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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

31. Oktober 2013

Den Naturgarten herbstlich gestalten


Wenn das Laub, die Früchte und Beeren im Garten in den buntesten Farben erstrahlen, ist es gewiss: Der Herbst ist da. Die Aktion „Natur im Garten“ hat einfache Tipps zur Pflege und Pflanzenauswahl für Sie parat.


Sanddorn © Natur im Garten, Foto: A. Haiden

Die richtige Pflanzenauswahl bringt Farbe in den herbstlichen Garten: Viele Gehölze bestechen durch kräftig gefärbte Früchte in orange, rot, violett oder gelb. Wildrosen bilden Früchte, die so genannten Hagebutten, in den verschiedensten Formen, Größen und Farben aus. Auch Sanddorn, Schlehe, Berberitze oder Schneeball punkten durch bunte und leuchtende Farbenpracht.


Hagebutten © Natur im Garten,
Foto: A. Haiden



Ein Staudenbeet bietet das ganze Jahr über einen abwechslungsreichen, interessanten und schönen Anblick. Jetzt begeistern Astern und Anemonen und im Winter, wenn sich der Raureif auf die Blütenstände und Gräser legt, wird das Staudenbeet zu einer weißen Märchenwelt. Die getrockneten Stauden und Blütenstände sind ein wichtiges „Überwinterungshotel“ für viele nützliche Insekten. Am besten räumen Sie daher die Staudenbeete erst im Spätwinter ab. Schöne Fruchtstände, die lange haltbar bleiben, bildet etwa das Gelbe Brandkraut, das Eisenkraut oder das Riesen-Ehrenpreis aus.

 

Weitere Informationen zum Naturgarten:
NÖ Gartentelefon +43-2742/74 333
www.naturimgarten.at
www.youtube.com/naturimgarten

15. Oktober 2013

Kastanie

Passend zum Objekt des Monats Oktober 2013 im Landesmuseum: http://bit.ly/19jBIC1

Kastanie ≠ Kastanie

Vertraute Fremde

Kastanienbaum, Foto: B. Gramm
Als stattlicher, bis zu 25 Meter hoher Baum ziert die Gewöhnliche Rosskastanie Dorfplätze, Parks, Schulhöfe und Biergärten. Wir sind so sehr an sie gewöhnt, dass wir ihre fremdländische Herkunft gar nicht mehr wahrnehmen. Und doch ist die Kastanie kein heimisches Gewächs. Sie stammt ursprünglich aus dem Balkangebiet und wurde erst um 1570 von den Türken nach Wien gebracht. Vor allem wegen ihrer großen, auffälligen Blütenstände erfreute sie sich wachsender Beliebtheit, und schon bald wurde sie in ganz Europa als Ziergehölz in Parks und Gärten angepflanzt. Ihren Namen verdankt die Rosskastanie übrigens der traditionellen Verwendung als Heilpflanze: Schon die Türken sollen damit Hustenerkrankungen ihrer Pferde geheilt haben.

Ampel auf Rot

Die Blüten der Rosskastanie bilden zahlreiche dichte, aufrecht stehende Blütenstände, die auch als „Kerzen“ bezeichnet werden. Solange sie befruchtungsfähig sind und Nektar produzieren, sieht man an den Blüten einen hellgelben Fleck. Dieses Farbmal lockt Bestäuber wie zum Beispiel Bienen oder Hummeln an. Nach erfolgreicher Bestäubung versiegt die Nektarproduktion und der gelbe Fleck verfärbt sich dunkelrot. Die rote Farbe ist für die Blütenbesucher gleichsam das Signal, dass an dieser Blüte nichts mehr zu holen ist.
Neben den weißblühenden Rosskastanien gibt es übrigens auch noch eine rotblühende Form. Bei dieser handelt es sich jedoch nicht um eine eigene Art, sondern um eine Kreuzung aus der Gewöhnlichen Rosskastanie und der meist strauchförmig wachsenden, rot blühenden Pavie aus Nordamerika. Die Rotblühende Rosskastanie unterscheidet sich von der Gewöhnlichen Rosskastanie außerdem in der Form der Blätter und der Fruchtkapseln, die nur wenige oder gar keine Stacheln besitzen.

 

Heilpflanze und Hirschfutter

Kastanien, Foto: B. Gramm
Zwischen September und Oktober reifen die bestachelten Kapselfrüchte der Gewöhnlichen Rosskastanie. Jede Frucht enthält einen (selten auch zwei oder sogar drei) Samen. Diese großen, braunglänzenden Kastanien sind für uns Menschen ungenießbar und sogar schwach giftig. Dies gilt allerdings nicht für Wildtiere, und so werden Rehe, Rothirsche und andere Schalenwildarten im Winter oft mit Kastanien gefüttert. Zudem hat die Rosskastanie eine lange Geschichte als Arzneipflanze. Noch heute werden die Substanzen, die man aus Rinde, Blättern, Blüten und Früchten des Baums gewinnt, in Medizin und Kosmetik verwendet. Am bekanntesten ist die gefäßverstärkende und entzündungshemmende Wirkung der Rosskastanie. Rosskastanien-Präparate werden zum Beispiel bei Magengeschwüren, Venenentzündungen und Krampfadern eingesetzt. 
 
 

Kleiner Schmetterling – großer Schaden

Kastanienblätter, Foto: B. Gramm
Oft zeigen Kastanienbäume bereits im Sommer braune Blätter. Schuld daran ist die Kastanien-Miniermotte – ein nur etwa 5 mm großer Schmetterling. Woher die Miniermotte stammt, ist nach wie vor unklar. Sie wurde Anfang der 1980er Jahre erstmals in Mazedonien nachgewiesen und besiedelt inzwischen weite Teile Europas. Die Larven der Miniermotte bohren sich in die Blätter der Kastanienbäume. Durch ihre Fraßtätigkeit entstehen im Blatt Hohlräume (sogenannte Minen), in denen sich die Larven gut geschützt entwickeln. Da die Kastanien-Miniermotte meist zwei bis drei aufeinanderfolgende Generationen pro Jahr bildet, ist der Befall teils sehr massiv. Befallene Blätter vertrocknen, und oft sind die Bäume bereits im Juli vollständig braun. Schon im August setzt dann der Laubfall ein, was Gesundheit und Lebenskraft der Bäume beeinträchtigt.

Hartes Holz und zarte Blüten

Zwar sehen die Früchte von Rosskastanie und Edelkastanie einander auf den ersten Blick ähnlich, doch sind die beiden Bäume nicht miteinander verwandt. Anders als die Rosskastanie zählt die Edelkastanie nämlich zu den Buchengewächsen. Sie kann eine Größe von mehr als 30 Metern und ein beachtliches Alter von bis zu 2.000 Jahren erreichen. Ursprünglich war die Edelkastanie nur von Spanien über den Südalpenraum bis zum Balkan und in Kleinasien verbreitet. Erst die Römer haben den Baum nach Mitteleuropa gebracht, wo man ihn heute in wintermilden Gebieten in Parks und Gärten findet. Besonders schön sind die Bäume im Frühjahr, wenn ihre auffälligen und äußerst zahlreichen Blüten einen angenehmen Duft verströmen. Honigbienen finden die Blüten der Edelkastanie besonders attraktiv, sodass Wanderimker ihre Völker oft gezielt in Kastanienbestände stellen, um den begehrten Kastanienhonig ernten zu können. Das Holz der Edelkastanien ist ausgesprochen hart und  durch den hohen Gerbstoffgehalt auch sehr widerstandsfähig. Es wird traditioneller Weise im Weinbau (für Pfähle und Fässer) eingesetzt, findet aber auch als Bau- und Möbelholz Verwendung.

 „Fleisch und Brot“ der armen Leute

Kastanien, Foto: B. Gramm
Die Früchte der Edelkastanie (die botanisch gesehen übrigens zu den Nüssen zählen) bildeten über viele Jahrhunderte hinweg einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Ernährung. Mehr noch: Vor der Einführung der Kartoffel waren Maronen in vielen Gegenden Europas ein unersetzliches Grundnahrungsmittel. In Zeiten von Dürren oder Missernten halfen sie gegen Hungersnöte. Man stellte aus ihnen Kastanienmehl her – die Grundlage für die Zubereitung von Kastanienbrot. Bis heute werden die delikaten, stärkereichen  Früchte der Edelkastanie für verschiedene Gerichte verwendet, so zum Beispiel für Suppen oder für Süßspeisen. Geröstet werden sie vor allem auf Weihnachtsmärkten angeboten. Roh sind Maronen dagegen ungenießbar!

Kennen Sie übrigens das Sprichwort, dass man besser für niemanden die Kastanien aus dem Feuer holen sollte? Es geht auf eine bekannte Fabel des französischen Schriftstellers La Fontaine zurück, in welcher der Affe die Katze austrickst. Er lässt sich von ihr die Kastanien aus dem Feuer holen. Die Katze verbrennt sich die Pfoten, erhält aber nicht eine einzige Kastanie.
Die Kastanien für jemanden aus dem Feuer zu holen bedeutet also, dass man sich für einen anderen in Gefahr begibt und dafür womöglich auch keinen Dank erntet.


Text: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

20. September 2013

Herbstlaub

Ein Feuerwerk an Farben


Museumsgarten © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: B. Gramm
Sie erfreut das Auge des Naturliebhabers und inspiriert seit Jahrhunderten Maler und Dichter. Blattläusen dagegen verdirbt sie gründlich den Appetit. Die Rede ist von der herbstlichen Farbenpracht. Denn jedes Jahr im Herbst verfärben sich die Blätter der Bäume, bevor sie schließlich abfallen und verwelken. Doch warum ist das eigentlich so?


Schutz vor Kälte und Trockenheit

Wenn im Herbst die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, bereiten sich nicht nur viele Tiere, sondern auch die Bäume auf die Winterruhe vor. Laubbäume werfen ihre Blätter ab. Dies ist notwendig. Denn das Wasser in den Zellen würde zu Eis gefrieren und das zarte Blattgewebe zerstören. Außerdem gefriert auch das Wasser im Boden und der Baum könnte sich nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgen. Über die Blätter würde er zusätzlich Wasser verlieren und bald völlig austrocknen. Dazu kommt, dass die Blätter die Oberfläche des Baums enorm vergrößern. Damit wären auch die Schneelast und die Gefahr von Bruchschäden im Winter deutlich höher.


Ein Problem – zwei Lösungen


Museumsgarten © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: B. Gramm
Während also Laubbäume die kalte, trockene Jahreszeit durch das Abwerfen ihrer Blätter überstehen, verfolgen Nadelbäume eine andere Strategie. Ihre Blätter – die Nadeln – sind durch eine isolierende Wachsschicht vor dem Austrockenen geschützt. Zudem lagern sie im Herbst spezielle „Frostschutzmittel“ in ihren Nadeln ein, die Schäden durch tiefe Temperaturen verhindern. Eine Ausnahme bildet lediglich die Lärche. Sie wirft jedes Jahr ihre Nadeln ab. Zuvor leuchten auch diese in strahlendem Goldgelb.

 

Und woher kommen nun all die Farben?


Der wichtigste Pflanzenfarbstoff ist zweifellos das grüne Chlorophyll. Die Pflanze braucht es, um Photosynthese durchzuführen. Doch das Chlorophyll ist nicht der einzige Farbstoff, der in den Blättern vorkommt. Es überdeckt jedoch die anderen Farbstoffe, sodass man diese normalerweise nicht sieht. Im Herbst wird in einer aufwändigen Recycling-Aktion das kostbare Blattgrün abgebaut und in Stamm und Ästen für das kommende Jahr gespeichert. Nun werden die anderen Farbstoffe sichtbar – wie etwa die gelb-orangen Carotinoide bei der Birke oder die braunen Gerbstoffe bei der Eiche. Die Anthocyane dagegen, die zum Beispiel dem Ahorn seine leuchtend rote Farbe verleihen, werden erst im Herbst neu gebildet. 

Hübsch anzusehen, aber sinnlos?


Museumsgarten © Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: B. Gramm
Noch vor kurzem galt die herbstliche Farbenpracht als zwar schönes, aber unbedeutendes Nebenprodukt des Laubfalls. Heute jedoch sieht man das anders. So sollen vor allem die roten Anthocyane wie eine Art Sonnencreme wirken, die das Blatt vor UV-Licht, aber auch vor freien Radikalen schützt. Zudem haben die bunten Farben angeblich auch Signalwirkung: Um sich gegen Insekten zu verteidigen, lagern Bäume schlechtschmeckende oder giftige Abwehrstoffe in ihre Blätter ein. Die Konzentration dieser Stoffe ist in knallig rot gefärbten Blättern besonders hoch. Demnach ist die Farbe der Blätter also ein Indiz für die Gesundheit und die Abwehrstärke des Baums. Und Schädlinge wie zum Beispiel Blattläuse meiden rote Blätter.

Oft lassen sich an bunten Blättern noch grün gefärbte Bereiche erkennen. Diese gehen auf parasitische Pilze, Bakterien oder Insektenlarven zurück: Die Parasiten produzieren ein Hormon, das die Blatt-Alterung hemmt. So bleiben grüne „Inseln“ erhalten, die den Parasiten noch für längere Zeit ausreichend Nährstoffe bieten.


Kein tragischer Fall…


Wenn das Chlorophyll abgebaut und für die kommende Saison gespeichert ist, wirft der Baum schließlich seine Blätter ab. Damit dabei an den Zweigen keine Verletzungen entstehen, erfolgt dieser Abwurf an einer definierten „Sollbruchstelle“. Zwischen Blattstiel und Zweig bildet sich eine Trennschicht aus. Diese besteht aus Kork und verhindert nicht nur den Verlust von Wasser, sondern auch das Eindringen von Krankheitserregern. 

... und doch ein weltbewegendes Ereignis

Herbstblätter © photos.com Bogdan Waßkowicz

Wenn es bei uns auf der Nordhalbkugel Herbst ist, so rückt mit dem Laub eine gewaltige Menge an Biomasse einige Meter näher an die Drehachse der Erde heran. Die Waldbestände auf der Südhalbkugel, können dies nicht ausgleichen, da sie –  allein schon durch die Lage der Kontinente – wesentlich kleiner sind als die Wälder im Norden. Der Effekt, der sich daraus ergibt,  ist der selbe, der es einer Eiskunstläuferin erlaubt, immer schnellere Pirouetten zu drehen, sobald sie die Arme nur enger an den Körper legt: Die Erde dreht sich im Herbst unmerklich, aber immerhin messbar, schneller. Sprießen im Frühjahr schließlich neue Blätter an den Bäumen wird die Erdrotation dadurch wieder etwas abgebremst.


Verfärbtes Blatt
© A. Benedetter-Herramhof


Gerbstoffe färben die Blätter von Buche und Eiche braun. Die goldgelbe Farbe der Birkenblätter und der Lärchennadeln wird durch Carotinoide verursacht. Anthocyane lassen das Laub des Ahorns im Herbst rot leuchten. 

Text: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

4. September 2013

Tierpfleger

Der Alltag der Tierpfleger im Landesmuseum

Lisa Hofer bei der täglichen Pflege, Foto: M. Schaar
Um 6.00 Uhr beginnt der Arbeitstag der Tierpflegerinnen Marlene Zechel und Lisa Hofer. Gemeinsam mit Lehrling Peter Blau werden zuerst sämtliche Vorbereitungsarbeiten für die Schauterrarien im Museum getroffen: Es wird Futter hergerichtet, es wird besprochen, was tagsüber alles zu erledigen ist, beispielsweise ob und wo Pflanzen getauscht werden müssen oder Aquarien gesaugt oder Scheiben gereinigt werden mssen. Ob Einkäufe zu erledigen sind und wenn ja, was benötigt wird. Wenn es kranke oder verletzte Tiere gibt, werden diese selbstverständlich auch gleich versorgt. Dann begeben wir uns in den Schaubereich. Dort wird gefüttert, Kot entfernt und die tägliche Kontrolle unserer Tiere muss natürlich auch sein. Das heißt, wir müssen unsere Pfleglinge und ihr Verhalten beobachten, um erkennen zu können, ob sie sich wohl fühlen oder ob etwas nicht stimmt.


Marlene Zechel im Außenbiotop, Foto: M. Schaar
Bei den insgesamt acht großen und kleinen Aquarien sowie den acht Terrarien wird täglich gesprüht, um eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu erhalten, welche die Tiere (Kröten, Echsen, Schlangen und Fische) benötigen, um sie artgerecht halten zu können. Weiters wird die Beleuchtung kontrolliert und die Scheiben werden gereinigt. Auf täglich frisches Trinkwasser muss geachtet werden. Da unsere Becken mit natürlichen Pflanzen bepflanzt sind,darf die Pflege der Pflanzen auch nicht zu kurz kommen.Dazu gehört das Stutzen der Pflanzen und das Entfernen der abgestorbenen Blätter.

Wenn im Schaubereich die täglichen Arbeiten abgeschlossen sind, geht es in der Quarantäneabteilung weiter. Auch hier müssen noch alle Tiere versorgt werden - füttern, wässern, sprühen, Kontrolle des Verhaltens der Tiere.
Die Reinigungsarbeiten spielen gerade in der Quarantäneabteilung eine sehr wichtige Rolle. In der Tierhaltung muss immer auf Hygiene und hygienisches Arbeiteten geachtet werden, um ev. Ausbreitungen von Krankheiten zu verhindern. Auch die Futtertiere, wie Mäuse und Insekten, müssen mit Nahrung und frischem Wasser versorgt sowie ihre Käfige gesäubert werden.Wenn alle Tiere versogt sind, ist Zeit für diverse Einkäufe oder in der Natur Einrichtungsgegenstände für unsere Terrarien zu sammeln.

Tierpfleger ist ein sehr interessanter, schöner und spannender Beruf, da man mit Lebewesen arbeitet und diese fordern ihre Pfleger jeden Tag auf´s Neue.

Wenn um 9 Uhr die ersten BesucherInnen ins Landesmuseum kommen, haben die TierpflegerInnen den Großteil ihrer Arbeit bereits getan.
 

Nachzucht und Aufzucht


Gelbbauchunke, Foto: M. Schaar
Das richtige Terrarium, wie auch die Einrichtung und Temperatur spielen für unsere Reptilien eine ganz große und wichtige Rolle. Wenn sich unsere Pfleglinge nicht wohl fühlen, kommen sie auch nicht in Paarungsstimmung. Begonnen bei der Beleuchtung bis hin zum Bodensubstrat, sollte alles so gut wie nur möglich nach dem natürlichen Lebensraum der Tiere gestaltet werden. Eine besondere Herausforderung ergibt sich durch die Jahreszeiten. Einleitung für die Paarungszeit ist das Erwachen nach der Winterruhe, was für uns Pfleger bedeutet, dass wir unsere Tiere unbedingt in einem dafür vorgesehenen Kühlschrank bei 4-6 Grad überwintern müssen, um gute Zuchterfolge zu erzielen. Der zweite wichtige Punkt ist, dass sich die Tiere in ihrer Umgebung richtig wohl fühlen sollen. Das Halten und Nachzüchten von Reptilen und Amphiben in unseren Terrarien hat sehr viele Vorteile. Der größte Vorteil ist, dass man die Tiere nicht der freien Wildbahn entnehmen muss und sich der Artbestand in der Natur wieder regenerieren kann. Zum anderen gibt es viele Arten, die besonders geschützt sind, und bei denen es wünschenswert wäre, sie nachzuzüchten. Ein anderer Vorteil ist, dass die Tiere im Vergleich zu Wildfängen wesentlich unanfälliger für Krankheiten sind. Da unsere Reptilien und Amphibien alle unter Naturschutz stehen, ist es für jeden Normalbürger strafbar, wenn er Tiere der Natur entnimmt. Dies dürfen ausschließlich Fachkräfte mit einer speziellen Fanggenehmigung. 

Molch, Foto: M. Schaar

Wir sind stolz, auch heuer wieder Reptilien wie Schlingnattern und Äskulapnattern sowie Amphibien wie den Gelbbauchunken, Feuersalamander, Teichfrösche und Teichmolche nachgezogen zu haben.
Eine große Herausforderung ist natürlich auch die Aufzucht der Jungtiere. Anfangs solllten die Terrarien nur spärlich eingerichtet sein, damit eine tägliche Kontrolle der Tiere möglich ist. Außerdem sollten die Terrarien nicht zu groß sein, da die Tiere dann schneller ihr Futter finden. Auch muss jeder noch so kleine Spalt verschlossen oder abgedichtet werden, da die Winzlinge wahre Ausbruchskünstler sind. Der Pfleger muss genau über die Art, die er pflegt, Bescheid wissen, da manche Tierarten Kannibalismus betreiben, wie z.B. die Schlingnattern. Deshalb müssen manche Jungtiere einzeln gehalten werden, was aber auch den Vorteil hat, dass man immer genau weiß wer wie viel gefressen hat.
Ich bin sehr stolz, jedes Jahr über eine erfolgreiche Nachzucht berichten zu können und zu wissen, dass es den Tieren gut geht. Heuer liegen noch fünf Eier unserer heimischen Sumpfschildkröten im Inkubator (Brutkasten), den ich jeden Morgen voller Erwartung kontrolliere, ob mich vielleicht schon jemand aus dem Ei anblinzelt.  


Text: Marlene Zechel

22. August 2013

Breite Föhre

 
Breite Föhre 2013 und Blick in den Naturbereich, Foto: Theo Kust


Seit der Eröffnung des Landesmuseums Niederösterreich am 14. November 2002 in St. Pölten ist das Mödlinger Naturdenkmal „Breite Föhre“ im Naturbereich wieder zu sehen.
Das etwa 4,5 Tonnen schwere 500 Jahre alte Symbol für die charakteristische Umgebung Mödlings, die Föhrenberge, wurde am 14. Jänner 1997 gefällt, nachdem es in morschem Zustand zur Gefahr für Spaziergänger geworden war. Konservierungsmaßnahmen von 1991 blieben ohne Erfolg. In der Zwischenzeit fand der Baum, sieben Meter hoch mit einem Durchmesser von einem Meter in der Straßenmeisterei St. Pölten ein Zwischenlager, wurde restauriert, konserviert und sandgestrahlt vom Institut VIAS (Vienna Institute for Archaeological Science) und wurde am 8. August 2002 mit einem Spezialtransport ins Landesmuseum gebracht. 



Transport 2002 ins Landesmuseum, Foto: Gerald Lechner

Transport 2002 ins Landesmuseum, Foto: Gerald Lechner
An der Anninger Forststraße in der Hinterbrühl erinnert heute eine Gedenktafel an das Wahrzeichen, das auch gerne von Künstlern besucht wurde, so von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Hugo Wolf, Arnold Schönberg, Ferdinand Georg Waldmüller, Gustav Klimt, Franz Grillparzer, Egon Schiele, Albert Paris Gütersloh u.v.a.
So ist es auch kein Zufall, dass die Rettung des Denkmals in erster Linie vom Künstler Josef Bramer betrieben wurde.


Auch Mythen ranken sich um die „Breite Föhre“. So soll am Beginn des 20. Jahrhunderts ein wandernder Maler auf ein Marterl mit einer Mariendarstellung geschossen haben und die Muttergottes ins Auge getroffen haben. Auf einer späteren Wanderung sei er versehentlich ins Schussfeld eines Jägers geraten sein, der auf einen Fasan gezielt hätte. Indes traf er den Maler ins Auge.

Text: Gerhard Hintringer

Links zur Breiten Föhre:
http://anninger.heimat.eu/04_anninger_pflanzen.html#BreiteFoehre

http://www.moedlingkleinestadtganzgross.at/breite_foehre.htm

http://geschichte.landesmuseum.net/index.asp?contenturl=http://geschichte.landesmuseum.net/kunst/kunstdetail.asp___ID=-1607891954
 

13. August 2013

Sommerwiese

Gelbe Steinklee,
Foto: J. Litavnieks / photos.com

Eine bunte Blumenwiese im Sommer hat einen ganz besonderen Reiz. Blüten locken farbenprächtige Schmetterlinge, emsige Bienen und viele andere Tierarten an. Sobald der Duft beim Heumachen in der Luft liegt, stellt sich das Gefühl der Sommerferien, der großen Freiheit ein. Es ist das Cumarin, welches dem Heu seinen charakteristischen Geruch verleiht. Dieser sekundäre Pflanzenstoff ist in einigen Pflanzen enthalten, so zum Beispiel auch im Gewöhnlichen Ruchgras (Anthoxantum odoratum) oder im Gelben Steinklee (Melilotus officinalis). Ob Abenteuer oder romantische Stunden mit diesem Geruch verbunden und im Gehirn abgespeichert sind, die Sommerwiese löst pure Lebenslust aus.

Auch die Geräuschkulisse auf einer Wiese kann beachtlich sein. Im Sommer sind die Männchen der Heuschrecken die großen Musiker. 
Jede Heuschreckenart hat einen charakteristischen Gesang. Tagsüber wirbt der Gemeine Grashüpfer (Chorthippus parallelus) um die Gunst der Weibchen.  

Grüne Heupferd, Foto: C. Musat / photos.com

Wie mit einem Bogen, der an der Saite einer Violine entlanggestrichen wird, entsteht das Zirpen des Gemeinen Grashüpfers. Mit Hilfe eines Sägekamms an der Innenseite der Hinterschenkel und der Kante der Flügeldecke wird der Ton erzeugt. In lauen Sommernächten rufen hingegen die Männchen des Grünen Heupferdes (Tettigonia viridissima) mit großer Ausdauer. Sie zirpen indem sie beide Vorderflügel gegeneinander bewegen.



Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Käfer sind die wichtigsten Bestäuber. Während sie in die Blüte tauchen und sich am Nektar laben, bleiben Pollen an ihren Körpern haften. Beim nächsten Blütenbesuch gelangt somit der Pollen auf die Narbe des Blütenstempels und kann zu keimen beginnen. 


Schmetterling, Foto: B. Seiberl
Schmetterlinge (Sonderausstellung im Landesmuseum 21. April 2013 - 16. März 2014) haben einen besonders langen Saugrüssel und ernähren sich auch vom Nektar, der für andere Arten unerreichbar ist. Leider gelangten die Honigbienen in letzter Zeit mit dem weltweiten Bienensterben immer öfter in die Schlagzeilen. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, aber auch der Befall durch die Varoa Milbe sind unter anderem verantwortlich für dieses Phänomen. Ohne diese wichtigen Bestäuber können aus Blüten keine Früchte mehr entstehen.
 

Manche Tiere auf der Wiese weisen ganz eigentümliche Eigenschaften auf. Bei der Gottesanbeterin (Mantis religiosa) zum Beispiel sind die Vordergliedmaßen zu dornenbewehrten Fangbeinen umgebildet und werden in charakteristischer Weise vor der Brust zusammengelegt. So kam sie zu ihrem Namen. Lange Zeit wirkt sie wie erstarrt, aber der Schein trügt. Sobald ein Beutetier in ihre Reichweite kommt, reagiert die Gottesanbeterin sehr schnell. In nur ca. 20 Millisekunden werden die Fangbeine blitzartig nach vorne geschnellt und lebende Insekten, wie zum Beispiel Grillen, gepackt und aufgefressen.

Blumenwiese im Garten Landesmuseum, Foto: M. Schaar

An manchen Blumen und Gräsern klebt bis in den Juni hinein der sogenannte „Kuckucksspeichel“. Die Larven der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) erzeugen eine aus dem After austretende Flüssigkeit die mit Luft aufgeblasen wird. Dies ist ihre Methode sich vor Austrocknung und Feinden zu schützen. Das erwachsene Tier hingegen fällt durch seine enorme Sprungkraft auf. Dank der mächtigen Dornen an den Hinterbeinen kann die nur einen halben cm lange Wiesenschaumzikade im Sprung aus dem Stand eine Höhe von 70 cm erreichen.

All diese Insekten sind wiederum Leckerbissen für Vögel und Fledermäuse. Diese Artenvielfalt auf Wiesen ist aber nicht selbstverständlich. Eigentlich war Mitteleuropa ursprünglich überwiegend von einem Mischwald bedeckt. Erst durch Rodungen für landwirtschaftliche Zwecke entstanden Wiesen. Nur im Gebirge oberhalb der Baumgrenze oder auf sehr trockenen oder sumpfigen Standorten gibt es natürliche Wiesen. Um anthropogen entstandene Wiesen zu erhalten, müssen sie gemäht oder beweidet werden.


Je nach Nutzung (Mahd oder Weide), der Intensität der Nutzung (extensiv, intensiv) und den Bodenverhältnissen entstehen unterschiedliche Wiesentypen. Zum Beispiel entstehen Trockenwiesen auf trockenen und nährstoffarmen Böden und weisen eine hohe Artenvielfalt auf. Durch das geringe Nährstoffangebot wird die Ausbreitung jeder einzelner Pflanzenart begrenzt. Trockenwiesen werden gerne für die Heugewinnung verwendet. Der stark gefährdeten Sumpfschrecke (Stetophyma grossum) wiederum dient die Feuchtwiese als Lebensraum. Sie gilt als Indikator für noch intakte Feuchtwiesen. In Niederösterreich gibt es beispielweise noch bei Litschau ein individuenstarkes Vorkommen. 


Wiesenpieper, Foto: W. Stolwerk / photos.com

Auch der Wiesenpieper (Anthus pratensis), ein Bodenbrüter benötigt diesen Wiesentyp als Nahrungs- und Brutbiotop.
Ab dem 2. Weltkrieg wurden Trockenwiesen bewässert und Feuchtwiesen entwässert, stark gedüngt und in Fettwiesen, die höhere Erträge erzielen, umgewandelt. Dadurch wurde die Artenvielfalt reduziert. Wenige Feucht- und Trockenwiesen sind noch geblieben, die heute durch das Aufgeben der extensiven Wiesenbewirtschaftung stark gefährdet sind.
 


Artenvielfalt auf Wiesen zu fördern bedeutet sie zu mähen oder zu beweiden, wird dies vernachlässigt, tritt auf diesen Flächen eine Verbuschung ein. In weiterer Folge kehrt die ursprüngliche Waldvegetation wieder zurück. Extensive Bewirtschaftung lautet die Devise. Das bedeutet keine oder nur geringe Düngung und eine nur 1-2malige Mahd im Jahr. Die erste Mahd erfolgt spät, somit können sich Spätblüher ebenfalls versamen und der Blütenpracht von Frühling bis Herbst steht nichts im Wege. Extensive Beweidung hält ebenfalls die konkurrenzstarken Pflanzen zurück. Kommt es aber zu einer intensiven Beweidung tritt das Gegenteil ein. Kahle Stellen treten auf, die häufig vorkommende Brennessel vermehrt sich rasch wegen der starken Düngung durch die Tiere. Pflanzen, die von den Tieren gemieden werden, wie Disteln und der giftige Scharfe Hahnenfuß, können sich ebenfalls ausbreiten.
An manchen Orten Niederösterreichs werden bereits erfolgreich Pflegemaßnahmen eingesetzt. Zur Erhaltung der oben genannten Feuchtwiesen beim Reißbach südlich von Litschau wird wieder einmal im Jahr gemäht. 

Smaragdeidechse im Landesmuseum, Foto: M. Schaar
Bei einem Spaziergang auf dem Hundsheimer Berg in Hainburg begegnet man nicht nur Schafen, sondern auch Seltenheiten wie der Sägeschrecke, Ziesel und der Berghexe. Auch auf dem Dürnsteiner Kuh- und Kellerberg, sowie am Höhereck in der Wachau werden ebenfalls Schafe zur Rettung ökologisch wertvoller Trockenrasen verwendet. Mit etwas Glück entdeckt man die wunderschöne grün schimmernde, größte heimische Eidechse, die Smaragdeidechse.
 

Sei sie bewusst betrachtet und erforscht, oder auch einfach gedankenverloren wahrgenommen; eines steht fest: eine gesunde, artenreiche Sommerwiese fasziniert und bezaubert uns jedes Jahr aufs Neue!


Text: DI Astrid Habiger

8. August 2013

Richtig gießen spart Wasser


© Garten Landesmuseum, Foto: M. Schaar
Standortgerechte, heimische Pflanzen sind optimal an die bei uns vorherrschenden Bedingungen angepasst und brauchen oft nicht zusätzlich gegossen werden. Ganz ohne Gießen geht es bei extrem heißen Temperaturen und z.B. vor allem bei Gemüse aber nicht. 
Seltener und dafür kräftig zu gießen ist besser als häufig und oberflächlich! Geringe Wassergaben befeuchten nur die Bodenoberfläche – die Erde trocknet schnell wieder aus. Außerdem bildet sich dadurch das Wurzelsystem nur flach und oberflächlich aus. Werden die Pflanzen intensiv und reichlich, dafür aber in mehrtägigen Abständen gegossen, werden sie „gezwungen“, ihre Wurzeln tiefer in den Boden zu leiten.

© Natur im Garten, Foto: J. Brocks
Morgens zu gießen ist günstiger als abends. Mulchen hält den Boden länger feucht. Daher die Erde in den Beeten mit Rasenschnitt, Laub, Häckselgut, Heu oder Stroh bedecken. Durch regelmäßige Bodenbearbeitung (z.B. im Gemüsebeet durch das Hacken) werden die feinen Kapillaren im Boden unterbrochen. Bei Trockenheit gelangt das Wasser aus tieferen Bodenschichten nicht so schnell an die Oberfläche.

Weitere Informationen:
NÖ Gartentelefon +43-2742/ 74 333
www.naturimgarten.at

Veranstaltungstipp: Abenteuerfest für Gartenkids am 15. August 2013 auf der GARTEN TULLN

7. August 2013

Rote Liste gefährdeter Arten

Immer öfter hört oder liest man in den Medien von Arten, die auf der Roten Liste stehen. Damit ist meistens gemeint, dass Organismen vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind. Wo liegt aber der Unterschied? Stimmt das denn? Und was genau ist die Rote Liste eigentlich? Nicht immer ist es richtig von Tieren auf der Roten Liste zu sprechen, wenn man gefährdete oder bedrohte Arten meint. Wie so oft ist der Unterschied nicht ganz einfach...

Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) oder zu Deutsch auch Weltnaturschutzunion genannt, ist ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, die sich für den Schutz natürlicher Biodiversität einsetzen. Österreichische Mitglieder sind unter anderem das Lebensministerium, der österreichische Naturschutzbund oder auch der Nationalpark Hohe Tauern.
Neben vielen anderen Projekten gibt die IUCN auch die Rote Liste heraus. Laufend überarbeitet und ergänzt, bietet diese nicht nur allgemeine Informationen über etwa 70.000 Arten, sondern darüber hinaus auch die Einschätzung des jeweiligen Erhaltungszustandes. Dabei werden die Arten unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Kriterien wie z.B. Populationsgröße, Größe des Verbreitungsgebietes oder Bestandsveränderungen in neun verschiedene Kategorien unterteilt.

1) NE (not evaluated – nicht beurteilt)

In dieser Kategorie finden sich Arten, die zwar in der Liste aufscheinen, bei denen aber noch keine wissenschaftliche Beurteilung durchgeführt wurde.

2) DD (data deficient – ungenügende Datengrundlage)

Zu den Arten in dieser Kategorie gibt es zwar Untersuchungen, die Informationen reichen aber nicht aus, um das globale Aussterberisiko beurteilen zu können.

3) LC (least concern – nicht gefährdet)


Hierzu zählen Arten für die es ausreichend Daten gibt und die insgesamt gesehen häufig vorkommen – bei denen jedoch lokale Populationen sehr wohl gefährdet sein können. Ein Beispiel hierfür wäre etwa der Eurasische Luchs (Lynx lynx), der in Österreich nur in geringer Zahl exisiert.

Auf der Roten Liste der gefährdeten Arten finden sich also nicht nur bedrohte oder gefährdete Arten, sondern auch solche, die in eine der drei oben genannten Kategorien fallen. Es ist daher falsch von rot gelisteten Arten zu sprechen, aber eigentlich gefährdete oder bedrohte Arten zu meinen.


Bedroht, Gefährdet – wo liegt der Unterschied?

4) NT (near threatened – potentiell gefährdet)

In dieser Klasse finden sich Arten, die noch nicht die Kriterien erfüllen, um als verletzlich oder gefährdet zu gelten, aber möglicherweise bald die festgesetzten Limits überschreiten könnten.
Der Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus) etwa ist eine potentiell gefährdete  Amphibienart die auch in Niederösterreich vorkommt und im Erlebnisbereich Natur des Landesmuseums zu finden ist. Obwohl man diesen Schwanzlurch in Niederösterreich noch relativ häufig beobachten kann, sind die Bestandszahlen in den letzten Jahren, vor allem durch den Verlust von Lebensraum, stetig gesunken. Wie bei vielen anderen Amphibien auch stellen hier vor allem die Trockenlegung von Gebieten durch Drainagen und Dämme, aber auch die zunehmende Wasserverschmutzung die größten Bedrohungen dar.

5) VU (vulnerable – gefährdet) &

6) EN (endangered – stark gefährdet)

Eine Art gilt als gefährdet oder stark gefährdet, wenn ein hohes oder sehr hohes Risiko besteht, dass sie in der unmittelbaren Zukunft ausstirbt. Ein Beispiel ist der auch in Österreich heimische Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes – EN), eine Flusskrebsart auf deren Population sich mehrere Faktoren ungünstig auswirken. Das größte Problem sind hier nicht-heimische, invasive Krebse wie etwa der rote amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) oder der ebenfalls aus Nordamerika stammende Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus). Obwohl mancherorts noch sehr häufig, sind die Populationen starken Schwankungen unterworfen. Hinzu kommen eine extrem reduzierte genetische Vielfalt und durch Menschen verursachte Umweltschäden. Mit etwas Glück kann man auch in den Aquarien des Landesmuseums einige Flusskrebse beobachten.

7) CR (critically endangered – vom Aussterben bedroht)

Ein prominentes Beispiel in Österreich ist der Waxdick (Acipenser gueldenstaedtii), der auch im Landesmuseum im Donaubecken zu finden ist. Der vermehrte Bau von Wasserkraftwerken verhindert, dass diese Störart flussaufwärts zu ihren Laichplätzen wandern kann. Aber auch der europäische Nerz (Mustela lutreola) und 21 andere in Österreich heimische Tierarten finden sich in dieser Kategorie.
 

Waxdick im Donaubecken Landesmuseum Niederösterreich,
Foto: M. Schaar

8) EW (extinct in the wild – in der Natur ausgestorben)

Als in der Natur ausgestorben bezeichnet man Arten, die nur noch in Kultur oder menschlicher Obhut vorkommen.

9) EX (extinct – ausgestorben)

Eine Art gilt als ausgestorben, wenn kein Zweifel am Tod des letzten Individuums besteht oder Untersuchungen keine Beobachtungen ergaben.
Breits 3 Arten, die auch in Österreich heimisch waren, gelten als ausgestorben, darunter z.B. der Tiefseesaibling.


Die Gründe für das Aussterben von Arten sind vielfältig, häufigste Ursache ist jedoch der Mensch. Vor allem die Zerstörung der natürlichen Lebensräume und -grundlagen vieler Tier- und Pflanzenarten spielen eine wichtige Rolle. Extensive Land-, Forst- und Viehwirtschaft und die allgemeine Urbanisierung von Gebieten nehmen immer mehr Platz in Anspruch. Ebenso begünstigt der zunehmende Waren- und Personenverkehr die Verschleppung vieler Arten, die dann als invasive Neobiota die heimischen Tiere oder Pflanzen verdrängen und so zum Problem für ganze Ökosysteme werden können.

Die „Rote Liste“ dient der Veranschaulichung des immer weiter fortschreitenden Biodiversitätsverlusts, aber auch als Handlungsanstoß unzähliger Naturschutzprojekte und als wissenschaftliche Basis für die Bemühungen um den Erhalt der Artenvielfalt. Dabei ergänzen nationale „Rote Listen“ die Arbeit der IUCN, indem sie Informationen über den Arterhaltungszustand in begrenzteren Gebieten anführen. So auch die „Roten Listen“ des Umweltbundesamtes. In ihnen werden lediglich österreichische Bestände untersucht und seit 2007 in einem länderübergreifenden „Österreichischen Arten Schutz Information System“ zusammengeführt.


Text: Mag. Julia Wöger

Weitere Links:
http://www.umweltbundesamt.at/umweltschutz/naturschutz/artenschutz/aliens/

http://www.landesmuseum.net/de/ausstellungen/rueckblick/2010/aliens 
http://www.umweltbundesamt.at/oasis

25. April 2013

Schmetterlinge

bunt, auffällig, vielfältig

Ein großer Schillerfalter tupft
Schweiß von einer Hand
Foto: Th. Holzer, J. Pennerstorfer

Man verbindet mit ihnen Sonne, Sommer, Blumenwiese. Doch es steckt wesentlich mehr hinter diesen Insekten. Manche, wie der Frostspanner, tauchen erst in den frostigen Nächten des Spätherbstes auf. Andere, wie der Schillerfalter, fliegen weniger die Blumen, sondern viel mehr Schweiß, Kot und Aas an.
So hat jede der rund 4000 in Österreich vorkommenden Arten seine spannenden Details, seine Geschichte.




Namen voll Aberglauben und Bedeutung

Schon im Namen steckt eine Geschichte. So dachte man früher, daß Hexen in Schmetterlingsgestalt den Rahm, eben den Schmett, stehlen würden. Geblieben ist der Name. Und auch das englische „butterfly“ (=Butterfliege) hat seinen Ursprung in diesem Aberglauben.
Wesentlich aussagekräfiger ist der wissenschaftliche Name „Lepidoptera“, der übersetzt Schuppenflügler heißt. Und beschuppte Flügel haben sie tatsächlich: wie bunte Ziegeldächer schauen Schmetterlingsflügel unter einer Lupe aus.



Wunder der Verwandlung

Apollofalter, Foto: Th. Holzer, J. Pennerstorfer
Das Wunder der Verwandlung steckt in jedem Lebewesen. Bei Schmetterlingen aber lässt es sich besonders eindrucksvoll beobachten. Wie aus einem Ei eine Raupe schlüpft, wie sie wächst und sich mehrfach häutet, um schließlich in einer Puppe den Körper völlig umzubauen. Wie passt in diese enge Puppenhülle so viel erwachsener Schmetterling hinein?
Voller Wunder ist auch die Anpassungsfähigkeit dieser Insektengruppe an extreme Standorte. Niederösterreich in seiner landschaftlichen Vielfältigkeit kann (noch) diese Plätze bieten. Die trockene, unwirtliche Steppenlandschaft, die der Englische Bär zum Leben braucht wie auch die Bergspitzen für den Apollo.
Ein interessantes Projekt zur Wiederansiedelung des Apollofalters in der Wachau:  http://www.lanius.at/cms2/?id=151


Englischer Bär, Foto: Th. Holzer, J. Pennerstorfer

Keine Insel der Seligen

Doch auch Niederösterreich ist keine Insel der Seligen. Auch bei uns sind die Schmetterlinge weniger geworden. Seltene Arten sind auf winzige Restvorkommen zusammengeschmolzen oder völlig verschwunden. Der Grund dafür ist in unserer kompromisslosen Landnutzung zu suchen. Agrarsteppen ohne Wiesenstreifen, Gewässer ohne Gehölzrand, englischer Rasen vor den Häusern. Sie nehmen heimischen Tieren jede Lebensmöglichkeit. Schmetterlinge sind dabei auffällig genug, dass ihr Rückgang zumindest beachtet wird.












Eine grüne Wüste…                                                                 …, die so aussehen könnte




Natur zulassen!

Dabei ist es eigentlich nicht schwer wieder beschuppte Gäste in den eigenen Garten zu locken. Man muss ihnen einfach eine Vielfalt heimischer Pflanzen bieten. Und sich vom Gedanken verabschieden, daß es „Unkräuter“ gibt. An der Brennessel fressen die Raupen von über 50 Schmetterlingsarten, an der Schlehe rund 40!
Wenn keiner hingeht, wird es auch das „Shopping-Center“ auf der (ehemaligen) grünen Wiese nicht mehr geben. Und muss es unbedingt Golf sein, wenn Tischtennis auch Spaß macht? Jeder von uns hat es in der Hand. Es gibt viele Wege des Umdenkens. Einer kann ein Besuch in der neuen Schmetterlingsausstellung im Landesmuseum Niederösterreich sein…


Text: Mag. Norbert Ruckenbauer

Zur Ausstellung Schmetterlinge (21. April 2013 - 16. März 2014) ist ein Broschüre (EUR 3,50, davon spenden wir EUR 2,- an DEBRA Austria - Schmetterlingskinder) und eine Kinderbroschüre erschienen.
Broschüre Schmetterlinge

Kinderbroschüre Schmetterlinge




















Interessante Links:
Ausstellung im Londoner Naturhistorischen Museum (bis 15. September 2013): http://www.nhm.ac.uk/visit-us/whats-on/temporary-exhibitions/sensational-butterflies/index.html und http://www.zeit.de/video/2013-03/2258616782001/ausstellung-schmetterlinge-hautnah-in-londoner-museum

18. April 2013

Der Frühling ruft

Kräuteranbau selbst gemacht

© Natur im Garten, Foto: Alexander Haiden
Jetzt ist die richtige Zeit, um Kräuter anzubauen! Viele von ihnen können direkt im Freien ausgesät werden. Dazu gehört etwa der würzige Schnittlauch.

Er gedeiht sowohl in voller Sonne als auch im Halbschatten und verlangt nach einem nährstoffreichen, humosen Boden mit regelmäßigen Wassergaben. Säen Sie relativ dicht aus und nach etwa 3 Wochen erscheinen die ersten Keimlinge. Möchten Sie die Pflanzen in einem Kübel oder Balkonkasten kultivieren, sollten Sie zunächst mit Tonscherben, Tongranulat oder Kieseln eine Drainageschicht anlegen, darauf kommt dann die humose Erde. Verpflanzen Sie den Schnittlauch büschelweise in Töpfe oder ins Freiland im Abstand von 20x20 cm.

Das Gewürzkraut kann die ganze Saison über geerntet werden – regelmäßiges Schneiden regt die Bildung neuer Blätter an. Gedüngt wird mit Kompost oder Hornspänen und dann steht einer reichen Ernte nichts mehr im Wege!




Weitere Informationen: 

NÖ Gartentelefon +43 2742/ 74 333
www.naturimgarten.at


TIPP: Ausstellung „Schmetterlinge“ im Landesmuseum Niederösterreich
Ab 21. April gibt es bei der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich auch viel „Natur im Garten“ zu sehen.
Himmelblauer Bläuling, Foto: Josef Pennersdorfer