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Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Niederösterreich, Austria
Seit 2011 gibt es den Museumsblog. Bis 31. Juli 2016 waren es Themen, die im Zusammenhang mit den drei Kernbereichen des Landesmuseum Niederösterreich (Geschichte - Kunst - Natur) standen. Mit 1. August 2016 wird das Landesmuseum zum Museum Niederösterreich und somit ist der Museumsblog unter neuer Adresse zu finden: www.museumnoe.at/de/das-museum/blog

3. April 2014

Frauenportrait #7

#7  ITA, GEMAHLING LEOPOLD II. – TOD IN DER FREMDE 





  
 Ita, Gemahlin Leopolds II.
Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, desto spärlicher werden die Spuren von Frauen. Das gilt selbst für prominente  Persönlichkeiten wie etwa die Gemahlinnen der Babenberger, die aus den verschiedensten Regionen Europas im Zuge der Heiratspolitik der Babenberger  in das Gebiet des heutigen Niederösterreichs kamen. Oft gelingt es nicht einmal ihre genaue Herkunft zu klären.
Nicht nur wir hätten gern gewusst, wie diese Frauen an der Seite der Babenberger Markgrafen und Herzöge ausgesehen haben. Auch andere vor uns haben diesen Wunsch verspürt. Als das Stift Klosterneuburg anlässlich der Heiligsprechung des Klostergründers Markgraf Leopold III. 1485 den in seinen Dimensionen gewaltigen Babenberger-Stammbaum in Auftrag gab, sollten auf den Flügeln dieses wie ein Flügelaltar konzipierten Werkes die Ehefrauen und Töchter der Babenberger dargestellt werden. Mit viel Fantasie schuf der Maler 40 höchst unterschiedliche „Porträts“ und kleidete die Damen in die prunkvollen Kostüme seiner Zeit.      
Unter diesen Damen befindet sich auch besagte Ita, die Markgraf Leopold II. heiratete, der 1075 die Herrschaft in der Nachfolge seines Vaters Markgraf Ernst antrat. Was wissen wir nun von ihr? Eine der Quellen zu ihrem Leben ist die Genealogie und Geschichte der Babenberger, die Ladislaus von Sunthaym, ein in Wien tätiger Gelehrter und Geistlicher, 1489 verfasste. Er war es auch, der den Babenbergern ihre bis heute bekannten Beinamen verpasste: Albrecht der Sieghafte, Heinrich Jasomirgott oder Heinrich der Streitbare.
Ita finden wir in dieser Schrift als Gemahlin Leopolds des Schönen = Leopold II.  (um 1050/5 –1095, regierte 1075–1095) erwähnt. Ita war laut Meinung Sunthayms eine Tochter Kaiser Heinrichs III., was natürlich für die Babenberger eine große Aufwertung bedeutet hätte. Sunthayms Annahme basierte auf älteren Quellen: bereits Thomas Ebendorfer und vor ihm die Österreichische Chronik der 95 Herrschaften hatten von der Werbung Leopolds II. um die Kaisertochter berichtet und sie blumig ausgeschmückt:  Auf die Burg Markgraf Leopolds II. kam einst ein Spielmann, den Leopold fürstlich entlohnte. Der Spielmann zog weiter an den Hof des Kaisers und sang dort ein Loblied auf den noch unverheirateten Babenberger, pries dessen Schönheit und Mildtätigkeit. Der Kaiser wurde neugierig und berief einen Hoftag nach Rom, an dem auch Leopold teilnehmen sollte. Auch die Tochter des Kaisers zeigte sich von dem jungen Mann beeindruckt, und der Kaiser gab ihr Leopold zum Mann. Noch in Rom wurde eine große Hochzeit begangen mit „Stechen und Tanzen“. Das Ganze ist eine nette Geschichte, die jeglicher historischen Grundlage entbehrt. Denn Heinrich III. starb bereits 1056; zwar waren Eheversprechen zwischen Kindern in dieser Zeit durchaus üblich, aber kaum hätte ein salischer Kaiser seine Tochter einem maximal 6jährigen Knaben angetraut. Andere Quellen behaupten, dass Ita aus dem Hause der Grafen von Formbach stammte, deren Herrschaft am Inn in Vornbach (heute ein Teil von Neuhaus am Inn) lag. Sie hatten Besitzungen rund um Wien und waren eifrige Unterstützer des Passauer Bischofs Altmann von Passau. Diese Herkunft scheint wahrscheinlich.   
Für Ita war das vielleicht nicht einmal die erste Eheschließung. Einige Forscher nehmen an, dass sie zuvor mit Haderich von Schwarzenburg vermählt war. Das aus der Oberpfalz stammende Geschlecht der Schwarzenburger hatte Besitzungen um Hadres im Waldviertel. In Urkunden – etwa im Stiftungsbrief des Klosters Göttweig von 1083 – wird der jüngere Haderich als „Markgraf“ tituliert, was den Schluss zulässt, dass es sich bei dem jüngeren Haderich um einen Halbbruder Leopolds III. handelt.
Die Zeiten waren unruhig; zwischen Heinrich IV. und dem Papst tobte ein mit Worten und Taten ausgefochtener Kampf um die Macht. Leopold schwankte – zeigte sich einmal papst- dann wieder kaisertreu. Schließlich schlug er sich endgültig auf die Seite des Papstes, was ihm nicht gut bekam. Heinrich IV. setzte Leopold als Markgrafen ab und berief Herzog Wratislaw von Böhmen als österreichischen Markgrafen. In der Schlacht bei Mailberg 1082 erlitt Leopold eine schwere Niederlage, konnte sich aber trotzdem als Markgraf behaupten.
Das junge Paar, das vermutlich vor 1072 geheiratet hatte, residierte zunächst in Melk; später verlegte Leopold II. seine Residenz von Melk nach Gars, um seine Besitzansprüche in diesem erst neu zu der Mark gekommenen Gebiet zu behaupten. In der Garser Burg, die man nicht mit der später von den Kuenringern errichteten Burg verwechseln darf, kamen die Kinder des Paares zur Welt: die Töchter Elisabeth, verheiratet mit dem Markgrafen Otakar II. von Steiermark; Gerberga mit Herzog Bořiwoy von Böhmen; Ida mit Luitold von Mähren und Znaim;  Sophie in erster Ehe mit Herzog Heinrich III. von Kärnten, in zweiter mit dem Grafen Sighard von Schala-Burghausen und schließlich Euphemia mit dem Grafen Konrad von Peilstein. Eine Tochter, Juditta, verstarb in jungen Jahren. Der einzige Sohn Leopold kam 1073 zur Welt. Als Leopold III. wurde er der Nachfolger seines Vaters und dann aufgrund seines Wirkens und  Lebens 1485 heiliggesprochen.
Ita wurde früh Witwe, denn Leopold II. starb bereits 1095. Sechs Jahre nach seinem Tod schloss sie sich einem kleinen Kreuzfahrerhaufen an, der 1101 im Anschluss an den Ersten Kreuzzug ins Heilige Land zog. Wien war immer Sammelpunkt für die aus Süddeutschland kommenden Teilnehmer. Dann zog man weiter quer durch das heutige Ungarn über Sirmium und Belgrad nach Konstantinopel. Ita zog in prominenter Gesellschaft: Auf den Weg ins Heilige Land machten sich auch Erzbischof Thiemo von Salzburg, Ulrich von Passau, Welf IV. von Bayern und Wilhelm IX. von Aquitanien. In Konstantinopel leistete sie angeblich so wie die anderen Fürsten dem byzantinischen Kaiser Alexios  einen Eid. Der weitere Zug ins Heilige Land erfolgte auf zwei Passagen: Ein Teil der Armee reiste per Schiff nach Palästina und kam dort an. Der andere Teil nahm den Landweg; unter diesen war auch Ita. Im September gerieten sie bei Heraklea in einen Hinterhalt. Nur wenigen gelang es zu entkommen. Auch Ita kam dabei vermutlich ums Leben. Spätere Legenden erzählen, sie sei von einem muslimischen Fürsten entführt worden und habe Imad-ad-Din Atabeg Zengi, den Eroberer von Edessa, zur Welt gebracht.    
 

Text: Dr. Elisabeth Vavra  

Quelle: Susanna Neukam, Die Frauen der Babenberger, Diplomarbeit, Universität Wien 2011.

27. März 2014

Frauenportrait #6

#6 Elsa Plainacher, geb. Holtzgasser (um 1513-1583)
– ein Opfer des Hexenwahns





Zur Hinrichtung der Elsa Plainacher gibt es
keine Bildquelle. Das hier gezeigte Gemälde
zeigt die Hinrichtung der Hexe Maria Kropf
1675 zu Feldbach in der Steiermark.
Man kann sich leider nicht aussuchen, in welche Familie man hineingeboren wird. Elsas Voraussetzungen für ihr zukünftiges Leben waren denkbar schlecht. Zur Welt kam sie irgendwann um 1513 in einem kleinen Weiler in der Nähe von Melk; dort, wo die Pielach in die Donau mündet, stand die Mühle ihres Vaters, die er für das Kloster Melk als Hofmühle betrieb. Müller waren zwar notwendig für das Funktionieren der Versorgung, sie standen aber während des Mittelalters und der frühen Neuzeit immer am Rande der Gesellschaft. Man verdächtigte sie u. a. des Betruges; Mühlen galten aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage als Treffpunkt zwielichtigen Gesindels oder auch als Orte der Prostitution. Sie wurden wie Scharfrichter als Paria – Unberührbare – behandelt. Man mied ihre Gesellschaft. Söhne und Töchter von Müllern heirateten Partner, deren Väter ebenfalls Müller waren oder andere „unehrliche“ Berufe ausübten.

Elsa war eines von mehreren Kindern, deren Spuren sich aber alle bis auf die ihres Bruders  verlieren. Ihr Bruder Vitus – ein Schiffmann – wohnte später in Melk unter der „Schlachtprugge“. Ganz jung war Elsa noch, als sie von einem Gehilfen ihres Vaters geschwängert wurde. Das Kind blieb nicht lange am Leben. Dann heiratete sie einen Müller namens Paumgartner, der vermutlich früh starb, da sie sich ein zweites Mal verehelichte. Zwei Kinder bekam sie in dieser Ehe, den Sohn Achatius, der die Mühle des Vaters übernahm, und die Tochter Margareth.
Auch der zweite Mann Elsas starb. Sie ging noch eine Ehe ein; ihr dritter Mann namens Plainacher bewirtschaftete einen Hof in der Nähe von St. Pölten, vermutlich der Gschwendthof in der Gemeinde Rammersdorf, der der Grundherrschaft des Georg Achaz Mattseber zu Goldegg unterstand. 


Um 1550 ehelichte ihre Tochter Margareth den Bauern Georg Schlutterbauer aus Strannersdorf in der Gemeinde Mank. Zunächst ging alles gut. Drei Kinder kamen in rascher Reihenfolge – Catharina, Ursula und Hensel; nach zehn Jahren kam noch eine Nachzüglerin – Anna, die der Mutter das Leben kostete. Am Totenbett hatte Elsa ihrer Tochter versprochen, sich um den Säugling zu kümmern, da der Ehemann mehr in den Wirtshäusern zu finden war als am Hof  und im Suff zu Gewalttätigkeiten neigte. Binnen einem Jahr starben die drei älteren Kinder, die beim Vater verblieben waren, alle angeblich im Schlaf während der Nacht. Man geht wohl nicht fehl mit der Annahme, dass sie Übergriffen ihres Vaters zum Opfer fielen. Anna blieb zunächst bei ihrer Großmutter, die vermutlich bereits zu dieser Zeit zum Protestantismus übergetreten war – wir befinden uns gerade mitten in der Zeit der Reformation, in der sich große Bevölkerungsteile aller sozialen Schichten in Niederösterreich dem neuen Glauben zuwandten. 


Georg Schlutterbauer begann nun eine Verleumdungskampagne gegen seine Schwiegermutter. Er bezichtigte sie, ihr Enkelkind verhext zu haben, nachdem sie Anna schon vom rechten Glauben abgebracht hatte und mit ihr nur protestantische Gottesdienste besuchte. Mit seinen Beschuldigungen hatte er leichtes Spiel, da Anna etwas schwachsinnig war und überdies an krampfartigen Anfällen litt, vermutlich Epilepsie, deren Entstehen in der Vergangenheit oft mit dem Einwirken des Teufels erklärt wurde. Bei den Verhören, denen das junge Mädchen in der Folge unterzogen wurde, erzählte sie, ihre Großmutter hätte im Stall Schlangen mit Milch gefüttert. Sie berichtete auch über einen schwarzen zotteligen Mann, mit dem sie die Großmutter bekannt gemacht habe, vermutlich ein Freier, der sich für das Mädchen interessierte. Dreimal wurde an dem Mädchen ein Exorzismus vollzogen, in St. Pölten, in Mariazell und schließlich in Wien – ohne Erfolg. Da man natürlich auch ihren Schwachsinn bemerkt hatte, brachte man  das Mädchen im Wiener Bürgerspital unter. Schlutterbauer ließ von seinen Beschuldigungen nicht ab; schließlich nahm die  Behörde Elsa Plainacher Mitte 1583 fest und brachte sie nach Wien. Die Anklage lautete auf  zauberische Schädigung ihrer Enkelin, Giftmord an ihrem Mann und den anderen Schlutterbauer-Kindern. Die untersuchenden Ärzte und Priester konstatierten allerdings nur, dass die Frau alt und bei „schwachem Verstand“ sei. Man wollte sie nun auch in das Bürgerspital einweisen.
Aber es kam nicht dazu. Der aus Tirol stammende Hofprediger, der Jesuit Georg Scherer, hielt vor dem Stephansdom eine Predigt wider die Hexen und Elsa Plainacher im Besonderen. Mit seiner Predigt hetzte er das Volk derart auf, dass es die Folterung  der vermeintlichen Hexe verlangte. Die ersten Foltern überstand die alte Frau, bei der dritten gestand sie schließlich ihr Bündnis mit dem Teufel und Hexenflüge auf den Ötscher. Sie wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Am 27. September 1583 wurde sie auf ein Brett gebunden und zur Hinrichtungsstätte auf der Gänseweide – heute die Kreuzung Weißgerberlände-Kegelgasse – geschleift. Ihre Asche wurde in die Donau gestreut. Elsa Plainacher war die einzige Hexe, die in Wien auf dem Scheiterhaufen den Tod fand. In Wien Donaustadt wurde eine Gasse nach ihr benannt.


Text: Dr. Elisabeth Vavra

Quelle: Anita Lackenberger, Ein teuflisches Werk. Die Torturen der Hexe von Wien, Folterprotokoll 1583. Linz 1988; Anna Ehrlich, Hexen, Mörder, Henker. Die österreichische Kriminalgeschichte. Wien 2006.

20. März 2014

Frauenportrait #5

#5 Maria Emhart

Diese Woche widmet sich das Frauenportrait der Sonderausstellung im Stadtmuseum St. Pölten: 




Maria Emhart um 1934,
© Stadtarchiv  St.Pölten

„Maria Emhart und der Bürgerkrieg 1934 in St. Pölten“

http://www.stadtmuseum-stpoelten.at/Maria_Emhart_und_der_Buergerkrieg_1934_in_St._Poelten 

Am 12. Februar 2014 eröffnete Bürgermeister Mag. Matthias Stadler um 19 Uhr im Stadtmuseum eine Ausstellung zu den Bürgerkriegs-Ereignissen des Februar 1934 in St. Pölten. Nach der Ausschaltung des Parlaments im Jahr 1933 war es vor achtzig Jahren in verschiedenen Städten Österreichs zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der de facto bereits autoritär regierenden Obrigkeit und aufständischen Sozialdemokraten gekommen. In St. Pölten wurde der Aufstand von Maria Emhart (27. Mai 1901 in St. Pölten - 9. Oktober 1981 in Bischofshofen) angeführt, deren mutiges Vorgehen in dieser Ausstellung näher beleuchtet wird. 
Maria Emhart wuchs als älteste von 5 Kinder einer Landarbeiterin und eines Eisenbahners in einer St. Pöltener Barackensiedlung auf. 1919 trat sie mit 17 Jahren in die Sozialdemokratische Partei ein. Mit 20 Jahren heiratete sie Karl Emhart. Ihre politische Tätigkeit begann als Betriebsrätin. 1932 wurde sie in den Gemeinderat St. Pölten gewählt und im Februar 1934 beteiligte sie sich in führender funktion an den Februarkämpfen. Sie wurde verhaftet und musste befürchten, gehängt zu werden, da noch das Standrecht galt. Nach 17 Wochen wurde sie jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nach der Verhaftung von Rosa Jochmann im August 1934 übernahm Emhart unter dem Decknamen Grete Mayer deren führende Position bei den Revolutionären Sozialisten, die nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei im Untergrund agierten. Nach der Verhaftung stand sie im März 1936 als zweite Hauptangeklagte im "Großen Sozialistenprozess" vor Gericht. Die zu Beginn des Prozesses verlangte Todesstrafe konnte wegen schwacher Belastungszeugen nicht durchgesetzt werden. Maria Emhart wurde stattdessen zu 18 Monaten Kerker verurteilt, kam jedoch bei der Amnestie im Juli 1936 frei.
1945 wurde sie als einzige Frau im November 1945 in den Salzburger Landtag gewählt. 
1946 wurde sie als erste Frau zur Vizebürgermeisterin in Bischofshofen gewählt. Dieses Amt hatte sie bis 1966 inne und 1953-1965 war sie Nationalratsabgeordnete.

Eine Toninstallation bringt den BesucherInnen originale Zitate aus Briefen und Erinnerungen Maria Emharts näher. Zeitungsberichte, Gerichtsakten, Fotografien und Plakate aus den Februartagen 1934 sowie ein Film mit Zeitzeugeninterviews ergänzen die Ausstellung.
Am 12. Februar wurde auch eine Gedenktafel am Blauen Haus, Herzogenburger Straße 32, enthüllt, die an die Widerstandskämpfer erinnert. 

Mehr zu ihrem außergewöhnlichen Leben findet man auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Emhart

„Maria Emhart und der Bürgerkrieg 1934 in St. Pölten“
Sonderausstellung Stadtmuseum St. Pölten, 12. Februar bis 14. Mai 2014
Öffnungszeiten: Mi - So, 10 bis 17 Uhr
Führungen gegen Voranmeldung unter 02742/333-2643 oder 2620

13. März 2014

Frauenportrait #4

#4 Dr. Brigitte Schlögl





Aus gegebenen Anlass ist das dieswöchige Frauenportrait die Geschäftsführerin der Museum Betriebs GmbH Dr. Brigitte Schlögl.
In der St. Pöltner Zeitschrift "MFG - Das Magazin" ist in der aktuellen Ausgabe März ebenfalls ein Frauenschwerpunkt mit interessanten Interviews zu finden. 
Auch Dr. Schlögl hat sich darin zu Wort gemeldet:

Dr. Brigitte Schlögl,

© Daniel Hinterramskogler
Brigitte Schlögl steht ihren Mann: Ein Satz, den die Geschäftsführerin des Landesmuseums gar nicht gerne hört. Sie ist sich sicher: "Das Wichtigste für jeden Menschen ist es, authentisch zu bleiben. Eine Frau ist kein Mann, wird es nie sein und soll es auch nicht sein." Man müsse sich nicht wie ein Mann kleiden und gebärden, um den Job zu machen, den man möchte. "Ganz im Gegenteil: Ich darf bitte orange tragen. Es laufen schon zu viele im schwarzen Anzug herum", konstatiert sie selbstbewusst. Sie ist mittlerweile 25 Jahre in Führungsebenen tätig und hat vieles in der Geschäftswelt schon erlebt. Wie arbeitet es sich so in den österreichischen Führungsriegen, die nach wie vor eine Männerdomäne darstellen? "Man braucht als Frau vielleicht einen längeren Anlauf, um akzeptiert zu werden. Ist die Akzeptanz aber einmal da, gibt  es kein Problem mehr. Frauen haben ihre eigenen Stärken in der Geschäftswelt, die sie auch ausspielen müssen. Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie erlebt, dass ich von einem Mann abgedrängt wurde. Am Ende des Tages geht es um die Leistung", fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. Als Karrierefrau würde sie sich selbst nicht bezeichnen, das dürfen gern andere tun. Schlögl sieht ihren Werdegang pragmatisch: "Ich habe immer das getan, was der nächste logische Schritt war. Ich habe die meisten Positionen, in denen ich war, selbst geschaffen und daher gab es auch nie einen Gehaltskonflikt mit einem männlichen Kollegen. Ich habe verlangt, was ich das Gefühl hatte, wer zu sein. Frauen müssen aufhören, tief zu stapeln und auch für das einzustehen,was ihnen zusteht. Da muss ich mich selbst auch bei der Nase nehmen." Die vorsichtige Herangehensweise an die eigene Karriere sei der große Hemmschuh einer Frau. "Vielleicht liegt es doch am Testosteron", schmunzelt Schlögl. Ob sie auch dort stehen würde, hätte sie Familie, fragt sie sich nicht. Für sie war es keine Entscheidung zwischen Kind und Karriere, sondern Kind hat sich einfach nicht ergeben. Aber auch das soll möglich sein. "Das alte 8 bis 17 Uhr Arbeitsmodell hat schon längst ausgedient. Die Zukunft sind flexible Lösungen, die - und das sage ich auch als Arbeitgeberin - in den meisten Jobs möglich sind. "Wer leisten möchte, soll das auch tun können. Hier sei die Politik gefragt, die Schlögls Ansicht nach hier grob säumig ist. "Die Geschäftswelt wird härter. Aber die Küche für Frauen ist auch keine Lösung. Flexibilität tut uns allen gut!"








Alle weiteren Beiträge zum Frauenschwerpunkt im MFG gibt's zum Nachlesen unter: http://dasmfg.at/









12. März 2014

Ein Interview mit unseren Ausstellungsarchitekten

Als kleinen Vorgeschmack auf unsere nächste Sonderausstellung im Bereich Natur mit dem Titel „Pilze – Mehr als nur Schwammerl“ haben wir uns mit unseren Ausstellungsarchitekten Hanno und Victoria zusammengesetzt und einmal hinterfragt, wie eine Ausstellung überhaupt zustande kommt.

Wie geht ihr an eine Ausstellung heran?

Grundsätzlich erstellt man zu Beginn ein Konzept, überlegt sich die Inhalte und arbeitet diese dann gemeinsam mit den Kuratoren aus.
Im konkreten Fall der „Pilze“-Ausstellung haben wir die Vorlage vom Biologiezentrum in Linz
(http://www.landesmuseum.at/biologiezentrum/ueber/ausstellungen/event-detail/pilze-1/ )
übernommen und an die großzügigen Räumlichkeiten des Landesmuseums angepasst.
Die Inhalte verändern sich dabei kaum, teilweise ergeben sich allerdings andere Gewichtungen.


Hanno und Victoria mit dem Modell zur Ausstellung "Kraut & Rüben"

Was ist für euch grundlegend  bei der Planung einer Ausstellung?
An oberster Stelle steht für uns die Wissensvermittlung. Daher gehen wir optisch oft lieber einen Schritt zurück und stellen die Informationen und das Wissen klar in den Vordergrund.
Beispielsweise wird es in der „Pilze“-Ausstellung viele kleinere Modelle geben. Optisch würde es sich anbieten, die Größe der Beschilderung dem Objekt anzupassen. Hier wählen wir dann aber lieber ein etwas größeres Schild, das in Proportion zum Exponat vielleicht übertrieben wirkt, dafür aber eine gute Lesbarkeit gewährleistet und somit die Informationen leicht zugänglich macht.


Wie lange dauert der gesamte Ablauf vom ersten Gedanken bis zur Eröffnung einer Ausstellung?
Das ist immer unterschiedlich und kommt auch darauf an, ob man mit einem fertigen Konzept bzw. mit  Vorgaben arbeitet oder ob man bei Null beginnt.
Bei den Pilzen kann man von 10 Monaten ausgehen – von der ersten Besichtigung bis zur Eröffnung am 12. April 2014.
Im Vergleich dazu hatten wir bei der Ausstellung „Kraut & Rüben“ keinerlei Vorgaben, somit hat der gesamte Ablauf ca. 1 Jahr gedauert.
(http://www.landesmuseum.net/de/ausstellungen/rueckblick/2011/kraut-rueben-1)
Wenn wir es uns aussuchen könnten, würden wir immer von Null weg arbeiten, da man so mit mehr Freiheiten und ohne Einschränkungen an das Projekt herangehen kann.


Werden Exponate/Modelle/Vitrinen/etc. aus vergangenen Ausstellungen aufgehoben und gegebenenfalls wiederverwendet oder entsteht alles für jedes Thema neu?

Wir versuchen selbstverständlich Vieles wieder zu verwenden. Vor allem bei der „Grundausstattung“, wie z.B. Vitrinen haben wir mittlerweile eine umfangreiche Liste angelegt und müssen nur selten für neue Ausstellungen etwas zukaufen. Das wirkt sich dann natürlich auch positiv auf das verbleibende Budget aus.


Besucht ihr regelmäßig andere Ausstellungen, um euch Anregungen oder Ideen zu holen?

Ja, das machen wir natürlich sehr gerne! Es ist immer interessant zu sehen, was möglich ist und wie andere Ausstellungsarchitekten arbeiten und Schwerpunkte setzen.
Oft sieht man dabei auch, dass vieles eine Kostenfrage ist und stark von den räumlichen Gegebenheiten abhängt.
Entwurf zur Ausstellung "Schmetterlinge"


Eingangsbereich "Schmetterlinge" in der Umsetzung



Text: Bianca Gramm
Bilder:
© Hanno Baschnegger und Victoria Golub

Infos zur Ausstellung "Pilze - Mehr als nur Schwammerl" gibt's unter:
http://www.landesmuseum.net/de/ausstellungen/vorschau/pilze-1/pilze

7. März 2014

BIBERGESCHICHTE 2.0

Hallo!
Mein Name ist Bibsi und ich möchte euch gerne meine abenteuerliche Geschichte erzählen.

Biber Bibsi, Foto: Andreas Gießwein
Ich wurde als kleiner Babybiber Ende April 2013 in der Nähe von Klein Pöchlarn geboren. Bald danach wurde ich leider durch das große Hochwasser im Juni von meiner Familie getrennt. Ich hatte  aber Glück im Unglück, denn sehr liebe und hilfsbereite Menschen fanden mich und brachten mich ganz schnell zu einer Tierärztin. Ich wurde untersucht, gewogen – ich brachte nach der vielen Aufregung nicht einmal ein ganzes Kilo auf die Waage – und bekam schließlich den Spitznamen „Justin Biber“.


Wenige Tage später, nachdem ich mich etwas erholt hatte, wurde ich zu meinen neuen Ziehmamis Marlene und  Lisa ins Landesmuseum Niederösterreich gebracht.

Wenngleich ich anfangs ein wenig skeptisch war, mochte ich die beiden eigentlich auf Anhieb sehr gerne. Sie kümmerten sich ganz toll und mich und gaben mir schließlich meinen neuen Namen „Bibsi“, den ich richtig hübsch finde. 

Biber Bibsi, Foto: Andreas Gießwein

Biber Bibsi, Foto: Andreas Gießwein
Weil ich noch viel wachsen und wieder zu Kräften kommen musste, hatte ich ständig riesengroßen Hunger. Daher nahm mich Lisa kurzer Hand mit zu sich nach Hause, um mich alle 3-4 Stunden mit guten und gesunden Sachen zu versorgen. An den Wochenenden durfte ich abwechselnd mit zu Marlene oder Lisa heim. Schnell hatten wir uns aneinander gewöhnt und bald schon begrüßte ich meine zwei Ersatzmamis mit freudigem Fiepen und Pfeifen, denn so zeige ich anderen, dass ich sie mag.


Zu Beginn wurde ich mit Milch, Babybrei – Karotte mochte ich am allerliebsten, ein bisschen Brot und geraspelten Äpfeln und Karotten gefüttert. Bald wurde mir das aber zu langweilig, denn als Biber gehören bekanntlich ganz andere Dinge zu meinen Hauptnahrungsmitteln. An Weiden-, Pappel- und Apfelbaumzweige fand ich sehr schnell Gefallen, denn an denen konnte ich nach Lust und Laune knabbern.
Obwohl sich Marlene und Lisa sehr viel mit mir beschäftigten, fehlten mir meine Familie und meine Artgenossen doch sehr. Damit ich mich ein bisschen weniger einsam fühlte, bekam ich von Marlene eine Kuschelmaus zum Spielen, Schlafen und Liebhaben. Ich hatte sie so gerne, dass ich sie sogar zum Baden mitnahm. Leider hielt die kleine Maus die Raufereien und das Baden nicht sehr lange aus und so wurde mein neuer Spielgefährte ein Kuschellöwe, den mir Lisa schenkte.

Biber Bibsi, Foto: Andreas Gießwein
Meine ersten Schwimm- und Tauchversuche unternahm ich übrigens in einer  Badewanne. Das war mir anfangs so gar nicht geheuer, nach und nach machte es mir aber immer mehr Spaß und ich wurde zu einer richtigen Wasserratte … äh, Biber!
Nachdem ich lange bei Marlene und Lisa zu Hause gewesen war, wurde ich in ein Gehege im Landesmuseum umquartiert. Dort bekam ich täglich frische Zweige, Karotten und Äpfel, denn für Babybrei und Milch war ich mittlerweile schon zu groß geworden.
Ich mochte mein neues Heim sehr und gewöhnte mich schnell an die neue Umgebung. Jeden Morgen, wenn ich meine Ziehmamis kommen hörte, begann ich an den Fenstern zu scharren, um mich bemerkbar zu machen. Danach gingen wir zu dritt zu dem kleinen Teich im Museumsgarten, in dem ich mich beim Schwimmen und Tauchen austoben konnte. In meinem Gehege hatte ich zur Überbrückung ein paar größere Wannen stehen, die jeden Tag gereinigt wurden. So konnte ich auch ganz selbstständig, während Marlene und Lisa sich den anderen Tieren im Museum gewidmet haben nach Lust und Laune plantschen.
Aber auch meine Zeit als „Museumsbiber“ hatte ein Ablaufdatum, denn als ausgewachsener Biber habe ich einen wesentlich höheren Platz- und Baumknabberbedarf, als mir das Museum mitsamt dem Gartenhätte bieten können. Zudem wuchs auch der Wunsch nach etwas biberiger Gesellschaft mit jedem Tag.

Übergabe an den Zürcher Wildpark

Und so kam es, dass ich am 23. Oktober 2013 zusammen mit Marlene und Lisa eine lange Reise nach Innsbruck antrat, wo ich einem Tierpfleger des Zürcher Wildparks übergeben wurde.
Gegen Abend kamen wir in meinem neuen Zuhause, worüber ich mich sehr freute.
Und stellt euch vor: hier ist auch eine sehr liebe Biberdame, mit der ich von nun an eine wunderbare gemeinsame Zeit verbringen kann.

Allgemeines zum Biber:

Die Paarungszeit beginnt im Jänner bis etwa März.
Tragzeit der Biber beträgt 105-107 Tage. Meist werden 1-4 Junge geboren, im seltenen Fall sogar 6. Einmal im Jahr können sie Junge bekommen. Sie kommen sehend, behaart und mit einem Gewicht von etwa 500-700 g zur Welt.  Die Jungen bleiben ca. 4-5 Wochen im Bau und  säugen etwa 8 Wochen.  In der zweiten Lebenswoche beginnen sie an Pflanzen zu knabbern, die ihnen in den Bau gebracht werden. Um diese effektiv verdauen zu können, nehmen sie von ihren Eltern Blindarmkot mit den entsprechenden Bakterien auf. Gelingt es den Kleinen nicht, ihren Verdauungsapparat mit den notwendigen Bakterien zu infizieren, können Entwicklungsstörungen bis hin zum Tod die Folge sein. Die Öldrüsen der Jungen beginnen erst mit 4 Wochen zu funktionieren. Daher ist das Fell vorher nicht wasserabweisend und wird deshalb von den Eltern eingefettet. Tauchen können die Jungen anfangs nicht, da sie zu leicht sind. Schwimm- und Tauchversuche laufen nur unter Aufsicht der Familie ab. Die Jungen werden mit ca. 2 Jahren Geschlechtsreif und verlassen dann auch ihre Eltern um einen Partner zu finden. Biber können in freier Wildbahn 12-14 Jahre alt werden. In Menschenhand wurde ein Biber sogar 35 Jahre alt.

Mehr Information gibt es auch hier: http://landesmuseum.blogspot.co.at/2012/01/biber.html

Wenn ihr Biber finden solltet, unbedingt Kontakt mit einem Tierheim, Wildtierhilfe Wien oder den Tierpflegerinnen im Landesmuseum Kontakt aufnehmen.

6. März 2014

Frauenportrait #3

#3 Emmy Feiks Waldhäusl 
(1899 – 1975)


© Stadtarchiv St. Pölten
Emmy Waldhäusl wurde in Pottenbrunn als Tochter des Pächters des dortigen Schlossgutes geboren.
1917 maturierte sie am Institut der Englischen Fräulein in St. Pölten.


1918 und 1919 erlangte sie am Gymnasium Wien-Wieden die Studienberechtigung für die Fächer Geschichte und Germanistik. 1923 promovierte sie und unterrichtet diese Fächer bis 1957 in Wien und Linz. Als Literatin debütierte sie 1939 mit einem historischen Roman, der auf dem Pottenbrunner Schloss spielt. 1946 erschien der „Spielmann von Pottenbrunn“, der im 14. Jahrhundert angesiedelt ist. Es folgten weitere Romane sowie ein Kinderbuch. Die Trägerin des niederösterreichischen Kulturpreises, des Handel-Mazzetti-Preises und des Jugendbuchpreises der Stadt Wien verstarb 1975. Ihre Bücher sind allesamt längst nicht mehr im Buchhandel erhältlich.
1975 wurde in Pottenbrunn eine Straße nach ihr benannt.


Text: Mag.a Martina Eigelsreiter

27. Februar 2014

Frauenportrait #2



Helene Trauttmansdorff (1908 – 1945)



© Stadtarchiv St. Pölten
Im letzten Kriegsjahr 1945 bildete sich in St. Pölten eine große überparteiliche Widerstandsbewegung aus Angehörigen der St. Pöltner Polizei, aus ArbeiterInnen der Glanzstoff-Fabrik und LandwirtInnen aus St. Pölten und Umgebung.
Hauptorganisatoren waren der stellvertretende St. Pöltner Polizeidirektor Regierungsrat Dr. Otto Kirchl sowie der Pottenbrunner Gutsbesitzer Josef Graf Trauttmansdorff-Weinsberg. Ihr Ziel war es, St. Pölten weitere Zerstörungen und weiteres Blutvergießen zu ersparen und die Stadt möglichst kampflos der Roten Armee zu übergeben. Im April 1945 flog die Gruppe durch Verrat auf. Am 11. April führte die Gestapo einen gezielten Schlag gegen die Organisation durch. Beamte drangen in das von der SS umstellte Schloss Trauttmansdorff ein und verhafteten alle, gerade zu einer Beratung versammelten, Mitglieder. Mit den Verhören wurde sofort begonnen. Die Methoden, mit denen versucht wurde, bestimmte Geständnisse zu erpressen, können als Folter bezeichnet werden. 12 der 13 Angeklagten wurden zum Tod verurteilt. Bei der Schießstätte im Hammerpark wurde eine Grube ausgehoben; das Urteil wurde unmittelbar nach der Verhandlung vollstreckt. Kaum mehr als 30 Stunden später war St. Pölten von der Roten Armee erobert.
Die letzten tragischen Stunden von Helene Trauttmansdorff wurden von Mag.a Anita Lackenberger verfilmt.

Helene Trauttmansdorff kam ursprünglich aus Triest. Mit ihrem Mann hatte sie 3 Kinder und lebte ein durchwegs beschütztes Leben im Schloss Pottenbrunn. Was sie bewog, in den letzten Kriegstagen derartige Courage zu zeigen, darüber können nur Vermutungen aufgestellt werden.
Hier die letzten traurigen Ereignisse im Leben von Helene Trauttmansdorff:
Am 12. April 1945 setzte sie sich auf das Fahrrad, um zu ihrem bereits von der Polizei inhaftierten Mann nach St. Pölten zu fahren. Ihre Kinder ließ sie im Schloss zurück. St. Pölten war am Osterwochenende von den Alliierten schwer bombardiert worden, die russische Front verlief knapp vor der Stadt. Die Innenstadt und der Bahnhof lagen in Trümmern.
Helene Trauttmansdorff fuhr also mit dem Fahrrad die 7 Kilometer von Pottenbrunn zum Polizeigebäude und fuhr durch die vom Krieg verursachte Apokalypse. Am heutigen Europaplatz sah sie die in den letzten Tagen von der SS am Galgen aufgehängte „Deserteure“ – junge Männer ab 14, die die SS beim systematischen Durchkämmen der Stadt noch gefunden hatten. Der Europaplatz hieß von da an für viele Jahre Galgenplatz. Um zu ihrem Mann zu gelangen, musste sie den Europaplatz queren. Am Ziel angekommen wurde auch sie in eine Zelle gesperrt und am 13. April gemeinsam mit den anderen Widerstandskämpfern erschossen.
Text: Mag.a Martina Eigelsreiter

20. Februar 2014

Frauenportrait #1


Wetti Teuschl (1851-1944)
Barbara, genannt Wetti, Baumgartner (geb. Teuschl)


Fräulein Wetti Teuschl
(Privatarchiv Fam. Hörner)

Barbara Baumgartner (1851-1944) entstammte einer gutbürgerlichen Fuhrwerksunternehmersfamilie aus Krems.
Mit ihrem Ehemann Johann Baumgartner eröffnete sie verschiedene Geschäfte und Fachhandlungen in Wien und Krems, die sie jedoch jeweils nach kurzer Zeit wieder schließen mussten.

In der Ausstellungspublikation „Frauenleben in Niederösterreich“ hat Nikola Langreiter in ihrem Katalogbeitrag „Einblicke in ein bürgerliches Frauenleben zwischen Wien und Krems“ (S. 29-35) das Tagebuch der Wetti Teuschl (1870-1885) analysiert.

Hier ein kurzer Auszug:
„Beim ersten Eintrag in ihr Tagebuch 1870 war die Schreiberin 18 Jahre alt. Sie verlebte in ihrem Kremser Elternhaus verhältnismäßig sorglose Tage, nicht untypisch für eine mittelständische Bürgerstochter in einer Kleinstadt der Habsburgermonarchie zu dieser Zeit. Die Familie war gesellschaftlich angesehen, führte ein standesgemäßes Leben. Die Mutter leitete, unterstützt von einer Dienstbotin, das Hauswesen. Dem Vater gehörte ein Stellwagen- und Fuhrwerksunternehmen, er hatte ein Amt bei der Feuerwehr inne und nahm am örtlichen Honoratiorentisch Platz. Zwei Stadthäuser befanden sich im Besitz der Familie, Wohnungen und Geschäftslokale wurden vermietet. Welche Ausbildung Wetti Teuschl zuteil geworden war, ist nicht überliefert. […]
„Mit Gott!“ hatte Wetti Teuschl ihre Aufzeichnungen begonnen und damit einen zeitgenössisch üblichen Einstieg gewählt. Auffallend ist, dass sie ein kleines, einfaches Notizbuch verwendete und nicht das typische (Mädchen-)Tagebuch mit Prägedruck, Goldschnitt und Schlösschen.“

Das Original befindet sich in Familienbesitz, eine Kopie in der Sammlung Frauennachlässe (http://www.univie.ac.at/Geschichte/sfn/) der Universität Wien, und als kommentierte Edition ist es 2010 bei Böhlau erschienen.

„Das Tagebuchschreiben war im 19. Jahrhundert überaus modern geworden und in bürgerlichen Kreisen besonders Mädchen und jungen Frauen anempfohlen. Unter Aufsicht ihrer Mütter oder Lehrerinnen sollten sie sich schreibend darauf vorbereiten, taugliche Bräute und Ehefrauen zu werden. Diese Tagebücher wurden daher „Warte-Hefte“ genannt und folgerichtig meist mit der Verheiratung beendet. Es war also ungewöhnlich, dass Wetti Teuschl ihr Diarium – in anderer Form, aber doch – auch als Ehefrau weiter führte.
Bevor sie heiratete, schrieb sie regelmäßig und ausführlich: Die junge Frau war viel unterwegs, ging mit ihren Freundinnen Milli und Dini auf Bälle und Feste, in Ausstellungen und ins Theater, unternahm mit FreundInnen und Familie Ausflüge und kleinere Reisen. In Krems schien sie von zahlreichen Verehrern umgeben, die sie sämtlich abwimmelte, denn Wetti Teuschl hatte sich schon für Johann Baumgartner, einen Gehilfen in einem Herrenbekleidungsgeschäft, entschieden. Die Schilderungen der komplizierten Liebesgeschichte – durchsetzt von vielen Streitereien und Enttäuschungen – sagen viel über die Möglichkeiten der Begegnung zwischen wohlerzogenen jungen Frauen und deren Verehrern in der kleinen Stadt aus. […] Für kurze Zeit arbeitete er [Johann Baumgartner] bei einem Herrenausstatter auf der Mariahilfer Straße, mitten im traditionellen Textilviertel, um dann mit einer eigenen Gemischtwarenhandlung ein heiratsfähiger Geschäftsmann zu werden. Geheiratet wurde im Juni 1872 in Krems, die Braut hielt dazu im Tagebuch fest: „Ich will und werde meine Hochzeit in Krems feiern, warum? ich weiß es nicht vieleicht ist es die letzte Mädchenlaune.“ […]“

Text (gekürzt): Nikola Langreiter aus: Frauenleben in Niederösterreich, Einblicke in ein bürgerliches Frauenleben zwischen Wien und Krems, S. 29-35

7. Februar 2014

Karpfen

Der Karpfen (Cyprinus carpio) … ein Einwanderer mit Tradition

Karpfen im Donaubecken / Landesmuseum,
Foto: M. Schaar
Kaum jemand, der ihn nicht kennt. Der Karpfen gehört zu den am längsten genutzten Fischarten, hat eine lange Tradition als Fasten- und Weihnachtsspeise und wird seit jeher in den Fischteichen des Waldviertels und auch in anderen Regionen Niederösterreichs gezüchtet. Wer würde bei solch einer traditionsreichen Fischart an einen Einwanderer denken? Und dennoch ist es so.
Seine Heimat lag ursprünglich vom Schwarzen Meer ostwärts bis China und Vietnam. Es waren wohl die Römer, die die Karpfen nach Europa brachten, aber erst im Mittelalter fand das Schwergewicht unter den Fischen weite Verbreitung in Mitteleuropa. Dabei geholfen hat ihm die christliche Kirche und ihre zur damaligen Zeit bis zu 150 Tage dauernde Fastenzeit. Um diese lange Zeit der Entbehrung kulinarisch aufzuwerten, war man im Mittelalter teilweise sehr erfinderisch. Fisch war an den christlichen Fastentagen als Speise erlaubt und angesichts der Tatsache, dass damals sogar der Biber kurzerhand vom Papst zum Fisch ernannt wurden, um ihn bedenkenlos verzehren zu können. Somit ist es nicht allzu verwunderlich, dass der anspruchslose und leicht zu kultivierende Karpfen bald ein gerngesehener Bewohner der klösterlichen Teiche war. Auch der Fisch, der gerne in warmen, stehenden oder langsam fließendem Gewässern mit reichen Pflanzenbewuchs lebt und mit geringen Sauerstoffkonzentrationen kein Problem hat, fand in den Teichen, die von den Mönche ursprünglich für den Betrieb von Mühlen anlegt wurden, einen idealen Lebensraum.

Auf Grund der regen Zuchttätigkeit gibt es heute nicht mehr nur „den Karpfen“ sondern eine Reihe von Zuchtformen, welche sich hauptsächlich in der Zahl und Anordnung ihrer Schuppen unterscheiden. So wird neben dem Schuppenkarpfen, dessen Körper vollständig beschuppt ist und der häufig nur schwer von der Wildform des Karpfens zu unterscheiden ist, der Zeilkarpfen mit einer Reihe Schuppen entlang des Seitenlinienorgans, der Spiegelkarpfen mit wenigen unregelmäßig angeordneten Schuppen und der Lederkarpfen mit völlig schuppenfreier Haut unterschieden. Aber auch der, als Zierfisch so beliebt und in Asien teilweise zu Höchstpreisen bis in den sechsstelligen Bereich gehandelte Koi, ist in Wahrheit auch nur - nein, kein Mensch, sondern - ein Karpfen.

Karpfen im Donaubecken / Landesmuseum,
Foto: M. Schaar
Die meiste Zeit verbringen die gierigen Karpfen mit Nahrungssuche. Das wie ein Rüssel nach unten ausstülpbare Maul, dessen Oberlippe zum Ertasten von Futter mit vier Barten versehen ist, verrät, dass er dieses meist am Boden des Gewässers sucht. Er durchwühlt den schlammigen Grund regelrecht nach Nahrung. In der Fischersprache nennt man dieses Verhalten „Grundeln“. Dadurch verwandeln Karpfen jeden Teich in eine eher trübe Suppe, die nicht wirklich zum Baden einlädt.
Als sogenannter Friedfisch ernährt sich der geschätzte Teichbewohner hauptsächlich vegetarisch, aber auch Würmer, Krebstiere, Insektenlarven und sogar kleine Fische können im Maul des gemächlichen Fisches verschwinden.
Wer schon einmal Karpfen gefischt hat weiß, dass es fast nichts gibt, was die beliebten Anglerfische verweigern würden. Als Köder funktionieren, neben Kukuruzkörnern aus der Dose, auch gekochte Erdäpfel, Knödel, Brot sowie Hundefutter und sicher vieles mehr.

BesucherInnen, die schon einmal bei der Fischfütterung im Donaubecken des Landesmuseums zugesehen haben, können bestätigen, dass die Karpfen die mit Abstand gefräßigsten Fische in diesem Aquarium sind. 

Die Tierpflegerinnen haben immer wieder Mühe den anderen Fischen im Becken auch etwas zukommen zu lassen. Selbst die Fischstücke, die eigentlich für Hecht und Welse bestimmt sind, werden von den hungrigen Mäulern der Karpfen blitzschnell eingesaugt.
Donaubecken im Landesmuseum, Foto: M. Schaar
Diese Mäuler erscheinen den BeobachterInnen völlig zahnlos. Jedenfalls hat der Karpfen keine Zähne, die man auf den ersten Blick erkennen würde. Seine Zähne sitzen nicht, wie bei den meisten Tieren, am Kiefer sondern tief im Schlund und können daher von außen nicht gesehen werden. Die sogenannten Schlundzähne kommen bei vielen karpfenartigen Fischen, aber auch bei Barschen vor und können auf Grund ihrer einzigartigen Form zur Bestimmung der Art herangezogen werden. Mit ihnen kann der Karpfen zwar nicht beißen, aber kauen kann er allemal.

Die friedlichen Fische erreichen Größen von bis zu einem Meter und können über 30 kg wiegen. Die Geschlechtsreife setzt mit drei bis vier Jahren ein. Erwachsene Tiere treffen sich während der Laichzeit zwischen Mai und Juni in seichten, pflanzenreichen Gewässerbereichen zur Paarung. Paarungsbereite Milchner, wie männliche Fische genannt werden, tragen einen Laichausschlag, der den Weibchen oder Rognern genannt, ihren Paarungswillen signalisiert. Dieser äußert sich in Form eines körnigen, weißen Belags auf Vorderflossen und Kopf.
Karpfen halten nicht viel von Treue und Monogamie, meist werden die vielen tausenden Eier eines Weibchens gleich von mehreren Männchen besamt. Dabei geht es erstaunlich ruhig zur Sache. Nach vollendetem Liebesspiel trennen sich die Partner und überlassen die Eier ihrem Schicksal. Brutpflege, wie bei vielen anderen Fischen üblich betreibt der Karpfen nicht.


Karpfen, Donaubecken im Landesmuseum,
Foto: A. Giesswein

Stimmen die Bedingungen für die Fortpflanzung nicht, also wenn es keinen geeigneten Laichplätze gibt oder das Wasser zu kalt ist, bildet der Rogner die Eier zurück und es kommt nicht zur Eiablage. Karpfen sind zwar nicht besonders wählerisch was ihren Lebensraum betrifft, aber zur natürlichen Vermehrung kommt es nur bei perfekten Bedingungen. Genau das ist auch der Grund, warum dieser an und für sich recht häufige Fisch, auf der roten Liste gefährdeter Tiere in Niederösterreich als „stark gefährdet“ eingestuft ist. Er wird wohl so schnell nicht aussterben, aber seine Bestände können auf Grund fehlender Laichplätze, vielerorts nur durch künstlichen Besatz erhalten werden. Ein befestigtes Ufer ohne Wasserpflanzen und ins Wasser reichende Wurzeln und Versteckmöglichkeiten ist halt kein geeigneter Platz für kleine Fische. Das sehen wahrscheinlich nicht nur Karpfenmütter so.

Als Speisefisch hat der Karpfen, nicht zuletzt durch die Erhebung des „Waldviertler Karpfens“ zur Genussregion, in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Wer möchte auch einen tausende Kilometer weit gereisten, mit Antibiotika vollgestopften Pangasius aus dem Mekongdelta essen, wenn er einen frischen Karpfen aus dem nahen Waldviertel bekommen kann. Auch die Zubereitungsmöglichkeiten gehen weit über gebackenen Karpfen mit Erdäpfelsalat hinaus und wenn man ihn schröpft, sprich die Haut in regelmäßigen Abständen vor der Zubereitung leicht einschneidet, dann sind auch seine manchmal störenden Gräten kein Problem.

„Wenn Sie also das nächste Mal im Geschäft vor dem Fischregal stehen, entscheiden Sie sich für die gesunde, heimische und umweltschonende Variante, den Karpfen!“

http://www.soschmecktnoe.at/genussregion-waldviertler-karpfen
http://www.waldviertler-karpfen.at/
http://www.genuss-region.at/genussregionen/niederoesterreich/waldviertler-karpfen/index.html
http://www.niederoesterreich.at/portal/?tt=NOE09_R256&id=144517


Text: Mag. Elisabeth Holovsky