gar nicht nass werden.

Paradeiser sind Starkzehrer, das bedeutet, sie haben einen hohen Bedarf an Nährstoffen. Um diesen zu decken, eignen sich am besten Kompost und zusätzliche Dünger wie Brennnesseljauche oder handelsübliche organische Dünger.

Paradeiservielfalt © Natur im Garten,
Foto: Joachim Brocks
Beim Einpflanzen darauf achten, dass das untere Blattpaar knapp über der Erdoberfläche liegt, denn dann bildet die Pflanze zusätzliche Wurzeln aus.
Stützstäbe werden bei der Pflanzung gleich dazugesteckt. Vor allem, wenn die Tomaten im Vorjahr Krankheiten hatten, sollten die Stäbe vorher desinfiziert werden, damit Keime aus dem Vorjahr keine Chance haben. Verwenden Sie gewundene Stäbe, kann die Pflanze einfach „eingefädelt“ werden und muss nicht angebunden werden.
Abschließend wird der Boden rund um die Pflanzen noch gemulcht, zum Beispiel mit Grasschnitt oder Flachsschäben. Das schützt vor Austrocknung.
„Natur im Garten“ wünscht Ihnen eine gute Paradeiser-Ernte!





Aktion Natur im Garten

weitere Informationen:
www.naturimgarten.at
www.facebook.com/naturimgarten


Buchtipp aus der kurz&gut Reihe von „Natur im Garten“: 

Helga Buchter-Weisbrodt: Paradeiser im naturnahen Garten
Tomaten ziehen, ernten und genießen – die schmackhaftesten Sorten für den Hausgarten.
Kaum eine Art bietet so vielseitigen Genuss wie die Tomate. Vor allem für den Hausgarten gibt es in den letzten Jahren unzählige, wieder so richtig gut nach Tomaten schmeckende Sorten. Alle Liebhaber der runden Köstlichkeit finden in diesem Buch eine Vielzahl an Sorten beschrieben. Ausprobieren lohnt sich, denn die paradiesischen Früchte schmecken aus eigener Ernte gleich noch mal so gut.
ISBN 978-3-8404-8116-1, erhältlich z.B. bei http://naturimgarten-shop.at/

24. Mai 2016

Die letzten Tage: 2. Mai 1945 – 8. Mai 1945

Mittwoch, 2. Mai 1945

 
Im Westen Österreichs rückten französische und amerikanische Truppeneinheiten weiter vor. Die französische 5. Panzerdivision nahm ohne Widerstand Dornbirn und Lustenau ein. Auf wenig Widerstand stießen die amerikanischen Truppen im Bregenzerwald.
Heftige Kämpfe gab es dagegen am Fernpass; hier versuchte die 47. Jägerdivision der 44. US-Infanteriedivision den Zugang ins Inntal zu versperren. Am späten Nachmittag brach ihr Widerstand.
Abb. 1: Volksgasmaske. Waidhofen an der Ybbs, Museumsverein.

An der Ostfront verlief der Tag relativ ruhig. Gefechte gab es nur im Gebiet des Wechsels. Hier versuchte das Gebirgsjägerregiment 99 noch immer das Vordringen der Roten Armee in die Steiermark zu verhindern.
Das Oberkommando der Wehrmachte berichtete abends: „Aus dem Raum Füssen vorgehende amerikanische Kräfte wurden östlich Garmisch-Partenkirchen und bei Lermoos abgeschnitten. Zwischen Mur und Donau in der Ostmark hielt auch gestern die Kampfpause an.“

 

Donnerstag, 3. Mai 1945

 
Schon am Vortag hatte es heftig geregnet. In der Nacht hatte sich unter den Regen Schnee gemischt. Die Wolken hingen tief in die Täler hinein.
In Vorarlberg ging der Vormarsch der französischen Einheiten weiter; knapp nach Mittag nahmen sie Feldkirch ein. Der Widerstand war gering. Hinderlich waren nur die zahlreichen gesprengten Brücken, die Umwege nötig machten. In Tirol drangen amerikanische Truppen über den Zirler Berg in das Inntal vor. Eine beabsichtigte Falschmeldung im Rundfunk ermöglichte eine kampflose Einnahme Innsbrucks: Die Widerstandsbewegung hatte um 17 Uhr bekanntgegeben, dass ein Waffenstillstand in Kraft getreten war. An der Ostfront herrschte Ruhe. Die „Österreichische Zeitung“ – die „Frontzeitung“ der 3. Ukrainischen Front der Roten Armee berichtete in ihrer in Wien erscheinenden Ausgabe: „Die 1. französische Armee ist nach der Einnahme von Friedrichshafen und Lindau nach Österreich vorgestoßen und hat Bregenz erobert.“

Freitag, 4. Mai 1945

Abb. 2: Waidhofen an der Ybbs in den letzten Kriegstagen.
Waidhofen an der Ybbs, Stadtarchiv
Das wichtigste Ereignis dieses Tages war wohl die kampflose Übergabe Salzburgs. Noch in der Nacht zuvor hatte Oberst Hans Lepperdinger den Befehl erhalten, Salzburg unter allen Umständen zu verteidigen. Die Lage in der Stadt war katastrophal. Die Stadt war von Flüchtlingen und Verwundeten überfüllt. Am Morgen hatte das in der Kaserne Glasenbach lagernde SS-Bataillon den Befehl erhalten sich hinter den Pass Lueg zurückzuziehen.
Um 6 Uhr verlautbarte Lepperdinger über den Rundfunk: „Mein ganzes Bestreben ging dahin, alle zuständigen Stellen von der Sinnlosigkeit einer Verteidigung der Stadt zu überzeugen Gestern Abend übernahm General von Borgkh den Befehl über meinen Abschnitt und befahl mir, Salzburg zu halten. Dieser Befehl stellt einen Wahnsinn dar, wie ihn nur militärische Unfähigkeit und menschliche Verantwortungslosigkeit gebären können. Ich habe mich daher entschlossen, diesen Befehl, an dem mich seit dem Tode des Führers kein Eid mehr bindet, nicht auszuführen. Ich erkläre die letzte deutsche freie Stadt zur offenen Stadt und biete den Amerikanern die Übergabe an.“

In Oberösterreich ging der Vormarsch der amerikanischen Truppen langsam voran. Sie rückten über Lambach und Fischlham Richtung Linz weiter vor. Wels und Vöcklabruck ergaben sich kampflos. In Niederösterreich gab es nur vereinzelte Kämpfe. In Enns meuterten die Soldaten, legten die Waffen nieder und traten für ein freies Österreich ein. Auch Zug- und Gruppenführer des nun schon seit Wochen am Wechsel liegenden Gebirgsjägerregiments 99 verließen ihre Einheit.   
 

In den letzten Wochen hatte der Wehrmachtsbericht immer erst zeitverzögert Niederlagen eingestanden gegeben. Der Bericht vom 4. Mai schilderte diesmal die Ereignisse zeitnah: „In Süddeutschland erzielten die Anglo-Amerikaner weitere Fortschritte. Entlang der Autobahn von München nach Osten vorgehend, besetzten sie Salzburg und drangen weiter in den Raum von Innsbruck vor. Innsbruck ging verloren. Zwischen Rosenheim und Passau erreichte der Gegner auf breiter Front den Inn, nahm Braunau und, von dort nach Osten vorstoßend, Ried und Wels. Südlich Linz wurde der Feind zum Stehen gebracht, nachdem er seine Spitzen weiter in den Raum Oberdonau vorgetrieben hatte.“ 

Samstag, 5. Mai 1945

Abb. 3: Reste der Geschütze zur Verteidigung 1945.
Waidhofen an der Ybbs, Museumsverein
Die Lage war verworren. Gerüchte über einen Waffenstillstand kursierten, wurden aber von offizieller Seite nicht bestätigt. Vom Westen drangen französische Truppen weiter Richtung Arlberg vor. Im Inntal stießen amerikanische Truppen immer wieder auf Widerstand. Um Linz wurde heftig gekämpft. Südlich der Donau erreichte das 20. US-Korps kampflos Enns. Aufklärungseinheiten drangen bis Steyr vor. Nördlich der Donau leisteten SS-Einheiten noch Widerstand. Vorrückenden Truppen der 11. US-Panzerdivision der 3. US-Armee erreichten Mauthausen; der Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Louis Haefliger, der sich seit wenigen Tagen in Mauthausen aufhielt, führte zwei amerikanische Panzerspähwagen ins Lager. Diese fuhren nach wenigen Stunden aber wieder ab. Erst am 7. Mai wurde das Lager von der 11. Panzerdivision der 3. US-Armee unter dem Kommando des Colonel Seibel übernommen und endgültig befreit.
Heinz von Gyldenfeld, Generalstabschef der Heeresgruppe Süd, vermerkte an diesem Tag in sein Tagebuch: „Nachdem der Amerikaner in unserem Rücken bis an die Enns und nördlich der Donau zur Brücke von Mauthausen – also dicht vor unsere Tür – gekommen ist, machen wir mit dem Oberkommando wieder Stellungswechsel Richtung Osten und ziehen nach Waidhofen a. d. Ybbs in das Rothschild Chateau um.“

Sonntag, 6. Mai 1945

In Vorarlberg rückten die französischen Truppen weiter vor, ohne auf Widerstand zu stoßen; auch in Tirol schwiegen endlich die Waffen. Anders an der Enns. Hier leistete bei Ennsdorf eine deutsche Flak-Batterie noch immer heftigen Widerstand. Auch nördlich der Donau bei Grein konnte die 3. SS-Panzerdivision das Vordringen der 11. US-Panzerdivision noch eine Zeit lang verhindern.

Aufklärungseinheiten des 20. Korps drangen bis Waidhofen an der Ybbs vor. Dort lagerte zwar noch der Gefechtsstand der Heeresgruppe Süd: Gyldenfeld ließ aber kampflos die Panzersperren öffnen und begann mit Verhandlungen.

In der „Österreichischen Zeitung“ fand sich folgender Lagebericht: „Im Süden ist die Wehrmacht in einem unbeschreiblichen Zustand der Auflösung. Alle deutschen Truppen haben, ebenso wie die italienisch-faschistischen Verbände, in Norditalien und Westösterreich kapituliert. Die Feindseligkeiten wurden eingestellt. Am Inn stoßen Alliierte auf einer 100 km breiten Front vor. Linz liegt schon im Bereich amerikanischer Geschütze. In Salzburg ist die Macht der Nazi gebrochen, die Stadtbesatzung hat sich ergeben. In Feldkirch sind französische Truppen eingedrungen. Linz ist von drei Seiten umfaßt und steht unter Artilleriefeuer, nachdem die Besatzung eine Kapitulation ablehnte.“  

Montag, 7. Mai 1945

Nachts um 2 Uhr 41 unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl im Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Der Waffenstillstand sollte am 9. Mai, eine Stunde nach Mitternacht in Kraft treten. Ab 7. Mai 8 Uhr waren die Kampfhandlungen gegen die Amerikaner einzustellen. 
Abb. 4: Wegweiser nach Gresten.
Waidhofen an der Ybbs, Museumsverein

Zu diesem Zeitpunkt waren nur Teile Österreichs von alliierten Truppen besetzt. Kärnten, Osttirol, Salzburg-Land, fast die ganze Steiermark und das westliche Niederösterreich wurden noch von der Deutschen Wehrmacht gehalten. Diese versuchte sich nun Richtung Westen abzusetzen, um so der sowjetischen Gefangenschaft zu entkommen. So rückte die 6. SS-Panzerarmee in der Nacht Richtung Enns ab. Schwieriger war die Situation für die 8. Armee nördlich der Donau, da die Einheiten der Roten Armee mit Argusaugen jede Feindbewegung beobachteten. Mit Tieffliegern überwachten sie die Straßen.
Das Oberkommando der Wehrmacht berichtete: „Im Südabschnitt der Ostfront beschränkten sich die Sowjets auch gestern auf vereinzelte Aufklärungsvorstöße.“

Dienstag, 8. Mai 1945

In den frühen Morgenstunden feuerte die sowjetische Artillerie Flugblattgranaten auf die letzten deutschen Stellungen von Radkersburg bis zur Thaya: General Tolbuchin informierte damit über die am 7. Mai 1945 in Reims unterzeichnete Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und forderte die Generäle, Offiziere und Soldaten der Deutschen Wehrmacht am Südabschnitt der Ostfront zur bedingungslosen Kapitulation auf:

„Ich stelle anheim:
1.      Allen deutschen Verbänden und Einheiten, geführt von ihren Generalen und Offizieren, am 8. Mai 1945 um 23:00 die Kampfhandlungen einzustellen und organisiert die Waffen zu strecken.
2.      Den Generalen und Offizieren am 9. Mai von Morgendämmerung und bis 9 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit an die russischen vorderen Linien Offiziere mit weißer Flagge zu schicken, um Anordnungen zur Übergabe der Waffen und zur Gefangengabe der Truppen entgegenzunehmen.
3.      Sämtliche Waffen, Transportmittel, Nachrichtengeräte, Kriegsgut und Lebensmittel müssen den Vertretern des Kommandos der Roten Armee vollkommen unversehrt übergeben werden.
4.      Allen, die die Waffen strecken und sich gefangen geben, wird gemäß den völkerrechtlichen Bestimmungen über Kriegsgefangene Leben, Uniform, Auszeichnungen, persönliches Eigentum, regelmäßige Verpflegung, ärztliche Betreuung und Unterbringung in den Kriegsgefangenenlagern bis zum Zeitpunkt der Heimkehr garantiert.“
Abb. 5: Wegweiser nach Krems. Langenlois, Heimatmuseum
Aber nicht alle deutsche Truppenteile an der Ostfront gelangten in den Besitz dieser Flugblätter. Denn viele hatten bereits mit dem Rückzug Richtung Westen in den frühen Morgenstunden begonnen. Noch einmal kam es auch auf niederösterreichischem Boden zu schweren Gefechten, die vor allem von der 6. SS-Panzerarmee angezettelt wurden. Um Rohr in Gebirge sprengten sie alle Brücken. Im Bezirk Lilienfeld lagen Orte wie Türnitz, St. Aegyd am Neuwald, Annaberg und Hohenberg unter Artilleriebeschuss. Der Bezirk St. Pölten erlebte noch einmal Tieffliegerangriffe.
Auch nördlich der Donau flackerten immer wieder Gefechte auf. Dabei kam es auch zu schwerwiegenden Missverständnissen zwischen den Alliierten: Bei Aggsbach Markt lieferten sich US-Panzer und Sowjets irrtümlich ein Feuergefecht. In Krems sprengten deutsche Truppen die Donaubrücken und überließen die Stadt kampflos der Roten Armee. Noch der letzte Tag des Krieges forderte seine Opfer unter der Zivilbevölkerung: in Fels am Wagram starben sieben Zivilisten während eines Fliegerangriffs; in Rohrendorf kamen zwölf im Artilleriefeuer ums Leben. Die Lage im Weinviertel gestaltete sich nicht viel anders. Die restlichen Truppenteile der Deutschen Wehrmacht sprengten nahezu jede Brücke, um ihren Rückzug abzusichern. 

Im Westen Niederösterreichs stießen amerikanische Truppen vor. Amstetten wurde um 13 Uhr von der deutschen Wehrmacht geräumt; die ersten amerikanischen Jeeps standen schon auf dem Hauptplatz, da bombardierten sowjetische Flieger die Stadt. Auch Haag erreichte die US-Armee noch vor den Sowjets.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai trafen sich in Erlauf der sowjetische General Dmitri Dritschkin und der US-amerikanische General Stanley Reinhart und feierten gemeinsam den Waffenstillstand. Im Haus des Bürgermeisters legten sie die zukünftige Demarkationslinie fest, die entlang der Enns verlaufen sollte.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra, Kuratorin und Wissenschaftliche Leiterin Geschichte
Verwendete Literatur: Theo Rossiwall, Die letzten Tage. Die militärische Besetzung Österreichs 1945. Wien 1969.
 
Mehr Informationen zur Ausstellung "Kriegsschauplatz Niederösterreich"

 


 

13. Mai 2016

Leopold Kogler - Persönliche Perspektiven einer Vergangenheit


Leopold Kogler

"In den vergangenen 40 Jahren habe ich mich jeweils für einige Jahre auf ein spezifisches Genre konzentriert. Zu Beginn meines künstlerischen Schaffens war es die Auseinandersetzung mit fotografischen Elementen und diversen Schrifttypen. Wichtig war mir auch das Prozesshafte. Schon damals habe ich jeweils kleinere und größere Werkblöcke geschaffen. In diese ersten Jahre fallen auch die 'Mullbinden-Bilder', ein Versuch textile Strukturen zu erzeugen. Aus einem starken Bewusstsein für die damalige Richtung, Kunst ohne Künstler zu schaffen, habe ich mich vom Erkennbaren entfernt und bin immer abstrakter und komplexer geworden.


Leopold Kogler, Abendgewitter, 1982, 45x60cm, Aquarell auf Papier
Zu Beginn der 1980er Jahre kommt es zu einem Bruch mit dem Seriellen und es kommt die Farbe massiv ins Spiel. Ist es zuerst die Beschäftigung mit der Entgrenzung der Malerei aus starren Formaten, den sogenannten Reißbildern, beginne ich hin zur Landschaft zu wenden. Die Darstellungen sind nicht mehr oder nur kaum als Felder, Wälder und Seen zu erkennen. Alles beginnt sich aufzulösen in ein visuelles Feld, das von flammenden Bewegungen, glühenden Farben und einer Hektik beherrscht wird, die nicht mehr zum Stillstand kommen will. Hin und wieder werden auch Collageteile in die Malerei eingebunden und der Versuch Aquarell und pastose Acrylmalerei zu verbinden.



Leopold Kogler, Nachtschatten, 1995,
160x75cm, Öl auf Leinen
In großen Schüben entstehen in den 1990er Jahren vielteilige Kleinformate, die in Kassetten gelagert werden. Als Motiv nehme ich die Landschaft im Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Das ist auch der Ausgangspunkt für die ersten Horizonte-Bilder, die rund um 2000 entstehen.
Kennzeichnend für diese großformatigen Bilder ist eine typisch moderne Erfahrung. Ob die Umgebung aus einem schnell fahrenden Zug oder Auto oder von einem fixen Ort wahrgenommen wird, verändert die Sichtweise. Es geht hier nicht sosehr um die Natur an sich, sondern die Wahrnehmung der Landschaft.

Ich gehöre zur Generation von Malern, die mit der Diskussion über das Ende der Malerei aufgewachsen ist. Gerade weil sie immer im Hintergrund vorhanden war, habe ich mich nie einer bestimmten künstlerischen Tradition verpflichtet gefühlt. Für mich war Malerei ein unerschöpfliches Reservoir an Bildern, Stilen, Mentalitäten und Möglichkeiten.



Leopold Kogler, Folias, 2016, 40x30cm, Emulsion auf Karton
Ab Mitte 2013 habe ich ein Verfahren entwickelt, die sogenannten Naturfotogramme.
Diese vielteiligen Bilderserien wie „Folia“ basieren aus der Auseinandersetzung mit der Fotografie und lichtempfindlichen Emulsionen.
Einerseits geht es hier um den Formenreichtum der Natur aber auch um das Verknüpfen der Herkunft der Blätter. Sie kommen aus allen Erdteilen und werden hier zu einem Kosmos arrangiert. Hier verschwindet auch der emotionale Gestus."



Text:
HR MMag. DDr. Leopold Kogler
http://www.leopold-kogler.at/

Die Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich "Leopold Kogler - Quell. Eine Retrospektive" ist noch bis 31. Juli 2016 zu sehen

9. Mai 2016

Kriegsschauplatz NÖ: Die letzten Tage: 25. April – 1. Mai 1945

Mittwoch, 25. April 1945

Morgens war der Frühling mit strahlender Sonne und warmen Temperaturen zurückgekehrt. Für die Bevölkerung bedeutete dies allerdings wieder schwere Fliegerangriffe durch die US-Bomberflotte, die aufgrund der günstigen Wetterlage wieder von Foggia aufsteigen konnte. Ihre Ziele lagen diesmal in Oberösterreich. Linz erlebte seinen 23. Luftangriff: 360 Menschen starben.
An den Fronten in Niederösterreich herrschte gespannte Ruhe. Im Bezirk Mistelbach kämpften Deutsche und Sowjets um Oberschoderlee und Unterschoderlee, zwei Katastralgemeinden von Stronsdorf. Es gab fünf Tote unter der Zivilbevölkerung, acht ausgebrannte Objekte und neun beschädigte. Im Bezirk St. Pölten gab es ebenfalls nur kleinere Geplänkel: zwei Brücken wurden gesprengt, zwei Zivilisten getötet.
Im Industrieviertel blieb die Lage nahezu unverändert. Auf dem Plateau der Hohen Wand lagen nun schon seit dem 3. April Waffen-SS, Schüler der Wiener Neustädter Militärakademie (1938-1945 „Kriegsakademie“) und Volkssturm verschanzt und verteidigten den Raum. Schließlich mussten sie dem Druck der Roten Armee nachgeben und zogen sich in Richtung Miesenbach zurück. Pernitz fiel nach zweitägigem Häuserkampf in die Hände der Sowjets: 15 Häuser waren abgebrannt, 152 beschädigt, zwei Eisenbahnbrücken gesprengt.  

In St. Pölten forderte der von der Roten Armee eingesetzte Bürgermeister Günter Benedikt mit Wandanschlägen die Bevölkerung auf, bis zum 30. April alle nationalsozialistische Literatur, Anschläge, Kundmachungen, Journale usw. zu vernichten.
 
Plakat: Ein Kampf, ein Wille, ein Ziel:
Sieg um jeden Preis!
Waidhofen an der Ybbs, Stadtarchiv
© Stadtarchiv Waidhofen an der Ybbs

Donnerstag, 26. April 1945

Bis in den frühen Nachmittag hinein waren aufgrund der Wetterlage Luftangriffe möglich. Der Süden Österreichs erlebte eines seiner letzten schweren Bombardements, das rein taktischer Natur war: Ziel war diesmal wieder Lienz in Osttirol: Um 12:30 kamen die Bomber und warfen in dreimaligem Anflug ihre Bombenlast auf das Zentrum der Stadt ab. 16 Prozent des Gebäudebestandes waren nun zerstört.
An der Front in Niederösterreich kam es nur zu kleineren Kämpfen; im Bezirk Mistelbach etwa um Stronegg, einer weiteren Katastralgemeinde von Stronsdorf. In Furth an der Triesting gelang einer deutschen Einheit die Flucht vor einer Einheit der Roten Armee. Mehrere Zivilisten fanden den Tod. Grillenberg im Bezirk Baden wurde von den Sowjets besetzt.
Am Abend berichtete die Wehrmacht über die Lage in Österreich: „Im Südabschnitt der Ostfront beschränkte sich der Feind auf örtliche Angriffe; nordamerikanische Bomberverbände griffen wiederum Orte in der Ostmark an.“


Freitag, 27. April 1945

Dieser Tag war für die Zivilbevölkerung einer der ruhigsten seit Wochen. Durch eine Wetterverschlechterung konnten die Bombereinheiten der US-Army die Alpen nicht überfliegen.
Im Wiener Becken nahm die Rote Armee den seit 4. April umkämpften Markt Piesting bei Wiener Neustadt ein. Die Bilanz: 16 tote Zivilisten, 16 Häuser zerstört, 24 schwer beschädigt, zwei Brücken gesprengt.
In Wien veröffentlichte die provisorische Regierung Österreichs unter der Führung von Dr. Karl Renner die Unabhängigkeitserklärung.
Zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 2000 Stadt- und Ortsgemeinden im Burgenland, in Niederösterreich und der Steiermark von der Roten Armee besetzt.

Plakat: Hilf auch Du mit!
Waidhofen an der Ybbs, Stadtarchiv
© Stadtarchiv Waidhofen an der Ybbs

Samstag, 28. April 1945

Während an den Fronten im Osten einigermaßen Ruhe herrschte, überschritten im Westen Österreichs Einheiten der 103. amerikanischen Infanteriedivision die Tiroler Grenze zwischen Pfronten und Vils. In Niederösterreich gab es nur im Gebiet des Wechsels kleinere Gefechte zwischen Sowjetkräften und dem Gebirgsjägerregiment 99.
Obwohl die deutsche Luftaufklärung in Niederösterreich keine Einsätze mehr flog, begann die Rote Armee mit der Errichtung eines etwa 20 km tiefen Verteidigungssystems. Sie verlangten von der Zivilbevölkerung den Bau von Luftschutzeinrichtungen und Splittergräben, obwohl keine Angriffe der Deutschen Armee mehr zu erwarten waren. Was befürchteten sie? Wollten sie nun ihre Gebietseroberungen gegen die vom Westen vorrückenden britischen und amerikanischen Einheiten verteidigen?

Sonntag, 29. April 1945

Die Niederschläge, die seit dem Vortag angedauert hatten, hörten am Morgen auf.
In Vorarlberg und Tirol drangen Einheiten der US-Army und der französischen Armee weiter vor. Die Furcht der Alliierten vor der „Festung Vorarlberg“ und der „Alpenfestung“ erwies sich als unbegründet. Es gab wohl einen Festungsabschnitt „Nordtirol – Vorarlberg“, aber Truppen zur Verteidigung standen kaum zur Verfügung.
In Niederösterreich räumten Einheiten der SS-Division „Hitlerjugend“ die Stadt Berndorf, die sie seit 8. April verteidigt hatten. Mehr als 350 Häuser waren zerstört oder zumindest beschädigt, ca. 100 Zivilisten hatten den Tod gefunden. Im Weinviertel wurde Olgersdorf bei Asparn an der Zaya erobert. Die schwersten Kämpfe tobten im Frontabschnitt um den Hochwechsel.
Im Wehrmachtsbericht hieß es: „Auch gestern beschränkten sich die Bolschewisten im Südabschnitt der Ostfront auf örtliche Vorstöße.“  


Montag, 30. April 1945

In Westösterreich ging der Vormarsch der französischen 4. Panzerdivision in Vorarlberg bei Lochau und Bregenz weiter. Im Tiroler Außerfern gab es leichten Widerstand der dort noch liegenden deutschen Wehrmachtseinheiten. Im Mühlviertel überschritten Teile der 11. Panzerdivision als Spitze der 3. US-Army die Grenze bei Oberkappel und  Kollerschlag. General George S. Patton hatte den Auftrag, aus dem niederbayerischen Raum nach Südosten vorzustoßen und im Bereich der Enns-Linie Verbindung mit der Roten Armee aufzunehmen. In Niederbayern nördlich und südlich der Donau drangen das 12. bzw. das 20. amerikanische Korps vor.
In Niederösterreich gab es nur schwache Kämpfe: Eine kleine deutsche Einheit eroberte Ambach, eine Ortschaft in der Gemeinde Wölbling, zurück. Deutsche Jagdflieger kreisten über Wiener Neustadt und wurden von sowjetischen Flakstellungen bei Bad Schönau beschossen. Das Gebirgsjägerregiment 99 lag unter schwerem Artilleriebeschuss; man zählte rund 4000 Einschläge.
Der Wehrmachtsbericht lautete: „Im Südabschnitt der Ostfront hat sich die Lage gefestigt.“

Aufstellung der Fliegeralarme in Langenlois 1939–1945
Heimatmuseum Langenlois © Elisabeth Vavra

Dienstag, 1. Mai 1945

Im Westen Österreichs hatten französische Truppen Bregenz eingenommen. Auf den Bergen fiel Schnee. In Tirol wurde von deutschen Truppeneinheiten der Fernpaß befestigt; dies hielt die US-Army aber nicht von einem weiteren Vordringen ab. Von Mittenwald und Garmisch aus drang das 6. US-Korps Richtung Innsbruck vor. In Niederbayern erreichte die Vorhut des 20. US-Korps den Inn: Brücken gab es nur mehr bei Tittmoning und Burghausen. Am Ufer bei Schärding bezogen 200 SS-Soldaten Stellung. Bei Braunau lagen 500 Mann in Stellung, verstärkt durch 500 Volkssturmleute und 300 Angehörige des Arbeitsdienstes. Die sieben Flakbatterien hatten kaum Munition. Als amerikanische Panzer gegen Mittag über den Fluss das Feuer eröffneten, brach Panik aus: Es setzte eine Massendesertion ein. Auch im Mühlviertel stießen die amerikanischen Panzer bei Schwarzenberg, Kollerschlag usw. nur auf schwachem Widerstand.
Die katastrophale Lage der noch verbliebenen Truppenteile an der Ostfront schildert ein Bericht des Gebirgsjägerregiments 99: „Ununterbrochene starke Angriffe auf 1. und 2. Bataillon, der artilleristische Aufwand übertrifft alles bisher Erlebte. Wir haben den Eindruck, der Russe möchte unter allen Umständen die Front sprengen. Unsere Artillerie schweigt, sie ist ohne Munition. Seit Wochen hat die Truppe keine Feldpost und kaum geregelte Verpflegung; im wesentlichen leben wir aus dem Lande.“    
Am Abend des 1. Mai berichtete das Oberkommando der Wehrmacht vom Tod Adolf Hitlers, dass es Selbstmord war, verschwieg man.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra, Kuratorin und Wissenschaftliche Leiterin Geschichte
Verwendete Literatur: Theo Rossiwall, Die letzten Tage. Die militärische Besetzung Österreichs 1945. Wien 1969.

27. April 2016

Kriegsschauplatz NÖ: Die letzten Tage: 18. April – 24. April 1945

Mittwoch, 18. April 1945

In der Nacht auf Mittwoch gab es einen Warmlufteinbruch: Tagsüber stiegen die Temperaturen bis gegen 16 Grad. Allerdings brachte die Westströmung Wolken und Regen mit.
Im Marchfeld und im Weinviertel ging die Schlacht weiter. An den Flanken – im Osten bei Rabensburg und im Westen bei Korneuburg – war der Widerstand ungebrochen, in der Mitte der Front gelang der Roten Armee ein tiefer Durchbruch. Nach 5tägigem Kampf fiel Korneuburg endgültig in die Hände der Roten Armee. Unter den Straßen- und Häuserkämpfen und den unterstützenden Luftangriffen hatte die Zivilbevölkerung schwer gelitten: 117 Zivilisten waren getötet worden. Auch in Mistelbach tobten Straßenkämpfe. Altlichtenwarth fiel zunächst kampflos in die Hände der Roten Armee, wurde dann wieder von SS-Einheiten unter heftigen Kämpfen rückerobert – 50 Gebäude wurden total zerstört, 40 schwer beschädigt. In Rabensburg starben 13 Zivilisten, 65 Objekte zerstört, Brücken gesprengt. Im Raum St. Pölten gelang es der Roten Armee endlich Wilhelmsburg endgültig zu erobern. Im Gölsental wurde ein zäher Kleinkampf um jede Ansiedlung geführt, unterstützt durch wiederholte Fliegerangriffe.  

Gedenkstein auf dem Kriegergrab vor der Pfarrkirche in Rabensburg.
© Elisabeth Vavra
Am Abend meldete das Oberkommando der Wehrmacht wie immer einen geschönten Bericht der Ereignisse des Tages: „Im ostmärkischen Grenzgebiet wurden beiderseits Fürstenfeld, südöstlich Mürzzuschlag und bei St. Pölten wiederholte Angriffe der Bolschewisten abgewiesen, verlorengegangene Abschnitte zum Teil durch Gegenangriffe zurückgewonnen. Westlich der March vereitelten unsere Truppen nächtliche Durchbruchsversuche des Gegners bei Mistelbach und Zistersdorf.“

Donnerstag, 19. April 1945

Wieder zeigte sich der April von seiner besten Seite: Sonnenschein und angenehme 18 Grad bestimmten das Wetter, das in krassem Gegensatz zur Situation in den Kampfgebieten stand.
Im Weinviertel eroberte die Rote Armee im Lauf des Tages zehn weitere Orte, um die schon seit Tagen gekämpft wurde: u. a. Asparn an der Zaya, Eibesthal, Siebenhirten, Ulrichskirchen, Altmanns, Frättingdorf. In Wilfersdorf waren die Auswirkungen der Kämpfe besonders verheerend: nach dreitägigem Artilleriebeschuss war ein Drittel des Ortes zerstört. Fast alle Brücken in der Region waren unpassierbar. Im Bezirk St. Pölten ging es in erster Linie um Frontverbesserungen. Die Sowjets nahmen Michelbach, St. Christophen, Stössing und Brand-Laaben ein. Das Laaben-Tal war 14 Tage lang Frontbereich gewesen und unter schwerem Artilleriefeuer gelegen. Dementsprechend schwer waren die Zerstörungen. Sogar das Schutzhaus am Schöpfl wurde getroffen und brannte ab Die deutschen Einheiten zogen Richtung Gölsental ab. 

Über die Stimmung in der Truppe schwieg natürlich die offizielle Berichterstattung; wie es um Moral und Einsatz tatsächlich stand, lässt sich aber aus einem Regimentsbefehl, der an diesem Tag veröffentlicht wurde, herauslesen: „Es ist leider Tatsache, daß die Haltung unseres jungen reichsdeutschen Nachwuchses, aber auch die mancher Älterer nicht mehr so ist, wie wir sie wünschen. Die Gründe hierfür sind bekannt. […] Es hat keinen Zweck, über Probleme der Zukunft zu grübeln; das belastet den einzelnen bloß, und gegenwärtige Stellungsprobleme werden dadurch nicht aus der Welt geschafft. Welche Auswirkungen die gewiß nicht schöne, aus dem täglichen Wehrmachtsbericht zu hörende allgemeine Lage auf die Front unseres Regiments haben wird, interessiert uns nicht. Wir haben nur eine Aufgabe: unsere Stellung zu halten; daß dies erfüllbar ist, haben wir bewiesen. Das muß jedem Soldaten eingetrichtert werden. Und über eines muß er sich noch im klaren sein: so gut wie hier beim Regiment und bei seiner bei seiner Kompagnie hat er nirgends mehr; hier hat er eine festgefügte Kameradschaft, hier hat er ein Daheim.“  

Freitag, 20. April 1945

Während in Deutschland seit Tagen die Schlacht um Berlin geschlagen wurde, konzentrierte sich an diesem Tag der Kampf in Niederösterreich ganz auf das Marchfeld und das Weinviertel. Artillerie, Flieger und Panzer lieferten sich um jeden einzelnen Ort einen heftigen Kampf. Dabei wurden 36 Ortschaften von der Roten Armee erobert, manche nach tagelangen Kämpfen, so Ameis, Bullendorf und Ebersdorf an der Zaya. Fallbach etwa fiel nach 18 Tagen. Um Ungerndorf – eine Katastralgemeinde von Laa an der Thaya – und den nördlich davon gelegenen Flugplatz der Deutschen Armee tobte eine Panzerschlacht. Dabei wurden 23 sowjetische Panzer abgeschossen. Die im Marchfeld und im Weinviertel liegenden SS-Einheiten konnten an vielen Stellen den Druck der vorrückenden Roten Armee nicht länger standhalten. Sie wichen Richtung Norden zurück in der Absicht, an der Thaya eine neue Befestigungslinie aufzubauen, um das Vorrücken der Roten Armee Richtung Prag und damit Richtung Berlin zu verhindern.

In der sanften Hügellandschaft des Weinviertels rund um Zistersdorf tobten tagelang die Kämpfe um die letzten noch funktionsfähigen Erdölförderanlagen. © Elisabeth Vavra
Südlich der Donau verlief dieser Tag relativ ruhig. Heftig umkämpft war nur Traisen; mehr als 100 Rotarmisten fielen, 40 Wohnhäuser, die Kirche und die Schule wurden zerstört.          
Nach Berlin wurde abends mit eintägiger Verspätung gemeldet: „Feind nahm Brand-Laaben sowie Hainfeld und erreichte die Linie Schöpfl – Nordrand St. Veit – Schwarzenbach. Sonst südlich der Donau nicht Neues, auch an der Donau keine Veränderungen. Nördlich davon Vorstoß aus dem Raum Mistelbach nach Norden mit 60 Panzern, eigene Linie durchbrochen.“
Der abendliche Wehrmachtsbericht spielte die Situation herunter: „Im Süden der Ostfront gewannen Gegenangriffe südlich des Semmerings gegen zähen Widerstand weiteres Gelände zurück. Bolschewistische Angriffe südostwärts St. Pölten brachten dem Gegner nur geringe Geländegewinne.“ 

Samstag, 21. April 1945

Der 21. April sollte der zweitwärmste des Monats werden. Die Temperaturen kletterten auf 21 Grad. Am Abend schlug das Wetter aber wieder um. Ein Kaltlufteinbruch brachte Niederschläge und einen Temperatursturz. Der Einsatz von Fliegern war dadurch behindert. Die Sowjets konnten aber immerhin in Niederösterreich Einsätze gegen Korneuburg, Mistelbach, Hollabrunn und südlich der Donau bis Melk und Amstetten fliegen.
Der Vormarsch der Roten Armee im Marchfeld und im Weinviertel ging unaufhaltsam weiter. In der hügeligen Region um den Buschberg stießen sie zwar auf Widerstand, der sie allerdings nicht lang aufhielt. Herrnbaumgarten und Katzelsdorf fielen nach vorangegangenen Fliegerangriffen kampflos in die Hände der Sowjets. Südlich der Donau blieb es verhältnismäßig ruhig. Die Kämpfe konzentrierten sich auf einzelne Orte etwa im Triesting-, Gölsen- und Traisental. In Kaumberg wurden bei Infanteriekämpfen 23 Häuser durch Brand zerstört, die Bahnanlagen wurden gesprengt.          
„Österreichische Zeitung“ vom 15. April 1945
© Elisabeth Vavra

In der seit dem 15. April 1945 von der 3. Ukrainischen Front der Roten Armee als „Frontzeitung für die Bevölkerung Österreichs“ herausgegebenen „Österreichischen Zeitung“ hieß es: „Die Befreiung Österreichs geht in mehreren Richtungen vor sich. Alle Versuche der Deutschen, sich in geeignetem Verteidigungsgelände festzuklammern scheitern immer wieder. Nach der Einnahme Wiens dringt die Rote Armee in Richtung Linz unaufhaltsam vor, schon sind Korneuburg, St. Pölten, Herzogenburg und eine große Zahl von Ortschaften genommen. Von besonderer Bedeutung ist die Einnahme von Zistersdorf, der letzten Reserve Deutschlands betreffs Ölversorgung. Ebenso unaufhaltsam ist der Vormarsch der roten Armee in Richtung Graz, Fürstenfeld ist schon gefallen; die Anmarschwege nach Graz sin bereits unter Kontrolle der Roten Armee.“

Von 1945 bis 1955 gehörten die Erdöl- und Erdgasförderanlagen wie andere Schlüsselindustrie zu den USIA-Betrieben (Verwaltung des sowjetischen Eigentums in Österreich). Nach dem Abschluss des Staatsvertrages ging der Erdölkomplex in den Besitz der Republik Österreich über. Als Ablöse sollten 10 Mio. Tonnen Rohöl im Wert von rund 200 Millionen Dollar nach Russland geliefert werden. Die letzte Lieferung erfolgte 1963/64. Die Sowjetunion begnügte sich schließlich mit 6 Mio. Tonnen. © Elisabeth Vavra

Sonntag, 22. April 1945

Das Schlechtwetter hielt an. Die Niederschläge nahmen zu. Über 800 Meter fiel wieder Schnee. Der durch den starken Regen aufgeweichte Boden erschwerte besonders im Marchfeld den Angriff der Sowjets und der Rückzug der Deutschen Armee. Ort um Ort fiel in die Hände der Roten Armee: Altruppersdorf, Neudorf, Staatz, Gaubitsch, Loosdorf usw.; bereits am 19. und 20. April hatte ein sowjetischer Tieffliegerangriff  Zlabern und Wildendürnbach schwere Zerstörungen zugefügt. Dabei starb auch ein Kind. Kampflos fielen an diesem Sonntag Neuruppersdorf, Ottenthal, Schrattenberg, Steinebrunn, Drasenhofen usw. Die Front erreichte den Bezirk Hollabrunn: Die Kirche in Enzersdorf im Thale wurde bei den Kämpfen 54mal getroffen.
Südlich der Donau ging der Stellungskrieg in den Tälern weiter: Nach 14 Tagen wurde Altenmarkt an der Triesting von den Sowjets endlich besetzt. In Neuhaus, das in den letzten Tagen ständig seinen Besitzer gewechselt hatte, waren fast sämtliche Häuser zerstört. Thenneberg war nun von drei Seiten umzingelt. Ein ähnliches Los widerfuhr Eschenau, in einem Seitental der Traisen gelegen. Um das kleine Bauerndorf wurde drei Tage gekämpft: 19 Bauernhöfe brannten nieder.  
Im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht konnte man lesen: „Im Süden der Ostfront sind unsere Gegenangriffe südlich des Semmerings in gutem Fortschreiten. Die Bolschewisten versuchen, südöstlich St. Pölten vergeblich nach Süden Boden zu gewinnen.“

Montag, 23. April 1945

Das Wetter blieb schlecht: Es war kalt, regnerisch und stürmisch. Selbst im Marchfeld lag die Wolkenuntergrenze bei 1200 Meter. Fliegereinsätze waren für beide Seiten nur in den Mittagsstunden möglich.
Die Fronten waren festgefahren. Langsam erlahmten auch die Kräfte der Roten Armee. Obergänserndorf, Kirchstetten und Michelstetten fielen – dann stand die Front still. Obergänserndorf war in den Tagen davor dreimal durch sowjetische Flieger angegriffen worden. 70 Objekte wurden von Brandbomben getroffen. Die Kämpfe um Michelstetten dauerten drei Tage, 70 Prozent der Häuser wurden dabei zerstört. Auch ein Kind starb im Bombenhagel.   
Auch südlich der Donau stagnierten die Kämpfe. Nur im Triestingtal blieb die Front in Bewegung. Hainfeld wurde endlich von der Roten Armee eingenommen: 62 Wohn- und Geschäftshäuser waren nur mehr Ruinen, ebenso 14 Bauernhäuser. Hainfeld war damit neben Wiener Neustadt prozentuell die schwerst betroffene Stadt Niederösterreichs. Manche Orte, wie Pottenstein, lagen seit Monatsbeginn im Frontverlauf. In Pottenstein fielen im wochenlangen Kampf 140 bis 150 deutsche Soldaten, 69 Zivilisten fanden den Tod. 50 Wohnhäuser, das Gerichtsgebäude und die Tuchfabrik brannten ab.
Im abends veröffentlichten Wehrmachtsbericht hieß es dann: „Im ostmärkischen Grenzgebiet gewannen unsere Gegenangriffe im Frontbogen südlich des Semmerings weiter Boden. Südöstlich St. Pölten drückte der Gegner vergeblich gegen denselben Abschnitt nach Süden. In den Kampfabschnitten nordwestlich Mistelbach scheiterten erneute Durchbruchsversuche der Bolschewisten nach harten Kämpfen.“

Dienstag, 24. April 1945

Selbst in der Ebene wechselten Regen- mit Schneeschauern ab. Es blieb kalt und unwirtlich.
Noch in der Nacht hatte die Rote Armee Merkersdorf bei Ernstbrunn eingenommen. Ihr Ziel war Laa an der Thaya, das in den kommenden Tagen von der 8. Armee noch zäh verteidigt werden sollte.
Im Wienerwald und südlich davon zogen sich die deutschen Einheiten immer weiter zurück. Nach wochenlangen Kämpfen räumten sie Alland, das seit 6. April in der Kampfzone gelegen war: 41 Häuser, die Kirche und die Schule waren zerstört, die Brücken über die Schwechat gesprengt. Auch Weißenbach an der Triesting wurde geräumt. Die Rote Armee besetzte kampflos Miesenbach, Muggendorf und Waldegg.    
Abends hieß es dann im Wehrmachtsbericht: „Im Frontbogen südlich des Semmering warfen unsere Truppen die Sowjets noch weiter zurück und wiesen Angriffe bei Altenmarkt und Traisen ab. Zwischen Laa a. d. Thaya und Nikolsburg konnte der Feind keine nennenswerte Erfolge erzielen; in diesem Kampfabschnitt wurden 52 Panzer abgeschossen.“

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra, Kuratorin und Wissenschaftliche Leiterin Geschichte
Verwendete Literatur: Theo Rossiwall, Die letzten Tage. Die militärische Besetzung Österreichs 1945. Wien 1969.

21. April 2016

Kriegsschauplatz NÖ: Die letzten Tage: 11. April – 17. April 1945

Mittwoch, 11. April 1945

Einblick in die Ausstellung "Kriegsschauplatz Niederösterreich"
In Wien brannten während der Nacht die Lagerhallen am Handelskai. Nebel, der über der Donau lag, und starker Qualm boten sechs sowjetischen Pionieren Schutz vor Entdeckung: Sie waren ausgeschickt, die Reichsbrücke nach Sprengladungen abzusuchen. Sie fanden keine vor. Im anbrechenden Morgen nahmen Landungstruppen der 80. Gardeschützen-Division die Brücke im Handstreich. Sowjetische Panzer stießen im Marchfeld unterstützt von motorisierter Infanterie nach Westen vor: Gänserndorf, Aderklaa fielen; Deutsch-Wagram wurde heftig umkämpft. Jedenspeigen wurde nach 4tägigem Gefecht besetzt: 35 Gebäude wurden zerstört, alle übrigen beschädigt. In Matzen tobten Infanterie- und Panzerkämpfe: 60 Gebäude wurden zur Gänze zerstört, 200 Häuser zum Teil schwer beschädigt. Immer wieder griffen in die Bodenkämpfe deutsche Flieger mit Bombenabwürfen ein, die Gebäude beschädigten und auch unter der Zivilbevölkerung Opfer forderten.
Südlich der Donau im Raum Tulln-St. Pölten verharrten die dort liegenden Truppen der Roten Armee in Wartestellung. Die aus Wien vertriebene deutsche Heeresgruppe Süd versuchte an der Traisen einen neuen Sperrriegel aufzubauen.
Der Wehrmachtsbericht meldete: „Zwischen Drau und Donau wurde der vorübergehend verlorengegangene Zusammenhang der Front wiederhergestellt. Die zäh kämpfende Besatzung von Wien wurde nach schwerem Ringen auf den Donaukanal zurückgedrückt. Im Donau-March-Winkel fingen unsere Truppen starke Angriffe auf.“

Donnerstag, 12. April 1945

Da die Wetterlage sich noch immer nicht verbessert hatte, konnten die in Foggia stationierten US-Bomber Angriffe nur gegen Ziele südlich des Alpenhauptkamms fliegen. Die sowjetischen Luftstreitkräfte konzentrierten ihre Unterstützung der Bodentruppen auf das Marchfeld und südlich der Donau auf Herzogenburg und Wilhelmsburg.
Im Stadtbereich von Wien ging der Häuserkampf weiter. Ein Widerstandsnest nach dem anderen wurde aufgerieben bzw. ergab sich. Bis zum Abend waren die letzten deutschen Soldaten auf das nördliche Donauufer zurückgewichen. Als letzten Akt sprengten sie gegen Mitternacht die Floridsdorfer Brücke. 
In der Inneren Stadt spielte sich seit den Nachtstunden eine kulturelle Tragödie ab: Entweder durch deutsches Artilleriefeuer von Stellungen im Norden ausgelöst oder durch Brände, die Plünderer in der Nacht gelegt hatten,  war der Dachstuhl des Stephansdomes in Brand geraten. Der gesamte Dom brannte aus, die wertvolle Einrichtung wurde, soweit sie sich noch im Dom befand, zerstört, darunter des einzigartige Chorgestühl aus der Spätgotik. Am Nachmittag begann der Glockenstuhl des Hauptturms zu brennen. Um 14.30 Uhr stürzte die Pummerin ab und zersprang.
Im Marchfeld ging der Eroberungszug der Roten Armee weiter. Erbittert wurde um jeden Ort gekämpft. Je nach Widerstand wurden die Orte mehr oder minder stark beschädigt. Es gab  auch zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung. In Klein-Harras etwa wurden durch den Einsatz von Panzern, Artillerie und Bombenangriffen 48 Gebäude zerstört, der Rest schwer beschädigt. Immer stärker wurde nun auch der Bezirk Mistelbach in Mitleidenschaft gezogen. Brücken wurden gesprengt. In Wolkersdorf, das schon zuvor schwere Bombenangriffe erlebt hatte, tobten die Straßenkämpfe von Mittag bis Mitternacht.   
Abends gab das Oberkommando der Wehrmacht bekannt: „Südlich des Wienerwaldes scheiterten Angriffe der Bolschewisten. In Wien dauern die erbitterten Kämpfe am Donaukanal an. Vier feindliche Kanonenboote wurden auf der Donau in Brand geschossen. Im Donau-March-Dreieck erzwang der Gegner eine Ausweitung seines Brückenkopfes nach Nordwesten.“



Einblick in die Ausstellung "Kriegsschauplatz Niederösterreich

Freitag, 13. April 1945

Der 2. SS-Panzerkorps konnte die Verteidigungslinie am nördlichen Donauufer in Wien nicht länger halten. Sukzessive begann man mit der Räumung und setzte sich Richtung Korneuburg ab. Truppenteile der Roten Armee folgten auf den Fuß. Die in den Bezirken Gänserndorf und Mistelbach kämpfende 8. Armee erlitt ein ähnliches Schicksal. Die Sowjets drangen aus Richtung Matzen-Raggendorf gegen Norden vor. In Hohenruppersdorf starben 45 Zivilisten. In Obersulz dauerten die Kämpfe zehn Stunden. Währenddessen flogen sowjetische Fliegerverbände Angriffe auf den Raum Korneuburg und Mistelbach. Die deutschen Bomber griffen den Raum Tulln-St. Pölten an, um den Angriff der Sowjets im Tullnerfeld abzuwehren. Aber auch hier wurde ein Ort nach dem anderen durch die Rote Armee eingenommen: Atzenbrugg, Hasendorf, Sitzenberg, Reidling; dann weiter Jeutendorf, Weißenkirchen an der Perschling, St. Andrä an der Traisen usw.  
Das Oberkommando gab abends einen geschönten Lagebericht, der keineswegs den Tatsachen entsprach: „Stärkere feindliche Angriffe nördlich der Mur, am Wienerwald und östlich von St. Pölten führten zu Einbrüchen, die abgeriegelt wurden. In Wien dauern die schweren Straßenkämpfe an. Im Donau-March-Winkel und an der March verhinderten unsere Divisionen Durchbruchsversuche starker feindlicher Infanteriekräfte. Schwächere Kampfverbände warfen Bomben auf einige Orte im südostdeutschen Raum.“

Samstag, 14. April 1945

Der Kampf an den Fronten im Wienerwald und im Marchfeld ging weiter. Im Raum St. Pölten fiel nach langen Kämpfen Böheimkirchen. Die deutschen Truppenteile zogen Richtung St. Pölten ab. Herzogenburg, das durch drei Luftangriffe schwer beschädigt war, fiel kampflos in die Hände der Sowjets. Im Artilleriefeuer starben 35 Zivilisten. Bei Pottenbrunn tobte eine Panzerschlacht – 20 Panzer wurden abgeschossen. Auch im Bezirk Lilienfeld begannen nun Angriffe der Sowjetarmee gegen dort liegende SS-Panzereinheiten.   
Nördlich der Donau gingen die Kampfhandlungen in unverminderter Härte weiter. Die vom 13. bis 23. April tobende Schlacht im Marchfeld war die härteste Auseinandersetzung auf österreichischem Boden. Sie diente als Flankenschutz der „Operation Prag“, die östlich der March Richtung Brünn gegen die Flanke der Heeresgruppe Mitte zielte. Gaweinsthal wurde zwar kampflos aufgegeben, nach dem Vorrücken sowjetischer Truppenteile dann aber durch Granatwerfer beschossen. Kronberg und Riedenthal fielen kampflos; Hohenau an der March fiel nach viertägigen Kämpfen – 30 Zivilisten wurden getötet, 50 Gebäude zerstört, die Thayabrücken gesprengt. 
An Reichsleiter Martin Bormann gab die Gauleitung Niederdonau einen Lagebericht: „Einbruch bei Puchberg und am Südberg der Hohen Wand westlich Kotzenstein im Gegenstoß bereinigt. Gegner in Schwarzensee eingebrochen. Im Raum St. Pölten steht Gegner in Herzogenburg und an der Straße St. Pölten-Krems. Von Klosterneuburg hat der Gegner Brückenkopf bei Korneuburg gebildet, Bereinigung bisher nicht gelungen. Der Kampf um Wien geht seinem Ende zu; Floridsdorfer Brücke gesprengt, von Reichsbrücke keine Meldung. Großer feindlicher Schlachtfliegereinsatz über Wien nördlich der Donau. Einbruch südwestlich Großenzersdorf, Richtung Stetten. Im Raum Zistersdorf keine nennenswerten Veränderungen. Bei Hohenau Einbruch von Süden und Osten. Kämpfe im Ort.“ 

Sonntag, 15. April 1945

Die Kämpfe dauerten im Marchfeld, im Raum Korneuburg und um Raum St. Pölten weiter an. Die Orte wurden wechselweise von sowjetischer oder deutscher Artillerie unter Beschuss genommen, Bomber flogen Angriffe gegen gegnerische Ziele. Langenzersdorf wurde von Klosterneuburg aus unter Beschuss genommen. Die aus Richtung Deutsch-Wagram vordringenden Sowjettruppen stießen bei Gerasdorf auf heftigen Widerstand von SS-, Panzer- und Flak-Einheiten: 30 Personen starben, 16 Objekte brannten aus, die Kirche und viele andere Gebäude wurden teils schwer beschädigt.
Im Raum St. Pölten fiel ein Ort nach dem anderen: u. a. Hain, Ragelsdorf und Ratzersdorf. Schwere Panzerkämpfe fanden südlich von St. Georgen am Steinfeld statt. Bei Ochsenburg überschritten sowjetische Truppenteile die Traisen und rückten Richtung St. Pölten vor. Selbst ein so kleiner Ort wie Ambach, eine Katastralgemeinde von Oberwölbling, wurde schwer umkämpft: Deutsche Einheiten hatten sich im Wald verschanzt und nahmen den von den Sowjets besetzten Ort unter Beschuss: 17 Häuser wurden vernichtet, 13 Zivilisten fanden den Tod. Ähnliches spielte sich in Karlstetten, Statzendorf und Wagram an der Traisen ab. In den Abendstunden fiel schließlich St. Pölten, nachdem die Deutsche auf ihrem Rückzug alle Brücken gesprengt hatten. Während der vorangegangenen Fliegerangriffe waren 39 Prozent des Hausbestandes zerstört und 591 Zivilpersonen getötet worden.
Die Gauleitung Linz meldete abends an die Parteikanzlei in München: „In Wien ist der Kampf beendet. Ein tiefer Einbruch gelang den Bolschewisten an der Traisen, schwere Straßenkämpfe in St. Pölten; Stadt nicht zu halten. Richtung Krems starkes Vordringen der Bolschewisten bei Herzogenburg. Traismauer und Statzendorf von den Bolschewisten genommen. Nördlich der Donau bei Zistersdorf keine weiteren Fortschritte. Brückenkopf in Feindeshand. Traisenlinie, die gehalten werden sollte, ist durchbrochen. Die Stoßrichtung geht gegen Melk, donauaufwärts gegen Linz. Gauleiter Eigruber ist zwar seit Monaten vorbereitet, ob er halten kann, kann er nicht sagen; vorbereitet ist der Gauleiter seit langem!“
Um 22 Uhr 30 tickte der Fernschreiber wieder: „St. Pölten von Bolschewisten genommen, Vormarsch geht mit schwachen Kräften weiter Richtung Scheibbs und Melk.“

Montag, 16. April 1945

In der Nacht war die Temperatur noch einmal unter 0 Grad gefallen. Auf die kalte Nacht folgte ein sonniger, wolkenloser Himmel, der im krassen Gegensatz zu den Geschehnissen auf der Erde stand. Schon in der Nacht waren wieder die Bomber von Foggia aufgestiegen und bombardierten Ziele in Österreich, ein schwerer Luftangriff traf Villach. Die Luftflotten sollten jetzt laut Befehl des Oberkommandierenden nur mehr zur Unterstützung der Bodentruppen eingesetzt werden. Für die Zivilbevölkerung machte es aber keinen Unterschied, ob sie aus strategischen oder taktischen Gründen dem Bombenhagel ausgesetzt waren.
Beiderseits der Donau in Niederösterreich gingen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Die Eroberung von Klein-Rust etwa, einem kleinen Ort im Bezirk St. Pölten, der auch heute nicht mehr als 113 Einwohner zählt, dauerte 24 Stunden. Mussten die deutschen Truppen abziehen, so revanchierten sie sich meist noch beim Rückzug mit Artilleriefeuer. An der Pielach in Obergrafendorf standen sich deutsche und sowjetische Truppenteile gegenüber; Eisenbahnbrücken der Mariazeller Bahn wurden gesprengt. Auch Obritzberg kam in die Kampflinie: Deutsche Truppen sprengten den Kirchturm. Deutsche Flieger bombardierten Pottenbrunn.
Währenddessen entwickelte sich der Kampf im Marchfeld zu einer richtigen Schlacht. Die deutsche Armee hatte den Auftrag, die Erdölförderanlagen mit aller Kraft zu verteidigen. Es waren dies die letzten im „Deutschen Reich“, die noch einigermaßen in Betrieb waren.
In den Bezirken Mistelbach und Gänserndorf setzte die Rote Armee ihren breiten Frontalangriff fort. In Schrick zerstörten Bomber 71 Objekte, 98 erlitten schwere, 60 leichte Schäden; 60 sowjetische und 46 deutsche Soldaten fielen. Palterndorf, im Tal der Zaya gelegen, wurde von einer deutschen Einheit mit Sturmgeschützen acht Tage verteidigt. Die Sowjets mussten Flieger und Stalinorgeln einsetzen. Nach der Eroberung war der Ort nahezu zerstört.
Der Bericht nach München sah die Lage durch eine rosarote Brille: „Kleiner Einbruch in Enzersdorf nach Wölbling; zwei kleinere eigene Kampftruppen zum Vorstoß angesetzt. Abschnitt St. Pölten: keine stärkeren feindlichen Angriffe. Panzer Richtung Wilhelmsburg gegen linken Flügel des 1. SS-Korps. An der Donau nichts Neues. Feindlicher Vorstoß auf Korneuburg abgewehrt. Angriff gegen Manhartsbrunn zwang, eigene Gefechtsvorposten zurückzunehmen. Aus Korneuburg wird Panzerangriff Richtung Stockerau erwartet. Einbruch bei Wolfpassing an der Hochleithen. Korps 'Feldherrnhalle' wird westlich Wötzersdorf in breiter Front durch Infanterie angegriffen. Allgemeiner Eindruck: Bolschewisten scheinen kampfmüde zu sein. In Steiermark keine weiteren Veränderungen, lediglich Fürstenfeld vom Feind genommen." 

Dienstag, 17. April 1945

Der Schwerpunkt der Kämpfe lag an diesem Tag wieder nördlich der Donau. Noch immer wurde um jeden kleinen Ort im Weinviertel gekämpft, im Bezirk Korneuburg etwa rund um Tresdorf: 36 Häuser und Scheunen brannten vollständig aus. Um ihren Rückzug zu decken, sprengten die deutschen Truppen Straßen- und Bahnbrücken. Im Bezirk Mistelbach zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Die Orte lagen unter Artilleriefeuer und Fliegerbeschuss. Um Niederkreuzstetten etwa dauerten die Kämpfe zwölf Stunden. Im Bezirk Gänserndorf eroberten die sowjetischen Truppen weitere Orte, darunter Dobermannsdorf, Gösting, Großinzersdorf, Windisch-Baumgarten und Zistersdorf.
Südlich der Donau gab es rund um Herzogenburg heftige Kämpfe. SS-Einheiten und der Volkssturm verteidigten die Stadt gegen die aus Norden und Osten vordringenden Sowjettruppen. Auch Orte im Bezirk Krems gerieten nun in den Feuerbereich der sowjetischen Artillerie. Die Hauptkampflinie verlief südlich von Höbenbach (bei Paudorf).      
Abends ging ein Bericht des Gauleiters von Oberdonau, August Eigruber, nach München: „Wilhelmsburg zurückgewonnen, westlich St. Pölten wechselvolle Kämpfe vor Gerersdorf, nördlich bei Hollenburg. Östlich Krems Übersetzversuch über die Donau abgeschlagen. Zistersdorf vom Feind erobert, die Ölgebiete sind schwer gefährdet und nicht zu halten. Feind vor Mistelbach; zwischen Zistersdorf und Mistelbach tiefe Einbrüche Richtung Brünn.“



Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra, Kuratorin und Wissenschaftliche Leiterin Geschichte
Verwendete Literatur: Theo Rossiwall, Die letzten Tage. Die militärische Besetzung Österreichs 1945. Wien 1969.


Link zur Ausstellung Kriegsschauplatz Niederösterreich

20. April 2016

Kriegsschauplatz NÖ: Die letzten Tage – Ostern 1945


Es war ein Frühling, wie man sich ihn immer erträumt. Der März 1945 war frühsommerlich warm,
Am 13. Februar 1945 nach wochenlanger Belagerung durch die russische Armee war Budapest gefallen. Die 2. und 3. Ukrainische Front bewegte sich nun gegen Westen. In einer Zangenbewegung sollte Wien angegriffen werden: Die 2. Ukr. Front marschierte Richtung March, die 3. Ukr. Front Richtung Burgenland, um dann von dort durch das Wiener Becken von Süden gegen Wien vorzudringen. Zwischen Schachendorf und Rechnitz überschritten die ersten Rotarmisten am 28. März die österreichische Grenze. Es war der Mittwoch in der Karwoche.
Fliegerbomber an der Fensterfront vor der Ausstellung Kriegsschauplatz NÖ,
Foto: Lechner (c) Landesmuseum Niederösterreich
Die Bäume standen in voller Blüte. Der Optimismus, den die Natur ausstrahlte, stand im krassen Gegensatz zur Stimmung der Menschen. Seit fünfeinhalb Jahren tobte nun schon der Krieg und wollte noch immer kein Ende nehmen. Nun näherte er sich bedrohlich den Grenzen Niederösterreichs. Man meinte fast, in der Ferne bereits Gefechtslärm zu hören. Zwar tönten aus dem Volksempfänger noch immer propagandistische Durchhalteparolen, aber auch Österreich – der „Luftschutzkeller des Reiches" – war seit 13. August 1943 „Heimatkriegsgebiet". An diesem Tag hatte die US-Airforce erste Angriffe gegen Österreich. geflogen. Seit der Stationierung der 15. Luftflotte in Foggia war Österreich für die Bomber erreichbar geworden. Ziel des ersten Angriffs waren die Rüstungsbetriebe in Wiener Neustadt. Die Angriffe kamen überraschend – die Flugabwehr wurde gerade erst aufgebaut. Der Schaden war nicht groß, die Zahl der Opfer indes schon: Es gab 185 Tote, 150 Schwer- und 700 Leichtverletzte.

Gründonnerstag, 29. März 1945

Die ungarische Regierung hatte sich nach ihrer Flucht aus Budapest zunächst in Kőszeg (kroat. Kiseg, dt. Güns) aufgehalten, ca. 2 km von der österreichischen Grenze entfernt. Als die Front unaufhaltsam näher kam, floh sie weiter Richtung Westen. Zum Schutz der Stadt hatte man das Volkssturmbataillon Lilienfeld herbeigeholt – 350 Mann trafen ein, ohne Waffen – 59 Mann konnte der Stadtkommandant bewaffnen, die anderen schickte er wieder heim. Sie blieben, waren aber ohne Chancen. Um 11 Uhr 05 rollten sowjetische Panzer bei Kloster Marienberg über die Grenze. Ihr Ziel war das Wiener Becken. Bis 17 Uhr waren sie kampflos bis in das Gebiet von Mannersdorf an der Rabnitz vorgedrungen. Gegen Abend drangen erste Aufklärungspanzer bis Lembach bei Kirchschlag in der Buckligen Welt vor. In der Nacht ratterten zwischen Kőszeg und Oberpullendorf ununterbrochen sowjetische Panzer und Laster mit Nachschub Richtung Niederösterreich.

Karfreitag, 30. März 1945

Sowjetische Panzer- und Schützenverbände drangen weiter in das Oberpullendorfer Becken vor. Der Widerstand der zahlenmäßig weit unterlegenen Einheiten der Deutschen Wehrmacht hatte ihnen nur wenig entgegenzusetzen. Kurzzeitig gelang es Lockenhaus zu verteidigen; um 17 Uhr entfernten einmarschierende Rotarmisten aber bereits die Symbole der NS-Herrschaft. Wiener Neustädter „Kriegsschüler" wurde zur Verteidigung der Linie Wiesmath – Zöbern – Krumbach – Ponholz eingesetzt. Sie sollten den Zugang nach Aspang Markt sowie nach Grimmenstein sperren. Abends setzte Gefechtstätigkeit ein. Bis zum Anbruch der Nacht war nahezu der gesamte Bezirk Oberpullendorf in sowjetischer Hand.

Karsamstag, 31. März 1945

Während der gesamten Nacht hatten die Kämpfe angedauert. Sowjetische Artillerie beschoss Wiesmath. Die Kriegsschüler, die die Gegend dort verteidigt hatten, mussten sich zurückziehen. Um 13 Uhr 15 erreichte ein sowjetischer Vorstoß Krumbach; dann zogen sie weiter die Bundesstraße 55 entlang; auf leichten Widerstand stießen sie nur in Thomasberg und Edlitz. Dann fiel Grimmenstein. Bis zum Abend war das Pittental von Scheiblingkirchen bis Grimmenstein in sowjetischer Hand.
Der Einbruch und das Vordringen der sowjetischen Armee fand im Wehrmachtsbericht aus Berlin keine Erwähnung. Auch der „Völkische Beobachter" schwieg: Nur eine kleine Notiz erinnerte an das Sirenensignal bei Feindalarm: „Das Signal ‚Feindalarm‘ besteht aus einem fünf Minuten langen, an- und abschwellenden Heulton; während die Sirenen bei ‚Fliegeralarm‘ etwa 15mal auf- und abschwellen, heulen sie bei ‚Feindalarm‘ 75mal."

Ostersonntag, 1. April 1945

Einblick in die Ausstellung Kriegsschauplatz NÖ,
Foto: Lechner (c) Landesmuseum Niederösterreich
Das Pittental war nachts von Bränden taghell erleuchtet, aber es waren diesmal nicht die Freudenfeuer der Osternacht. Weitere sowjetische Panzerkolonnen drangen kampflos nach Aspang, Feistritz und Kirchberg am Wechsel vor. Mittags standen Panzer vor Gloggnitz; es kam zu Schießereien und Bränden. Aus einem Luftschutzbunker holten die Sowjets Dr. Karl Renner. Panzereinheiten fuhren weiter nach Süden Richtung Semmering und trafen dort auf Widerstand. Östlich des Rosaliengebirges stießen weitere sowjetische Panzereinheiten vor – ihr Ziel war das Wiener Becken, um von Süden Wien anzugreifen. Um 14 Uhr fiel Pöttelsdorf.
Am Abend des 1. Aprils war das Steinfeld fest in sowjetischer Hand. Unterstützt wurden die Bodentruppen durch die US-Bombengeschwader. Sie flogen am Ostersonntag schwere Angriffe gegen Ziele in Niederösterreich, um weitere Teile der Verkehrsinfrastruktur zu zerstören: In St. Pölten warf die 15th US Air Force 76,25 Tonnen Bomben auf den Bahnhof und den Frachtenbahnhof ab. Zum ersten Mal meldete der Wehrmachtsbericht: „Südlich Steinamanger stehen unsere Truppen in schwerem Abwehrkampf gegen die zur Reichsgrenze vordringenden Bolschewisten. Eingreifverbände brachten den Feind, der durch eine Frontlücke bei Güns nach Nordwesten vorstieß, im Raum Wiener Neustadt zum Stehen …"
Der sowjetische Marschall Tolbuchin, der Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen Front, erhielt am Abend des Ostersonntags folgenden Befehl: „… mit 4. und 9. Gardearmee sowie 6. Garde-Panzerarmee den Angriff Richtung Wien weiter zu führen und längstens bis 12./15. April den Raum Tulln – St. Pölten – Lilienfeld zu erreichen …"

Ostermontag, 2. April 1945

Fliegerbombe beim Eingang zur Ausstellung Kriegsschauplatz NÖ,
Foto: Lechner (c) Landesmuseum Niederösterreich
Das Wetter zeigte sich weiter von seiner schönsten frühlingshaften Seite – aber wohl keiner nahm dies zur Kenntnis. Schon morgens hatten sowjetische Bomber Angriffe auf Hainburg und Bruck an der Leitha geflogen. US-Bomberverbände griffen Wien, Baden und Krems an. Irrtümlich bombardierten sie auch Gloggnitz, das bereits in sowjetischer Hand war. Sowjetarmisten und Einheimische mussten gemeinsam die Luftschutzkeller aufsuchen. Währenddessen marschierten Bodentruppen Richtung Wien. Das leidgeprüfte Wiener Neustadt fiel kampflos. Seit dem 13. August 1943 hatte die Stadt 29 schwere Luftangriffe erlebt. 55.000 Bomben waren gefallen – nur 19 Gebäude waren unbeschädigt geblieben. Die deutschen Verteidiger zogen sich Richtung Wien zur Verteidigung der Gauhauptstadt zurück. Nachhutkämpfe gab es im gesamten Wiener Becken, die schwersten in Bad Fischau, Eggendorf und Lichtenwörth. Vor der Hohen Wand entstand die neue deutsche Front: Zwei deutsche Panzerdivisionen lieferten im Raum Felixdorf – Sollenau – Steinabrückl – Theresienfeld der vorrückenden Sowjetarmee eine mehrstündige Panzerschlacht.Während das sowjetische Oberkommando Weisungen für Aufklärung und Propaganda gab, wurde in Wien zum Endkampf aufgerufen. Plakate riefen zum Widerstand auf: „Kapitulation niemals! Wien ist zum Verteidigungsbereich erklärt worden. Frauen und Kindern wird empfohlen, die Stadt zu verlassen.“ 


Dienstag, 3. April 1945

Das Wetter war weiter frühsommerlich warm. Gegen Nachmittag zogen leichte Regenschauer auf.
Die 15. Luftflotte der US-Army flog von Foggia aus weiter ihre Angriffe gegen Ziele in Österreich. In Niederösterreich waren es Bad Vöslau, Schwechat, St. Pölten und Krems.
Aus Wien begann die große Flucht. Durch die 53 Bombenangriffe der letzten Jahre war die Stadt schwer in Mitleidenschaft gezogen: 46.000 Wohnungen waren total zerstört, 150.000 beschädigt. 270.000 Wienerinnen und Wiener waren obdachlos. Sepp Dietrich, der Befehlshaber der 6. SS-Panzerarmee, die Wien verteidigen sollte, rief die Bevölkerung zum Widerstand auf: „[…] Halten wir zusammen, kämpfen wir zusammen! Es geht nicht um uns, es geht nicht um die Partei, es geht um unser Land […]." Nur Frauen und Kindern war das Verlassen der Stadt gestattet.
Am Dienstag stockte der Vormarsch der Sowjets: Grund hierfür war eine falsche Einschätzung der Verteidigungsstärke Wiens: Tolbuchin lagen unrichtige Berichte über die in Wien getroffenen Verteidigungsmaßnahmen und die Stärke der dort angeblich liegenden Truppen vor. 
Luftschutzverbandschaften aus der Ausstellung
Kriegsschauplatz NÖ, Foto: Lechner
(c) Landesmuseum Niederösterreich

Am Morgen des 3. Aprils drangen sowjetische Truppen bis Oeynhausen und Tattendorf vor. Baden, Bad Vöslau und Sooß fielen kampflos. Immer wieder flammten schwache Rückzugsgefechte auf, etwa bei Gainfarn, Tribuswinkel, Leobersdorf, Traiskirchen. Überall gab es Opfer unter der Zivilbevölkerung, in Pfaffstätten etwa fanden 18 Menschen den Tod, in Leobersdorf 13. Zahlreiche Häuser und Fabrikgebäude wurden in Brand gesetzt, nahezu alle Brücken im umkämpften Gebiet gesprengt.
Der abends erlassene Wehrmachtsbericht sprach von erfolgreichen Abwehrkämpfen. Und „Reichsführer SS" Heinrich Himmler erließ einen „Flaggenbefehl": „Im jetzigen Zeitpunkt des Krieges kommt es einzig und allein auf den sturen, unnachgiebigen Willen zum Durchhalten an. Gegen Heraushängen weißer Tücher, Öffnen bereits geschlossener Panzersperren, Nichtantreten zum Volkssturm und ähnliche Erscheinungen ist mit härtesten Maßnahmen durchzugreifen. Aus einem Haus, aus dem eine weiße Fahne erscheint, sind alle männlichen Personen zu erschießen. Es darf bei diesen Maßnahmen keinen Augenblick gezögert werden."

Text: Dr. Elisabeth Vavra, Kuratorin und Wissenschaftliche Leiterin Geschichte
Verwendete Literatur: Theo Rossiwall, Die letzten Tage. Die militärische Besetzung Österreichs 1945, Wien 1969.