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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

9. Oktober 2014

Frauenportrait # 34

Marianne Perger – eine kämpferische Frau



Marianne Perger, verh. Hainisch
© Österreichische Nationalbibliothek
http://www.onb.ac.at/ariadne/vfb/bio_hainisch.htm
Aus Baden kommen nicht nur Künstlerinnen, in Baden stand auch die Wiege einer Frau, die in ihrem zukünftigen Leben eine bedeutende Rolle in der Frauenbewegung spielen sollte. Marianne Perger kam am 25. März 1839 in Baden zu Welt. Sie entstammte einer angesehenen Familie. Die Grabmäler ihrer Familie am Badener Friedhof sprechen eine beredte Sprache. Der Kaufmann Josef Perger war 1810–1824 und 1829–1845 Ortsrichter von Gutenbrunn, das erst 1850 in Baden eingemeindet wurde. Er beauftragte den Biedermeierarchitekten Josef Kornhäusel mit der Errichtung einer Villa, heute Gutenbrunnerstraße 1. Sein Sohn Heinrich Perger (1810–1878) wurde 1860 in den Adelsstand erhoben und zog ein Jahr später in den Landtag ein. Dessen Neffen waren bedeutende Sammler und Mäzene, deren Spuren sich noch heute in den Sammlungen des Rollettmuseums finden. Vor diesem Hintergrund wuchs Marianne Perger auf.


1857 heiratete sie den Industriellen Michael Hainisch. Sie wohnten in Aue bei Gloggnitz, wo die Familie ihres Gatten eine Baumwollspinnerei errichtet hatte. Damit gehörte sie der führenden Gesellschaftsschicht der Monarchie an. Trotzdem setzte sie sich sehr bald nach ihrer Eheschließung für eine Gleichstellung der Frau in allen Belangen ein. Ein auslösender Moment für ihre Aktivitäten war das Schicksal eines befreundeten Ehepaares, das infolge der Baumwollkrise nach dem nordamerikanischen Bürgerkrieg sein Vermögen verloren hatte. Die Ehefrau fand ohne Ausbildung keine „der sozialen Stellung ihres Mannes“ adäquate Erwerbstätigkeit. Das zeigte Marianne Hainisch deutlich, wie notwendig auch für Mädchen eine gute Ausbildung wäre. Einer ihrer Leitsprüche wurde in der Folge: „Es gibt überhaupt nichts, was man nicht lernen könnte.“ Und ganz in diesem Sinne war sie eine der ersten Frauen, die in einer Versammlung als Rednerin für die Gleichberechtigung der Frauen im Unterricht und vor dem Gesetze auftrat und die Errichtung von Realgymnasien für Mädchen beantragte. Aus privaten Mitteln gründete sie ein sechsklassiges Lyzeum, das 1891 Öffentlichkeitsrecht erhielt. 1892 wurde das erste Gymnasium für Mädchen im deutschsprachigen Raum errichtet. Die erste Mädchenklasse wurde in den Räumen des Gymnasiums in der Hegelgasse 12 in Wien eingerichtet. 1910 übersiedelte die Schule in das Gebäude Rahlgasse 4.
Marianne Hainisch (ganze Figur sitzend, rechts vorne) mit von links nach rechts: Luise Philipp,
Marianne Zycha, Frieda Edle von Kühn, August Kemetter, Leopoldine Miklas, Marie Perzina,
Josefine Mlczoch und Ottilie Politzer; Bild von Otto Schöller, 1934 © ÖNB, www.onb.ac.at

Nach ihrem ersten öffentlichen Auftreten setzte sie sich in der Folge auch für das Frauenstimmrecht und die Reformierung des Ehe- und Familienrechtes ein. 1902 gründete sie den Bund Österreichischer Frauenvereine, dem damals 13 angehörten, 1914 waren es 90. Unter ihrer Leitung gelang es, den Bund Österreichischer Frauenvereine in den Verein International Council of Women (ICW) einzubinden. 1909 wurde sie dessen Vizepräsidentin. Sie engagierte sich an der Seite Bertha von Suttners in der Friedensbewegung und übernahm nach deren Tod auch die Leitung der Friedenskommission.
Neben ihren öffentlichen Auftritten auf Versammlungen verfasste sie auch zahlreiche Schriften, die sich mit den brennenden Fragen der Frauenbewegung beschäftigten: z.B. „Die Frage des Frauenunterrichtes“, „Die Brotfrage der Frau“, „Frauenarbeit“, „Ein Mutterwort über die Frauenfrage“. 1896 hielt sie im Verein für erweiterte Frauenbildung in Wien einen Vortrag, der sich mit „Seherinnen, Hexen und die Wahnvorstellungen über das Weib im 19. Jahrhundert“ befasste und der auch im selben Jahr im Druck erschien. Es war dies eine Antwort auf Eduard Alberts Schmähschrift, die er gegen die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium 1895 richtete.
Nach dem Ersten Weltkrieg widmete sie sich verstärkt der Friedensbewegung und war aktiv in der Fürsorge tätig. Ihr Sohn Michael Hainisch wurde 1920 Bundespräsident der Republik Österreich. Auf ihre Initiative hin wurde 1926 der Muttertag eingeführt. Sie war auch Mitbegründerin der 1929 ins Leben gerufenen Österreichischen Frauenpartei, die endlich Frauen zu ihrem Recht verhelfen sollte.
Marianne Hainisch starb am 5. Mai 1936 im Alter von 97 Jahren in Wien.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

6. Oktober 2014

Naturgemäß - NÖ Perspektiven

Zwischen Kunst und Geschichte, mit denen das Landesmuseum Niederösterreich in
St. Pölten zuletzt in Verbindung gebracht wurde, sollte man den dritten wesentlichen
Bereich nicht vergessen: Das von Hans Hollein geplante und 2002 eröffnete Haus hat
seinen naturkundlichen Bereich neu arrangiert und attraktiviert.
Naturbereich Landesmuseum, Foto: Theo Kust
"Naturgemäß“, wie erinnerlich eines von Thomas Bernhards Lieblingsvokabeln zur Verstärkung einer kategorischen Behauptung, bedeutet laut Duden eigentlich den besonderen Bedingungen der Natur entsprechend und beschreibt solcherart pointiert, was man programmatisch auch als Darstellung komplexer naturwissenschaftlicher Grundaussagen anhand regionaler Gegebenheiten umschreiben könnte.

Naturbereich Landesmuseum, Foto: Theo Kust

Naturbereich Landesmuseum, Foto: Theo Kust
Naturbereich Landesmuseum, Foto: Theo Kust
Natürlich kann in Bezug auf Flora und Fauna kein Museum leisten, was ein Zoo oder ein botanischer Garten kann, die freilich hinter jeder seriös gemachten Filmdokumentation zurückstehen müssen, die wiederum ihrerseits nichts ist im Vergleich dazu, die Natur selbst – am besten in ihrer ganzen uneingeschränkten und vor allem unregulierten Pracht und Herrlichkeit – unvermittelt erleben und empfinden zu können. Aber wer ist schon willens und/oder in der Lage, in die Region der Gämsen hinaufzuklettern, in das Innere eines Fuchsbaus zu blicken oder Welse schwimmen zu sehen? In St. Pölten kann man das – und nicht einmal alle der genannten Tiere sind Präparate. Denn das Landesmuseum Niederösterreich ist das einzige in Österreich, das permanent auch lebende Tiere zeigt (und dementsprechend auch eine Betriebsbewilligung als Zoo hat). „Zwar wird hier die Natur nur exemplarisch gezeigt, es reicht aber für einen erstklassigen Biologie-Unterricht“, hatte Dr. Helmut Pechlaner, seinerzeit Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates, bei der Eröffnung vor zwölf Jahren gemeint. Und so, wie sich die „Natur draußen“ in diesem Zeitraum manchmal mehr, manchmal weniger (manchmal in den von Menschen weitgehend unberührten Zonen augenscheinlich auch gar nicht) gewandelt hat, so haben sich auch die Anforderungen an eine zeitgemäße Präsentation und Vermittlung der „Natur drinnen“ geändert. Den Rundgang durch den naturkundlichen Bereich des Hauses startet man heute freilich am besten dort, wo man ihn schon 2002 begonnen hat: ganz oben.
...

Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen:
NÖ Perspektiven Herbst 2014, S. 8-11: https://www.noe.gv.at/bilder/d82/Per_2014_03.pdf
Text: Rainer Hirschkorn

2. Oktober 2014

Frauenportrait # 33

Bertha von Suttner

Bertha von Suttner
© Österreichische Nationalbibliothek
www.onb.ac.at

Wer kennt sie nicht, die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner? Von 1966 bis 1983 blickte man ihr in die Augen, wenn man eine 1000 Schilling Banknote in die Hand nahm. Weitaus häufiger bekommen wir sie heute zu Gesicht, ziert ihr Bild doch in Österreich die 2-Euro-Umlaufmünze.
Aber was wissen wir wirklich von ihr? Hand aufs Herz, wer von uns hat schon einmal ihr Buch „Die Waffen nieder“ in der Hand gehabt oder sogar darin gelesen? Ungewöhnlich wie der Umstand, dass sie, obwohl eine Frau, 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist auch ihr Leben.

Am 9. Juni 1843 kam sie als Bertha Sophia Felicita in Prag als Halbwaise zur Welt. Ihr Vater, der k. k. Feldmarschallleutnant Franz Michael Graf Kinsky, war noch vor ihrer Geburt im Alter von 75 Jahren verstorben. Ihre Kindheit und Jugend glichen der anderer adeliger Töchter: Sie genoss die übliche Erziehung, lernte mehrere Sprachen und begleitete ihre Mutter auf deren Reisen. Das Blatt wendete sich, als ihre Mutter Sophie Wilhelmine, geb. Körner, an der Spieltischen der Monarchie das Erbe endgültig bis auf den letzten Heller verspielt hatte. Als Tochter aus gutem Haus hatte Bertha nie einen Beruf erlernt, an Geld für eine Aussteuer und Mitgift hatte es immer gemangelt, so trat sie 1873 eine Stelle als Gouvernante bei Freiherr Karl Gundakar Ritter von Suttner in Wien an, der auch über Besitzungen in Niederösterreich verfügte, so gehörte ihm etwa das Schloss Zogelsdorf und die Herrschaft Harmannsdorf. Bertha sollte dessen vier Töchter unterrichten. In der Familie gab es aber nicht nur Töchter, es gab auch Söhne. Zwischen dem jüngsten – Arthur Gundakar – und der Gouvernante erwachten Gefühle: ein Ärgernis, nicht nur weil sie eine Angestellte war, sondern auch und vor allem deshalb, weil ein Altersunterschied von sieben Jahre sie trennte – und Bertha war die ältere! Auch heute zählt eine solche Verbindung eher zu den Ausnahmen.

Quelle: OeNB; Weiter Schilling-Banknoten (1945-2001)
http://bit.ly/1mXLOpI
Um eine Vertiefung der Beziehung zu verhindern, entließ die Hausherrin die Gouvernante und vermittelte ihr eine Anstellung als Privatsekretärin bei Alfred Nobel in Paris. Allerdings dauerte das Arbeitsverhältnis nur zwei Wochen, da Nobel in seine Heimat Schweden zurückkehrte. Bertha kam nach Wien zurück. Am 12. Juni 1876 heirateten die Liebenden heimlich, was die Enterbung zur Folge hatte. Für acht Jahre fand das Ehepaar Zuflucht in Georgien am Hof der Fürstin Ekatarina Dadiani von Mingrelien, die Bertha bei einem ihrer Aufenthalte in Bad Homburg kennen gelernt hatte. In Georgien begannen beide sich als Schriftsteller zu betätigen: Bertha von Suttner schrieb – noch unter dem männlichen Pseudonym B. Oulot – für österreichische Zeitschriften Essays und Kurzgeschichten, ihr Mann verfasste Berichte über den Russisch-Türkischen Krieg, der 1877 ausgebrochen war. 1885 kehrten beide nach Österreich zurück. Es kam zu einer Aussöhnung mit der Familie, und das Ehepaar zog nach Gut Harmannsdorf, dem Familienschloss der Suttners, in der Nähe von Eggenburg gelegen.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat blieb Bertha von Suttner weiterhin schriftstellerisch tätig. Mit dem 1889 veröffentlichten Roman „Die Waffen nieder“ wurde sie eine der Gallionsfiguren der Friedensbewegung. Mit diesem Werk liefert sie uns auch ein Sittengemälde ihrer Zeit: Die Heldin des Romans, Gräfin Martha Althaus, verkörpert die typische Tochter aus adeligem Haus. Im Sinne eines klassischen Entwicklungsromans löst sie sich im Lauf der Geschichte langsam aus dem konservativen Gedankengut ihres Elternhauses und wird zur glühenden Pazifistin und Anhängerin Darwins, so wie Bertha von Suttner. Der Roman wurde in zwölf Sprachen übersetzt und erschien in 37 Auflagen, vielleicht auch deshalb, weil er nicht ein politisches Manifest präsentierte, sondern das von vielen in dieser Zeit erlittene Schicksal einer Frau, die ihren ersten Mann im Krieg verliert und ihre Verwandten durch die Choleraepidemie, die als Folge eines Krieges auftrat.
In der Folge beteiligte sich Bertha von Suttner aktiv an vielen der sich in Europa konstituierenden Friedensvereine. 1891 forderte sie in einem Artikel in der „Neuen Freien Presse“ die Gründung einer „Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde“. Sie wurde deren erste Präsidentin und blieb dies bis zu ihrem Tod 1914. Anlässlich des Weltfriedenskongresses in Rom wurde sie 1891 zur Vizepräsidentin des „Internationalen Friedensbüros“ gewählt. 1892 gründete sie die „Deutsche Friedensgesellschaft“. 1899 war sie an den Vorbereitungen zur „Ersten Haager Friedenskonferenz“ in Den Haag beteiligt. Daneben setzte sie sich auch für den Tierschutzgedanken ein. In dem 1898 erschienenen Werk „Schach der Qual“ trat sie entschieden gegen Tierversuche ein.
Ihr Privatleben verlief nicht ganz so positiv. 1889 war die Nichte ihres Gatten, die sechzehnjährige Marie von Suttner, in ihren Haushalt eingezogen. Zwischen dem blutjungen Mädchen und ihrem 39jährigen Onkel entwickelte sich eine Liebesbeziehung, die bis zu dessen Tod 1902 andauerte und Bertha von Suttner schwer verletzte.

Nach dem frühen Tod des Ehemannes musste das Gut wegen Überschuldung versteigert werden. Bertha von Suttner nahm ihren Wohnsitz wieder in Wien. In den kommenden Jahren finden wir sie auf Reisen zu Kongressen der Friedens- und Frauenbewegungen. So war sie 1904 die prominenteste Teilnehmerin auf der „Internationalen Frauenbewegung“ des Frauenweltbundes in Berlin. Sie reiste für sieben Monate in die Vereinigten Staaten, nahm am Weltfriedenskongress in Boston teil, reiste von Stadt zu Stadt und hielt bis zu drei Vorträge täglich. Sie wurde auch von Theodor Roosevelt empfangen. Eine Krönung erfuhren ihre Aktivitäten durch die Zuerkennung des von ihr angeregten Friedensnobelpreises, den sie am 18. April 1906 in Kristiania in Empfang nehmen durfte.
In den ihr noch verbleibenden Lebensjahren warnte sie vor der Aufrüstung, die in allen Ländern Europas erschreckende Ausmaße annahm. Die zweite Friedenskonferenz 1907 in Den Haag beschäftigte sich schon mehr mit der Regelung des Kriegsrechts und versuchte erst gar nicht, einen Weg zu einem friedvollen Miteinander zu finden. Bertha von Suttner sah dies alles mit großer Besorgnis und mahnte auf ihren Vortragsreisen, die sie u.a. auch wieder in die Vereinigten Staaten führten, vor der Gefahr eines internationalen Vernichtungskrieges. Wie Recht sie mit diesen Warnungen hatte, musste sie nicht mehr erleben. Sie starb am 21. Juni 1914, wenige Tage vor dem Attentat von Sarajewo.
Wenn Sie einmal Zeit und Muße haben: Sie finden den Roman „Die Waffen nieder“ online unter: gutenberg.spiegel.de/buch/die-waffen-nieder-2594/1.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

25. September 2014

Frauenportrait # 32

Liese Prokop – von der Sportlerin zur Politikerin

Grundsteinlegung Landesmuseum (Ausschnitt)
am 15.9.2000, Foto NLK Isensee



Ihre ersten Lebensjahre verbrachte Liese Sykora in Korneuburg. Nach dem Krieg übersiedelte die Familie nach Tulln. Ihr Vater Dr. Hans Sykora wurde später Bezirkshauptmann. In Tulln besuchte sie wie ihre Geschwister die Volksschule und das Gymnasium. Nach ihrer Matura 1959 begann sie mit einem Studium an der Universität Wien in den Fächern Biologie  und Sportwissenschaften. Nach acht Semestern musste sie ihr Studium allerdings abbrechen, da ihr Vater plötzlich einem Schlaganfall erlegen war und die kinderreiche Familie – sie waren sieben Geschwister – finanzielle Probleme bekam. Fortan arbeitete sie als Skilehrerin in Annaberg und betreute Schulklassen als Schilehrerin.


Noch während ihres Studiums begann ihre sportliche Karriere: 1961 wurde sie Staatsmeisterin im Hochsprung und brach mit 161 cm den geltenden österreichischen Rekord. 1964 steigerte sie sich auf 164 cm und schaffte so das Limit für die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Tokio. Ihr Trainer war Gunnar Prokop, den sie 1965 ehelichte. Ihre sportlichen Ambitionen lebte sie nicht nur in einer Sportart aus. Insgesamt wurde sie 50fache Staatsmeisterin in den unterschiedlichsten leichtathletischen Disziplinen, so im Fünfkampf, im Weitsprung, im Hochsprung, im Hürdenlauf, in der Staffel und im Kugelstoßen. Bei der Universiade in Tokio 1967 wurde sie Weltmeisterin. Auch bei Olympischen Spielen trug sie sich in die Liste der Siegerinnen ein: In Mexiko City 1968 gewann sie die Silbermedaille im Fünfkampf. 1969 gelang ihr der Weltrekord im Fünfkampf mit 5.089 Punkten, den sie im selben Jahr noch auf 5.352 Punkte verbesserte. Als sie diese Rekorde aufstellte, war sie bereits Mutter. Denn 1966 kam ihre erste Tochter Karin zur Welt. 1970 folgte der erste Sohn, Gunnar und 1979 der zweite, Eric.

Liese Prokop gab sich nicht mit ihrer sportlichen Tätigkeit zufrieden. 1969 zog sie als jüngste Abgeordnete in den Niederösterreichischen Landtag ein. 1981 bestellte sie Landeshauptmann Siegfried Ludwig zur Landesrätin für Sport, moderne Kunst, Soziales sowie Jugend- und Familienangelegenheiten. Als erste Frau Österreichs wurde sie 1992 zur Landeshauptmann-Stellvertreterin berufen. Während ihrer Arbeit setzte sie sich immer für die Gleichstellung der Frauen an und betrat damit Neuland. Sie setzte sich für Gewaltschutz ein, förderte das Mentoring und schuf neue Einrichtungen im Land. So gehen auf ihre Initiative  das Niederösterreichische Frauenreferat und die Gleichbehandlungskommission zurück.  2004 wechselte sie in die Bundespolitik. Wolfgang Schüssel berief sie in sein Kabinett als erste Innenministerin Österreichs. Ihre Angelobung erfolgte am 22. Dezember 2004. Auch auf der internationalen Bühne der Politik behauptete sie sich als Frau: Als erste Frau wurde sie 2000 zur Präsidentin der Versammlung der Regionen Europas gewählt und 2002 für eine weitere Periode in diesem Amt bestätigt.

Franz Rupp und Liese Prokop 2004 bei einer 
Veranstaltung des Kulturbezirks St. Pölten,
Foto: Helmut Lackinger
Ihr Tod kam völlig unerwartet. Am 31. Dezember 2006 verstarb Liese Prokop auf dem Weg ins Krankenhaus. Im Gedenken an ihre Leistungen stiftete das Land Niederösterreich den Liese-Prokop-Frauenpreis, der seit 2007 in den Kategorien Wirtschaft, Kunst, Kultur und Medien,  Wissenschaft sowie Soziales und Generationen vergeben wird. Der Österreichische Integrationsfonds vergibt jedes Semester das Liese Prokop Stipendium an sozial bedürftige Studierende mit Migrationshintergrund, die sich im Vorstudienlehrgang oder im ordentlichen Studium befinden oder ihr im Herkunftsland absolviertes Studium in Österreich nostrifizieren lassen.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

18. September 2014

Frauenportrait # 31

Susanne Wenger - Ein Leben in Afrika


Susanne Wenger, Foto: Didi Sattmann
Susanne Wenger, am 4. Juli 1915 in Graz geboren, begann ihre künstlerische Ausbildung im Alter von 16 Jahren an der Kunstgewerbeschule in Graz. Danach besuchte sie in Wien die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, ehe sie an die Akademie für bildende Künste wechselte, wo sie von 1933 bis 1935/36 in der Meisterklasse für Freskomalerei bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl studierte. Während des Zweiten Weltkriegs pflegte sie engen Kontakt zum Bildhauer Heinz Leinfellner und dem oppositionellen Kreis, der sich in seinem Atelier traf. Wenger selbst teilte zu der Zeit ihr Atelier mit Johann Fruhmann, dem späteren Ehemann Christa Hauers, und versteckte dort vom Nazi-Regime verfolgte Künstler. Nach dem Kriegsende hielt sich die Künstlerin zunächst mit dem Verkauf von Hampelmännern über Wasser und arbeitete als Illustratorin für das Kinderblatt „Unsere Zeitung“, für das sie mehrere Titelseiten gestaltete und Kurzgeschichten verfasste.

Als 1947 in Wien der Art Club, eine freie, international ausgerichtete und antifaschistische Künstlervereinigung gegründet wurde, waren Susanne Wenger, Maria Biljan-Bilger und Greta Freist zunächst die einzigen weiblichen Mitglieder. 1948 hielt sich Susanne Wenger längere Zeit in der Schweiz auf und begegnete in Zürich dem Maler und Kunsthändler Johann Egger, besser bekannt als Hansegger, der in seiner Galerie Des Eaux-Vives die aufstrebenden Vertreter der Schweizer Moderne zeigte. Seinem Rat folgend zog Susanne Wenger 1949 nach Paris, wo sie den Sprachforscher Ulli Beier kennenlernte und hei¬ratete. Ein Jahr später brach sie mit ihm nach Ibadan in Nigeria auf. Bei einem Aufenthalt in der Stadt Jebba erkrankte sie an offener Tuberkulose und lag 14 Monate im Spital. Nach ihrer Genesung zog sie 1952 in die Kleinstadt Ede, wo sie zum ersten Mal mit dem Obàtálá-Priester Ajagemo, ihrem späteren Lehrmeister, in Kontakt kam. Ajagemo erkannte in ihr eine würdige Repräsentantin der Yorùbá-Religion und führte sie in deren Mythen und Rituale ein. Nach jahrelanger Initiation und der darauffolgenden Isolati-onszeit wurde Susanne Wenger schließlich selbst zur Òsun-Priesterin geweiht. 1958 ließ sie sich in Oshogbo nieder, um den in Verfall befindlichen Òsun-Schrein zu revitalisieren. Dabei arbeitete sie mit einer Gruppe von einheimischen Tischlern, Holzschnitzern, Bildhauern und Batikkünstlern zusammen, deren Arbeiten Wenger als New Sacred Art bezeichnete. Im Laufe von etwa 20 Jahren entstand der sogenannte Heilige Hain, ein Arrangement aus Architektur, Plastik, Malerei, sowie Religion, Kunst und Natur, dessen Erhaltung heute die wichtigste Aufgabe der New-Sacred-Art-Gruppe darstellt.
Neben dem umfassenden Werk des Heiligen Hains schuf Wenger auch einzigartige Ölbilder und Batiken in der traditionellen Àdire- beziehungsweise in Wachstechnik, die 1985 anlässlich ihres 70. Geburtstags erstmals in größerem Umfang in der Kunsthalle Wien gezeigt wurden. Um ihr Werk zu erhalten, gründete sie 1995 im Zuge einer Ausstellung in der Kunsthalle Krems das Susanne Wenger Archiv, das im Jahr 2004 Räume an der Kunstmeile Krems bezog und 2011 zur Susanne Wenger Foundation erweitert wurde. Der Heilige Hain in Oshogbo wurde 2005 von der unesco in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Susanne Wenger starb am 12. Jänner 2009 und wurde in einem der Schreine im Heiligen Hain in Oshogbo beigesetzt.

Text: Alexandra Schantl, aus dem Ausstellungsbegleiter der Ausstellung "Ausnahmefrauen - Christa Hauer, Hildegard Joos, Susanne Wenger" (30.11. 2013 – 12.10. 2014) im Landesmuseum Niederösterreich

11. September 2014

Frauenportrait # 30

NeoBrennDirndln

NeoBrennDirndl, Foto © Johann Hensen Perger
Die Formation aus dem Mostviertel, die mit ihren Musikkabarett-Programmen kein Auge trocken lässt. Seit 2008 setzen die 5 Frauen ihre schauspielerischen Fähigkeiten mit Musik aus allen Stilrichtungen gekonnt in Szene. Gewürzt mit eigenen Texten, reicht ihr musikalischer Stilmix von Jazz- Rock- und Volksmusik bis Austropop und Oberkrainer, spannt den Bogen von Klezmer und Brass hin zum klassischen Wienerlied und macht sogar vor Musical, Oper und Operette nicht Halt. Verfeinert mit Eigenkompositionen lässt ein Abend mit den NeoBrennDirndln keine musikalischen Wünsche offen.

Die gemeinsame Freude an der Musik und die jahrelange intensive Freundschaft der fünf Frauen sind der Motor für ihre Programme. Persönliche Erfahrungen werden mit Witz und Humor in den gemeinsamen Proben musikalisch verarbeitet und jeder einzelnen Künstlerin sozusagen auf den Leib geschneidert. So darf jede Künstlerin ihre ganz persönliches schauspielerisches Talent und ihre musikalische Fähigkeiten zum Ausdruck bringen. Tabus gibt es keine - alles darf gesagt werden. Politische Themen werden bei den NeoBrennDirndln allerdings ausgespart.

NeoBrennDirndl, Foto © Johann Hensen Perger
Das Publikum darf in die Welt der NeoBrennDirndln Einblick nehmen. Das, was sie bewegt und berührt, wird gesungen, gezupft, gestrichen und geschlagen. Dafür ist eine Vielzahl an Instrumente nötig. Gitarre, Posaune, Tenorhorn, Melodika, Kontrabass, Tuba, Cajon, Trompete, Bockflöte, Klarinette und Saxophon kommen in allen Varianten und in abwechselnder Besetzung zum Einsatz.
Was macht die NeoBrennDirndln aus?
Vielseitigkeit, Kreativität, Teamgeist und Individualität, der Mut zu sich selbst zu stehen und sich so auszudrücken, wie es einem gefällt. Mit ihrem Programm „Primetime“ präsentieren die 5 Künstlerinnen die besten Ausschnitte ihrer vergangenen Programme. Wagen Sie einen Abend voller Lachgeschichten und Tatsachenberichten. Von märchenhaften Hausfrauen und unerreichbaren Traummännern ist hier die Rede, schöne Alpenlandschaften werden besungen und der Ausblick in tiefste Abgründe und schwindelnde Höhen lässt an Abwechslung nichts zu wünschen übrig!

NeoBrennDirndl, Foto © Johann Hensen Perger

Die NeoBrenndirndln präsentieren sich unverblümt, stimmgewaltig und gefühlsecht und garantieren Ihnen naturnahen Almenrausch mit Witz und Wahnsinn – schonungslosen Lachmuskelreiz inklusive!

Mehr zu den Dirndln (Sandra Hinterhofer, Barbara Wippl, Sabine Rauchberger, Ulli Niklas und Monika Wippl) gibt es unter:
www.neobrenndirndln.at



Schalten Sie an und tauchen Sie ein, wenn es heißt „NeoBrennDirndln ON AIR“ am
Donnerstag 18. September 2014, 19:30 Uhr im Landesmuseum Niederösterreich.
Mehr Infos unter: www.landesmuseum.net/de/kalender/musikkabarett 

Text: Monika Wippl

4. September 2014

Frauenportrait # 29

Hildegard Joos - Pionierin des österreichischen Konstruktivismus


Hildegard Joos © Slg. Gertraud und Dieter Bogner
Der Konstruktivismus hatte es „immer ordentlich schwer gehabt, bei einem etwas breiteren Publikum anzukommen, obschon er bei kleinen Kreisen von aufgeklärten Kennern jeweils sehr geschätzt wurde.“ (Harold Joos) Mit den Arbeiten von Künstlern wie Kasimir Malewitsch, Wladimir Tatlin, El Lissitzky und Piet Mondrian war international bereits ein solides Fundament gelegt, und doch schlug dem Konstruktivismus wie auch der konkreten Kunst in Österreich traditionell eine Ablehnung entgegen, die auf der Unterstellung eingeschränkter individualistischer Schöpfungskraft und schwerer Vermittelbarkeit der Werke fußte. Es scheint schwer zu begreifen zu sein, dass „die banal anmutenden Kompositionen, Monochromie inbegriffen, durchaus Resultate langer komplizierter Denkprozesse sein können.“ (Jan Tabor) Bei aller Skepsis gegenüber konkreter und konstruktivistischer Kunst in Österreich haben diese Stilrichtungen doch auch hierzulande immer wieder Lichtmomente erlebt, einige davon durch Hildegard Joos.

Das Frühwerk der österreichischen „Grande Dame“ der geometrisch-abstrakten Malerei war gemäß dem zur Nachkriegszeit gängigen Kunstempfinden noch deutlich dem Figürlich-Expressiven verpflichtet. Ende der 1950er-Jahre erfuhr ihr künstlerisches Selbstverständnis jedoch einen radikalen Wandel durch die Begegnung mit dem Schweizer Philosophen Harald Schenker (alias Harold Joos), der ihr Interesse am Konstruktivismus weckte, von dessen intellektueller Überlegenheit gegenüber anderen Kunstrichtungen er überzeugt war. Die beiden sollte fortan nicht nur eine Lebensgemeinschaft, sondern vor allem eine intensive geistige Beziehung verbinden, die das Schaffen von Hildegard Joos nachhaltig beeinflusste. 1959 ließen sich Hildegard und Harold Joos in Paris nieder, wo sie ein gemeinsames Atelier einrichteten und mit gleichgesinnten Künstler/innen regen Austausch pflegten. Nach einer kurzen informellen Phase begann sich Hildegard Joos gegen Mitte der 1960er-Jahre mit Bildkompositionen aus schiefwinkeligen und ellipsoiden Formen auseinanderzusetzen. Ersten Niederschlag fand dies in einem umfangreichen Werkzyklus mit dem Titel „Geometrische Reihe“, den sie 1964 in der Kellergalerie der Wiener Secession präsentierte. Für diese von nuancierten Weißund Grautönen bestimmte Malerei prägte die Künstlerin den Begriff der „monistischen Malerei“: „Sie ist in dem Sinne monistisch, daß sie jedesmal von einem einzigen Ding, von einem einzigen Formen-Typus spricht. […] Hier aber wiederholt die Malerin die Form 3 oder 4 Mal; das erste Element, das als Blickfang dient, ist sehr groß im Verhältnis zum Rahmen; die Größenordnung der Elemente ist dann durch so etwas wie arithmetische Progression gebrochen (wie 9–3–1 z.B.). Eine besondere Art der Dichte, zwingende A-Rithmie. Das Ding muß ‚eins‘ bleiben. So wird die Farbe ‚eins‘ sein, […] Ton in Ton.“ (Harald Schenker in: „Manifest der monistischen Kunst“, 1964) Um dem monochromen Farbauftrag Struktur zu verleihen, verwendete die Künstlerin aufgerauten Filz oder Jute als Hildegard Joos.

Ausstellungsansicht Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: Daniel Hinterramskogler
Zu Beginn der 1970er-Jahre schließlich schuf Hildegard Joos eine Vielzahl von Werkzyklen, die das Thema Symmetrie behandeln. Hervorzuheben ist die Serie der „Balancen“ beziehungsweise „Verschiebungen“, in denen die Bildfläche optisch in zwei Hälften geteilt ist, wobei sich die Farbkomposition der geometrischen Formen der einen Hälfte in der anderen jeweils spiegelbildlich wiederholt. Um in Österreich eine ähnliche Plattform für konstruktivistische beziehungsweise konkrete Kunst zu schaffen, wie Hildegard Joos sie in Paris durch ihre Aufnahme in die Sektion „Art Cinétique, Art Concret, Art Constructif “ des Salon des Réalités Nouvelles kennengelernt hatte, regte sie 1975 mit dem Kunsthistoriker Dieter Bogner die Gründung der Gruppe Exakte Tendenzen an. Neben Hildegard und Harold Joos gehörten Kurt Ingerl, Brigitta Malche, Oskar Putz und Sabine Weiger zum inneren Kreis der Gruppe, deren Ziel es war, der konkret-konstruktiven Kunst mittels Ausstellungen und Symposien zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Ab 1982 intensivierte sich die Zusammenarbeit von Hildegard und Harold Joos. Sie traten nunmehr unter der Bezeichnung „H+H Joos“ in Erscheinung und versahen ihre Gemeinschaftswerke mit einem eigens gestalteten Signet. Charakteristisch für diese Zeit ist die Werkreihe der „Narrativen Geometrismen“, in der die nach mathematischen Prinzipien gestalteten Formen ohne ein erkennbares durchgängiges Schema über die Bildfläche verteilt sind. Die Motive wiederholen sich zwar von Bild zu Bild, vermitteln aber aufgrund der unzähligen Variations- und Kombinationsmöglichkeiten immer wieder eine neue Botschaft. Ab Anfang der 1990er-Jahre entstanden die Serien der „Raumnarrative“ und der „Reduzierten  Geometrismen“, die auf das Vokabular früherer Werkphasen zurückgreifen, wobei sich die Anordnung der Bildelemente auf jeweils eine Ecke konzentriert und die restliche Bildfläche von einer einheitlichen Farbgebung beherrscht wird. Daraus ergibt sich ein Spannungsverhältnis zwischen der Klarheit der Form einerseits und dem durch mehrere Farbschichten erzeugten vibrierenden Effekt der Bildoberfläche andererseits.
In ihrem Spätwerk emanzipierte sich Hildegard Joos wieder zusehends von ihrem Partner, indem sie sich von der formalen Strenge löste und mitunter auch zur malerischen Gestik ihrer künstlerischen Anfänge zurückkehrte. Raster- und Schachbrettmuster blieben allerdings weiterhin eine Konstante in ihrem Schaffen. Trotz einer schweren altersbedingten Sehbehinderung arbeitete sie bis zuletzt täglich an ihren Werken und starb im Alter von 95 Jahren im Wiener Atelier. Mit ihrem vielseitigen Oeuvre, das die schier unbegrenzten Möglichkeiten geometrisch-abstrakter Formgebung eindrucksvoll belegt, leistete Hildegard Joos einen wichtigen Beitrag zu einer breiteren Anerkennung der konkret-konstruktiven Malerei in Österreich. Die Bedeutung ihres Werkes wurde zuletzt 1997 durch Retrospektiven in der Wiener Albertina und der Österreichischen Galerie Belvedere dokumentiert.


Text: Alexandra Schantl, aus dem Ausstellungsbegleiter der Ausstellung "Ausnahmefrauen - Christa Hauer, Hildegard Joos, Susanne Wenger" (30.11. 2013 – 12.10. 2014) im Landesmuseum Niederösterreich

28. August 2014

Frauenportrait # 28

Christa Hauer - eine "Ausnahmefrau"

Christa Hauer, © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: Helmut Lackinger
 Christa Hauer, am 13. März 1925 in Wien geboren, wuchs in einem von Kunst bestimmten Umfeld auf: Ihr Vater Leopold Hauer war ein angesehener Maler, ihr Großvater Franz Hauer ein großer Förderer von Künstlern, darunter Albin Egger-Lienz, Oskar Kokoschka und Egon Schiele.
Ihre eigene künstlerische Ausbildung begann sie im Alter von 14 Jahren an der Kunstgewerbeschule in Wien, wechselte aber auf Wunsch ihres Vaters bereits zwei Jahre später an die Akademie der bildenden Künste, wo sie zunächst bei Herbert Dimmel, dann bei dem Spätimpressionisten Carl Fahringer Malerei studierte. Infolge des eingeschränkten Unterrichts während des Zweiten Weltkriegs setzte sie ihr Studium nach dem Kriegsende bei Fritz Wotruba fort und schloss es 1947 ab.
In den Jahren von 1950 bis 1953 arbeitete Christa Hauer als Werbegrafikerin. Während dieser Zeit kam sie in Kontakt mit dem avantgardistischen Künstlerkreis des 1947 gegründeten Art Club, wodurch sie nicht nur die abstrakte Kunst schätzen und lieben lernte, sondern auch den Maler Johann Fruhmann. Um der väterlichen Autorität zu entkommen, brach sie 1953 in die USA auf und ließ sich für etwa sieben Jahre in Chicago nieder, wo sie ihren Unterhalt erneut als Werbegrafikerin verdiente und ihre Begeisterung für die Malerei wiederentdeckte. Stark beeindruckt vom abstrakten Expressionismus und dem Action Painting fand sie bald zu einem eigenen künstlerischen Ausdruck.

Christa Hauer, © Landessammlungen Niederösterreich
Foto: Elfriede Mejchar
1957 heiratete sie Johann Fruhmann, der ihr in die USA nachgefolgt war, in Chicago, kehrte jedoch 1959 nach Wien zurück, um – wie in Amerika beschlossen – eine Galerie zu gründen. Der passende Ort war mit den Räumen über dem in Familienbesitz befindlichen Griechenbeisl in der Wiener Innenstadt rasch gefunden, sodass die erste Ausstellung bereits im Juni 1960 eröffnet werden konnte. In den folgenden zehn Jahren entwickelte sich die Galerie im Griechenbeisl zu einem wichtigen Forum zeitgenössischer Kunst und damit zu einer ernstzunehmenden Konkurrentin der Galerie nächst St. Stephan, die bis dahin als Zentrum der Wiener Avantgarde-Szene gegolten hatte. Als Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende der 1977 ins Leben gerufenen Internationalen Aktionsgemeinschaft Bildender Künstlerinnen (InªAkt) machte sich Christa Hauer außerdem bis Mitte der 1980er-Jahre für die Gleichbehandlung von Künstlerinnen stark. Von 1979 bis 1983 war sie darüber hinaus Präsidentin des Berufsverbandes der bildenden Künstler Österreichs (BVÖ) und bis 1992 österreichische Vertreterin in der International Association of Art (IAA ), für die sie 1987 das internationale Europatreffen organisierte. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1985 zog sich die Künstlerin aus dem kulturpolitischen Leben weitgehend zurück, um wieder reisen und auf Schloss Lengenfeld der eigenen künstlerischen Arbeit nachgehen zu können. Am 22. März 2013 starb Christa Hauer im Alter von 88 Jahren.

Text: Alexandra Schantl, aus dem Ausstellungsbegleiter der Ausstellung "Ausnahmefrauen - Christa Hauer, Hildegard Joos, Susanne Wenger" (30.11. 2013 – 12.10. 2014) im Landesmuseum Niederösterreich

27. August 2014

Die Kornelkirsche

Frühe Blüte, aromatische Früchte

Blüte der Kornelkirsche,
Foto © Natur im Garten / Joachim Brocks
 Der Dirndlstrauch ist eine beliebte Heckenpflanze im Naturgarten. Die Kornelkirsche (Cornus mas), wie die Dirndl auch genannt wird, gehört zu den Hartriegelgewächsen. Ihr sehr hartes Holz wurde früher vor allem für Bögen und Pfeile, sowie zum Drechseln verwendet.
Die Pflanze liebt die Wärme und kalkige Böden. Dementsprechend häufig ist sie im Osten Österreichs (dem Pannonikum) zu finden, bevorzugt in trockenen Wäldern und Waldmänteln. Schon im Vorfrühling von Februar bis März erscheinen die gelben Blüten noch vor dem Laubaustrieb. Darüber freuen sich vor allem Wildbienen, die schon bei niedrigeren Temperaturen ausfliegen als die Honigbienen.

In der Hecke wird der Dirndlstrauch ungefähr 2 bis 6 Meter hoch und kann auch in Form geschnitten werden. Er verträgt Trockenheit und ist eher anspruchslos. Staunässe und verdichtete Böden mag er allerdings nicht so gerne. Ein sonniger Standort fördert den Fruchtansatz, ebenso wie das Vorhandensein wilder Dirndlsträucher in der Nähe, da sich einzeln stehende Pflanzen oft nicht selbst befruchten können. Deshalb immer eine Befruchtersorte dazu pflanzen, wenn es in der Umgebung keine Dirndln gibt.
Kornelkirsche, Foto © Natur im Garten / Joachim Brocks
Im Spätsommer reifen dann die aromatischen Früchte. Je nach Sorte hell- bis dunkelrot, ist ihre Reife daran erkennbar, dass sie schon etwas weich sind und beinahe vom Strauch abfallen. Wenn Sie die Früchte nicht gleich verarbeiten können, dann frieren Sie sie entweder ein oder Sie ernten schon vor der Vollreife. Mittelreife Früchte sind ungefähr eine Woche lagerfähig und reifen dann in dieser Zeit nach.
Reife Kornelkirschen schmecken erfrischend süß. Sie enthalten neben Gerbstoffen auch Vitamin C, Anthocyane und Flavonoide.
Die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Roh zum Naschen, eingekocht als Marmelade, Gelee oder Sirup, getrocknet als Dörrobst – die Dirndln sind eine Bereicherung, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten!


Auch im Museumsgarten ist seit 2011 ein Dirndlstrauch, im Moment mit überreifen Früchten.

Dirndlstrauch im Museumsgarten mit reifen Früchten,
Foto: M. Schaar

Text: DI Barbara Schrattenholzer

Veranstaltungstipp:
13. September 2014: Naturgartenfest im Museumsdorf Niedersulz
Ein buntes Programm bietet die Aktion „Natur im Garten“ von 10.00 bis 18.00 Uhr beim Fest in Niedersulz: Textil- und Färbepflanzen bilden den heurigen Gartenschwerpunkt.
Mehr Informationen unter: http://www.naturimgarten.at/veranstaltungen/naturgartenfeste/naturgartenfest-niedersulz-0

Weitere Informationen:
„Natur im Garten“ Telefon +43-2742/ 74 333, www.naturimgarten.at

21. August 2014

Frauenportrait # 27

 

Unterrichtsfach Glück - ein Steckenpferd von Elisabeth Dittrich





Elisabeth Dittrich, Foto: privat
Im Rahmen der Sonderausstellung „Frauenbilder in Niederösterreich“ hat unter anderem die Neue Niederösterreichische Mittelschule Theodor Körner 4, Klasse 3c unter der Leitung von Elisabeth Dittrich einen Beitrag erarbeitet.

Im Schuljahr 2009/10 wurde das Unterrichtsfach Glück als Versuchsprojekt in den Schulen eingeführt. In diesem Fach lernen Kinder, dass sie schon etwas dazu beitragen können, um im Leben glücklicher zu sein. Elisabeth Dittrich unterrichtet bereits seit 2009 Glück in Integrationsklassen (gemeinsam mit ihrer Projektkollegin Anita Kürzel) der Neuen Niederösterreichischen Mittelschule Theodor Körner 4 in St. Pölten. Das Unterrichtsfach Glück wurde von Elisabeth Dittrich gestartet und wird gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Lirsch weiterführt.
Das erste Mal in Berührung mit dieser neuartigen Methode zu unterrichten kam sie in ihrer Ausbildung – PROvokativpädagogik an der Donau-Uni Krems.
Glück stellt in seiner bekanntesten Form eine Hochkonjunktur der Gefühle dar – eine Ausschüttung des Hormons Serotonin. Möchte man jedoch auf Dauer glücklich sein, braucht es Geduld und Beharrlichkeit, um dem Leben in einer positiv eingestellten Grundhaltung gegenüber zu stehen. Laut Elisabeth Dittrich hätten glückliche Menschen bessere Beziehungen, würden mehr verdienen, kreativer sein und schneller lernen. Das Unterrichtsfach Glück hat eine gewaltpräventative Wirkung und soll Schülern und Schülerinnen den Weg in eine gesunde, sozial gut integrierte, ausgeglichene Zukunft ebnen.
SchülerInnen der NNÖMS Theodor Körner 4
Nur wie kann man Kindern und Jugendlichen in der Schule Glück beibringen bzw. lernen/lehren glücklich zu sein?
Das Konzept beruft sich darauf, eine motivierende und angstfreie Umgebung, eine den Schülern und Schülerinnen gegenüber und untereinander wertschätzende, wohlwollende und freundliche Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich entwickeln können. Die Persönlichkeiten werden gestärkt, soziale Verantwortung und Selbstverantwortung werden übertragen, wobei die Lehrperson die Rolle eines Mediators einnimmt. Ebenso werden Fördermöglichkeiten durch Lerngruppen ins Leben gerufen. Gute SchülerInnen unterstützen Schwächere. Hierbei wird nicht nur das Netzwerk SchülerInnen gefestigt, sondern auch – nach dem Motto „Glücklich ist nicht nur der, dem geholfen wird, sondern auch der, der hilft!“ – Glück empfunden.
Educationaward 2013
Schüler und Schülerinnen Zuversicht und Lebensfreude als Grundstock ihrer Entscheidungen zu vermitteln beschreibt wohl den Leitfaden der sich durch das Projekt Unterrichtsfach Glück zieht. Laut Frau Dittrich gäbe es viele Methoden, die in der Schule anwendbar wären. Die Wichtigkeit liegt in der Freude am Tun seitens der Lehrperson, als auch der Schülerschaft und der wohltuenden Wirkung auf Körper und Seele. Außerdem sollten gewählte Methoden geistig herausfordern, um neue Erkenntnisse und gute Absichten erschließen zu können. 
 
Text: Verena Slama

Ausbildung: Donau- Universität Krems, Provokationspädagogik
Quelle: http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/provokationspaedagogik/index.php 

Kleine Korrektur von Dr.in Rotraud Perner: das Studium PROvokativpädagogik gibt es ab Herbst 2014 an der Uni for life in Graz (http://www.uniforlife.at).