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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

5. Februar 2015

#7 Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?

So fragten die Gelehrten an der Schule von Salerno – eine der wichtigsten medizinischen Lehranstalten im Mittelalter – ihre Schüler. Salbei galt seit der Antike als eine der wichtigsten Heilpflanzen.
Sie fragen sich vielleicht, warum ich heute ausgerechnet auf den Salbei zu sprechen komme; daran sind nicht die Halsschmerzen schuld, die viele von uns derzeit quälen, und der Salbeitee, mit dem wir gerade in der Hoffnung auf Besserung gurgeln. Nein – es gibt einen anderen Grund:
 

Salvia officinalis © thinkstock
Der Salbei ist zur Aromapflanze des Jahres 2015 gekürt worden. Seit einigen Jahren wählt  VAGA – die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker/innen – eine Pflanze zur Aromapflanze des Jahres. Rund um die jeweilige Duftpflanze wird auch ein  Wettbewerb – „thescenteddrop“  – ausgeschrieben, an dem sich jeder beteiligen kann. Die Preisverleihung des „Duftpflanzenoscars“  findet heuer am 19. September 2015 in Graz statt. Jedes Jahr werden die ungewöhnlichsten und stimmigsten Ideen bzw. Kreationen rund um die Duftpflanze des Jahres ausgewählt. Ausgeschrieben werden Projekte in sechs Kategorien: Wissenschaft, Gesundheit & Forschung, Gewerbe, Kulinarik & Genuss, Kunst & Handwerk, Kultur & Geschichte, Gartenbau & Landwirtschaft. Einreichfrist ist der 30. Juni 2015. Das Projekt „thescenteddrop“, das heuer zum dritten Mal stattfindet, soll u.a. eine Basis für eine interdisziplinäre und überregionale Vernetzung von Menschen und Institutionen, die mit heimischen Kräutern bzw. Duftpflanzen arbeiten, schaffen. Wenn Sie mehr erfahren wollen, dann besuchen Sie die Webseite des Projektes unter http://www.thescenteddrop.eu/.


Salvia sclarea © thinkstock
Schon der Name der Pflanze „Salbei“ deutet auf ihr breites medizinisch-pharmazeutisches Wirkungsspektrum hin: Salbei, lateinisch „salvia“ leitet sich „salvare“ – heilen her.
Die Pflanzengattung Salbei ist auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis und Australiens verbreitet und kommt in zahllosen Arten vor; die Botaniker nehmen bis zu 1100 Arten an. Die für Heilzwecke eingesetzten Arten sind u.a. Salvia officinalis L., Salvia sclarea (Muskateller-Salbei) und Salvia fruticosa (Griechischer Salbei, die besonders reich an wirksamen ätherischen Substanzen sind, die auch für den typischen Geruch und den würzigen Geschmack verantwortlich sind.


Salvia sclarea © thinkstock
Salbei wird in unterschiedlichen Verwendungsformen eingesetzt: als Tee, für Waschungen, als Zusatz für Kosmetika, als Tinktur oder als Öl. Traditionell hat Salbei drei Hauptanwendungsgebiete: Er wird bei Atemwegserkrankungen, bei Probleme im Mund- und Rachenraum (einschließlich der Zahnpflege) sowie bei übermäßigen Schwitzen verwendet. In der Vergangenheit war das Spektrum der Anwendung noch viel größer: 

Blättern wir doch wieder einmal im Kräuterbuch des Leonhart Fuchs von 1543. Hier finden wir im Kapitel XCII den „Echten Salbei“ gemeinsam mit dem „Griechischen Salbei“ abgehandelt:
 

„Salbey würdt von den Griechen genent Elelisphacon, von den Lateinischen Salvia, welchen namen die Apotecker behalten haben. […]
Des Salbey seind zwey geschlecht groß unn klein. Der groß Salbey würt also geheyssen von der grossen und breyten bletter wegen, darumb nennt man ihn auch breyt Salbey. Der klein Salbey hat schmelere unnd kleinere bletter, würt auch spitz Salbey und edler Salbey geheyssen. Man nent ihn auch Creutz Salbey vonn wegen der zweyer angehenckten örlin am styl oder end des blats, welche einem creutz gleich seind.
Der groß Salbey ist ein staud mit vilen ästen und stengeln welche vierecket und weißlecht seind. Seine bletter vergleichen sich ettlicher maß mit den Kütten blettern seind aber lenger herter dicker und rauch runtzlecht wie ein beschaben abgetragen wulle kleyd weißlecht und eines starcken geruchs. Die blumen seind purpurbraun mit weiß vermischt, gekrümpt wie ein Adler schnabel. So dise abfallen bringt er in den heüßlin oder secklin same dem Scharlach [Wiesensalbei, Muskateller-Salbei] gleich. Der klein Salbey ist dem vordrigen gleich, aber seine bletter seind schmeler kleiner und weisser oder mehr äschenfarb und haben am styl unden zwey kleine angehenckte örlin, die man am grossen nit findt.
Salbey wechst gern an rauhen orten, doch beyderley geschlecht pflantzt man in allen gärten.
Salbey blüet im Brachmonat [Juni] und Hewmonat [August] und bringt auch zu seiner zeit den samen. 


Salbey wermet und zeücht [zieht] zusamen.
Salbeyen bletter in wasser gesotten und getruncken treiben den harn, bringen den frawen ihre zeit unnd treiben auß die todten frucht. Mit disem wasser gezwagen [gewaschen] macht schwartz har. Salbey ist auch gut zu allerley wunden, seubert dieselbigen und heylet sie. Salbey stillet das blut, so auß den wunden laufft, darüber gelegt. Die bletter und äst in wein gesotten und darmit gewäschen vertreiben das jucken an den gemechten [Hoden und Penis]. Salbey übergelegt heylet die bissz der gifftigen Thiern. Salbey mit Wermut gesotten und getruncken heylet die rot rhur. Salbey übergelegt zeücht die würm auß den ohren [Ohrwurm bedeutet Ohrenschmerzen]. Die bletter in wasser gesotten vertreiben den husten und die weetagen der seiten. Salbey ist gut der verstopfften leber.“
 

Salvia officinalis © thinkstock
Gerade im Mittelalter waren die Anwendungsweisen des Salbeis auch oft mit abergläubischen Praktiken verbunden. So lautet etwa ein Rezept gegen Fieber in einer Handschrift aus dem 15. Jahrhundert: „Nym 3 salvaypletter auff ainem stengel ains morgens vor der sunnen vnd schreyb auff das ain blatt † pater † pax, auff das ander plat † filius † vita, auff das dryt plat schreyb † spiritus † sanctus sit tibe contra febrem remedium amen. Das tue drey morgen vor der sunnen vnd alle male so nym 3 pletter, dor noch so sprich funff pater noster vnd funff ave maria vnd ain glauben.“

Salbeiblätter wurden auch für Liebeszauber verwendet: „nimm drei Salbeiblätter und schreib auf das erste Adam Eva, auf das andere Jesus Maria, auf das dritte deinen und ihren Namen. Brenn diese Blätter zu Pulver und bringe dies der Person beim Essen oder Trinken bei.“    

Nun, vielleicht sollte man sich einer solchen Rezeptur bei einem Essen am kommenden Valentinstag bedienen; wer weiß, vielleicht wirkt der Liebeszauber noch heute. Und Salbei ist ja auch in der Küche ein unverzichtbares Gewürz!

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

4. Februar 2015

Pilgern mit Eduard Gurk – Lilienfeld und Marktl


Bisher erschienen:
http://landesmuseum.blogspot.co.at/2014/10/pilgern-mit-eduard-gurk.html
http://landesmuseum.blogspot.co.at/2015/01/pilgern-mit-eduard-gurk-die-heiligen.html

Monika Schaar-Willomitzer und ich sind weiterhin auf Spurensuche und besuchen Örtlichkeiten, die der Biedermeiermaler Eduard Gurk in seiner „Mahlerischen Reise von Wien nach Maria Zell“ 1833 dargestellt hat, zuletzt waren wir in Annaberg zu Gast [s. Beitrag 2015/01]. Auf dem Blatt „Aussicht vom Annaberge gegen den Ötscher“ ist ein Zisterziensermönch zu sehen. Diesen Geistlichen hatte das Stift Lilienfeld zugeteilt, dort finden wir uns dieses Mal ein.

Bevor wir Lilienfeld erreichen, legen wir noch einen Zwischstopp in Marktl ein. Der Ortsteil ist geprägt von Industrie, Autoverkehr und Traisen. Schon zu Gurks Zeiten stand hier eine mächtige Fabriksanlage, aus deren Schloten sich der Rauch malerisch mit den Wolken vermischte. Heute steht an dieser Stelle das Stammwerk der Firma Neumann Aluminium und Prefa Aluminiumprodukte. Der dargestellte Stein mit Marterl existiert nicht mehr, er musste der Straßenverbreiterung weichen. Das dahinterliegende Haus indes scheint sich seit damals kaum verändert zu haben. Gurks Position konnten und wollten wir dieses Mal nicht einnehmen, es wäre die Straßenmitte der heutigen B 20 gewesen, andernfalls wäre dieser Beitrag vermutlich nie erschienen, an anderer Stelle aber vielleicht ein Nachruf.


Marktl bei Lilienfeld © Land Niederösterreich,
Landessammlung Niederösterreich, Eduard Gurk, 1833


aktuelles Bild Marktl bei Lilienfeld,
Foto: Monika Schaar-Willomitzer

Der Schlaumeier Eduard Gurk hat nicht nur 40 Aquarelle entlang der Via Sacra von Wien nach Mariazell geschaffen, sondern in seinen Werken zusätzlich verschiedene Tageszeiten und Witterungsverhältnisse dargestellt. Auf unserem Bild geht gerade die Sonne auf. Als die Pilger vor zwei Stunden in St. Veit an der Gölsen zur zweiten Etappe der Wallfahrt aufbrachen, war es noch Nacht.


Stift Lilienfeld © Land Niederösterreich,
Landessammlung Niederösterreich, Eduard Gurk, 1833

Von Marktl bis zum Stift sind es nur mehr zwei Kilometer. Den Standort für die Aquarellskizze zu finden, gestaltete sich mühsam. Wenn wir das Blatt „Stift Lilienfeld“ betrachten, erkennen wir am rechten unteren Bildrand zwei Männer (einer davon vermutlich der Abt, der andere möglicherweise Eduard Gurk) auf einem Bankerl sitzend. Wir wollen wissen, ob es heute noch besteht und nehmen den steilen Aufstieg zur Schrittwieser-Ruhe in Kauf. Dort angekommen taucht ein Problem auf: Bankerl ist da, aber das Stift sieht man nicht mehr. Es ist gerade noch ein kleiner Teil der Stiftskirche sichtbar, der Rest ist von Bäumen verdeckt. Die Beschreibung des Reiseschriftstellers F. X. Schweickhardt von 1836, „von der Anhöhe hat man den besten Überblick“, kann als überholt betrachtet werden. Die Vegetation im Biedermeier unterscheidet sich von der heutigen deutlich.

Die heutige Anhöhe, Foto: Monika Schaar-Willomitzer
Stift Lilienfeld. Foto vor dem Zdarsky-Museum
von: Monika Schaar-Willomitzer

Dafür gibt es freilich eine plausible Erklärung: während zu Beginn der 19. Jahrhunderts der Holzverbrauch durch die aufkommende Industrie intensiv war, sind Maßnahmen zur Aufforstung in den letzten 20 Jahren heute schon deutlich spürbar.

Aber zurück zu unserem Thema, dem Pilgern mit Eduard Gurk und der Spurensuche im Heute. Die historischen Fakten zu Stift und Stadt sind überall nachlesbar, das schenken wir uns also und fragen den Lilienfelder Bürgermeister, Herbert Schrittwieser, zur aktuellen Situation. 

Worauf sind Sie in Ihrer Gemeinde besonders stolz?


Bürgermeister Herbert Schrittwieser,
Foto: Stadtgemeinde Lilienfeld


Lilienfeld ist als kleine Bergstadt in einer wunderschönen Lage zentraler Ort des Bezirkes und mit dem Zisterzienserstift auch geistiges und kulturelles Zentrum des oberen Traisentales. Ich bin stolz, dass wir über viele Jahre in dieser schönen Stadt eine zukunftsorientierte Entwicklung betreiben konnten und die Positionierung als Bezirksstadt festigen und ausbauen konnten.
Welchen Stellenwert hat die Wallfahrt für Lilienfeld heute?
Als Obmann der Region Traisen- Gölsental war ich auch Initiator zur Wiederbelebung des Wallfahrerweges VIA SACRA. Es war eine große Herausforderung rund 30 Gemeinden über mehrere Bezirke und Regionen für das Projekt zu begeistern und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Inzwischen kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen die bestens funktioniert.

Wenn Sie sich was wünschen dürften, was wäre es?
Der Stellenwert des Pilgerns ist sehr hoch und der Zuspruch steigend. Ich wünsche mir, dass dieser Trend anhält und viele Menschen durch das Pilgern an der VIA SACRA ihre Achtsamkeit stärken und die Schönheit der Landschaft und der Orte an der VIA SACRA sehr bewusst erleben und wahrnehmen können. Für Lilienfeld wünsche ich mir, dass wir von Katastrophen verschont bleiben und dass die Gäste bei uns immer freundliche Begegnungen vorfinden und so immer gute Erinnerungen gegeben sind.
Wir danken für das Gespräch!

Abseits der Wallfahrt: Der ehemalige Fußballspieler Toni Pfeffer und der Direktor des Circus Roncalli, Bernhard Paul, sind hier geboren, die Doppelolympiasiegerin Michaela Dorfmeister hat hier die Schihauptschule absolviert, seit 2006 ist sie deren Namenspatronin. Und nicht zu vergessen, der Schöpfer des modernen Schilaufs, Mathias Zdarsky, hat in Lilienfeld gewirkt.

Text: Gerhard Hintringer
Fotos: Mag. Monika Schaar-Willomitzer

Sonderausstellung „Malerische Wallfahrt nach Mariazell in Aquarellen von Eduard Gurk“, 26. Oktober 2014 bis 22. März 2015

Das empfehlenswerte Buch zur Ausstellung ist 2014 im Residenzverlag erschienen, es kostet 35 Euro und ist u.a. im Shop des Landesmuseums erhältlich.

Film des Monats Februar 2015: Via Sacra von Wien nach Mariazell (Gemeinschaftsproduktion von Zisterzienserstift und Bezirksheimatmuseum Lilienfeld). Die DVD ist im Stift und im Landesmuseum erhältlich.

Links zu Lilienfeld:
www.lilienfeld.at
www.cisto.at/stift/
www.kloesterreich.at/unsere-kloester/stift-lilienfeld/stift-lilienfeld
www.zdarsky-ski-museum.at
www.viasacra.at

Link zum Beitrag der Wiener Zeitung vom 19. März 2015:
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/museum/740504_Rettung-eines-Guetigen.html 

29. Januar 2015

#6 Die Küchenzwiebel - die Heilpflanze des Jahres 2015


Zwiebel © thinkstock
Wenn der Hals kratzt und der Hustenreiz nicht weichen will, dann werden in vielen Haushalten alte Hausmittel ausprobiert; eines davon war bei mir zuhause immer „Zwiebelmilch“. Dazu wurde eine Zwiebel geschält und geviertelt, Milch erhitzt und die Zwiebelstückchen darin für 30 Minuten eingelegt; dann wurde die Zwiebel entfernt und die Milch mit Honig gesüßt. Allein der Gedanke, diese Milch trinken zu müssen, hat bei mir oft eine Schnellheilung bewirkt.

Die Küchenzwiebel – Allium cepa L. – spielt nicht nur in den Kochtöpfen als Gewürz oder Gemüse eine wichtige Rolle. Sie ist überdies reich an medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen: Sie wirkt antibakteriell, senkt den Blutdruck, den Blutzucker und verbessert die Blutfette; sie macht das Blut dünnflüssiger und wirkt antiasthmatisch. Äußerlich kann man ihren Saft gegen Insektenstichen und Furunkeln anwenden. Umschläge mit gehackter Zwiebel wirken auch sehr gut bei Blutergüssen. 
Diese vielfältige Wirkweise ist sicher ein Grund dafür, dass der „Verband der Heilkräuterfreunde Deutschlands“ gemeinsam mit dem „Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim“ die Küchenzwiebel zur Heilpflanze des Jahres 2015 wählte.


Wo die Vorfahren der Küchenzwiebel beheimatet waren, wissen wir nicht genau. Man nimmt Mittelasien oder Afghanistan an; die nächste Verwandte unserer Küchenzwiebel wächst heute in Turkmenistan und im Iran. Seit mehr als 5.000 Jahren wird die Küchenzwiebel als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze kultiviert. Sie ist damit eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Mit Zwiebeln wurden die Arbeiter beim Pyramidenbau in Ägypten bezahlt; Zwiebeln gab man den Toten auf die Reise ins Jenseits mit; so fanden sich Zwiebel im Grab Tutanchamuns. Beim Auszug aus Ägypten beklagten die Israeliten ihre Entbehrungen, sie sehnten sich nicht nur nach den Fleischtöpfen Ägyptens, sondern auch nach „Gurken und Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch“ (4 Moses 11). Auch bei den Römern waren Zwiebeln bei der einfachen Bevölkerung ein Grundnahrungsmittel. Römische Legionäre sorgten für ihre Verbreitung in Mitteleuropa. Ab nun fehlten Zwiebeln in keinem Koch- und Arzneibuch mehr.
Im ältesten erhaltenen Buch der Klostermedizin – im Lorscher Arzneibuch, um 795 in lateinischer Sprache im Kloster Lorsch bei Worms niedergeschrieben  – werden Zwiebeln als Heilmittel „gegen die Fäulnis des Mundes, der Zunge und des Gaumens sowie zur Behandlung von Zahnfleisch, welches vom Leibessaft zerfressen wird“ eingesetzt; man verwendet sie äußerlich gegen Knoten und Schmerzen in den Brüsten. Gegen Furunkel und Karbunkel legte man Zwiebeln, die man vorher in Asche geröstet und mit Honig vermischt hatte, als Pflaster auf die betroffene Stelle auf.
Ausführlich beschäftigen sich die Kräuterbücher der frühen Neuzeit mit der Zwiebel: lassen wir wieder einmal Leonhart Fuchs mit seinem 1543 erschienenen Kräuterbuch zu Wort kommen:


Zwiebel © thinkstock
„Es seind vil geschlecht der Zwibel / welche alle Theophrastus unnd Plinius erzelen / on not hie vil darvon zu schreiben. Die Zwibel aber so in unsern landen wachsen seind ettlich groß / ettlich klein / an der farb ettlich rot / ettlich weiß / ettlich rund / die andern lang. Die besten aber seind die runden und von farben rot.
Die Zwibel haben bletter fast wie der Lauch / inwendig hol / jre stengel oder rhör seind rund / die gewinnen an den gipffeln runde köpfflin mit dünnen weissen heütlin überzogen / die brechen mit der zeit auff / unn kriechen die bleychweisse gestirnte blümlin vil neben einander getrungen herfür. Sölch blümlin werden zu kleinen knöpfflin oder böllin / in deren yedem seind zwey oder drey schwartz eckete körnlin verschlossen. Die wurtzel ist rund wie ein kleins köpfflin / auß vilen dünnen schelfen oder heütlin zusamen gesetzt / die aller außwendigsten aber seind gantz zart unnd rotlecht. An disem köpfflin hangen zu öberst kleine weisse zaseln wie das har. […]

Die krafft und würckung.
Die langen Zwibel seind scherpffer dann die runden / die roten mehr dann die weissen / die dürren dann die grünen / die rowen dann die gesotten. Doch beissen allerley Zwibel / machen bläst / oder wind / reytzen zu essen / zerteylen / machen durst / und reynigen. Sie lindern den stulgang. So man sie schelet unnd in öl legt / darnach zäpfflin darauß macht / und in den affter thut / so eröffnens die gulden oder rosen ader. Der safft vonn Zwibeln außgetruckt / mit hönig vermischt und in die augen gethon / macht lautere augen / vertreibt die fäl / und den anfang des starns. Er bringt den frawen jre kranckheyt in die weiblich scham gethon. Reyniget das haupt in die nasen gethon. Zwibel safft mit saltz / rauten / und hönig vermischt / ein pflaster darauß gemacht und übergelegt / ist ein köstlich artzney zu den wunden / so von unsinnigen hunden seind gebissen. Der safft mit essig vermengt / und an der sonnen angestrichen / vertreibt die weissen unnd schwartzen masen am leib. Gedachter safft mit hennen schmaltz vermischt / ist nützlich denen so die schuch getruckt haben / ein sälblin darauß gemacht. Der safft in die ohren gethon / bringt das gehör / und nimpt das sausen im kopff. Er macht das har widerumb wachsen / so man das haupt darmit reibt. Der Zwibel so er zuvil würt in der speiß gebraucht / macht er weetagen des haupts. So er wol gesotten ist / treibt er den harn. In den kranckheyten zuvil gessen / auch gesotten / bringt er mit sich ein starcken schlaff. Mit kleinen weinbeerlin und feigen zerstossen und übergelegt / zeitiget er / und bricht die geschwär. Der Zwibel zerteylt die groben zähen flüß im leib.“
(zitiert nach: http://www.waimann.de/capitel/163.html#Abb_241)
Zwiebel © thinkstock
Kehren wir noch einmal zur Kultivierung der Gemüsezwiebel zurück: Die Zwiebel liebt lockere, leichte Böden; ideale Verhältnisse für ihr Gedeihen finden sich in der Region rund um Laa an der Thaya, wo eines ihrer traditionellen Hauptanbaugebiet in Österreich liegt. Im Gegensatz zur Massenproduktion in anderen Gegenden Europas wird die Gelbe und Rote Laaer Zwiebel hier nicht bewässert und reift natürlich am Feld ab. Der Ertrag der Felder ist dadurch zwar geringer, die geschmackliche Qualität der Zwiebeln aber um vieles besser. Ebenso positiv wirkt sich das auf ihre Lagerfähigkeit aus. Die Küchenzwiebel und die etwas größere Gemüsezwiebel wurden in das „Register der Traditionellen Lebensmittel“ aufgenommen und die Region um Laa ist als „Laaer Zwiebel“ unter den Genussregionen Österreichs registriert (http://www.genuss-region.at/genussregionen/niederoesterreich/laaer-zwiebel/index.html).


Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

15. Januar 2015

#5 Das Johanniskraut – die Arzneipflanze des Jahres 2015

Seit den 90er Jahren wählt der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg, dem Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und Biologen angehören, die „Arzneipflanze des Jahres“. Für 2015 kürten sie das Echte Johanniskraut.
Johanniskraut, Bild: thinkstock, Alex Rath
Die Gattung der Johanniskräuter ist äußerst vielfältig und umfasst weltweit mehr als 450 Arten. In unseren Regionen kommen bis zu neun verschiedene Arten nebeneinander vor. Das „Echte Johanniskraut“ erkennt man u.a. an seinem zweikantigen Stängel. Sind schon Knospen oder Blüten vorhanden, dann hilft ein weiteres Erkennungsmerkmal: Zerreibt man die Blütenblätter, so färbt der austretende Saft die Finger rot. Die Pflanze findet man an Weg- und Wiesenrändern; sie wird bis zu 90 cm hoch.
Den Namen Johanniskraut trägt die Pflanze, weil sich in der Zeit rund um das Fest Johannes' des Täufers am 24. Juni je nach Witterung die Knospen zeigen oder sich bereits die gelben Blüten öffnen. Das ist dann der Beginn für die Sammelzeit der Knospen und Blüten. Seit der Antike trägt die Gattung der Johanniskräuter den Namen „Hypericum“. Das Echte Johanniskraut heißt mit lateinischen Namen Hypericum perforatum, was auf eine weitere Eigenart der Pflanze verweist: Betrachtet man die Blätter gegen das Licht, so erblickt man zahlreiche kleine Punkte, die den Anschein erwecken, als seien die Blätter fein durchstoßen. Bei den Pünktchen handelt es sich um Öldrüsen, die einen der Wirkstoffe der Pflanze, das Hypericin, enthalten.

Johanniskraut, Bild: thinkstock
Die Beliebtheit der Pflanze und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten spiegeln sich im Variantenreichtum der Bezeichnungen im Volksmund, der das Kräutlein u.a. als Antoniuskraut, Blutkraut, Brustkraut, Donnerkraut, Eisenhart, Feldhopfenkraut, Feuerkraut, Fieberkraut, Frauenkraut, Gottesblut, Hanskraut, Hanskräutel, Hasenkraut, Herrgotsblume, Herrgotsträne, Herrgottsblut, Herrgottskraut, Hexenkraut, Jesuwunderkraut, Johannesbettstroh, Johannisblut, Johannishartheu, Johannisschweiß, Kälberkraut, Kleine Johannisblume, Kranzkraut, Leibwehblume, Liebeskraut, Löcherkraut, Marienkraut, Mariens Bettstroh, Muttergotteskraut, Siebenundsiebziglöcherkraut, Sonnenwendkraut, Tausendloch, Tausendlöcherkraut, Teufelsfluch, Teufelsflucht, Teufelskraut, Tüpfelhartheu, Unseres Herrn Wundkraut, Waldhopfenkraut, Walpurgiskraut, Wundstroh oder Wurmgras bezeichnet.

Seit der Antike schätzte man die Vielfalt der Anwendungsgebiete des Krautes bei der Behandlung von Krankheiten. So empfahl der griechische Arzt Dioskurides, der im 1. Jahrhundert n. Chr. als Militärarzt im Dienste der Römer stand und mit seinem Werk „Materia Medica“ zum berühmtesten Pharmakologen des Altertums wurde, das Kraut als Umschlag gegen Brandwunden und die reife Frucht des Krautes, in Honigwasser eingelegt, gegen Ischias. 

Johanniskraut, Bild: thinkstock
Paracelsus (geb. um 1493-1541) widmete dem Echten Johanniskraut eine ausführliche Erläuterung, in der er dessen Wirkung nicht nur als Wundheilmittel, sondern auch als Vertreiber der Melancholie – und als Wurmmittel pries.
Eines der ausführlichsten und originellsten Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts stammt aus der Feder des Botanikers und Mediziners Tabernaemontanus – eigentlich Jacobus Theodorus  (1522/5-1590); sein Name „Tabernaemontanus“ ist eine latinisierte Form seines Geburtsortes Bergzabern in Rheinland-Pfalz. Tabernaemontanus war zunächst als Kräutersammler in Weißenburg im Elsass tätig; dann studierte er Medizin in Padua und Montpellier. Nach seiner Rückkehr betrieb er in Weißenburg eine Apotheke. Für seine weitere Laufbahn war die Begegnung mit dem Botaniker Hieronymus Bock maßgeblich. 1588 erschien sein „Neuw Kreuterbuch“ im Druck, ein Werk mit fast 1600 Seiten und mehr als 2000 Holzschnitten.
In den Texten zu den einzelnen Pflanzen beschreibt Tabernaemontanus diese nicht nur genau aus botanischer Sicht, sondern sammelt auch das Wissen um ihre Wirkweise und greift dabei auf vergangene Autoritäten zurück. Zum Johanniskraut zitiert er etwa Dioskurides und den flämischen Botaniker und Arzt Rembert Dodoens, genannt Dodonaeus (1516/17-1585). Dann geht er auf die Wirkung bei innerer und äußerer Anwendung des Krautes ein: Siedet man das Kraut in Wein, so besitzt es harntreibende Wirkung, hilft bei Blasensteinen, wie die antiken Autoritäten berichten, und bei Menstruationsbeschwerden. Der so gewonnene Saft dient auch als Mittel gegen das dreitägige Fieber. Äußerlich angewendet beschleunigt es die Wundheilung und wirkt gegen Entzündungen. Frauen, die in Kindsnöten liegen, sollen mit dem Kraut beräuchert werden, deshalb wird das Johanniskraut auch Frauenkraut genannt. Im Anschluss beschreibt Tabernaemontanus die Herstellung von Johanneskrautwasser und Johanniskrautöl. 


Johanniskraut, Bild: thinkstock
Beide Mittel empfiehlt er bei Schlaganfall, roter Ruhr, bei Koliken und Verdauungsbeschwerden jeglicher Art. Er empfiehlt auch die Verwendung des Johanneskrautes als Apotropäum gegen Gespenster und Ungewitter. Hier wird man wohl an eine Anwendung als Räucherkraut denken. Tabernaemontanus folgte in seinen Angaben seinem Lehrer Hieronymus Bock, der in seinem „New Kreuterbuch“ ganz ähnliche Wirkweisen des Krautes beschrieben hatte. 
In den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kräuter- und Arzneibüchern wird die heute bekannte stimmungsaufhellende Wirkung des Johanniskrautes nur selten erwähnt. In Zedlers „Grossem vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste“, das in den Jahren 1732 bis 1754 erschien, wird dann das Rezept für eine Tinktur angeführt, deren Grundsubstanz  aus Johanneskraut gewonnen wird und die als Heilmittel gegen Schwermut, Raserei, Tollsucht und allgemein gegen Schwachheit des Geistes angepriesen wird. Dem Johanniskraut werden allerdings bei der Herstellung noch andere Substanzen wie Ackergauchheil (Anagallis arvensis) oder Eselsblut, das aus einer Ader hinter dem Ohr gewonnen wird, hinzufügt; sie alle werden gemeinsam destilliert, das Destillat wird mit Branntwein verdünnt und im Bedarfsfall eingenommen.
- Wohl bekomm’s!


Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

7. Januar 2015

Pilgern mit Eduard Gurk - Die heiligen Berge: Annaberg

Zum Einstieg wird dieser Beitrag empfohlen: http://landesmuseum.blogspot.co.at/2014/10/pilgern-mit-eduard-gurk.html

Es ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, sich in den Gemütszustand eines Untertanen des Jahres 1833 zu versetzen. Einen Versuch ist es aber wert. Unseren fiktiven Pilger nennen wir einfach Chrysostomos Panigl, wohnhaft in der Gemeinde Rodaun nahe Wien. Eine recht flache Gegend, gemessen an dem, was noch kommen wird. Die höchste Erhebung Rodauns ist der Eichkogel, ein sanfter Hügel.
Der Thronfolger Erherzog Ferdinand hatte im Vorjahr ein Attentat zwar fast unbeschadet überlebt, seine Nerven waren darauf derart zerrüttet, dass ein Priester zur letzten Ölung geholt werden musste. Er genas auf wundersame Weise, gelobte eine Wallfahrt nach Mariazell und fuhr los. Ob er den Maler Eduard Gurk an seiner Seite hatte, das wissen wir nicht gesichert. Wir, Monika Schaar-Willomitzer und ich, machten uns etwa 180 Jahre später auf Spurensuche.

Einsiedelei Siebenbründl © Land Niederösterreich,
Landessammlung Niederösterreich, Eduard Gurk, 1833

aktuelle Ansicht von Siebenbründl, Foto: M. Schaar

Unser Chrysostomos erhoffte sich durch Wallfahrten die Heilung von seiner Gicht. Den Medicus und Arznei aus der Apotheke konnte er sich als Rossknecht nicht leisten. Es wird eine weite Reise werden. Seine weiteste war bisher nach Mauer zum Kirtag.
Ferdinand, als späterer Kaiser der Gütige genannt, reiste per Kutsche, Chrysostomos auf Schusters Rappen, wir fuhren mit dem Auto.


Wir überspringen einen Tag und begegnen unserem Pilger gegen Ende des zweiten Tages kurz vor dem mühsamen, geradezu quälenden Aufstieg nach Annaberg. Es hätte zu Fuß schon gereicht, aber auf Knien war das noch einmal was anderes. Wer sich mit dem Auto die Serpentinen hinaufwindet, kann vielleicht nachempfinden, was das für einen müden, schwachen, vielleicht kranken Pilger bedeutet haben muss, der sich kein Mietsaumpferd (wie auf dem Aquarell dargestellt), eine Art frühes Taxi, leisten konnte. Gottlob, vor wenigen Stunden hatte Chrysostomos die Heilquelle Siebenbründl passiert. Gebet und Wasserkur hatten ihn wieder aufgerichtet.


„Höchst romantisch“ oder „österreichisches Sibirien“?


Also endlich Annaberg. Was sich hier dem Betrachter darbot, war überwältigend, ein gigantischer Berg, der Ötscher. Wir sind auch heute noch beeindruckt, trotz Fernsehdokumenationen über 8000er und vermögen uns schwer vorzustellen, wie es dem Rodauner ergangen sein muss. Den genauen Standort zu finden, an dem Eduard Gurk seine Skizze für das Aquarell anfertigte, dauerte lange und das Ergebnis war schließlich ein Kompromiss.

Annaberg, Blick gegen den Ötscher © Land Niederösterreich,
Landessammlung Niederösterreich, Eduard Gurk, 1833
aktuelle Ansicht von Annaberg, Foto: M. Schaar

Annaberg ist die erste Station an der Via Sacra, die kein Marienort, sondern Marias Mutter geweiht ist. Auch nach ihrem Mann ist ein heiliger Berg benannt, der Joachimsberg. Nach Mariazell sind es noch rund sechs Stunden Fußmarsch über mehrere Berge, darunter der Josefsberg.
Neben einer Poststation, das Gebäude rechts im Bild steht am ehemaligen Standort, gab es 1833 fünf Gasthäuser, einen Bäcker, Fleischhauer, Wundarzt, Schmied und einen Schuhmacher. Wir verabschieden uns von Chrysostomos Panigl und fragen die derzeitige Bürgermeisterin, Petra Zeh, was heute Annaberg ausmacht.

Bürgermeisterin Petra Zeh,
Foto: Leaderregion Mostviertel
Worauf sind Sie in Ihrer Gemeinde besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf die Menschen und Ihren Zusammenhalt. Sie unterstützen sich gegenseitig. Vieles können wir dadurch in unserer kleinen Gemeinde schaffen. Von kleinen Projekten in den Vereinen  bis hin zu großen Projekten, wie etwa der Revitalisierung unserer Via Sacra von Wien bis Mariazell und natürlich der Landesausstellung 2015.


Welchen Stellenwert hat die Wallfahrt für Annaberg heute?
Die Wallfahrt und Annaberg waren und sind auch heute noch untrennbar miteinander verbunden. Sie ist Teil unserer Geschichte und unseres heutigen Lebens. Viele Menschen pilgern durch unsere Gemeinde und machen Halt bei der Heiligen Anna in der Wallfahrtskirche. Es erfüllt uns mit Stolz an einem Weg zu liegen, der schon seit Jahrhunderten begangen wird. Das Pilgerwesen ist Teil unserer Identität und auch Lebensgrundlage unserer Gasthäuser und Beherbergungsbetriebe.

Wenn Sie sich was wünschen dürften, was wäre es?
Ich würde mich freuen, wenn weiterhin viele Pilger auf der Via Sacra nach Annaberg und Mariazell unterwegs sind, sich etwas Zeit für sich nehmen können, auf dem Weg unserem Herrgott näher kommen und mit sich im Reinen nach Hause zurück kehren.
Pilgern ist, wenn man sich darauf einlässt, etwas Wunderschönes und Erfüllendes. Das erleben zu können, wünsche ich vielen Menschen.
Wir danken für das Gespräch!
Heute hat Annaberg 3 Gasthäuser, 2 Pensionen, einen  Nahversorger, Ärztin, Polizeistation, Volksschule, 9 Schilifte und 65 Schneekanonen.
Berühmte Söhne und Töchter Annabergs sind die Landesrätin und Innenministerin Liese Prokop [Blogbeitrag vom 25.9.2014: http://landesmuseum.blogspot.co.at/2014_09_01_archive.html], der Maler Sepp Gamsjäger und der oberösterreichische Landeshauptmann Erwin Wenzel. Leider sind alle Genannten bereits verstorben.
Die beiden Zitate im Zwischentitel stammen aus Reiseführern von Rafael Hellbach (1858) und Wenzel-Carl Wolfgang Blumenbach (1835).

Text: Gerhard Hintringer
Fotos: Mag. Monika Schaar-Willomitzer
Sonderausstellung „Malerische Wallfahrt nach Mariazell in Aquarellen von Eduard Gurk“, 26. Oktober 2014 bis 22. März 2015
 
Das empfehlenswerte Buch zur Ausstellung ist 2014 im Residenzverlag erschienen, es kostet 35 Euro und ist u.a. im Shop des Landesmuseums erhältlich.
Links zu Annaberg

18. Dezember 2014

#4 „Zu was Kranckheiten die distillirten Wasser dienen …“

Diese Überschrift steht nicht im einem Nachschlagewerk, das für einen Mediziner oder einen Apotheker bestimmt war, nein - es steht in dem klassischen Werk der sog. Hausväterliteratur: in der „Georgica curiosa“ des Wolf Helmhardt von Hohberg.

IMAREAL - Krems: In einer landadeligen Apotheke.
Kupferstich aus der "Georgica Curiosa", Nürnberg 1716
Bei dieser „Hausväterliteratur“ handelt es sich um frühe Ratgeber, die ab dem 16. Jahrhundert zunächst vor allem im protestantischen Milieu erschienen. Sie richteten sich an den Landadel als  potentiellen Käufer. Da ihr Inhalt aber von allgemeinem Interesse war, erwarben auch zunehmend bürgerliche Kreise diese Werke.
Den Höhepunkt dieser Gattung bildet das zitierte zweibändige Werk aus der Feder Wolf Helmhardt von Hohberg, das unter dem Titel „Georgica curiosa, Das ist: Umständlicher Bericht und klarer Unterricht Von dem Adelichen Land- und Feld-Leben“ erstmals 1682 in Nürnberg erschien.   
Wolf Helmhardt von Hohberg wurde am 20. Oktober 1612 in Lengenfeld bei Krems geboren. Früh verwaist trat er ins Heer ein und kämpfte im Dreißigjährigen Krieg. 1641 quittierte er den Dienst in einem kaiserlichen Regiment und zog sich auf ein kleines Gut in Süßenbach an der Thaya zurück. Als Protestant musste er später seine Heimat verlassen und ließ sich wie viele seiner Glaubensgenossen in Regensburg nieder, wo er 1688 verstarb.

IMAREAL - Krems: Die Hausmutter beim Zubereiten
von Arzneien. Kupferstich aus der "Georgica Curiosa",
Nürnberg 1716
Der erste Band des Werkes beschäftigt sich mit Haus und Garten, der zweite mit Feld, Vieh, Wald und Jagd. Die insgesamt 12 „Bücher“ geben einen ausführlichen Einblick in Organisation und Tätigkeitsbereiche der auf einem solchen Gut tätigen Personen.
Zu der Arbeit der „Hausmutter“ gehörten nicht nur die Versorgung der Hausangehörigen mit ausreichend Nahrung, die Vorratshaltung, die Betreuung des Gartens und vieles andere mehr, sondern auch die Betreuung im Krankheitsfall. In mehr als 20 Kapitel gibt Hohberg der Hausmutter Anweisungen, wie sie die Apotheke zu führen und Arzneien zuzubereiten hätte.
Dazu gehörte auch die Herstellung von Destillaten aus den unterschiedlichsten Ausgangsprodukten. In Kapitel LVII beschrieb Hohberg ausführlich die Arbeitsgänge und die Beschaffenheit des „Brennofens“, allerdings genüge es, „wann die Haus=Mutter nur weiß mit dem Brennkolben und Balneo Maris [=Wasserbad] umzugehen.“

IMAREAL - Krems: Das Destillieren von Kräutern
Kupferstich aus der "Georgica Curiosa", Nürnberg 1716
Das Anwendungsgebiet dieser destillierten Wasser, die aus Kräutern gewonnen werden, ist äußerst vielfältig; Hohberg führt 28 Verwendungszwecke an: bei Kopfschmerzen etwa Destillate aus Wohlgemuth (Origanum vulgare) oder Holunder; bei Leberbeschwerden Sauerampfer, Ehrenpreis, Wegwarte, Salbei, Brunnenkresse, Leberkraut und Waldmeister; für die Augen gut sind „Wasser“ von Ringelblumen, Augentrost, Schellkraut, Rittersporn, Fenchel, Blaue Kornblume und blaue Veilchen; gegen Blasen- und Nierensteine empfiehlt er u.a. Spitzwegerich, Petersilie, Rettich, Spargel, Steinbrech, Erdbeeren und Gundelreben (Glechoma hederacea). Ein Allheilmittel ist das Kardobenediktenkraut, das u.a. bei Magenproblemen, Gelbsucht, Seitenstechen, Menstruationsbeschwerden oder Vergiftungen empfohlen wird. Ähnlich vielseitig ist auch der Baldrian.

IMAREAL - Krems: Die Hausmutter als Krankenpflegerin
Kupferstich aus der "Georgica Curiosa", Nürnberg 1716
Im ersten Band der „Georgica curiosa“ gibt es auch Anleitungen zur Herstellung von „Krafft=Wasser“, für die unterschiedliche Substanzen in Destillaten und/oder Wein angesetzt werden. Für das „Hertz=Carfunckel=Wasser“ etwa muss man Rosmarin, Maienblümlein, Borrago-Blüten, Märzveilchen, Majoran, Lavendel, Kreuzsalbei und Saudistel in einem bestimmten Mischungsverhältnis fein hacken und im Mörser zerreiben. Dann werden Gewürze und Früchte - Muskat, Ingwer, Gewürznelken, Zimt, Kardamom, Galgant, Wacholderbeeren, Eichen- und Haselmisteln, geschälte Päonienkörner - mit Hirschhorn, Ungarischem Gold, Perlen und dgl. mehr gemischt, fein verrieben und mit Wein zu einer Paste verrührt, aus der man kleine Küglein formt. Dann legt man die Kräuter und die Küglein in einem Krug und gießt darüber Malvasier - in der Neuzeit besonders bekannt und beliebt - und verschiedene Destillate, etwa Erdbeer=Wasser und Rosen=Wasser. Dann wird der Krug verschlossen und im Keller in Sand eingegraben; ein Monat ruht er nun - von Neumond bis zum nächsten Neumond. Dann wird die Brühe abgeseiht, die noch nicht aufgelösten Substanzen fein zerstoßen und mit der  Flüssigkeit vermischt. Die so gewonnene Lösung wird nun gebrannt. Das Destillat ist das „Carfunckel=Wasser“, das bei schwerer Krankheit zur Stärkung verabreicht wird. Die Dosis richtet sich nach der Schwere der Krankheit und dem Alter des Patienten: ein alter Mensch erhält zwei Löffel voll, ein junger nur einen Löffel. Es dient zur allgemeinen Stärkung und soll bei Fraisen, Schlaganfällen, Ohnmachten, Kopfschmerzen und Herzbeschwerden aller Art helfen. Auch Gebärenden und schwachen Säuglingen gibt es Kraft.
Foto: F. Röper


Falls Sie selbst in der „Georgica curiosa“ blättern wollen, ein Digitalisat finden Sie unter http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/titleinfo/363108 auf der Homepage der Universitätsbibliothek in Halle.

Den nächsten Blog können Sie im Neuen Jahr - am 15. Jänner 2015 - lesen. Bis dahin geruhsame Feiertage, in denen Sie hoffentlich weder Arzneien oder Kräuter brauchen, wünschen Ihnen die Autorin und das Team des Landesmuseums Niederösterreich.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

11. Dezember 2014

# 3 Pflaster, Salben, Ratafia …

In der Ausstellung zeigen wir u. a. auch das Rezeptbuch eines Baders oder Apothekers, das sich heute im Besitz der Landschaftsapotheke in Mistelbach befindet.
Auf dem ersten Blatt steht in schönster Schrift geschrieben:
 
„Sammlung verschiedener nützlicher Recepten“
und darunter die Jahreszahl „1645“.
 

Angenehm bei diesem Rezeptbuch ist die gut leserliche Schrift des Verfassers, oder war es vielleicht sogar eine Frau, die die Rezepte niedergeschrieben hat? Man könnte fast vermuten, dass es sich um eine „Reinschrift“ handelt, also eine Abschrift älterer Rezepte. Die einzelnen Seiten lassen auch keinen Unterschied in der Schrift erkennen. 
Auf den folgenden 154 Seiten stehen in bunter Mischung die unterschiedlichsten Rezepte für die verschiedensten Anwendungsgebiete. Da gibt es Rezepturen bei Frauenbeschwerden, zur Linderung des Hustens und natürlich auch zur Eindämmung von Fieberanfällen.
 

Mistelbacher Rezeptsammlung
Weichsel-Likör, Foto: thinkstock,
Soyhan Erim
Eine wichtige Aufgabe eines Apothekers in der Vergangenheit war auch die Zubereitung von Destillaten und Likören.
Eine dieser Likörsorten war der Ratafia:
Wie es zu diesem Namen kam, erklärt man in einem der heute noch wichtigen Produktionsgebiete in den Abruzzen so: Anlässlich von Abkommen oder Verträgen, die man schloss, stieß man nach der Unterzeichnung mit Likör auf das gelungene Geschäft an und sprach dabei: „Pax rata fiat“
(freie Übersetzung: "Der Friede sei bestätigt". Die heutigen Produkte, die unter dem Namen „Ratafia“ verkauft werden, sind vollmundige süßliche Liköre mit einem Alkoholgehalt unter 22 Volumprozent. In den Abruzzen wird er heute aus Amarena-Kirschen, Waldfrüchte, Montepulciano Rotwein, Zucker und natürlichen Aromen hergestellt. Die Zusammensetzung zählt zu den bestgehüteten Familiengeheimnissen.
 


In Katalonien wird er aus grünen Walnüssen und Kräutern hergestellt, die 40 Tage in einem Anisschnaps angesetzt werden. In Burgund und der Champagne wird der aus Traubenmost und Weinbrand hergestellt.
 

Weichselblüten, Foto: thinkstock, Anatolii Boida
Das im Mistelbacher Rezeptbuch enthaltene Rezept für Ratafia verwendet ebenfalls Weichseln:
Erstlich nim Weixeln, welche fein sauber von denen Stengeln gezupft seyn müßen, in eine große gläserne Flasche, die einen weiten Hals hat, und thue selbe nicht gar völlig anfüllen mit dem Weixeln, darnach nimt man geschälte bittere Mandeln 8 oder 12 Stück, nachdem die Flasche groß ist, und wirft dieselben gantz hinein, alsdann giese man den Kirschengeist darauf, doch nicht ganz voll, daß man alle Tage die Flaschen umschütteln kann, und muß also 4 Wochen an einen kühlen Ort aufbehalten werden, hernach nimt man einen feinen ausgeleiterten Zuker, und gießt denselben in eine Flasche, darnach man es süß haben will, den Ratafia gießt man durch einen Trüchter der mit Löchern ist, darauf. NB. Den wenn man den Zucker in den Ratafia will giesen, so bleibt er trüb, die Weixeln thut man hernach in ein Einmachglas, allzeit ein paar Lagen, darzwischen, aber einen fein gestosenen Zuker darauf gestreuet, und so viel Lagen bis das Glas voll ist, hernach gieß man einen Kirschengeist darauf, daß er über die Weixeln geht, alsdann kann man es also stehen lassen 2 auch 3 Jahre, so bleiben sie gut, sie müßen aber allzeit an einen kühlen Orte stehen. Wann man diese Weixeln will auf die Schale geben, so muß man dieselben aus den Kirschengeist herausnehmen, und gieß ein wenig geleiterten Zuker darauf, sonsten sind sie gar zu stark, den übrigen Kirschengeist kann man unter Ratafia auch wiederum untermischen.
Bis zum nächsten Mal.
 

Text: Elisabeth Vavra

4. Dezember 2014

# 2 Wie die Zunft der Bader entstand

Der Bader, Holzschnitt aus
"Eygentliche Beschreibung
aller Stände auff Erden hoher
und nidriger, geistlicher und
weltlicher, aller Künsten, Hand-
werken und Händeln... (Ständebuch,
mit Versen von Hans Sachs,
1568), Holzschnitt von Jost Amman
(1539 Zürich - 1591 Nürnberg)
Seit dem Spätmittelalter finden wir in Schriftquellen Nachrichten über Badstuben in Niederösterreich: Für 1285 wird eine in Klosterneuburg erwähnt, 1286 in St. Pölten, 1296 in Hainfeld und so fort. Die Badstuben waren meist im Besitz der Grundherren und wurden in Pacht vergeben. Haben sich solche Pachtverträge erhalten, so informieren sie uns häufig nicht nur über die Höhe der abzuliefernden Pacht, sondern erzählen uns auch von den Arbeiten des Baders.

Am 8. September 1470 schloss etwa der Abt des Stiftes Göttweig einen solchen Pachtvertrag mit dem Stiftsbader Hermann Sachs ab. Auf acht Jahre durfte dieser die Badstube in Furth übernehmen. Als Gegenleistung musste er im Konvent alle Arbeiten verrichten, die in das Arbeitsfeld eines Baders gehörten: Rasieren, Zurichten der Bäder und alles, „was sonst in seinem Handbereich fällt“. Schon damals gehörten dazu Aderlassen und Schröpfen, Behandlung von Wunden oder Verabreichen von Salben. Dafür erhielt er einen Jahressold von 5 Pfund Denare.
Dass der Vorgänger nicht gerade zu den Pflichteifrigsten gehörte, zeigt der in der Urkunde beschriebene Zustand der Badstube: Denn Hermann Sachs musste sich auch dazu verpflichten, die Badstube auf seine Kosten neu eindecken zu lassen. Er hatte die Zimmerleute zu verköstigen und die Nägel zu kaufen. Das Stift als Eigentümer sorgte für die Entlohnung der Handwerker und das nötige Holz. 
Im 16. Jahrhundert nahmen die Steuern, die auf den Grundbesitzern lasteten, als Folge der Türkeneinfälle immer mehr zu, und so mancher Grundherr sah sich gezwungen, die Badstube an die Gemeinde oder gleich direkt an den Bader zu verkaufen. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts waren nahezu alle Badstuben in den Besitz der Bader übergegangen. In den Städten konnten sie nun das Bürgerrecht erwerben. Hand in Hand damit eröffnete sich ihnen die Möglichkeit, Zünfte zu bilden und sich so gegen ein Überangebot vor Ort zu schützen. Das Badergewerbe durfte nun nur mehr derjenige ausüben, der im Besitz eines Baderhauses mit Badstube war.

Zunftlade der Bader, vor 1777
Mistelbach, Stadt-Museumsarchiv
Wie bei den anderen Gewerben auch unterlagen die in Städten ansässigen Bader Zunftordnungen, die von der Obrigkeit erlassen und vom Landesherrn bestätigt werden mussten. Die älteste niederösterreichische Ordnung solcher Art hat sich als Abschrift im Stadtbuch von Wiener Neustadt erhalten. Sie wurde am 22. Jänner 1476 unterzeichnet. Die rund 25 Paragraphen umfassen in erster Linie Vorschriften, die den Lebenswandel betrafen. Wer diese Richtlinien übertrat, musste Bußgelder an die Zunftlade abliefern. Bemerkenswert ist, dass in dieser Ordnung ausdrücklich auch Frauen in ihrer Funktion als „Baderinnen“ und als „Dienerinnen“ in den Badstuben Erwähnung finden.
Ganz den Zeitgeist der Gegenreformation spiegelt die für Krems und Stein erlassene neue Baderordnung, die am 9. März 1633 von Kaiser Ferdinand II. unterzeichnet wurde. Die ersten Paragraphen befassen sich mit dem religiösen Leben der Zunftangehörigen und regeln die Teilnahme an der Messfeier. Die nächsten Abschnitte enthalten allgemeine Strafbestimmungen für die Zunftmitglieder und eine detaillierte Regelung der Ausbildung vom Lehrling bis zum Meister.

Aderlassschnepper
Retz, Museum im Bürgerspital
Das für Krems erhaltene Register der Baderzunft aus dem Jahr 1667 dokumentiert den weiten Geltungsbereich. Die Kremser Hauptlade war für das Viertel ober dem Manhartsberg (= Waldviertel) zuständig und umfasste zu dieser Zeit insgesamt 96 Ortschaften. Rechnet man zu den Meistern die in den Badstuben tätigen Gesellen sowie die nicht in der Zunft Inkorporierten hinzu, so kommt man immerhin auf etwa 150 Bader bzw. Wundärzte, die die Bevölkerung in der Region medizinisch betreuten. Die Kremser Hauptlade errichtete sog. Viertelladen in Horn, Waidhofen an der Thaya, Weiten und Zwettl. Im Viertel unter dem Manhartsberg (= Weinviertel) gab es sogar zwei Hauptladen, eine in Mistelbach und die andere in Ober-Hollabrunn. 1626 erhielt die Baderzunft in St. Pölten als Sitz der Hauptlade für das Viertel ober dem Wienerwald (= etwa das heutige Mostviertel) ihre Ordnung bestätigt. Für das Viertel unter dem  Wienerwald (= etwa das heutige Industrieviertel) ist zwar keine Baderordnung aus dieser Zeit erhalten; man kann aber wohl annehmen, dass der Sitz der Hauptlade in Wiener Neustadt war. 

Die Reformen Maria Theresias im Gesundheitswesen brachten auch Neuerungen für die Bader: 1746 wurden diese verpflichtet, sich nach ihrer Gesellenzeit an der Medizinischen Fakultät in Wien prüfen zu lassen. Ferner wurde ihnen verboten, Wein über die Gasse auszuschenken und Medikamente zu verkaufen. Man sieht daraus, dass sich das Verhältnis der „Gesundheitsberufen“ zueinander nicht immer reibungslos gestaltete. Bader lagen mit Apothekern im Streit, diese mit akademisch ausgebildeten Ärzten, welche wiederum mit Chirurgen und Wundärzten zankten – aber davon ein anderes Mal.
1773 wurde schließlich der Titel „Bader“ abgeschafft. Damit erlosch die Berufsbezeichnung für ein jahrhundertealtes Gewerbe, dem Hans Sachs 1568 folgende Verse gewidmet hatte:

„Wolher ins Bad Reich unde Arm
Das ist jetzund geheitzet warm
Mit wolschmacker Laug man euch wescht
Denn auff die Oberbanck euch setzt
Erschwitzt, denn werdt Ihr zwagn und gribn
Mit Lassn das ubrig Blut außtriebn
Denn mit dem Wannenbad erfreut
Darnach geschorn und abgefleht.“

In der kommenden Woche blättern wir im Rezeptbuch eines Baders in Mistelbach.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra