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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

9. März 2013

Ochsengespann vor Heiligenkreuz

Fotografie von Augustin Meisinger, um 1950

Das Landesmuseum zeigt im Foyer seit 2011 das „Objekt des Monats“.
Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Dinge wie Neuigkeiten, Aktuelles, Kurioses, alle haben aber jeweils einen direkten Bezug zu Inhalten des Landesmuseum oder ergänzen diese.

Das „Objekt des Monats März 2013“ stellt einerseits einen Bezug zur Ausstellung „Hl. Leopold – Mensch, Politiker, Landespatron“ im Sonderausstellungsraum Landesgeschichte her; Heiligenkreuz ist eine Gründung Leopolds.

Andererseits weist es auf ein gerade erst erschienenes Buch hin, das im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen ist (Hg. Erich Steiner, 224 Seiten, zahlreiche s/w-Abbildungen, € 28,-). Blick ins Land. SW-Fotografien von Lothar Machura und Augustin Meisinger aus der Naturkundesammlung des Landesmuseums Niederösterreich.

Zum Buch

Niederösterreich um die Mitte des 20. Jahrhunderts: Beseelt vom Naturschutzgedanken bereisen Lothar Machura und Augustin Meisinger, beide Mitarbeiter des niederösterreichischen Landesmuseums, Niederösterreich und angrenzende Gebiete, so etwa im heutigen Tschechien und der Slowakei, die zwischen 1938 und 1945 zum Reichsgau Niederdonau gehörten und den Seewinkel, der auch nach dem Krieg beliebtes Reiseziel blieb. Auf regelrechten Fotosafaris wird „Natur im weitesten Sinn“, Landschaften, Naturdenkmale und Naturschutzgebiete, Flora und Fauna aber auch Gefahren für die Umwelt dokumentiert und kommentiert. Ortschaften, Städte, das idyllische Waldviertel, Urwälder, verträumte Donauauen und mächtige Baumriesen werden ebenso zum Thema wie die Kanalisierung von Flüssen, der Raubbau der Besatzungsmacht, landschaftszerstörende Baumaßnahmen, verfallende Schlösser, die Zersiedelung des Wienerwaldes, Mülldeponien, das beginnende Reklameunwesen, Architektur und scheinbar Belangloses. In Fotoessays wird die Arbeitswelt dieser Zeit, so etwa jene der Holzknechte, Teichwirte, Steinmetze und Bauern ebenso festgehalten wie die letzte Holztrift bei Karlstift, die heute in den Kamptalstauseen verschwunden Landschaft  und die Tätigkeit damals aussterbender Berufsgruppen, so zum Beispiel der Köhler, Fährmänner, Ameisler, Torfstecher und Pecher.
Manche Fotografien oder Serien entstanden in Vorbereitung für und zur Dokumentation von konkreten Projekten des Landesmuseums. Das gilt beispielsweise für die rund 50 Aufnahmen umfassende Serie Machuras zum Thema „Jagdhunderassen“ aus der Mitte der 1950er Jahre, die wohl  den damals laufenden Planungen für das Jagdmuseum Marchegg entsprang und die zahlreichen Fotografien, die sich auf Naturschutz-, Landschaftschutzgebiete  und Naturparks beziehen. Andere, so etwa Meisingers Dokumentation der Naturdenkmale, waren das Produkt der „täglichen Naturschutzarbeit“, die damals ja auch amtlich dem Landesmuseum zugeordnet war. Während manche Themen im Laufe der Jahre immer wieder auftauchen, wurde sehr häufig auch anlassbezogen fotografiert.

Dieser Schatz wurde bisher weder wissenschaftlich bearbeitet noch in einer größeren  Zusammenschau veröffentlicht. Einzelne Fotos fanden im Laufe der Jahrzehnte in verschiedenen Schriften und Ausstellungen des Landesmuseums Verwendung oder dienten zur Illustration von Publikationen und Fachartikeln, so beispielsweise in der vom Österreichischen Naturschutzbund, in dem Machura und Meisinger lange Zeit in verschiedenen Funktionen tätig waren, herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Land“.
SW-Fotografien von Machura und Meisinger wurden über eine Zeitspanne von mehr als zwei Jahrzehnten zwar regelmäßig publiziert, ihre fotografische Arbeit fand jedoch keinerlei Niederschlag in der Geschichte der österreichischen Fotografie. Völlig zu Unrecht, denn obwohl der Anspruch niemals ein künstlerischer sondern stets ein dokumentarischer war, entstanden dabei – zumindest nach Meinung des Herausgebers - auch Aufnahmen von hoher fotografischer Qualität und letztendlich einzigartige Einblicke in eine Zeit des Um- und Aufbruchs, in eine Vergangenheit, die eigentlich noch gar nicht so lange zurückliegt, die aber dennoch schon weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheint.

Zur Sammlung

In der Naturkundesammlung des Landesmuseums Niederösterreich befinden sich rund 10.000 SW- Fotos, die aus dem Zeitraum von etwa 1930 bis in die frühen 1960er Jahre stammen. Dabei handelt es sich um Glasplattennegative und -positive in unterschiedlichsten Formaten aus der Zwischenkriegszeit, also um jene Fotosammlung, die auf eine Initiative des damaligen Direktors der Landessammlungen Günther Schlesinger zurückgeht. Beginnend mit dem Jahr 1936 wurde mit der Anlage einer „naturkundlichen Bildsammlung“ begonnen, die den „erstmaligen Versuch darstellt, die heimischen Tier- und Pflanzenarten sowie die typisch niederösterreichischen Landschaften bildinventarmäßig zu erfassen“. Damals erging ein Aufruf an Zeitschriften und Tageszeitungen mit der Bitte Lichtbilder zur Reproduktion zur Verfügung zu stellen. Die Aktion war durchaus erfolgreich. Im Laufe der Jahre kamen mehrere tausend Aufnahmen verschiedenster Fotografen ins Landesmuseum, wovon ein Teil leider in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren ging.
Das vorliegende Buch konzentriert sich jedoch auf die „Sammlung Lothar Machura“, die aus 3.095 Positiven samt dazu gehörenden Negativen im Mittelformat besteht und auf eine nach Sachgebieten (Naturdenkmale, Landschaften, Naturschutzgebiete, Flora, Fauna,…) geordnete Kartei, die Bezug nimmt auf Mappen mit etwa 3.000 Negativen (Mittelformat und Kleinbildnegative), die von Machura und Augustin Meisinger aufgenommen wurden,  allerdings nicht immer einem der beiden Fotografen zuzuordnen sind. Offensichtlich wurden die im Museum vorhandenen Kameras von beiden abwechselnd benutzt. Gelegentlich wird die Fotoautorenschaft in Publikationen schlicht mit „Ma.-Mei.“ angegeben.

Dr. Erich Steiner, Direktor Landesmuseum Niederösterreich

14. Februar 2013

Kreuzotter

„Gefährliche Schönheit“ – die Kreuzotter in Niederösterreich

Terrarium Kreuzotter im Landesmuseum,
Foto: M. Schaar
„Sind die echt?“ – Diese Frage wird oft von Kindern  im Rahmen von Führungen im Landesmuseum Niederösterreich gestellt, sobald man am Terrarium der Kreuzottern angelangt ist. Oft findet man nämlich dort fast bewegungslos ruhende, überraschend kleine Schlangen auf dem Baumstumpf oder dem Stein unter der künstlichen Licht liegend vor. Meist dauert es aber nicht lange, bis man das erste „Züngeln“ eines der Tiere beobachten kann. Das schnelle, wiederholte Herausstrecken und Zurückziehen der typisch an der Spitze gespaltenen Zunge dient der geruchlichen Orientierung der Schlange, indem Geruchsstoffe in das Jacobsonsche Organ befördert werden, ein grubenförmiges Riechorgan in der Gaumengegend. 


Kreuzotter, Foto: M. Schaar
Der Grund für die vielen Ruhephasen der Kreuzottern an genau dieser Stelle ist, dass sie als wechselwarme Reptilien ihre Körpertemperatur nicht regulieren können und sich an einer Wärmequelle aufwärmen müssen, um zu ihrer „Betriebstemperatur“ zu kommen. Diese Quelle ist in der Natur die Sonne und im Gehege die genannte Wärmelampe. Haben sich die Tiere morgens genug aufgewärmt, beginnen sie mit der aktiven Nahrungssuche nach kleinen Wirbeltieren wie Mäusen, Fröschen oder Eidechsen. Auch dieses Verhalten kann im Museum beobachtet werden, wenngleich sie hier regelmäßig mit Futtermäusen versorgt werden. In freier Natur werden Beutetiere aufgrund ihrer Körperwärme aufgespürt und mit einem Biss der Giftzähne getötet. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit können die Schlangen tagelang ohne Nahrung auskommen und müssen daher auch in der Tierhaltung nicht täglich von den Tierpflegern gefüttert werden.

In Österreich gibt es zwei Familien von Schlangen, die ungiftigen Nattern und die giftigen Vipern bzw. Ottern, zu denen die Kreuzotter gehört. Neben dem eher plumpen Körperbau und dem stärker abgesetzten Kopf und Schwanz ist die senkrecht stehende, schmale Pupille das wichtigste, wenn auch im Feld weniger geeignete Erkennungsmerkmal der Ottern.


Die lebendgebärenden Kreuzottern erreichen eine Länge von 50-70 Zentimetern, wobei Weibchen größer werden als Männchen. Damit sind sie um einiges kleiner als die harmlosen heimischen Ringel- und Äskulapnattern (letztere bringen es auf etwa 1,5 bis 2 Meter Länge). Ihre Färbung variiert von bräunlich bis ganz schwarz oder auch kupferrot. Hellere Kreuzottern zeigen das typische dunkle,  bei Männchen schwarze,  bei Weibchen eher braune Zickzackband am Rücken. Hier kann man ein weiteres häufiges Missverständnis aufklären: Ganz schwarze Exemplare werden auch „Höllenotter“ genannt, es handelt sich hierbei aber nicht um eine eigene Art sondern lediglich um eine dunkle Farbvariante der Kreuzotter, die sich mit helleren Tieren kreuzen kann und sich in Größe, Giftigkeit und Verhalten nicht von diesen unterscheidet. Sehr dunkle Individuen sind vor allem im Gebirge gut angepasst, da die dunkle Farbe mehr Wärme absorbiert und weniger reflektiert. Die ungiftige Glatt- oder Schlingnatter ist übrigens bei uns die einzige Schlange, bei der es aufgrund des ähnlichen Äußeren zu Verwechslungen mit der Kreuzotter kommen kann.
 

Höllenotter, Foto: M. Schaar
Kreuzottern kommen in allen österreichischen Bundesländern außer Wien und dem Burgenland vor. Typische Standorte, an denen man Kreuzottern auch in Niederösterreich begegnen kann, sind alpine oder subalpine Biotope wie Geröllhalden und Zwergstrauchgesellschaften sowie sonnenexponierte Stellen wie Waldränder, Lichtungen oder auch Moore und Sumpfgebiete. Die Kreuzotter ist nach der Ausrottung der Wiesenotter die einzige Giftschlange Niederösterreichs. Die Hornotter oder Sandviper kommt nur im Süden Österreichs (Kärnten, Steiermark) vor.
Die wichtigste und häufigste Frage bezieht sich natürlich auf die Giftigkeit der Kreuzotter. Hier spielen die Angst vor einem Biss, zum Teil aber auch tiefer liegende, irrationale Ängste bis hin zur Schlangenphobie, eine große Rolle, wodurch viele Schlangen, egal welcher Art, leider häufig grundlos getötet werden. Das Gift der Kreuzotter ist hoch wirksam, ein Biss ist aufgrund der geringen Giftmenge aber nur in Ausnahmefällen, etwa bei alten oder geschwächten Menschen, wirklich gefährlich. Für einen gesunden Erwachsenen wäre eine Giftmenge von etwa fünf Kreuzottern nötig, um tödlich zu wirken. Symptome sind eine starke Schwellung um die Biss-Stelle, seltener können auch Kreislaufprobleme, Atemnot und Herzbeschwerden auftreten. Es gilt daher im Falle eines Bisses, die Ruhe zu bewahren (da Stress die Beschwerden nur verstärkt), die betroffene Stelle ruhig zu stellen, eventuell zu kühlen und hoch zu lagern und einen Notarzt zu verständigen, aber auf eigene „Behandlungsmethoden“ wie Abbinden, Aussaugen des Giftes oder gar Aufschneiden der Wunde zu verzichten. Eine mehrtägige stationäre Beobachtung ist angebracht. Es kommt allerdings nur sehr selten überhaupt zu Bissen, da Kreuzottern sehr scheue Tiere sind, die bei Beunruhigung und Bodenerschütterungen sofort flüchten und meist gar nicht wahrgenommen werden. Die Schlangen meiden es, unnötig Gift, das zur Nahrungsbeschaffung lebensnotwendig ist, zu verschwenden, und beißen nur, wenn sie direkt bedroht sind, wie bei Anfassen oder Drauftreten.  
 

Kreuzotter, Foto: M. Schaar
Wie so oft liegt die Gefährdung vielmehr auf der Seite des Tieres, denn auch die Kreuzotter leidet unter der Zerstörung ihrer Lebensräume, wie der Verbuschung oder Aufforstung von Sonnenplätzen und Lichtungen oder Zerschneidung von Waldgebieten durch große Straßen. Früher wurden Kreuzottern, ebenso wie ihre kleinen Verwandten, die Wiesenottern, gefördert durch „Kopfprämien“, massenhaft getötet. Heute sind Maßnahmen zur Bestandssicherung notwendig.
 

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Wiesenotter. Diese kleine Giftschlangenart war früher ebenfalls in Niederösterreich häufig (z.B. Laxenburg), wurde aber bereits in den 1960er Jahren ausgerottet. Der letzte österreichische Nachweis stammt aus dem Jahr 1973 im Burgenland. Heute ist sie in ganz Europa vom Aussterben bedroht. Ein wichtiges Projekt betrifft die Rettung der ungarischen Wiesenotter, das auch bedeutend für das Grenzgebiet zwischen Ungarn und dem Burgenland ist.
Nähere Informationen unter www.rakosivipera.hu/de/.




Text: Mag. Michael Schroll

7. Februar 2013

Heiliger Leopold

Sonderausstellung
"Hl. Leopold - Mensch, Politiker, Landespatron"

24. Februar 2013 -  26. Jänner 2014

Katalogbeitrag von Wolfgang Christian Huber In: Katalog Hl. Leopold, Mensch, Politiker, Landespatron 2013, S. 81 - 88

Auf der Suche nach der wahren Gestalt des heiligen Leopold  

Babenbergerstammbaum (Detail)
18. Jahrhundert
Karl Brunner und zuletzt Georg Scheibelreiter haben in den jüngsten Publikationen zu Leopold bzw. den Babenbergern wieder auf die Schwierigkeit hingewiesen, Personen lebendig werden zu lassen, die nur aus Nennungen in juristischen Schriftstücken greifbar werden. „In der Regel steht man einer Liste von Namen und den von ihnen ausgelösten Geschehnissen gegenüber oder konzentriert sich auf das Geäst einer genealogischen Tafel und kann sich doch keinen Babenberger in seiner zeitlichen Gestalt und doch überzeitlichen Menschlichkeit vorstellen.“  Es blieb also zu allen Zeiten der Inspiration und der Imaginationskraft der Künstler überlassen, für die Nachgeborenen einen Menschen Leopold zu entwerfen.

Als Leopold III. am 6. Januar 1485 von Papst Innozenz VIII. zur Ehre der Altäre erhoben wurde, stellte sich massiv das Problem, den neuen Heiligen im Bild darzustellen. Da ein authentisches zeitgenössisches Porträt dieses Mannes nicht existierte – denn das Hochmittelalter kennt die Bildgattung des Porträts nicht – musste eine Figur neu entwickelt werden.  Leicht erkennbar und unverwechselbar sollte sie sein und die Leopold zugeschriebenen Eigenschaften auch dem unwissenden Betrachter nahebringen. „Schon in seiner Jugend“, heißt es in den Lektionen des Breviers, „leuchteten in ihm Gottesfurcht, höchste Unbescholtenheit des Lebens, Enthaltsamkeit und Demut, im späteren Alter aber Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Weisheit und vorzüglicher Eifer für die Religion.“  Wie konnte so ein Mann nur ausgesehen haben?

Die einzige aus seiner Lebenszeit überlieferte Darstellung auf dem Reitersiegel der Urkunde Kat. Nr. 1.10 gibt wenig her, sie zeigt nur einen Typus, der keinerlei Porträtähnlichkeit anstrebte. Die ältesten Bilder, die als Anregungsquellen herangezogen werden konnten, finden sich somit auf den Glasmalereien in den beiden von ihm begründeten Stiften Klosterneuburg und Heiligenkreuz, sind aber erst im späten 13. bzw. frühen 14. Jahrhundert entstanden, also lange nach seinem Tod. Sie zeigen durchwegs einen jüngeren Mann, bartlos, mit Schwert, Herzogshut und einem Kirchenmodell in der Hand. Sie fanden damals noch keine Beachtung.

Man kann annehmen, dass das Bild Leopolds in Klosterneuburg entwickelt wurde, dem Ort seiner Grabstätte, an dem der Landesfürst mit dem Beinamen „Der Fromme“ schon lange vor der Heiligsprechung sehr verehrt wurde. Als Urbild fast aller späteren Darstellungen kann man daher die überlebensgroße Stifter-Figur ansehen, die ursprünglich am Südturm der Stiftskirche aufgestellt war (sh. Abb. 1, S. 83). Zusammen mit ihrem Gegenstück, Markgräfin Agnes, wurde sie im Zuge der neugotischen Renovierungsarbeiten am Ende des 19. Jahrhunderts in den Innenraum versetzt und ist nun in einem Raum im Kreuzgangsbereich aufgestellt. Die Skulpturen entstanden um 1470, noch vor der Kanonisierung Leopolds, allerdings zu einem Zeitpunkt, als der Heiligsprechungsprozess auf Betreiben Kaiser Friedrichs III. auf Hochtouren lief. Der Markgraf ist als älterer, langhaariger und vollbärtiger Mann dargestellt. Auf dem Kopf trägt er den Österreichischen Erzherzogshut, in der linken Hand das Modell der Stiftskirche . Die gesamte Erscheinung drückt herrscherliche Würde, Weisheit und Milde aus. Dazu trägt in besonderem Maße die Geste der rechten Hand bei. Sie ähnelt einem Segensgestus, doch wirkt sie viel zärtlicher, fürsorglicher. Man hat fast den Eindruck, Leopold wollte sein Gegenüber streicheln – ein Effekt, der sich allerdings erst so deutlich zeigt, seitdem die Skulptur praktisch auf Augenhöhe mit dem Betrachter steht.
Der Grundtypus der Figur lässt sich von den Darstellungen bischöflicher Heiliger und Kirchenväter herleiten. Besonders Darstellungen des Ordensvaters Augustinus, der ja einer der vier Kirchenväter ist, standen im Chorherrenstift sicher als Vorbild zur Verfügung.
Einen Mann, der die Leopold zugeschriebenen Charakterzüge aufweist, kann man sich nicht als jungen Heißsporn vorstellen, er muss von der Weisheit des Alters gezeichnet sein. Tatsächlich wird schon bei antiken Schriftstellern (Cicero, Plato) die Meinung vertreten, erst der alte Mensch, der von seinen körperlichen Leidenschaften befreit sei, könne seine ganze Kraft in den Dienst der geistigen Arbeit stellen.    

Babenbergerstammbaum 15. Jh,
Stiftsarchiv Klosterneuburg

Auf dem Babenberger-Stammbaum, der ab 1489 zur Belehrung und Erbauung des in Folge der Heiligsprechung anschwellenden Pilgerstroms geschaffen wurde, ist diese Figur nun auch in ihrer gewandlichen und farbigen Gestaltung fertig ausgearbeitet. Haar und Bart sind eisgrau, das Rot des Mantels korrespondiert mit dem des Herzogshuts. Unter dem Mantel trägt Leopold ein Gewand, das das typische Muster der vergoldeten Adler auf blauem Grund aufweist. Es handelt sich um das Muster der Stofffragmente, die seit alters her als Reste seines Waffenrocks betrachtet wurden, das Muster hielt man für sein Wappen.
Erstmals trägt Leopold ein derartiges Gewand auf dem Stifterbild eines um 1450 entstandenen Missales. Man orientierte sich dabei an einer Beschreibung in der ältesten Sammlung von Wunderberichten von 1371, wo sich auch erstmals eine Niederschrift der Schleierlegende findet. Dort wird zwar der lebende Leopold nicht näher beschrieben, doch werden spätere wunderbare Erscheinungen des Markgrafen geschildert. In der deutschen Übersetzung von 1415 heißt es, Leopold wäre als „ein alter erber herr in plabem gewant, gesprengt mit guldein voglein“  erschienen. Die Stoffe selbst sind orientalischen Ursprungs, und obwohl ihre Datierung stark schwankt, stammen sie sicherlich aus späterer Zeit.  Außerdem war das Überziehen eines Waffenrocks aus leichtem Stoff, der das Wappen des Kämpfers zeigte, über die Rüstung erst ab Mitte des 12. Jahrhunderts üblich, also erst in der Zeit nach Leopolds Tod . Schon aus diesem Grund ist die Überlieferung des Waffenrocks mehr als fragwürdig. Beim Gesichtstyp zeigen sich gewisse Verwandtschaften zu Darstellungen des heiliggesprochenen Kaisers Karl des Großen .
Auf dem Babenberger-Stammbaum ist Leopold nun auch erstmals durch einen vergoldeten Heiligenschein ausgezeichnet. Er erscheint in thronender Haltung – eine Darstellungsform, die in seinem Fall keine große Tradition entwickeln wird. Die Leopoldsdarstellungen weisen ganz allgemein nie die Unnahbarkeit und Strenge auf, die etwa seinem ungarischen Gegenstück Stephan eigen ist. Er unterscheidet sich dadurch deutlich von den meisten anderen königlichen Nationalheiligen.

Ein anderes wichtiges Merkmal der Figur ist der Bart, der, wie wir sehen werden, im Verlauf der Kunstgeschichte immer länger wird. Tatsächlich ist ein langer Bart ein Symbol für Weisheit und Würde. Seit den ältesten Darstellungen Karls des Großen, die ihn vollbärtig zeigen, ist er auch ein wichtiges Herrschaftssymbol. Hier sei auf die berühme Sage vom schlafenden Kaiser Friedrich Barbarossa im Berg Kyffhäuser verwiesen, dessen Bart drei mal um den steinernen Tisch herumwachsen muss, bis das Ende der Zeiten gekommen ist.
Weniger bekannt ist, dass bei einem Leopold vergleichbaren Staatsheiligen, dem im ganzen nordeuropäischen Raum hoch verehrten hl. Olaf, der Bart einige wichtige Rolle spielt. Er soll auch nach seinem Märtyrertod in der Schlacht von Stiklestad 1030 noch weiter gewachsen sein und zwar so stark, dass er regelmäßig aus dem Reliquienschrein im Nidaros-Dom von Trondheim herausquoll und vom Erzbischof in einer feierlichen Zeremonie abgeschnitten wurde. Da die Reliquien Olafs in der Reformationszeit verloren gingen, kann man das heute nicht mehr überprüfen….

Einen etwas abweichenden Figurentyp prägen die Bildzyklen, die in der Regierungszeit Kaiser
Die Schutzheiligen Österreichs,
Albrecht Dürer (1741-1528), 1515
Holzschnitt, 17,2 x 27,1 cm
Stiftsmuseum Klosterneuburg
Maximilians I. entstanden. Schon unter Kaiser Friedrich III. wurde Leopold in eine imaginierte Ahnenreihe des Hauses Habsburg aufgenommen. In dieser Eigenschaft erscheint er auf dem vom Kaiser gestifteten Wiener Neustädter Altar und auf seinem Grab im Stephansdom .
Für Maximilian hatte Leopold eine besondere Bedeutung, da für ihn die Verankerung seiner Herrschaft in der Geschichte einen besonders wichtigen Stellenwert einnahm.  Deshalb bestand er darauf, dass nach der Heiligsprechung die Erhebung der Gebeine nur in seiner Gegenwart erfolgen durfte, was in Folge der ungarischen Besetzung Ostösterreichs durch Matthias Corvinus erst am 15. Februar 1506 stattfinden konnte . Der Kaiser hatte den Babenberger in seine „Sipp-, Mag- und Schwägerschaft“ aufgenommen  und so erlebt das Leopoldsbild in dieser Zeit seine erste große Blüte. Er erscheint unter den monumentalen Bronzefiguren, die Maximilians Innsbrucker Grabmal umgeben, wobei das besondere hier die quasi königliche Ausstaffierung Leopolds ist. Er trägt ein Zepter und den Erzherzogshut von dem Typ, den man vom Porträt Rudolfs IV. des Stifters kennt (Zackenkrone mit einem Bügel, siehe Kat. Nr. 4.04, S. 123).  Diese Figur wurde leicht verändert von Albrecht Dürer in seinen Holzschnitten „Die Schutzheiligen Österreichs“(sh. Abb. im Blog bzw. auf S. 122), der „Ehrenpforte“ und dem „Triumphzug“ Maximilians weiter verwendet, dienten diese wieder anderen Künstlern der Zeit als Vorlage. Das Zepter als Attribut verschwindet in der Folge aber wieder.

Auf den vier Tafeln von Rueland Frueauf dem Jüngeren von 1505 (vgl. Kat. 3.02., S.115/116) wird die Schleierlegende erstmals ausführlicher im Bild dargestellt. Die Figuren von Leopold und Agnes sind hier ganz offenbar von den großen Stifterstatuen (Abb. 1, S. 83) inspiriert. Besonders die Kopfbedeckungen der beiden, Erzherzogshut bzw. Kaiserkrone sind genaue Kopien der steinernen Vorbilder. Die Legende wird durch die starke Einbindung der Landschaft und die liebevolle Schilderung von realienkundlichen Details in eine eher profane Sphäre geholt, womit sich sicher bis zu einem gewissen Grad die bis heute anhaltende große Popularität dieser Bilder erklärt . Gerade die Szene, wo Leopold den Baumeister der Stiftskirche mit Händedruck begrüßt (Abbildung Dienst X), zeigt, dass er nicht nur im übertragenen Sinn ein Heiliger „zum Anfassen“ ist. 
Die große Tafel Frueaufs aus dem Jahr 1507 (Abb. 2, S. 84), die leider durch eine Restaurierung des 19. Jahrhunderts in ihrem gesamten Erscheinungsbild stark verändert wurde, lässt die Anregung durch eine Skulptur noch besser erkennen. Auch hier fällt die zarte, behutsame Haltung auf, mit der er das Kirchenmodell fast streichelt. Dieser Typus des Heiligen erwies sich offenbar als so erfolgreich, dass er in späteren Jahrhunderten kaum mehr verändert wurde.


 
Ausstellungsansicht, Foto: H. Lackinger

Bei der Betrachtung der reichlich vorhandenen barocken Darstellungen mag interessant sein, in welchen Zusammenhängen Leopold vorkommt und in welchen nicht. Da ist zunächst das Bild des thronenden Herrschers. Leopold thront nicht und hält nicht Gericht. Er kämpft auch nicht, wie etwa der hl. Olaf, zu dessen Attributen eine von ihm zertretene Figur gehört und der ja letztlich auch den Tod auf dem Schlachtfeld fand. Er wirkt zu Lebzeiten auch keine Wunder, wenn wir von seiner Mitwirkung an der wunderbaren Auffindung des Brautschleiers seiner Frau absehen. Damit waren der Leopoldsikonographie gewisse Grenzen gesetzt.
Wir finden ihn immer wieder als Gründer, besonders schön und durch Kopien und freie Nachahmungen weit verbreitet auf Martino Altomontes Altarblatt für die Wiener Schwarzspanierkirche. Als Fürsprecher in himmlischen Sphären in der Art der typischen barocken Heiligenglorie wird er wiederum von Martino Altomonte 1729 auf dem Heiligenkreuzer Altarbild exemplarisch dargestellt. (vgl. Kat. Nr. 4,23., S. 132). Praktisch alle bedeutenden österreichischen Barockmaler leisten ihren Beitrag zur Leopoldsikonographie , bringen aber in der Sache wenig Neues. Ihnen allen gemein ist, dass Leopold aus seiner realen Existenz in eine höhere Sphäre gehoben wird, wo er quasi als unveränderliches Abbild seiner selbst wirkt.

Im 19. Jahrhundert kann man zwei Typen des Leopoldsbildes feststellen. Auf der einen Seite haben nun im Gefolge der Romantik Darstellungen der Schleiersage Hochkonjunktur, die ihn durchaus tatkräftig und in Aktion zeigen. Die Jagd ist im Zusammenhang mit Leopold ganz allgemein ein wichtiges Motiv. Hier mischen sich die Motive der Schleiersage mit den Nachrichten, der Tod hätte ihn während der Jagd ereilt, möglicherweise in Folge eines Unfalls. Das Aquarell von Josef von Führich (Kat. Nr. 1.07, S. 103) ist wohl von der „Sauhatz“ von Rueland Frueauf inspiriert, interpretiert das Thema aber ganz eigenständig und zeigt Leopold vollkommen losgelöst von der sakralen Sphäre.

Andererseits ist bei den quasi offiziellen, im sakralen Kontext auftauchenden Leopoldsfiguren eine gewisse Erstarrung und Formelhaftigkeit festzustellen. Salopp ausgedrückt könnte man sagen: Der Bart wird immer länger. Er wird nun immer älter, oft greisenhaft, hauptsächlich als Adoranten- oder Stifterfigur gezeigt. Oft erweckt er den Eindruck eines Schattens aus grauer Vorzeit, den die Last der Jahrhunderte schon schwer drückt.

Ludwig Donin (1810 – 1876), ein geistlicher Bestsellerautor des 19. Jahrhunderts – er soll 6 Millionen Bücher verkauft haben – bietet eine literarische Entsprechung dieses Leopoldsbildes: „Er war sehr vorsichtig in allen seinen Reden und Handlungen, und zeigte als Knabe einen Ernst, der sonst nur dem männlichen Alter eigen ist. Nie hörte man aus seinem Munde ein hochmütiges, zorniges oder zweideutiges Wort, und Schwören und Lügen kannte er nicht.“
Wie kann man eine Persönlichkeit darstellen, die so charakterisiert wird? Wohl so, wie das Gemälde von Wilhelm Rieder (Kat.Nr. 4.26, S.133), das einen  verzückt himmelwärts blickenden Kirchenstifter zeigt, den man sich nur schwer als erfolgreichen Politiker vorstellen kann. Bei Donin wird Leopold tatsächlich als Zauderer geschildert, der selbst zur Heirat mit Agnes gedrängt werden musste: „Zehn Jahre hatte der fromme Leopold sein Land rühmlich regiert […], als er sich auf dringendes Bitten und Zureden seiner Unterthanen verehelichte."
Spätere Autoren rücken dieses Bild wieder etwas zurecht, etwa der Klosterneuburger Chorherr Berthold A. Egger (1852 – 1891), der in der offiziellen Festpublikation zum 400. Jahrestag der Heiligsprechung 1885 ein ganzes Kapitel der Ehe von Leopold und Agnes widmet und sie als Vorbilder des christlichen Ehelebens und der Kindererziehung darstellt, ein Aspekt, der bis dahin kaum thematisiert worden ist. Ein Zitat mag illustrieren, wie mittelalterliche Heiratspolitik durch die Brille des 19. Jahrhunderts gesehen wird:
Die fünf Töchter schlossen ansehnliche Ehebündnisse. So war Leopold auch in seiner Gemahlin und in seinen Kindern gesegnet und man sieht, wie gottgefällig er als Gatte und Vater in seiner Familie lebte.
 

August Fischbach (1828 - 1860), Die Einführung der
Augustiner-Chorherren ins Stift Klosterneuburg, 1858,
Stiftsmuseum Klosterneuburg
Als vorbildlicher Familienvater und Schutzherr der christlichen Familie ist Leopold in der bildenden Kunst überraschenderweise nie thematisiert worden, obwohl die lange und kinderreiche Ehe mit Agnes, dazu genug Anlass gegeben hätte.
Auf dem anlässlich der Taufe der Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie 1855 aufgelegten Gedenkblatt  fällt die besonders greisenhafte Gestaltung des österreichischen Landespatrons auf. Der schlohweiße Leopold, der sich an der Fahnenstange festhält, bildet einen seltsamen Kontrast zu den anderen königlichen Patronen der Habsburgermonarchie, Stefan und Wenzel (Abb. 3. S. 86).  
Eines der wenigen Werke, das sich um ein realistisches Leopoldsbild bemüht, ist das Historiengemälde von August Fischbach (sh. Abb. bzw. Kat, Nr. 2.09., S. 110), dem akribische kostümhistorische Studien zugrunde liegen. Es ist wohl das einzige Bild, in dem Leopold tatsächlich in einer zu seiner Zeit üblichen Rüstung korrekt wiedergegeben wird.

Das 20. Jahrhundert macht sich verstärkt auf die Suche nach dem „wahren Antlitz“ des hl. Leopold. Dabei greift man nun auf die ältesten greifbaren Bilder als Vorlagen zurück, das sind eben die Glasmalereien des 13. und 14. Jahrhunderts. Diese Darstellungen, die Jahrhunderte lang nicht als verbindlich für die Figur Leopolds betrachtet wurden, werden nun wieder stärker beachtet, wohl weil sie dem Menschenbild des 20. Jahrhunderts näher sind als der rauschebärtige Greis. Es mag als Zeichen der Zeit angesehen werden, dass das lange unterdrückte kriegerisch-wehrhafte Element der Figur im 20. Jahrhundert ein Comeback erlebt. Auf dem Mosaik am Niederösterreichischen Landhaus in der Herrengasse von 1936 (Abb. 4, S. 87) präsentiert Leopold das Schwert als Zeichen seiner Macht gleichberechtigt mit dem Kirchenmodell. Hier ist die Glasmalerei mit dem Porträt Heinrichs II. Jasomirgott aus dem Klosterneuburger Zyklus deutlich als Vorbild erkennbar. Auf dem Plakat zu den großen Jubiläumsfeiern (Kat. Nr. 4.27, S. 133) aus dem gleichen Jahr reckt er das Schwert sogar um ja wen? zum Kampf gegen wen? aufzurufen.
Hier kommt der Gipsbüste von Rose Koller eine zentrale Rolle zu, da sie zum offiziellen Leopoldsbild des vom österreichischen Ständestaat groß zelebrierten Jubiläumsjahrs 1936 auserkoren wurde (Kat. Nr. 1.01., S. 101). Basis waren anatomische Untersuchungen an den Gebeinen, die anlässlich der Umbettung der Reliquien in den damals neu geschaffenen Schrein vorgenommen wurden . Demnach ergab sich zweifelsfrei, dass Leopold ein hochgewachsener, besonders kräftiger Mann war, der trotz seines für die Zeit relativ hohen Lebensalters bis zuletzt offenbar an keinen ernsthaften Krankheiten gelitten hatte. Rose Koller konnte oder wollte sich trotz allem Bemühen um anthropologische Korrektheit bei der Gestaltung von Haar- und Barttracht nicht von den überkommenen Vorbildern lösen – was wohl auch ein Tribut an die Erkennbarkeit der Figur war . Trotzdem wird auch heute noch von historischer Seite dieses als das Bild anerkannt, das dem „wahren Leopold“ wohl am nächsten kommt.  „Der Versuch der Bildhauerin Rose Koller aus dem Schädelfragment ein ansprechendes Gesicht zu gestalten, darf als respektabler Versuch gewertet werden, dessen Ergebnis zumindest eine Möglichkeit darstellt, der das zeitgenössische Menschenbild nicht entgegensteht.“  

Ausstellungsansicht, Foto: H. Lackinger
Obwohl die Schädelreliquie des Heiligen seit alters her alljährlich rund um den 15. November im Stift Klosterneuburg zur Verehrung ausgesetzt wird, und so für jedermann zugänglich ist, war sie lange Zeit kein Thema für die künstlerische Auseinandersetzung mit der Person Leopold. Das Gemälde von Franz Luby (Kat. Nr. 3.09, S. 119/120) bleibt die überaus qualitätvolle Ausnahme, die diese Regel zu bestätigen scheint. Es man seltsam scheinen, dass diese Gelegenheit, Leopold in ganz konkretem Sinn Aug in Auge gegenüberzutreten bislang so wenig Interesse fand. Dass die Figur selbst ihren Reiz für Künstler keineswegs verloren hat, zeigt nicht zuletzt die große Begeisterung, die im Rahmen des im Zusammenhang mit dieser Ausstellung angeregten Kunstprojekts bei allen Beteiligten zu spüren war. Die Zukunft des Leopoldsbildes scheint gesichert. In welche Richtung es sich entwickeln wird, wird sich weisen.

Lit.:
Floridus Röhrig, Der heilige Leopold in der Kunst. In: Katalog Der heilige Leopold Klosterneuburg 1985, S. 92 – 104

Elisabeth Kovács, Der heilige Leopold – Rex perpetuus Austriae? In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, N.F. Bd. 13 (1985) S. 159 – 211
Floridus Röhrig, Das Bild der Heiligen in der Kunst. In: Jan Mikrut (Hg.) Heiligkeit als Herausforderung. Wien 1999. S. 77 – 98
Katalog Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden, Klosterneuburg 2000.
Karl Brunner, Leopold, der Heilige: ein Portrait aus dem Frühling des Mittelalters, Wien 2009  - Georg Scheibelreiter, Die Babenberger. Reichsfürsten und Landesherren, Wien 2010

18. Januar 2013

Eine Schneeskizze zeichnen

Ein neues Gemüsebeet muss her, und ein kleiner Gartenteich wäre auch nicht schlecht? Wohin passt die Kräuterspirale? Jetzt im Winter kann man sich in aller Ruhe gewünschte Umgestaltungen des Gartens überlegen.
Natur im Garten © Monika Biermaier


Wer sich beim Zeichnen mit Bleistift und Papier nicht so leicht tut, kann es, sobald der Garten unter einer weißen Decke liegt, mit einer Schneeskizze vor Ort probieren. Die Schneefläche wird dabei zum Zeichenbrett, die Fußstapfen werden zum Stift. Neue Beete oder Sitzplätze können so in ihren Umrissen „eingezeichnet“ werden, sinnvolle direkte Wegeverbindungen, etwa von der Küchentür zum Kräuter- und Gemüsebeet, lassen sich gut darstellen. 
Vor allem Größenverhältnisse kann man auf diese Weise besser abschätzen, und wenn genügende Schneemengen vorhanden sind, werden sogar Modellierungen des Geländes, z.B. ein Kräuterhügel, sichtbar.
Die fertige Skizze sollten Sie später aber doch noch auf ein Papier übertragen, denn der Frühling und damit die Schneeschmelze kommen bestimmt. 


Veranstaltungs-Tipp

Natur im Garten-Fest 2012 im
Landesmuseum  © C. Reiter

10 Jahre Frühlingserwachen im Landesmuseum

Das Naturgartenfest der Aktion „Natur im Garten“ lässt am 26. Jänner 2013 nun schon zum zehnten Mal den Frühling erblühen! 
Bei freiem Eintritt warten im Landesmuseum Niederösterreich (www.landesmuseum.net) von 10.00 bis 18.00 Uhr Beratung, Vorträge von Gartenprofis, Verkostungen und ein abwechslungsreiches Kinderprogramm.




Das genaue Programm finden Sie hier: http://www.naturimgarten.at/p-48797.html?y=2013&m=1&teri=4400#ter4400

 

 
Haben Sie Fragen zur Gartengestaltung, zum Naturgarten oder zum Frühlingserwachen im Landesmuseum? Das NÖ Gartentelefon 02742/ 74 333 berät Sie gerne! Weitere Informationen auch unter www.naturimgarten.at.

16. November 2012

Bodentiere

Von toten und lebenden Fossilien

Nichts ist so beständig wie der Wandel.” (Heraklit)
Die Welt ist im ständigen Wandel. Auch Niederösterreich ist davon nicht ausgenommen. Zeugen dieser vielfachen Veränderung sind Fossilien, Spuren und Reste von früherem Leben.
In Niederösterreich finden sich Fossilien sehr unterschiedlicher Zeiten mitunter sehr nahe beieinander. So kann man in der Gegend um Lunz 220 Millionen alte fossile Riesenschachtelhalme und Palmfarne aus einer warmen, subtropischen Epoche ebenso finden wie „nur“ 100.000 Jahre alte Höhlenknochenbären aus der kühlen Eiszeitperiode.

Ammonit aus der Ausstellung
"Kiesel & Klunker", Foto: H. Lackinger

Aussterbeereignisse

Mehrfach in der Erdgeschichte war das Leben auch extremen Ereignissen ausgesetzt, die vielen Arten und Lebensformen auslöschten. Salopp fasst man sie als „Big Five“ zusammen.
Am bekanntesten ist, wohl wegen dem Aussterben der Dinosaurier, das große Sterben, vor 65 Millionen Jahren. Das hat auch den Nachkommen „unseres“ Dinos, dem Struthiosaurus austriacus, der vor 80 Millionen Jahren Niederösterreich bewohnt hat, das Ende bereitet. Gewaltiger als vor 200 Millionen Jahren waren wohl die Ereignisse am Ende des Perms, vor rund 250 Millionen Jahren, als etwa 90% der Arten ausstarben.

Lebende Fossilien

Umso erstaunlicher ist es, dass manche Tier und Pflanzenarten sich über Jahrmillionen, über mehrere Aussterbeereignisse hinweg, behaupten konnten. Zwei solche „lebende Fossilien“ kann man auch in Niederösterreich antreffen, den Ginkgo und den Triops.

Ein Baum mit Wurzeln im Erdaltertum

Die frühesten fossile Belege der Ginkgogewächse stammen aus dem Erdaltertum und sind 290 Millionen Jahre alt. Vor 150 Millionen Jahren war die „Ginkgo-Sippe“ mit über 100 Arten fast weltweit verbreitet. 70 Millionen Jahre alte fossile Blätter lassen sich in ihrer Form von heutigen kaum unterscheiden. Und bis vor weniger als 5 Millionen Jahre wuchsen Ginkgobäume in den Laubmischwäldern Europas!
Überlebt hat eine einzige Art in China: Ginkgo biloba. In Asien wird der Ginkgo seit Jahrtausenden als Tempelbaum gepflanzt. Bäume, die über 1000 Jahre alt sind, zeugen von dieser kulturhistorischen Bedeutung.
Wegen seiner unglaublichen Vitalität und Robustheit wird der Ginkgo heute weltweit vor allem in Städten und an viel befahrenen Straßen angepflanzt. Wer die Dinosaurier überlebt hat, sogar nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima wieder ausgetrieben ist, dem kann menschliche Luftverschmutzung nicht wirklich etwas anhaben!

Versteinertes aus der Ausstellung "Kiesel & Klunker",
Foto: H. Lackinger

Triops cancriformis, die älteste lebende Tierart der Welt

Wenn die March über die Ufer tritt, wird der Entwicklungszyklus eines „Urzeitkrebses“, des Triops cancriformis, rasend schnell in Gang gesetzt. Es gilt den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen. Denn bald werden die überfluteten Wiesen und Gräben wieder trocken fallen!
Aus Dauereiern, die Jahrzehnte, möglicherweise sogar Jahrhunderte überdauern können, schlüpfen bei 18°C bereits nach 36 Std. die Larven. Je nach Wassertemperatur haben die Weibchen 14 Tagen später an den Beinen wieder Eibehältern mit Eiern ausgebildet. Und wenn das Hochwasser geht, liegen im Sand bereits die Dauereier für die kommende Generation vor.
Triops gab es bereits in der Obertrias, vor 220 Millionen Jahren, als die Dinosaurier „noch in den Kinderschuhen“ steckten. Er ist damit die älteste bekannte lebende Tierart der Welt! Solche Tiere „vor der „Haustüre“ zu haben ist doch sensationell. Sie stehen übrigens unter Schutz, dürfen aus der Natur also nicht entnommen werden!

„Lebende Fossilien“ zeigen wie groß die Verantwortung des heutigen Menschen für diese und auch alle anderen Tier- und Pflanzenarten ist. Sie haben Jahrmillionen überlebt, große Veränderungen und extreme Aussterbeereignisse überstanden. Und es wäre wirklich kein gutes Zeugnis für den Menschen, wenn er das „6. Aussterbeereignis“ darstellen würde an dem diese unglaublichen Organismen schließlich scheitern sollten.

Quellen


MikroLabor im Landesmuseum zum
Thema Bodentiere, Foto: M. Schaar
•    Walter JUNG (1998) Der Ginkgo-Baum, ein Unikum mit Vergangenheit. http://160.45.81.170/mehr/palaeo/edu/lebfoss/ausstellung/index.html
•    Erich THENIUS (2000) Lebende Fossilien. Oldtimer der Tier- und Pflanzenwelt. Zeugen der Vorzeit. Verlag Dr. Friedrich Pfeil: München.
•    Maria SCHMID, Helga SCHMOLL (1994) Ginkgo: Ur-Baum und Arzneipflanze. Mythos, Dichtung und Kunst. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.


Text: Mag. Norbert Ruckenbauer

Die Ausstellung "Kiesel & Klunker - Vielfalt aus Niederösterreichs Boden" ist noch bis 17.03.2013 im Landesmuseum zu sehen.

29. Oktober 2012

Grosstrappe


Die reiche Region

Das Umland des Nationalparks hat ein hohes Naturpotential

Au-Blick, Ausg. Nr. 37
Ein besonderer Schatz ist bis heute im Marchfeld, der Kornkammer Österreichs zu finden. Nur wenige Kilometer vom schlossORTH Nationalpark-Zentrum entfernt, inmitten der modernen Agrarlandschaft, leben noch einige wenige Exemplare der seltenen Großtrappe (Otis tarda). Sie zeigt uns, welch hohen Naturschutzwert nicht nur die Auen bieten, sondern auch das Umland des Nationalparks hat – oder haben kann, wenn man sich aktiv darum bemüht.
Die Großtrappe ist eine Charakterart der offenen Kulturlandschaft. Sie kam mit der traditionellen Form der Landwirtschaft gut zurecht, war im Marchfeld verbreitet und wurde bis in die 1960er Jahre sogar bejagt. Dass heute immer noch einige Individuen im Marchfeld und auch auf der Rauchenwarther Platte südlich der Donau beobachtet werden können, ist einem aufwändigen Trappenschutzprogramm zu danken. In Zusammenarbeit von Landwirten, Jägerschaft und Naturschutz werden seit 1995 eigene Trappenschutzflächen in der Region angelegt und aus dem Agrar-Umweltprogramm (ÖPUL) gefördert. Speziell bewirtschaftete Ackerflächen schaffen erst die geeigneten Lebensbedingungen für die Brut und die Aufzucht der Jungen.
 

Marchfeld, Foto: Kovacs, Manzano

Die Großtrappe braucht weiträumige offene Landschaften und verträgt sich daher nicht mit Starkstromleitungen oder Windkraftanlagen. Sie ist Leitart für ein großes Europaschutzgebiet im östlichen Marchfeld. Auch der Kaiseradler, der sich 2011 nach 200 Jahren wieder in den Donau-Auen angesiedelt hat, benötigt die offene Marchfeld-Landschaft zur Nahrungssuche. Ebenfalls Europaschutzgebiet sind die Überreste der ehemaligen ausgedehnten Sanddünen im Marchfeld mit alten Naturschutzgebieten wie den Sandbergen Oberweiden oder der Weikendorfer Remise.
Großtrappe, Foto: Kovacs, Manzano

In der Region südlich des Nationalparks bilden die Steppen- und Trockenrasen der Hainburger Berge mit ihrer eindrucksvollen Pflanzen und ihren hoch spezialisierten Tierwelt einen wunderbaren Kontrast zu den feuchten Lebensräumen der Auen. Eine große Besonderheit ist z. B. die Hainburger Federnelke (Dianthus lumnitzeri), die am Hainburger Schlossberg oder am Braunsberg zu finden ist. Sie ist ein Endemit, eine Art die nur hier und in den anschließenden Kleinen Karpaten vorkommt. Die großflächigen Trockenrasen sind ein Produkt Jahrhunderte langer Beweidung und bedürfen heute eines aktiven „Managements“: der regelmäßigen Entfernung von Gehölzen und Wiedereinführung der traditionellen Beweidung.
Die Donau-Auen sind seit gut 30 Jahren ein Teil des großen Landschaftschutzgebiets Donau-March-Thaya-Auen, ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung entsprechend der Ramsar-Konvention. Die March-Auen, traditionell mehr von menschlicher Nutzung geprägt als die Donau-Auen, stehen diesen im Naturschutzwert keineswegs nach. Der Tieflandfluss March prägt einen anderen Auen-Typ als der „Alpenfluss“ Donau, Fluss und


Auen sind Heimat von mehr als 500 gefährdeten Arten wie Schwarzstorch, Seeadler oder Urzeitkrebsen. In Marchegg, direkt hinter dem Schloss, findet man Europas größte Kolonie baumbrütender Weißstörche.
 

Was bringt die Zukunft?

Es ist nicht zu übersehen: Die einst „vergessene Region am Eisernen Vorhang“ nimmt heute eine rasante Entwicklung. Siedlungen wachsen und beanspruchen zunehmend Fläche, es zieht zahlreiche Menschen „aufs Land“ vor den Toren der Großstadt. Straßenprojekte werden vorangetrieben, der Flughafen Wien expandiert. Gewerbegebiete boomen – das jüngst eröffnete „G3“ bei Gerasdorf steht als Beispiel für die laufende Errichtung neuer Einkaufszentren außerhalb der Ortskerne. Dem wachsenden Energiebedarf bei steigender Nachfrage nach erneuerbaren Quellen wird mit neuen Windparks in der Region Rechnung getragen. Die Struktur der Landwirtschaft hat sich verändert und ist abhängig von europäischen Märkten, den Rahmenbedingungen und Zahlungen der europäischen und nationalen Agrarpolitik.
Die Marchfeldschlösser sind im neuen Glanz erstrahlt, Tourismusangebote werden  entwickelt, welche Menschen dies- und jenseits der österreichisch-slowakischen Grenzen ansprechen sollen. Der Wunsch nach Naturerlebnis wird bei der Freizeitgestaltung hoch gereiht, naturnahe Landschaften werden als Naherholungsziele zunehmend genutzt.
Alle diese Entwicklungen betreffen nicht nur die Menschen der Region, sie haben Auswirkungen auf Natur und Landschaft, auf Pflanzen und Tiere, innerhalb und außerhalb der Schutzgebiete. Im Nationalpark sind wertvolle Lebensräume und seltene Arten  geschützt, außerhalb des Nationalparks bietet der Status der Europaschutzgebiete den „besonderen“ Lebensräumen und ihren Bewohnern einen gewissen Schutz.
Doch wird das reichen? Oder wird der Nationalpark Donau-Auen in naher Zukunft eine letzte schmale Natur-Insel sein, inmitten einer intensiv vom Menschen genutzten Landschaft, die sich nur wenig von den Landschaften im Umfeld anderer großer Städte unterscheidet?

Text: Carl Manzano, Erika Dorn


www.donauauen.at
blog.donauauen.at
www.facebook.com/donauauen


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Eine der bedrohtesten Vogelarten als Zeiger für den Zustand unserer Kulturlandschaft

Foto: www.kovacs-images.com

Gesunde Ernährung, ökologische versus intensive Landwirtschaft, Verlust der Biodiversität – Stichworte, die wir derzeit oft hören oder lesen. All das hängt zusammen, miteinander und mit unserer direkten Umgebung, der Kulturlandschaft, die auch Naturlebensraum ist. Die Landschaft in Mitteleuropa und damit auch in Niederösterreich ist heute fast zur Gänze Kulturland. Seit Jahrhunderten sind die ursprünglichen Mischwälder sukzessive in Forste, Felder, Wiesen und Weiden verwandelt worden. Die Zusammensetzung unserer Fauna und Flora hat sich entsprechend geändert. Viele Tierarten mussten sich an die landwirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Andere sind neu eingewandert, darunter Arten, die eigentlich an die Steppe angepasst sind. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft sind aber heute selbst Arten, die früher geradezu als Allerweltsarten von Feld und Flur bekannt waren, seltener geworden, man denke an Feldhase, Feldlerche oder Rebhuhn.

Foto: www.kovacs-images.com

Foto: www.kovacs-images.com

Ein typischer Steppenbewohner ist auch die Großtrappe. Sie benötigt offene, trockene Ebenen oder extensiv bewirtschaftetes Kulturland mit großer Fläche und gutem Überblick. Das Männchen mit einer Körperlänge von 90 – 105 cm und einem Gewicht von bis zu 16 kg gehört zu den größten und schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Das Weibchen ist viel kleiner und zierlicher. Berühmt sind diese imposanten und geselligen Allesfresser für ihre spektakuläre Gruppenbalz im April und Mai. Bei dieser „krempeln“ die Männchen geradezu einen Großteil des Gefieders von innen nach außen und schütteln die weißen Federpartien, um den Weibchen zu imponieren, während Kopf und Hals im Rücken verborgen sind.

Foto: www.kovacs-images.com
Dieses Schauspiel kann man mittlerweile nur mehr selten beobachten, denn die Großtrappe ist in Österreich vom Aussterben bedroht (Rote Liste Kategorie 1 bzw. „Critically Endangered“).
Gründe dafür sind Fragmentierungen der Lebensräume und Störungen durch die intensive Landbewirtschaftung. Die angebauten Pflanzen wurden dichter und es werden weniger Schmetterlingsblütler wie Luzerne angebaut. Neben vielfältiger Pflanzenkost (Schmetterlingsblütler, Kreuzblütler, Kräuter, Beeren, Rhizome…) spielen auch Insekten als Nahrung eine wichtige Rolle, aber auch diese werden weniger. Potentielle tierische Gefahren für die Brut stellen Füchse und Wildschweine dar, deren Populationen wachsen. Die tief fliegenden Vögel werden zudem oft Opfer von Stromunfällen an Hochspannungsleitungen. Die allgemein hohe Störungsanfälligkeit und die große Fluchtdistanz von über 1 km tragen das Ihre zum Rückgang  bei. 


Foto: www.kovacs-images.com

Foto: www.kovacs-images.com

Foto: www.kovacs-images.com
Internationale EU-Schutzprojekte kämpfen seit einigen Jahren um den Erhalt dieser einzigartigen Vögel in der Grenzregion Österreich, Ungarn und der Slowakei.

In Österreich gibt es etwa 100 Großtrappen (v.a. Burgenland und Weinviertel), den größten Bestand in Mitteleuropa hat Ungarn (etwa 1200).
Hierzulande wurden mehrere Trappenschutzgebiete ausgewiesen, etwa in Form von Natura 2000-Gebieten oder im Rahmen des österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL 2000). 

Von 2010 bis 2015 läuft ein aktuelles LIFE+-Projekt zum Schutz der gesamten westpannonischen Population.
 


Großtrappen im Landesmuseum,
Foto:Schaar


Die drei wichtigen Trappengebiete Niederösterreichs sind das Westliche Weinviertel, das Marchfeld und die Rauchenwarther Platte. Den Wert solcher Lebensräume kann man mit der richtigen Pflanzenmischung auf Brachen (z.B. Klee-Luzerne-Gras-Raps) erhöhen. Wichtig sind auch Erdverlegungen bzw. Markierungen von Hochspannungsleitungen.
 

Mit der richtigen Mischung aus Lebensraumschutz, Managment und Interessensausgleich kann man auch heutzutage einen Kompromiss zwischen den Erfordernissen der Landwirtschaft und des Artenschutzes schaffen. Auch und gerade für anspruchsvolle und gefährdete Arten der Kulturlandschaft wie der Großtrappe. 


Grosstrappe: Foto: Steven Cooper / photos.com


Grund zur Hoffnung, das Schauspiel der Trappenbalz im April und Mai weiterhin beobachten zu können, gibt es: Im Westlichen Weinviertel wurden Mitte der 90er Jahre 22 Großtrappen gezählt, heute sind es wieder über 60. Nähere Informationen zu den niederösterreichischen Schutzbemühungen gibt es z.B. unter www.grosstrappe.at 

Text: Michael Schroll

6. September 2012

Gründüngung

Erholungskur für den Boden


Phacelia © Natur im Garten, Foto: Alexander Haiden
Langsam leeren sich Beetflächen und Hochbeete nach einer reichen Ernte – mit Gründüngungspflanzen nutzen Sie im Herbst den frei gewordenen Platz und tun Ihrem Boden etwas Gutes.
Unter Gründüngung versteht man die natürliche Bodenverbesserung mithilfe bestimmter Pflanzenarten. Sie werden meist abgeschnitten und oberflächlich in den Boden eingearbeitet oder zum Mulchen verwendet. Angebaut werden kann von Frühjahr bis Herbst – überall dort, wo ein Beet abgeerntet wurde oder eine freie Fläche bedeckt und der Boden verbessert werden soll. Die häufigste und praktikabelste Art der Gründüngung ist jedoch die der Nachsaat: Nach der Gemüseernte folgen die Bodentherapeuten Phacelia, Alexandriner-, Inkarnatklee, Vogerlsalat, Winterwicke oder Gelbsenf, um eine Nährstoffauswaschung sowie Verschlämmung zu vermeiden und das Bodenleben zu schützen.


Gründüngung bietet viele Vorteile:

Lupinie © Natur im Garten,
Foto: Alexander Haiden
  • Gründüngungspflanzen, die zur Familie der Schmetterlingsblütler zählen (z.B. Klee, Wicke, Bohnen, Lupinen) beherbergen in den knöllchenartigen Strukturen der Wurzeln Bakterien. Diese sind in der Lage Stickstoff aus der Luft zu binden und im Boden anzureichern. Diese Pflanzen düngen also den Boden! 
  • Die kräftigen Wurzeln lockern und durchlüften den Boden.
  • Die Blätter schützen den Boden vor Sonneneinstrahlung und somit vor Verdunstung. 
  • Unterdrückung von Beikräutern. 
  • Wird die Gründüngung abgeschnitten, liefert sie wertvolles Material zum Mulchen oder Kompostieren. 
  • Die Pflanzen schützen Brachflächen vor Erosion, Nährstoffauswaschung und Verschlämmung.
  • Die Wurzeln reichern den Boden mit organischer Masse an. 
  • Das Bodenleben wird gefördert: Angerottete Pflanzenteile werden von den Bodentieren gefressen und schaffen mit ihren Ausscheidungen fruchtbare Gartenerde.



Haben Sie Fragen zur Gründüngung oder zum Naturgarten?

Das NÖ Gartentelefon +43 (0)2742/ 74 333 berät Sie gerne! Weitere Informationen auch unter www.naturimgarten.at.

Veranstaltungstipp:

Beim Erntedankfest im Regierungsviertel am 15. September 2012 ist „Natur im Garten“ mit einem Beratungsstand vertreten. Ab 11.45 Uhr findet dort die Autogrammstunde mit Karl Ploberger statt. Schauen Sie vorbei!

2. September 2012

Bienen

Schwänzeltanz und Schwesternmord

Filmausschnitt "More than Honey"
© Filmladen
Die Honigbiene ist ein Symphatieträger. Sie wird gerne als Beispiel für Fleiß und Opferbereitschaft herangezogen. Auch abseits des „Biene-Maja-Images“ finden sich verblüffende und auch ziemlich brutale Eigenschaften bei diesem sechsbeinigen Haustier.

Seit rund 7000 Jahren wird die Honigbiene gezielt gehalten. Ihre Nutzung durch den Menschen geht weit darüber hinaus. Trotzdem ist sie immer sehr eigenständig geblieben.


Hochleistungsinsekt

Filmausschnitt "More than Honey"
© Filmladen
Das Gehirn einer Biene ist nicht größer als ein Stecknadelkopf. Und trotzdem schafft es dieses Insekt uns zu verblüffen. Welches andere Tier kann Artgenossen abstrakte Informationen wie Richtung und Entfernung zu einer Futterquelle mitteilen? Die Honigbiene kann es. Sie „sagt“ es tanzend, mit dem Schwänzeltanz.
Darüber hinaus haben sie ein erstaunliches Zeitgedächtnis. Bestimmte Blüten bieten nur zu bestimmter Tageszeit reichlich Nektar und Pollen. Und Honigbienen merken sich genau wann es etwas zu holen gibt.

Dem Sozialgefüge verschrieben

Wespe und Biene © Barbara Seiberl
Honigbienen sind alleine nicht lebensfähig. Einzelne Bienen sterben auch unter besten Haltungsbedingungen nach spätestens 8 Tagen. Normale Lebenszeit haben einzelne Bienen erst in der Gruppe mit mindestens 30 Schwestern.
Auch eine Neugründung eines Bienenstaates schafft eine Königin nicht mehr alleine. Bei den nächsten Verwandten wie Hummeln oder sozialen Wespen beginnt eine Königin bei „Null“. Sie muss die ersten Schritte, von der Nestplatzwahl bis zur Fütterung der ersten Larven zunächst völlig alleine meistern. Bei der Honigbiene vollzieht sich die Neugründung indem eine alte Königin mit einem Teil des Volkes ausschwärmt und damit Platz für eine neue Königin macht.

Alle Macht der Königin?

Die Bienenkönigin legt als einzige im Bienenstock Eier. Dabei vollbringt sie unglaubliche Leistungen. In der Spitzenzeit von Mitte Mai bis Mitte Juni produziert sie innerhalb von 24 Stunden bis zu 3000 Eier, jedes Ei ungefähr so groß wie ein Kümmelkorn. In der Legesaison zwischen Februar und September kommen zwischen 100.000 bis 150.000 Eier zusammen, die zusammengerechnet das 60fache des Königinnengewichts ausmachen.
Trotzdem sind ihre Töchter, die Arbeiterinnen die eigentlich „herrschende“ Gruppe im Bienenstock. Arbeiterinnen pflegen und nähren die Königin und die männlichen Bienen, die Drohnen. Und sie beseitigen sie bei Bedarf.
Arbeiterinnen bestimmen durch den Bau von eigenen Weisel (=Königinnen)- und Drohnenzellen ob und wann eine neue Generation von Geschlechtstieren entsteht. Sie entscheiden damit über das Schwärmen als natürlichen Vermehrungs- und Teilungsprozess.

Mord und Totschlag

Bienenstock im Landesmuseum
© Landesmuseum, Foto: M. Schaar
Gleich mehrere Weiselzellen werden angelegt, die heranwachsenden Königinnenlarven darin umsorgt und gepflegt. Sie bekommen etwa 25 x am Tag, ein spezielles Futtersaftgemisch mit sehr hohen Zuckergehalt (34%), das berühmte „Gelée Royale“.
Unter den schlüpfenden Königinnen spielen sich aber gleich nach der Geburt Dramen ab. Die erste geschlüpfte Königin sucht aktiv die anderen Weiselzellen auf und sticht ihre Schwestern tot. Ist eine weitere Königin bereits geschlüpft kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod. Nur eine neue Königin überlebt. Die alte Königin ist zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem Teil des Volkes beim Umzug.
Auch mit den Drohnen wird nicht zimperlich umgegangen. Wenn im Hochsommer die Nahrung allmählich knapper wird, werden die Drohnen von den Arbeiterinnen nicht mehr gefüttert, bereits am Flugloch abgedrängt, aus dem Stock gezerrt und manchmal sogar gestochen. Die stachellosen Drohnen sind den Attacken ziemlich wehrlos ausgeliefert. Die „Drohnenschlacht“ dauert in der Regel mehrere Wochen und endet erst bis alle Drohnen tot sind. Kein unnützer Esser wird über den Winter durchgefüttert.

Dunkle Wolken über den Bienenvölkern

Ein anderes Bienensterben beunruhigt mehr. Anfang August berichtete der ORF bedrohliche Zahlen:
„Die höchsten Überwinterungsverluste von Bienenvölkern in Österreich seit fünf Jahren melden Grazer Zoologen. Demnach haben 26 Prozent der von österreichweit 1.521 in die Studie einbezogenen Imkereien gemeldeten Bienenvölker den Winter 2011/2012 nicht überlebt.“
Allein in Niederösterreich sind heuer über den Winter 9.000 Bienenvölker gestorben. Die Gründe für dieses bedrohliche Szenario stehen noch nicht sicher fest. Ein Beizmittel für den eingeschleppten Maiswurzelbohrer gehört zu den Verdächtigen. Aber auch die zunehmende Vergiftung der Landschaft, eine Verknappung von Nahrungsquellen durch Monokulturen oder aus aller Welt eingeschleppte Bienenkrankheiten.

Was heißt das für uns? Dass in Zukunft der Honig teuer werden dürfte, ist hierbei nur ein ziemlich unbedeutender Nebeneffekt. Die Honigbiene steht aus wirtschaftlichen Gründen unter aufmerksamer Beobachtung des Menschen. Was ist mit den vielen Wildbienenarten und anderen Insekten? Findet hier bereits ein stilles (Aus)Sterben statt?
Ein Bienenvolk mit 20.000 Flugbienen kann 3 Mill. Obstblüten am Tag bestäuben.
Wer übernimmt das, wenn die Honigbienen mehr und mehr wegfallen? Wie teuer wird dann handbestäubter Kürbis sein?
Es gibt nur einen Himmel über uns allen. Wenn dunkle Wolken über der Honigbiene aufziehen, dann auch über uns. Denn ohne bestäubende Insekten sehen wir einer ziemlich hungrigen Zukunft entgegen.

Der Büchertipp:

GAY JUTTA, MENKHOFF INGA (2012) Das große Buch der Bienen. 321 Seiten, gebunden. Fackelträger Verlag: Köln.

Quellen:

http://science.orf.at/stories/1702956/ (08.08.2012)
http://noe.orf.at/news/stories/2534003/ (27.05.2012)
BELLMANN Heiko, HONOMICHL Klaus (2007) Biologie und Ökologie der Insekten. Begründet von Werner Jacobs und Maximilian Renner. pp. 40 – 43. Spektrum Akademischer Verlag: München.
HINTERMEIER Helmut, HINTERMEIER Magrit (2002) Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. 2. Aufl. Obst- und Gartenbauverlag: München.

Text: Mag. Norbert Ruckenbauer


Bienenstock im Landesmuseum © Landesmuseum, Foto: M. Schaar



Im Landesmuseum kann ein Bienenvolk beobachtet werden. Der Bienenstock ist ein Erlebnis für die Sinne: es kann gerochen, gesehen und gehört werden!









Ab 12. Oktober 2012 startet der Film "More than Honey", eine Koproduktion von zero one film, Allegro Film, Thelma Film und Ormenis Film in den österreichischen Kinos. Das Landesmuseum ist Hauptpartner des Projekts: http://www.allegrofilm.at/filme/more-than-honey

Alle berichten vom Sterben der Bienen. MORE THAN HONEY erzählt von ihrem Leben.


Seit drei Jahren sterben auf der ganzen Welt die Bienen. Über die Ursachen wird noch gerätselt, aber schon jetzt ist sicher: Es geht um mehr als nur um ein paar tote Insekten und es geht um wesentlich mehr als nur um Honig.

Die Beziehungen zwischen Mensch und Honigbiene verraten uns viel über uns, über die Natur und über unsere Zukunft. Sie zeigen uns, dass Stabilität ebenso ungesund ist wie unbegrenztes Wachstum, dass es die Krisen und Katastrophen sind, die die Evolution vorantreiben, und dass die Rettung oft aus einer völlig unerwarteten Richtung kommt.

Link Standard 5.9.12: http://derstandard.at/1345166114817/Die-Biene-zwischen-Chemotherapie-und-Massentierhaltung

Weitere Links:
http://naturschutzbund.at/projekte-aktionen/bienenschutz-fonds.html 
https://www.facebook.com/SummSummSummBienchensummherum